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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-21 · Heft 21 (21.5.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 diesen sind die Hörer Alfred Salomon und Dr. Siegfried Schemel auf dem Felde der Ehre gefallen. Gleich nach Ausbruch des Krieges stellte das Kuratorium dem Berliner Magistrat einen Teil der Räume der Lehranstalt für vaterländische Zwecke zur Verfügung. Mit Unterstützung des Magistrats ist dort von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge ein Kriegskinder garten eingerichtet worden, in welchem durchschnittlich hundert Kinder Aufenthalt und Fürsorge gefunden haben. Der Kindergarten blieb den Winter über in den Räumen der Lehranstalt, und wir müssen es dem Kuratorium als Verdienst anrechnen, daß er durch seine Maßnahme so viel Segen stiftete. Wenn auch gewiß mit mancher Einschränkung, hat sich dennoch der Betrieb der Lehranstalt im großen und ganzen Ziemlich ruhig und regelmäßig abwickeln können. Wohl ist die Zahl der ordentlichen Hörer um fast NO Prozent — von 55 auf 32 — zurückgegangen; aber die da waren, besuchten die Vorlesungen und Uebungen, arbeiteten in den Bibliotheksräumen und steuerten mit Eifer ihrem Ziele zu. In mancher Hinsicht machte sich sogar eine intensivere Tätigkeit bemerkbar: der Ernst der Zeit löste ein gesteigertes Bedürfnis nach geistiger Beschäftigung ans. Dies kam besonders zum Vorschein in den von der Lehranstalt veranstalteten Montagsvorlesungen, die noch nie so stark besucht waren und noch nie so reges Jnterefle fanden wie im verflossenen Winter. Aus der letztsährigen Geschichte der Lehranstalt sei noch die zum Andenken an den verstorbenen Kuratoriumsvorsitzenden, Geheimen Justizrat Dr. Herman Veit Simon veranstaltete Trauerfeier erwähnt, die am 21. Februar unter außerordentlich starker Beteiligung in der Aula der Lehranstalt'stattfand. Als Redner fungierten die Herren Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Eohen und Dozent Dr. I. Elbogen. Die beiden Reden, die in überaus treffender Weise eine Eharakteristik des Vorstorbenen gaben, wurden dem Jahresbericht als Beilage angefügt. 2/D Berlin, 18. Mai. Auf Anregung der ..Allgemeinen I ü d i s ch e n K o l o n i s a t i o n s - O r a a n i s a t i o n (A. I. K. O.) in Berlin hat sich vor einiger Zeit, im Einvernehmen mit dem interkonfessionellen ..Deutschen Komitee f ü r Sa m ml u n g e n z u g u n st e n des Roten Halbmond s" und im Anschluß an dasselbe ein jüdisches Hilfskomitee „Roter Halbmond" gebildet. Das Komitee, welches aus den Vertretern aller größeren Synagogengemeinden Deutschlands besteht, unternahm es, im Kreise der deutschen Juden für den Roten Halbmond zu werben. An der Spitze des Komitees stehen Kommerzienrat Gerkon Simon- Berlin als Vorsitzender, Dr. Alfred N o s s i g als Leiter des Geschäftsführenden Ausschusses und Bankier Alois A. F. M a r c u s als Schatzmeister. Binnen kurzer Zeit sind bei der Zahlstelle des Komitees, dem Bankhaus Veit, Selberg u. Eie., Berlin W 8, über 100 000 Mark eingegangen. Bemerkenswert ist, daß selbst sehr kleine Gemeinden an dieser. Sammlung sich beteiligt haben. 313 Shnagogengemeinden haben aus ihren Gemeindefonds Beiträge bewilligt, in 188 Gemeinden wurden Privatsammlungen durchgeführt. Ileberdies haben aus Grund des Aufrufs des Komitees zahlreiche Personen ihre Beiträge den Kaiserlich Türkischen Konsuln in verschiedenen Städten direkt zukommen lassen. Die Verwendung des aufgebrachten Fonds für die Zwecke des Roten Halbmonds hat sich das Komitee Vorbehalten. Der Ausweis über die einzelnen Beträge wird im Publikationsorgan der A. I. K. O. „Der Orient" erfolgen. Weitere Spenden werden von der genannten Zahlstelle (Postscheckkonto Berlin Nr. 4396) entgegengenommen. §2 Berlin, 18. Mai. Der Verein f ü r A r b e i t s n a ch weis E. V. (Monbijouplatz 10) schreibt uns: In den beiden Monaten März und April war erfreulicherweise ein merklicher Aufschwung in der Nachfrage nach Personal erkennbar. Die männlichen Stellungsuchenden, die sich ernstlich um Arbeit benmhten, konnten in geeigneter Weise untergebracht werden. Nach Stenotypistinnen, Kontoristinnen und vor allem nach Buchhalterinnen herrscht nach wie vor eine rege Nachfrage. Ungelernte Arbeiterinnen, wie Näherinnen und dergleichen, sowie einfaches Lagerpersonal sind infolge der Einschränkung der Arbeiten für den Heeresbedarf weniger verlangt worden. Hausdiener, Radfahrer itnb andere ungelernte Arbeiter erzielen infolge des großen Mangels an jungen, kräftigen Arbeitern höhere Löhne als sonst. Es konnten 160 männlichen imb 219 weiblichen Personen Stellungen nachgewiesen werden. Während der Betrieb in der Schreibstube einige Zeitlang reger zu werden schien, ist jetzt wieder