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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-14 · Heft 20 (14.5.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 20 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 ngefähr 180 russische jüdische Gefangene interinert. Seit Mitte Sepmber wird dort alle drei Wochen Gottesdienst mit Predigt abgehalten, u Pessach erhielten die Gefangenen drei Pfund Mazzot. Auch werden e mit Gebetbüchern und sonstigen Ritualien, wonach sie sich besonders hnen, von hier aus versorgt. Die gefangenen Juden werden von ihren ichtjüdifchen russischen Kameraden vielfach beschimpft, indem man iten Feigheit und Vaterlandsverrat vorwirft. Man droht, bei der Rückkehr mit ihnen abzurechnen, ja, sie schon bei der Fahrt nach Rußmi> aus dem Eisenbahnwagen zu werfen. Unsere jüdischen Glaubens- . nossen haben endlich die Geduld verloren und sich an die militärische : gerverwaltung beschwerdeführend gewandt, die sofort mit strengen trafen eingeschritten ist. Welch traurige Aussicht bietet sich da nach r Rückkehr den jüdischen russischen Kriegern! Wie grausam wird -an ihnen bei dieser Stimmung für all ihre für ihr Vaterland geachten Opfer danken! &&& Nürnberg, 7. Mai. Der 15. Jahresbericht des V e r e i n s it r j ü dische K r ankenpfle g erinne r: E. V. in Nürnberg :i* das Jahr 1914 ist soeben erschienen und bietet ein anschauliches ild von der segensreichen Tätigkeit dieser in vielen Großgemeindeu ilseres Vaterlandes zur vollen Blüte gelangten nenzeitigen Einchtnng. Dem interessanten Bericht entnehmen wir folgende be-- htenswerte Angaben: Schon geraume Zeit vor Ausbruch des rieges, am 4. Juni 1914, hatte die Vereinsleitung auf eine Anaae der hiesigen Vorsitzenden des Zweigvereins vom Roten Kreuz h bereit erklärt, zwei Drittel der hier tätigen Schwestern im Mobilachungsfall dieser Organisation zu überlassen. In Ausführung eses Beschlusses standen dem Roten Kreuz sofort bei Einrichtung r Vereinslazarette acht Schwestern zur Bereitschaft; von diesen urden jedoch nur zwei Schwestern für das Vereinslazarett im rndt-Haus in Anspruch genommen, während die beim Roten Kreuz cht mehr verwendeten Schwestern sodann vom Sanitätsamt des itten bayerischen Armeekorps freudigst übernommen und den! .a'ervelazaretten zugewiesen wurden. Es war den Schwestern bis-! ng vergönnt, in diesen Lazaretten teilweise unter sehr schweren erhältnissen als Operations- und Pflegeschwestern eine äußerst ^gestrengte und verantwortungsvolle, aber auch ersprießliche und! n'envolle Tätigkeit zu entfalten, und es gereicht uns zur besonderen J enugtuung, daß unsere Schwestern sich den ihnen gestellten Aufiben gewachsen erwiesen, daß ihnen von seiten der Herren Ehefrzte das Zeugnis treuester Pflichterfüllung ausgestellt werden amte und dem Verein wiederholt die Zufriedenheit der leiteun Aerzte mit den Leistungen der Schwestern bekundet wurde, icht minder segensreich erwies sich auch die Tätigkeit der Schwester uguste, die wie im Vorjahre auch in diesem Sommer vom 1. Mai s 12. August die Leitung des Kindererholungsheims in Fvrth vernommen hatte und der auch vom 1. September an, nachdem Heim der städtischen Kriegsfürsorge zur Verfügung gestellt worn war, die Beaufsichtigung der dort zu verpflegenden Kinder anwtraut wurde. Es befinden sich dort 42 arme Kinder, meist solche, reu Väter im Kriege stehen. Gingen so der eigentlichen Dereiusrfgabe von Ende August an acht Schwestern verloren, so war die nfgabe, vor welche von da an die jedesmal noch verbleibenden .ei Schwestern sich gestellt sahen, eine um so größere und owierigere. Die drei Schwestern, die sich in die Pflege der Hilfe suchenit Kranken teilten, haben sich durch ihre aufopfernde Tätigkeit im iteresse des Vereins die dankbare Anerkennung desselben gesichert, .den der Verwundetenpflege, deren Umfang natürlich in Zahlen cht zum Ausdruck gebracht werden kann, leisteten die Schwestern i Jahre 1914 in 105 Fällen 402 Tagpflegen. 