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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-21 · Heft 21 (21.5.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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9. Jahrgang Nr. 21 Berlin, 21. Mai 191$ Der Gemeindebote. 35 t fingt zur „Allgemeinen Leitung dcü Judentums". Korrrkpondrnsrn und Aschnchten. Srutschiand. E. R. Berlin, 16. Mai. Die heutige Sitzung der Reprüsen - anten - V e r s a m m l u n g eröfsnete der Vorsitzende, Herr Direkor Dr. M i n d e n, mit der Mitteilung, daß der Repräsentant Herr :mtl* Pinc n s seinen 60. Geburtstag gefeiert, und daß er ihm im -amen der Versammlung herzlichste Glückwünsche übermittelt habe. — ie Versammlung beschließt sodann die Annahme folgender uwendungen: Herr Professor Dr. R i ch a r d M e her , at letztwillig der jüdischen Gemeinde für ihre Armenpflege! r«)0 Mark ausgesetzt, Herr Bankdirektor Siegmund Mosevius zu > iner Zimmerstiftung für die Altersversorgungsanstalt in der Schön- - auser Allee eine Summe, loetche zloi scheu 15 000 bis 18 000 Mark! ywankt, Herr Max Knopf 12000 Mark zur Errichtung einer! chmuerstiftuug in der Altersversorgungsanstalt Exerzierstraße, Herr! . entier Gabriel N o s e n t h a l 3000 Mark mit der Verpflichtung, fein! irab und das Grab seiner verstorbenen Ehefrau in dauernde Pflege! u nehmen, Herr Rentier Philipp W o l f f r e i n 15 000 Mark zur , »räberpflege, 2000 Mark für die Armenkommission und 1000 Mark! ir die Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde, Herr Ben-! a m in B o r ck 20 000 Mark zur Begründung einer Benjamin-Borck-! tiftung für die Hinterbliebenen jüdischer Feldzugsteilnehmer aus Groß-! .'erlin (Der Referent, Herr Benas L e v y, rühmt die Hochherzigkeit es Stifters), Herr Kommerzienrat Siegmund Borchardt für die lltersversorgungsanstalt 5000 Mark, für die Armenkommissiou 50OO Aark, für das Reichenheimsche Waisenhaus 1000 Mark, Frau Rcniere Jenny Meyer geb. Magnus 3050 Mark zu Gräberpflegeinecken. — Eingegangen ist eine Interpellation von Mitgliedern der j 'Versammlung betr. das Konzert in der Synagoge Fasanenstraße. Herr j Direktor Dr. Minden erklärt, wenn auch nicht alle Mitglieder die; Petition unterzeichnet hätten, so sei doch eine allgemeine lieberem-! ümmung vorhanden; er bitte, den Tatbestand ausführlich, darzuj tellen. Das Wort ergreift hierzu Herr Justizrat Dr. Cohn: „Am >!5. April hat in der Synagoge Fasanenstraße ein Konzert stattefunden. Ueber die Frage, ob die Synagoge ein geeigneter Platz ierfür sei, kann man verschiedener Ansicht sein. Bisher habe man * für gut befunden, die Synagoge nur in ganz besonderen Fällen 1 ir nichtgottesdienstliche Zwecke herzugeben; eine Beschwerde dagegen! ei nie erhoben worden. Die letzte Veranstaltung war patriotischer! latur. Es kann mit Freuden konstatiert werden, daß die Summe! wn 3300 Mark abgeliefert werden konnte. Die Freude wurde aber 'urch einen bedauerlichen Mißklang getrübt. Frau Wangel, welche hre schauspielerische Tätigkeit aufgegeben und sich der Heilsarmee mgeschlossen hat, sollte einige Stellen aus der Bibel zur Berufung bringen. Sie benutzte die Gelegenheit, Dinge zu sagen, die in ein jüdisches Gotteshaus nicht passen. Aufgefordert waren vor ihr Frau Irene Triesch und Frau Durieur. Es hieß, beide Hütten abzelehnt, was aber nicht der Fall war. Freilich nach der Veröffentlichung des Programms lvar der Gemeindevorstand n einer außerordentlich peinlichen Lage. Wir haben zum Demeindevorstaud das vollste Vertrauen, sind aber als Repräsentanten berechtigt und verpflichtet, die Angelegenheit i öffentlich zur Sprache zu bringen." Von seiten des Vorstandes erj klärt Herr Kommerzienrat Ei s ne r : „In der Sitzung vorn 23. März 1 hatte der Vorstand beschlossen, daß der Chor der Synagoge Fasanen-! ilraße bei dem Konzert Mitwirken, und in der Sitzung vom 1. April, : daß Frau Irene Triesch aufgefordert werden sollte, Stellen aus der! Bibel vorzulesen. Am 15. April waren indes Plakate angebracht, daß Frau Hedwig Wang-el Mitwirken werde. Der Vorstand reklamierte gegen die Mitwirkung dieser Dame. Der Dirigent! nulte aber mit, daß dem ernste Bedenken gegenüberstehen. Nach! Am Konzert stellte sich heraus, daß Frau Triesch und Frau Durieur! üar nicht aufgefordert worden sind, sie hatten sonst nicht abgelehnt. Am! 18. April hat sich das Vorstandsmitglied der Synagoge Fasanenj skraße, Herr Benas Levy, bemüht, die Aufforderung der > Frau Mangel rückgängig zu machen. Da ihm das nicht möglich wurde, so hat er sich genötigt