Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1915)
- Date
- 1915-05-21
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
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249 ax Glauben und lehrt Ausharren und Vertrauen auf den Sieg und if die Zukunft. Die Kriegs gedichtet) sind - „dem deutschen Ostheere und seinem nialen Führer" gewidmet. Die Hoffnung, die in dem Ein- ( tungsgedicht zum Ausdruck gebracht wird, daß der Krieg auch das oße Judenelend enden möge, ist gewiß jehr schön, leider vermögen i r sie in vollem Umfange nicht zu teilen. Der Verfasser schildert i seinen übrigen Versen die furchtbaren Leiden, die die Juden, i inentlich die Frauen, von den rohen Kosaken zu erdulden haben, > ner die Unmenschlichkeit, mit der tapfere jüdische Krieger von den n assen behandelt werden. Die Gesinnung des Verfassers ist trefflich, der ist sein Ausdrucksvermögen nicht immer deutsch genug, er lv stet gar zu sehr am Konventionellen und wird leicht banal. Die Redens, die von dem Zentralverein herausgegeben werden, i! d von echtestem und schönstem Patriotismus erfüllt. Siegesy oersicht, das Vertrauen aus die gerechte Sache, die wir verteidigen, "Zechen sich darin inwohltuender Weise aus. Auch die Hoffnung, e ß die Angelegenheiten der Juden nach einem siegreichen Kriege sich k iser gestalten, wird lebhaft und anmutig besprochen. Man müßte Reden, von denen ich die des Herrn laugen Fuchs für die wirkji uste und bedeutendste halte, ganz ausschreiben, weil kein Auszug i! stände ist, ein vollkommenes Bild der Ansprachen zu gewähren, r l uns dazu leider der Platz mangelt, möge der Schluß der Fuchsig en Rede hier stehen, zur Charakteristik des Geistes, der dem ganzen!! ichlein inne wohnt. Er lautet: „Der Krieg hat uns gelehrt, die n seriellen Güter des Lebens und das Leben selbst gering zu schätzen, u ) zu fühlen als das sterbliche und vergängliche Glied eines unvernglichen Ganzen, hat uns gelehrt, diesem zu dienen, damit das e uze blüht. Ewig und unvergänglich sind und sollen nur sein die .tion und die Glaubensgemeinschaft, in die uns das Geschick ges llt. Halten wir aus, von diesem Gedanken erfüllt, halten wir in eite fest, das wird für uns die größte Erhebung sein. Das Ganze u rd blühen. Wenn wir der Glaubensgemeinschaft treu sind, werden n x am besten dem Vaterlande dienen. Lassen Sie sich durch die £ ster, die wir leider bringen müssen, nicht Niederdrücken, und lassen c e sich erheben durch die herrlichen Worte Rosners: „Brüder, was da kommt, gilt gleich, Leben oder Sterben, Aber blühen muß das Reich, uns und unseren Erben." Wenn es ein Land gibt, um das es sich lohnt zu leiden, so ist es i ser Vaterland. „Deutschland, Deutschland über alles, Ueber alles in der Welt!" Herr Jelski, als geschmackvoller und wirksamer Redner bekannt, i r 16 seiner Predigten*) in einem Buche vereinigt, das Herrn idolf Mosse gewidmet ist. Fünf davon gehören, streng genommen, i ijt zum Krieg, denn eine ist der Jahrhundertfeier der Völkerschlacht; Leipzig gewidmet, die anderen vier dienen mehr der Charakteristik!* ner Auffassungsweise und der Erinnerung an bedeutende Ver- >' rbene. Es sind Ansprachen zur Einseguungsfeier und an die 1 nfirmierten und Gedenkreden auf Sigismund Stern und Moritz > nun. Die 12 anderen begleiten den Krieg in seinen verschiedenen 1 ,asen vom 2. August 1914 bis zum Frühling dieses Jahres. Nicht c oa, daß sie bei einzelnen Kriegsereignissen und Schlachten veru ilcn; sie suchen vielmehr die allgemeinen Gedanken aus den Erl -nisten herauszuheben, die innerliche Läuterung und Befreiung rzulegen und die hohe Stimmung zum Ausdruck zu bringen, die >-s den gewaltigen Ereignissen entspringt. Es sind die Bekenntl-'sse eines freien, gereisten, edeldenkenden, patriotisch fühlenden Darmes, der es in sehr schöner Weise versteht, jüdisches und itsches patriotisches Bewußtsein zu vereinigen. Es sind teils Reden ' den hohen Feiertagen, teils Sonntagspredigten, die an Worte und -) Israel im Kriege. Kriegsgedichte von Jacob Diamant. Frankfurt ' i Alain 1915. Verlag Gebrüder Knauer. h Kriegsvorträge, gehalten im Zentralverein Deutscher Staatsbürger " oischen Glaubens von Justizrat Dr. Horwitz, Geh. Justizrat Dr. Fuchs, - mdikus Dr. Holländer in Berlin und Rabbiner Dr. Werner, München. ckag des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. - rlin SW, Lindenstraße 13. 