größere Ruhe eingetreten. Es wäre sehr zu wünschen, wenn diese Abteilung unseres Vereins mit der Ausführung von schriftlichen 2h beiten aller Art betraut werden würde; vor allem sind Aufträge fü Adressenschreiben sehr erwünscht, um älteren, durch den Krieg um ihr Existenz gebrachten Kaufleuten und bedauernswerten Flüchtlingen zu Brr und Verdienst zu verhelfen. R. H. Berrtherr O./S., 14. Mai. Eine schlichte, aber erhebend. Feier fand jüngst auf dem Friedhofe unserer Gemeinde statt. E galt die Weihe zw geben dem Denkstein, der über der Grabstätte eine Sohnes unserer Gemeinde errichtet worden ist, des im Vergangenei Jahre verstorbenen und hier beigesetzten Kulmer Rabbi ner> Dr. M o r i tz G n t t m a n n. Zn dieser Feier hatten sich die Ander wandten und Freunde des Verklärten eingefunden, unter ihnen einig Amtsbrüder aus der Stadt imb der Umgegend. Der Ortsrabbine Dr. K o p f st e i n hielt eine ergreifende Ansprache, in welcher er nute: Anlehnung an 2. B. K. 23, 17 die Verdienste des Hingeschiedenei Kollegen pries, der, der Sproß einer in der. Gemeinde und darübehinaus hochangesehenen Familie, als wahrer Gottesmann auf Erder gewandelt und so seiner ihrn treu anhangenden Gemeinde wie bn Schar seiner Freunde und Verehrer znm Muster und Vorbild ge worden sei. Nachdem das El-mol-rachamim-Gebet gesprochen war verweilten die Anwesenden in wehmütigem Gedenken an dem Grabe und besichtigten das Denkmal, das, einfach und doch schön gehalten, auf beiden Seiten eine Inschrift trägt, die von unverwandter Seite in Liebe und Treue gefertigt worden ist. M. Hamburg, 14. Mai. Herr G e m e i n d e v o r st e h e r Abraham Lewandowsky, Inhaber des Bankhauses A. Le wandowskh, ist au einem Herzschlage gestorben. Der Verblichene war im Jahre 1848 in Halle a. S. geboren, wo sein Vater als Kultusbeamter fungierte. In jungen Jahren kam er nach Hamburg, widmete sich hier dem Bankfach und verstand es, sich durch Fleiß und Energie eine ganz hervorragende Stellung an der Hamburger Börse zu erringen. Er gehörte unter anderem auch dem Börsenvorstand an und genoß in den Kreisen der Finanzwelt außerordentliche Hochachtung. Tie „Hamburgische Börsenhalle" schreibt unter anderem: „Es läßt sich wohl kein Verlust denken, der die Hamburger Börse schwerer treffen konnte als der Tod Abraham Lewandowskys. Auch in unserer Gemeinde hinterläßt sein so Plötzliches Hinscheiden eine schwer ausfüllbare Lücke. Er bekleidete viele Ehrenämter, gehörte unter anderem dem Gemeindevorstand an, ivar Präses der Talmud-Thora-Realschule, des Waisenhauses und wirkte in vielen anderen Positionen, unter anderem auch im Hilfsverein der deutschen Juden, segensvoll. Unter den Leidtragenden, die sich zur Trauerfeier im Sterbehause eingefunden hatten, war namentlich die Handels- und Finanzwelt zahlreich vertreten: -außer den Mitgliedern des Börsenvorstandes waren die Inhaber unserer ersten Bankhäuser erschienen. Der Gemeindepräses Herr Levin Lion und sämtliche Vorsteher sowie auch Herr Syndikus Dr.N. M. N a t h -a n und die Beamten ivaren erschienen Fast sämtliche Gernemdeinstitntionen hatten Abordnungen zur Feier entsandt. Auch von auswärts waren viele Freunde herbeigeeilt: wir bemerkten unter anderen Herrn Geheimen Negierungsrat Professor Dr. Hermann C o h e n. Der Sarg war mit kostbaren Kränzen vollständig bedeckt; die Zahl der oingelanfenen Blumenspenden war so groß, daß auch die Rasenplätze im Garten damit belegt waren. Nachdem sich die nächsten Anverwandten um den Sarg geschart hatten, wurde die Feier mit der Kavatine von Beethoven eingeleitet, dann ergriff Herr Rabbiner Dr. Leimd ö r f e r das Wort zur Gedenkrede. In ergreifender Weise schilderte der Geistliche den Lebensweg des Verblichenen, der gleich dem Patriarchen Abraham ein Segen für seine Familie, seine Gemeinde und seine Vaterstadt war. Ein Vater der Armen, der Witwen und Waisen ist dahingegangen, dessen Andenken in allen Kreisen ein unvergeßliches sein ward. Unter den Klängen eines Chorals wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben, dicht hinter dem Sarge folgten Schüler der Talmud-Thora-Realschule und Zöglinge des Waisenhauses. Der große Leichenzug, dem sich mehr als 80 Folgelvagen anschlossen, bewegte sich nach dem Ohlsdorfer Friedhof. In der Friedhofskapelle widmete Herr Gemeindevorsteher Dr. Mar E oh en dem Verblichenen herzliche Worte des Nachrufes, er gedachte namentlich seiner mehr als dreißigjährigen Tätigkeit in der Verwaltung des Waisenhauses und seiner überaus segensvollen Wirksamkeit im Schulwesen der Gemeinde. Den Dank der Steinthal-Loae sprach der Präsident, Herr Dr. med. Storch, aus, während Herr Paul L a s k a r der segensreichen Tätigkeit des Verewigten im Hilfs-

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