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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-21 · Heft 21 (21.5.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 |u . ein der deutschen Juden gedachte. Nach einem Gebet des Geistlichen »tVid die Beisetzung der irdischen Hülle des vortrefflichen Mannes in fr: Eh reu reihe des Friedhofes statt. I 22. Leipzig, 14. Mai. Dem Mitinhaber des Bankhauses H. C. L i a u t in Leipzig, Leutnant d. R. Albert S ch reib e r, Ordonnanz- Ii..s'izier beim Stabe eines Pionierkommandeurs, Ritter des Eisernen euzes, ist der Kgl. Bayerische Militärverdienstorden mit Schwertern Iv .liehen worden. Leutnant Schreiber ist der Sohn des verebenen langjährigen Vorstandsmitgliedes der Leipziger Religions- |unetnbe Rittmeister der Landwehrkavallerie Georg Schreiber. 22 Herbede (Ruhr), 14. Mai. Unter außerordentlich qtreicher Beteiligung von nah und fern fand am 10. d. M. L f dem hiesigen Friedhof die Beisetzung des auf dem Felde i r Ehre gefallenen Leutnants Joseph Rosenbaum statt.? er junge Held hat an zahlreichen Kämpfen auf dem westlichen und k lichen Kriegsschauplatz teilgenommen, war Ritter des Eisernen I euzes zweiter Klasse und für dasjenige er ste r Klasse vorgeschlagen, r iltnant im Gardereserveinfanterieregiment 64 und am 4. Februar! einem Lazarett in Polen den schweren Verletzungen erlegen. Bei > r Beerdigung eröffnete ein Musikkorps den Zug, es folgten Offiziere; ö Beurlaubtenstandes, soweit sie sich in der Heimat befinden, und als ' rtretung des Regiments eine Abordnung des Vezirkskommaudos n'tnnmd, ferner sämtliche Kriegervereine des A m t s v e r b a n d e s erbe de mit ihren Fahnen. Herr Lehrer Andorn aus a tti n gen hielt feil teilt ehemaligen Schüler die von wahrer Dater- : ndsliebe getragene Grabrede, anknüpsend an die Worte des Hallell almes: „ I ch st e r b e nicht, sondern lebe und kündige; c Taten Gotte s." Als er im Abschiedsgruß an den Helden, r hier an der Seite seiner frühvollendeten Mutter den „Todesschlaf •.* Soldat — und brav —" schläft, mit den Worten der Roschhaschanaaftara: Habben jakkir li Ephraim schloß, bemächtigte sich aller ersammelten tiefe Ergriffenheit: vielen standen die Tränen in den ngen. Die dreimalige Ehrensalve, die über dem offenen Grabe nbfeuert wurde, hallte von den sonnigen Bergen des Ruhrtales wider, 'ir aber trennten uns wehmutsvoll, doch innerlich gehoben, von ent Grabe des jungen Helden, der dem jüdischen Namen Ehre gelacht hat. Frankfurt a. M., 14. Mai. Der Haushalt u n g s p l a n er israelitischen Gemeinde verzeichnet an Einnahmen im Ordinarium: auptsynagoge 7100; Synagoge Börneplatz 24 200; Synagoge Königeiner Straße 24 400; Synagoge und Religionsschule Bockeuheim »00; sonstige Gottesdienste 1250; Beerdigungswesen 55 200; rituelle rtriebe 27 450; Ritualbad 3500; Verwaltung und Unterhaltung der emeindegebäude 19 655; Zinsen 40 532; Steuern 610 000; Verschiedenes 160; Etatsausgleich 106 823; Gesamtsumme 921 870. Die Ausaben stellen sich wie folgt: Allgemeine Verwaltung 43 350; Hanptrnagoge 47 986; Synagoge Börneplatz 36 480: Synagoge Königsteiner llraße 50 500; Synagoge und Religionsschule Bockenheim 13 580; ustige Gottesdienste 6700; Pensionen 25 454; Philanthropin 108 000; ospital 162 080; Beerdigungswesen 22 805; rituelle Betriebe 53 280; atnalbad 3240; Verwaltung und Unterhaltung der Gemeindegebäude 7 300; Versicherungen 3000; Verzinsung und Tilgung 249 935; 2tönern 14 000; Religionsunterricht 35 880: Beiträge für allgemeine Quecke 18 300; Ausgaben ohne Titel und Unvorhergesehenes 10 000: Gesamtsumme 921 870. Im Extraordinarium sind als Ausgaben der Neubau des Krankenhauses mit 70 000 und die Anlage eines neuen n'iedhoses mit 236 300 Mark angeführt. L2 Homburg v. d. Höhe, 14. Mai. Der Israelitische oo lz - V e r e in (gegründet 1818) und der Verein zu r Ans-! a t t u n g israelitischer Mädchen bzw. Ausbildung sür einen 7ebensberus (gegründet 1886 von Louis Lehmann s. A.) versenden Hm Rechenschaftsbericht für das Jahr 1914. Das Kriegsjahr 1914 st auch an diesen Vereinen nicht unbemerkt vorubergegangen. kleben der Mindereinnahme an Spenden und den drohenden Kursverlusten beklagen die Vereine in erster Reihe die Verluste an teueren Menschenleben, welche die Kriegssurie ihnen zugefügt. Obgleich die Vereine, dem Beispiel anderer Gemeinden folgend, die Vereinskassen ln vaterländischen Zwecken mit herangezogen haben, brauchten ihre bisherigen Schutzbefohlenen nicht darunter zu leiden. Der Holz-Verein 3ne der Mädchen-Ausstattungsverein konnten auch im verflossenen Jahre ihnen gegenüber nach alter Gewohnheit Verfahren. Die Vereine verdanken dies der Opserwilligkeit ihrer bewährten Freunde, die es ermöglichte, alljährlich Beiträge für außerordentliche Vorkommnisse Zurückzulegen. Noch ist des Krieges kein Ende. Tiefe Dunkelheit bedeckt die Zukunft. Wenn aber das kummervolle Herz nach einem Lichtblick aufschaut, dann zeigt sich ihm in strahlender Helle das Wort „Wohltuen". Halten wir immerdar daran fest, und Balsam wird träufeln auf ungezählte Wunden. Dänemark. 