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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-21 · Heft 21 (21.5.1915) · p. Seite 248

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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„Und es seien die Hölzer, »vorauf du geschrieben, in deiner H and vor ihren Auge n." (37, 20) Bjod'cho l'enehem! Das ist das Anschauungsprinzip der Prophetie. Dabei ist zu bemerken, daß die Handlung nicht immer wirklich ausgeführt wird. Jer. 25, 15—17. Jeremia soll auf des Ewigen Geheiß allen Völkern den Taumelbecher reichen: „Und ich nahm den Becher und ließ alle Völker trinken" nsw. Ließ Jeremia vielleicht »virklich trinken? Hat Ezechiel 2, 9f., 3 ff. vielleicht wirklich auf des Ewigen Geheiß die Buchrolle verschlungen, die auf beiden Seiten beschrieben »var und Klagen und Seufzer enthielt? Durch die Erzähl u n g der vollzogenen Handlung wird die Intensität des Vorstellens weit mehr gesteigert, als wenn >vir mit unserem „gleichivie" dies Geschehen in die Ferne der Unwirklichkeit rücken. Die lebendige Vorstellung einer Handlung soll die Handlung ersetzen. Man traut dem Propheten doch etwas viel zu, wenn man annimmt, daß er jede Handlung »virklich ausführen »nutzte. Pvlz (a. a. O. 325) ist allerdings der Meinung, daß Jahwe den Hosca zum Propheten beruft, „indem er ih»»r befiehlt, ein Weib, das sich mit Buhlerei abgegeben hat, zu ehelichen; der Prophet vermittelt damit eine Offenbarung Jahives ans Volk, denn »vci»n dieses ihn verivundert fragt, waruin er ein Dirne nehme, soll er antlvorten: Sana tisnch haarez »neachare jahwe d h. „in de»»» Weibe des Propheten soll das Land einen lebendigen Spiegel vor sich haben". S. 327: „Wir Haben vielleicht keine rechte Vorstellung davon, >vie der Prophet der alten Zeit an die Gottheit »villenlos als Diener gebunden »var. Vgl. z. B. Jeremia 16, 1, Jes. 20, 3, Ezechiel 24, 16 ff." Aber diese Belege — es handelt sich um die Ehelosigkeit des Jereniia, um die zeitweilige Entblößung bei Jesaja, um das Verbot des Trauerns dein» Tode der Frau des Ezechiel — stützen Volz' Behauptung nicht. Sicherlich können wir uns sehr gut vorstellen — es »väre schlimm, wenn wir es nicht könnten! —, daß der Prophet seine ganze Persönlichkeit, sein Leben und sein Lebensglück dem Dienste einer hohen Idee unterordnet, aber wenn Bolz meint: „Der Prophet ist ja eine durch und durch öffentliche Person, nichts für sich, sondern Organ Jahlves ans Volk", so muß man doch erklären, daß der Prophet niemals einen solchen Grad von Oessentlichkeit erreicht, daß man ihm zmnuten dürfe, eine Dirne zu heiraten. Denn Jahwe stellt keine Forderung, die dem sittlichen Bewußtsein »viderstrebt. Bolz polemisiert sehr schwächlich gegen Wellhanseu, der es mit Recht sonderbar findet, daß Hosea sich durch die Ehe mit einer Dirne unglücklich machen uruß, bloß um damit zu sagen, daß Jahwe sich über die ehebrecherische Untreue Israels zu beklagen habe. Riedel („Alttestamentliche Untersuchungen", Leipzig 1002) hält nach dem Vorgänge llinbreits Hvseas Weib nicht für eine Ehebrecherin, sondern für eine besonders eifrige Verehrerin des Baal. Bei dicserAuffassung »vürde freilich die symbolische Handlung völlig ihren Sinn verlieren. Riedel dürfte aus der sehr beachtensiverten Erklärung des Namens Gorner bath diblajim — die Gvmer mit den Opfertüchen, Feigcnkuchen, in der Parallele 3,1 heißt es: die Kinder Israels lieben Traubenkuchen — doch so weitgehende Schlüsse nicht ziehen. Die Ehcgeschichte des Hosea stellt sich nach Riedel so dar: Hosca hat sein Weib für ihren Götzendienst gestraft und ihr den Unterhalt entzogen. Sie ist deshalb aus seinein Hause ent- »oichen. Er aber holt sie wieder, um noch einmal einen Versuch zu machen, und setzt ihr einen reichlicheren Jahresunterhalt aus (nach Riedels Berechnung 40 Mark in bar, in Naturalien: 