gesehen, sein Amt nieder- Zltlegen. Wir bedauern das unendlich, auch, daß der Gemeinde- Vorstand den untergeordneten Stellen eine zu große Machtbefugnis eingerüumt hat. Es soll alles geschehen, um Remedur zu schaffen." Herr Professor Blaschke: „Ich bin dem Gemeiudevorstand für die eingehende Untersuchung dankbar. Wir haben das volle Vertrauen, daß der Vorstand den besten Weg zur Beruhigung der Gemüter eiuschlagen wird. Dieser bedauerliche Vorfall hat bei alten Anwesenden Uiuvillen und Aerger erregt. Nach diesen Ausführungen wird aber jeder erkennen, daß das ein Ucberfall ans dem Hinterhalt gewesen. Frau Wangel ist bei ihrem Angriff planmäßig vorgegangen. Herr Benas Levy hat sich eifrig bemüht, ihre Mitwirkung zu verhindern, leider ohne Erfolg. Wer die Tätigkeit des Herrn Levy kennt, dem die Synagoge Fasanenstraße ein zweites Heim geworden, muß sein Ausscheiden aus dem Vorstand innig bedauern." Herr Direktor Dr. Minden dankt «der Versammlung dafür, daß die Verhandlung ohne Streit geführt worden ist. „Wir wollen" - führt er aus - - ,, alles vermeiden, was religiöse Zwietracht Hervorrufen kann. Wir sind stolz darauf, daß die jüdischen Krieger ihr Blut für das Vaterland vergießen. Wir freuen uns, daß christliche Gotteshäuser unseren Feldpredigern zur Abhaltung jüdischer Gottesdienste überlassen werden. Herr Benas Levy ist ganz schuldlos, er glaubte sein Amt niederlegen zu müssen, er wird schmerzlich vermißt werden; wir hoffen aber, daß er der Synagoge in der Fasanenstraße nicht für immer entzogen wird." - Ein Antrag, die Bestimmungen betr. die Weiterzahlung der Gehälter an die zur Fahne einberufenen oder an sich freiwillig zum Heeresdienst stellenden Angestellten der Gemeinde auch auf die Chordirigenten, Organisten, Hilfsdirigenten und Hilfsorganisten zu erstrecken, wird angenommen. Den hauptamtlich bei der Gemeinde tätigen Angestellten, deren Einkommen aus ihrer Hauptstellung 24 00 Mark nicht übersteigt, mit Ausnahme der zum Heeresdienst Einberufenen und derjenigen, die freie Station haben, wird eine Teuerungszulage von 10 Mark monatlich für die Verheirateten und von 5 Mark monatlich für die Ledigen für die Dauer des Krieges gewährt. — Für das Krankenhaus werden für die Monate Mai und Juni 1915 je 17 512,50 Mark vorbehaltlich späterer definitiver Feststellung bei der Aufstellung des Etats für das Jahr 1915 als Gemeindezuschuß bewilligt. Für Grundstücksunkosten Auguststraße 11/17 im Jahre 1915/16 wird ein Betrag von 2000 Mark aus dem Fonds für unvorhergesehene Ausgaben bewilligt. Die Kosten für Stellung eines besonderen Pflegers bei Patienten der ersten Klasse des Krankenhauses werden von 8 Mark auf 7,50 Mark pro Tag herabgesetzt. Zur Bestreitung der durch die Trauerfeier für den verewigten Herrn Julius Jacoby entstandenen Kosten werden nachträglich 1519,16 Mark bewilligt, desgl. 2317,35 Mark für die Trauerfeier des Herrn Louis Sachs. Es folgen noch einige geringe Forderungen von Ausgaben, die durch die Vermietung der Plätze entstehen, und für Reparaturen, die ohne Debatte bewilligt werden. — In das Kuratorium des II. Waisenhauses wurde Herr G a r b a t y - R o s e n t h a l in Pankow gewühlt. £2 Berlin, 18. Mai. Am 29. v. M. fand die G e n e r a l v e r - s a m m lang der L e h r a n st a l t f ü r d i e W i s s e n s ch a f t des Judentums statt. Nach Erstattung des Verwaltungsberichts und Entgegennahme des Berichts der Revisoren, denen Entlastung erteilt wurde, fanden die Ersatzwahlen für die statutengemäß ausscheidenden Mitglieder des Kuratoriums statt. Die Herren Max W e i ß, Siegfried Brün n und Geheimrat Ladung Geiger wurden einstimmig wiedergewählt. Ferner wurde die durch Kooptation erfolgte Wahl des Herrn Assessor a. D. Dr. Eduard Sachs bestätigt und die Wahl des Herrn Direktor Oskar W a s s e r m a n n neu vorgenommen. Mit warmen Worten gedachte der Leiter der Versammlung, Herr Geheimrat Mosse, des Heimgegangenen Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Geheimen Justizrat Dr. Herman Veit S i m o n. Seinem Anträge gemäß verlieh die Versammlung dem Verstorbenen die immerwährende Ehrenmitgliedschaft. In dem Jahresbericht wird auf die ernste Zeit, in der wir leben, Bezug genommen, und die auch für die Lehranstalt von nicht geringen Folgen war. Abgesehen davon, daß die Lehranstalt finanziell sehr stark zu leiden hatte, ist sie auch dadurch nr ^Mitleidenschaft gezogen^ worden, daß^ ein ^erhebliches Teil ihrer HöFnr'der"Einberufung zum Militärdienst Folge'leistete.'"" Von

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