4) Aus großer Zeit. Predigten, gehalten im Gotteshause der Jüdischen < formgemeinde in Berlin von Dr. Jelski, Prediger der Gemeinde. Berlin, n'l5. Verlag von Louis Lamm. Gedanken eines Thoraabschnittes anknüpfen. Obgleich sie in dek Resormgemeinde gehalten und die Gesinnungen verkünden, die in dieser Gemeinschaft gepflegt werden, enthalten sie durchaus nichts, was die, die jenen Bestrebungen fernstehen, etwa verletzen könnte, sondern sind derart gehalten, daß sie ein jeder mit Erbauung lesen kann. Der Prediger führt seine Gemeinde aus den Niederungen des Lebens zur Höhe der Anschauung und Erkenntnis; er ist eilt Geistlicher, der ohne hohes Pathos durch schlichtes Wort zur Vertiefung und zur Verinnerlichung anzuregen versteht. Mitten in den Krieg versetzt uns die letzte Schrift?) Es sind gegen 60 Briefe von August 1914 bis Januar 1915, wirklich aus dem Felde geschrieben, von jüdischen Soldaten an Angehörige und Freunde. Das Konservative und Zionistische tritt in ihnen etwas stark hervor — Wolfsohns Tod wird an mehreren Stellen hervorgehoben — das jüdische Bewußtsein wird lebhaft ausgedrückt. Biele der Briefschreiber sind sehr fromm: sie melden von Beten, Beobachtung religiöser Vorschriften, Teilnahme am Gottesdienst: Neujahr, Versöhnungstag, Hüttenfest, sie berichten von schlichten Chanukaseiern. Auch von drei Feldpredigern: Baeck, Baerivald, Chone werden Stücke mitgeteilt. Die Sammlung ist höchst vielseitig: sie gibt Schlachtenbilder, erzählt tapfere Taten, mehrmals von der Verleihung des Eisernen Kreuzes, auch erster Klasse, entwirft grausige, herzzerreißende Bilder. Daneben liebliche Idyllen. Die Briefschreiber führen uns nach Belgien, Frankreich, Polen, Rußland, Serbien. Jüdische Zustände und Persönlichkeiten werden mit ersichtlicher Vorliebe, aber ohne Schönfärberei vorgesührt. Klagen über schlechtes Wetter und mangelhafte Ernährung kommen gelegentlich vor, niemals aber der Ausdruck von Mutlosigkeit; vielmehr bricht oft genug die Hoffnung auf einen glücklichen Erfolg, das Bewußtsein der gerechten Sache, die Ueberzeugung von der heiligen, gern geübten Pflicht, die starke, glühende Vaterlandsliebe hervor. Schriftstellerischen Wert beanspruchen die wenigsten dieser nicht zur Veröffentlichung bestimmten Schriftstücke, aber manche sind sehr schön und werden nicht verfehlen, auf die Leser denselben frischen und erfreuenden Eindruck zu inachen, den sie sicher bei den Empfängern hervorgerufen haben. Als Motto des Ganzen könnte man die Stelle bezeichnen (S. 43): „Weißt du, ich sehe auch daran, daß dieser Krieg, unfaßbar noch in Dimensionen und Weiterwirkung, das eine Große, Schöne, uns, der Jugend aller Nationen, uns Juden in erster Linie, gebracht hat, daß wir wieder den Sinn von activitas erfassen, und was lebendiges Erleben ist. Glaub' mir, trotz aller Mühsal und Widerwärtigkeiten habe ich oft gerufen: „Es ist eine Lust zu leben!" Auch zwei andere Stellen sind beherzigenswert und verdienen mitgeteilt zu werden. Die eine (S. 124) lautet: „Mit Freude können wir konstatieren, daß das Makkabäerblut noch in unseren Adern rollt, und bis zum letzten Atemzuge wird ein jeder feine Pflicht und Schuldigkeit tun und kämpfen. Wenn auch mancher von uns nicht mehr wiederkehren wird, so ist das Blut in diesem Kriege auch für uns nicht ttmsonst geflossen, und der Geist wird neu auferstehen. Ich selbst freue mich, Mitteilen zu können, daß ich schon fest im Feuer gestanden habe, und sollte es Gottes Wille sein, daß ich falle, so habe ich nur den Wunsch, so lange Mitkämpfer: zu können, bis die allerletzte Schlacht in diesem Kriege vorüber ist." Und endlich (S. 128 ff.): „So wird uns Juden endlich Gerechtigkeit widerfahren, und wir sollten nichts scheuen, keine Strapaze und kein Opfer, utn dieses Ziel in würdiger Weise zu erreichen. Ich bin unendlich stolz, mitkämpfen zu dürfen für das geliebte, bewunderungswürdige Vaterland, und weiß zu jeder Stunde, daß eine besondere Verantwortung auf jedem Juden ruht, immer und immer wieder zu zeigen, daß man bereit ist, sein Leben für die deutsche Sache hinzugeben, um dadurch die Gleichwertigkeit des Juden in seiner Liebe für das Vaterland zu beweisen." Schon solcher Stellen wegen verdient unser Büchlein die wärmste Empfehlung. Der Geist, der in ihm lebt, ist ein echt deutscher und ivahrhaft jüdischer. Und diese Gesinnungen werden von Jünglingen ausgesprochen, die, ihrem Berufe entzogen, Strapazen erdulden, Heroismus beweisen, bei allen Mühseligkeiten und schweren Leiden die Liebe zunr Vaterlande und zum Glauben stärken und kräftigen. Die hübsche Veröffentlichung ist der allerweitesten Verbreitung wert. 5) Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden. Heransgegebcn von Eugen Tannenbaum. Neuer Verlag. Berlin 1915.