364/4 kg Gerste und 18214 1 Wein!). Aber die Gelegenheit, den Baalim zu opfern, »vird ihr entzogen und sie strenge wie eine Feindin behandelt. Man »nuß die Phantasie beivundern, »nit der man dies alles aus den drei ersten Kapiteln des Hosea herausfinden kann. Völlig unbegründet scheint mir der neueste Versuch,, die realistische Auffassung zu retten, den Caspari, „Neue Kirchliche Zeitschrift" 1915,143 ff., »nit Hinweis auf Herodot I, 199, unternimmt. Der biblische Text gibt jedenfalls kein Recht, Gorner für eine „Vorstufe des Hiervdulenivesens" in Anspruch zu nehmen. Nach der jetzt so sehr beliebten sentnnal-Psychologischen Erklärung Wellhausens fügt sich ja scheinbar alles ganz natürlich. Die Bezeichnungen „buhlerisches Weib" und „Kinder der Buhlerei" im 2. Verse des 1. Kapitels sind aus der späteren Entwicklung in der Darstellung vorweggenommen. Die Tatsachen, oder vielmehr was »nan dafür hält, habe ich einleitend angeführt. Wellhausens Erklärung, daß Hosea den Ehebruch seines Weibes erst nach der Geburt des elften Sohnes erkannt habe, findet viel Anklang. Denn der Name Jisreel enthalte keine Anspielung auf die eheliche Untreue. Aber ich muß bekennen, auch in den beiden anderen Namen nr»r eine Umschreibung des Verhältnisses Gottes zu Israel, jedoch keine Persönliche Andeutung über Gomers Vergehen finden zu können. Aber es soll nun eim»ral bei diesem Propheten der innigste Zusainmenhang zwischen persönlichem Erleben und Prophetenturn aufgetviesen werden. So schreibt z. B. Haller (in „Die Religion in Geschichte und Gegenwart", 1912): „Deutlicher als bei irgendeinem anderen Propheten, Jeremia ausgenommen, liegt bei Hosea der Zusammenhang seines Prophetentuins mit seinem Persönlichen Erleben zutage. Schon die seltsamen Namen seiner Kinder ans der Ehe mit Gorner bath diblajim sollten als prophetische Warnung »virken." — „Als eine wahre Katastrophe »virkte auf Hosea die Entdeckung von der Untreue seines Weibes, um so mehr als er, dein volkstümlichen Empfinden vorauseilend, seine Ehe als sittliche Liebesgemeinschaft aufgefaßt hatte. Diesen Schlag hatte Hosea schließlich innerlich so weit überivunden, daß er in ihm eine besondere Fügung Jahwes zu sehen vermochte, die ih.m erst den tief st en Einblick in die Motive der Stellung Jahwes zu seinem Volke erschließen sollte. DiesesErlebnis bietet denSchlüsselzuin VerständnisnichtnurderStimmung, sondernder religiösen Gesamtanschauung Hoseas: »vas der Prophet an seinem Weibe, das erlebt Gott mit Israel, statt Treue Abfall, statt Dankbarkeit eigensinniges Beharren auf dein Wege der Schande." (Schluß folgt.) lkriegsliteratur. Von Ludwig Geig e r. 111. ie nachfolgende Uebersicht unterscheidet sich von den früheren dadurch, das; sie ausschließlich Schriften aus der allerjüngsten Zeit gewidmet ist und nur solche behandelt, die von jüdischen Autoren herrühren. Den Anfang mache ein Schriftchen'), das leider zu spät in unsere Hände kam, nur noch vor dem Wochenfest, für das es bestimmt ist, erwähnt zu werden. Es ist ähnlicher Art wie das von dem Verbände der Deutschen Juden zu Pesach verbreitete Heft. Es enthält einzelne biblische und talmudische Stücke in ansprechenden Uebersetzungen, ferner eine sinnreiche, ermunternde Betrachtung „Zum Osfenbarungsfeste" von L. Baeck, Gedichte von Hugo Salus, Manuel Schnitzer, Siegmund Werner und endlich eine würdige Darlegung von Güdemann „Unsere Thora". Das Schriftchen wird gewiß unseren Kriegern ebenso willkommen sein wie die ihnen bisher von demselben Verbände gewidmeten. Es verteidigt v) Zum Schowaausfest — dem Tag der Offenbarung — 1915, ein Grus; an die jüdischen Soldaten im deutschen Heer vom Verband der Deutschen Juden. Herausgegeben vom Verband der Deutschen Juden, Berlin W 35. Druck von Leonhard Simion Nachf., Berlin W 57.

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