22 Kopenhagen, 14. Mai. Das große jüdische H i l f s w e r t für Palästina ist jetzt in der ganzen Welt organisiert worden. - Die Hilfsaktion in A m e r i k a, die schon im September eingesetzt hatte und sehr erhebliche finanzielle Ergebnisse zu verzeichnen hat, wird auf das energischste fortgesetzt. Sie wird von dem „Amerika n i s ch - Jüdischen Hilfskomitee" geleitet, das sich aus Vertretern des „Provisorischen Exekutivkomitees für zionistische A n g e l e g e n h e i t e n " und des „ A m e r i c an - I e w i sh - C o m m i t t e e" zusammensetzt. In Europa erfolgt die Organisation der Hilfsaktion durch die „Zentralstelle der I ü d i s ch e n Palästina-Hilfsaktion, K o p e n h a g e n, V e st e r g a d e 1 In fast allen Ländern beteiligen sich Juden aller Parteirichtungen in gleicher Weise am Hilfswerk. Die gesammelten Gelder werden sowohl von New Port wie von Kopenhagen aus durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel, I r. M o r g e n t h a u, au das Verteilungskomitee in Palästina überwiesen. — Geldsendungen sind an die Z e n t r a l st e l l e der Jüdischen P a l a st i n a - H i l f s - aktion, Kopenhagen, Vestergade 1, zu adressieren oder an die D a n s k e L a n d m a n d s b a n k, Filiale V e st e r b r o , Kopenhagen ans das Konto „Jüdische Palästina-Hilfsaktion, Zentralstelle Kopenhagen" zu überweisen. Türkei. Jerusalem. Woran beim Ausbruch des Weltkrieges kein Mensch gedacht hat, das ist Wirklichkeit geworden. Jerusalem ist zum Hauptquartier des Türkenheeres geworden, das von Palästina aus Aegypten dem türkischen Reiche wiedererobern soll. Von allen Seiten, so schreiben die „Basler Nachrichten" nach einem Bericht von Pastor Schneller in: „Bote ans Zion", sind die türkischen Truppen in und vor Jerusalem eingetroffen. Die deutsche Bagdadbahn hat dem langgestreckten türkischen Reich mit einem Schlage das gegeben, was ihm so lange gefehlt hat; ein Rückgrat, einen Schienenstrang von einem Ende bis zum anderen, und damit eine rasche Verbindung zwischen seinen weit auseinanderliegenden Gebieten, die sich vom Persischen Golf und Bab el Mandeb am Roten Meer bis zum Goldenen Horn erstrecken. Zum erstenmal war es daher möglich, bei einem Mobilmachungsbefehl die Truppen ans allen Teilen des Reiches verhältnismäßig schnell zusammenzubringen. Die Mannschaften aus dem Norden Kleinasiens werden wohl namentlich gegen Rußland, die mesopotamischen nach Persien marschiert sein. So blieben die Truppen des südlichen Kleinasiens, Syriens und Palästinas für den Kriegszug nach Aegypten übrig. Für diese ist Jerusalem zum Hauptquartier gemacht worden. Die Beduinen der Wüste, von denen in den Zeitungen vielfach die Rede ist, sind keine ausgebildeten Soldaten. Sie erkennen auch die Oberhoheit des Sultans nur in sehr bedingtem Maße oder gar nicht an. Sie kommen also für die von Jerusalem aus geleiteten Truppenbewegungen vorläufig kaum in Betracht. Jedenfalls werden sie nicht in Jerusalem gesammelt, sondern könnten nur in der Wüste östlich vom Snezkanal zu den staatlichen Truppen stoßen. Schon im September begannen sich die Truppen bei Jerusalem zu sammeln. Große Zeltlager umgaben die Stadt. Da, wo einst die römischen Legionen und die Kreuzfahrer die Stadt belagerten, weht über zahllosen Zelten die Fahne des Halbmondes. Jerusalem bietet heute ein so kriegerisches Bild, wie wohl seit vielen Jahrhunderten nicht mehr. Bus dem alten Tempelplatz Israels finden kriegerische Volksversammlungen statt. Die Stadt wimmelt von Soldaten der verschiedensten Truppengattungen und Völkerschaften; Türken, Tscherkessen, Kurden, Araber. Dazwischen bewegen sich die strammen, kraftvollen Gestalten der deutschen Offiziere, die nach dem Balkankriege der türkischen Regierung zur Reorganisation ihres Heeres überlassen worden sind. Nach dein großen Zusammenbruch des türkischen Heeres im Balkaukriege ist man erstaunt über das Maß von Regsamkeit und zielbewußter Tatkraft, das dabei zutage tritt. Natürlich sind die in Jerusalem zusammengeströmten Truppen nicht dort geblieben. Schar um Schar ist auf den weiter nach Aegypten

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