1411 Nachtwachen. >> Vollp siegen mit zusammen 2138 Pflegetagen: außerdem irden sie zu 800 ambulanten Hilfeleistungen in Anspruch uommen. Wenn man in Betracht zieht, daß diese Arbeit bis rn 1. April von nenn, von da bis Ende August von elf und r den übrigen Teil des Jahres von nur drei Schwestern geleistet erden mußte, und daß eine Schwester bis znm 1. Mai ausschließlich ' der Armenpflege beschäftigt war, so wird man auch dieser Wirkackeit der Schwestern im abgelaufenen Jahre die Anerkennung nicht rsagen. Ter Verein nahm freudigen Anlaß, Herrn Eduard S a ch s Breslau, dem Vorsitzenden des unsere Schwestern ansbildenden rankenhauses, zu seinem 80. Geburtstage die wärmsten Glücki'msche zu übermitteln, und beteiligte sich durch seine Vertretung '!’-t den in Frankfurt anläßlich der Eröffnung des neuen Schwestern- ^ims stattfindenden Festlichkeiten. Aber auch schmerzliche Verluste I sind dem Verein im abgelaufenen Jahre nicht erspart geblieben, i Am 19. Juni 1914 starb Herr Generalkonsul Bernhard Lang, j Mitbegründer des Vereins und von Anfang an treues Ausschußi Mitglied desselben. Tief schmerzlich empfand der Verein auch den i Verlust des am 15. Oktober verschiedenen Herrn Geheimen Hosrats! Gustav Josephthal, der der Verwaltung zwar nicht als Mirj glied angehörte, der aber, wie allen humanitären Institutionen der ' Gemeinde, so auch dem Verein und seinen Schwestern das größte j Interesse entgegenbrachte, ihm jederzeit mit Rat und Tat helfend! und fördernd zur Seite stand und sein Emporblühen und Wachsen : mit inniger Teilnahme verfolgte. Wie alljährlich, vereinigten sich : am 19. Dezember die Mitglieder der Verwaltung mit den Schwestern i zur Feier des Ehanukafestes im Schwesternheim. Schlicht und ein-.! fach, dem Ernst der Zeit, welchem die festliche Ansprache des Vorsitzenden Rabbiner Dr. F r e u d e n t h a l ergreifenden Ausdruck verl lieh, entsprechend, verlief die Feier und hat bei alten, die ihr beiwohnten, tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlasseu. „Noch weiß niemand," i schließt der Bericht, „was das neue Jahr bringen wird! Eines nur hoffen alle, hoffen auch nur: den Sieg der gerechten deutschen Sache, ' den ehrenvollen Frieden lind den Wiederbeginn segensreicher 1 Friedensarbeit." | Mannheim, 7. Mai. Im 56. Lebensjahre ist in Karlsruhe j Herr Oberlandes g e r i ch t s r a t D r. S a l l h M a a s .gestorben. Der Verstorbene war geborener Mannheimer und ein Sohn des vor einer Reihe von Jahren verstorbenen hiesigen Bankiers Salomon Maas. Dr. Sally Maas ist 1858 geboren, wurde 1879 Rechtspraktikant, 1883 Referendar, 1885 Amtsrichter in Eberbach, 1888 wurde er als solcher nach Mannheim verletzt; ist hier 1890 zum Oberamtsrichter und 1891 zum Landgerichtsrat ernannt worden. Im Jahre 1894 wurde Landgerichtsrat Dr. Maas nach Konstanz und 1911 nach Karlsruhe verletzt. Von 1904 bis 1909 war er dort Vorsitzender einer Kammer für Handelssachen und wurde 1909 znm Oberlandesgerichtsrat befördert. Der Dahingeschiedene war mit einer Mannheimerin, Kläre geb. L e n e l, verheiratet. Gksterrrich-NnMrn. K. Wien, 7. Mai. Die von der O e st e r r e i ch i s ch - I s r a e l i - tischen Union herausgegebene Monatsschrift bringt in ihrer jüngsten Nummer an auffallender Stelle folgende Kundmachung: „Der Krieg dauert mm schon neun Monate und stellt an unsere gesamte Volkskraft die höchsten Anforderungen. Dennoch haben umuns Tag für Tag gegen Anfeindungen und Gehässigkeiten zu wehren, welche an die schlimmste Zeit der konfessionellen Verhetzung erinnern." Die Wahrheit dieser Behauptung kann man leider täglich bestätigt sehen. Die antisemitische Presse, die nach wie vor ihre verhetzende und zersetzende Tätigkeit entfaltet, hat ein neues Märchen entdeckt: Die Mehlverheimlichnng der Jilden. So brachte die sattsam berüchtigte „Reichspost" die Nachricht, daß im Tempel und in der Totenkammer des jüdischen Friedhofes von Znaim (Mähren! große Mengen feinsten Weizenmehls versteckt aufgefunden wurden. Einige Tage darauf sah sich aber das genannte Blatt genötigt, folgende Berichtigung zu bringen: „Es ist nicht richtig, daß in Znaim im Tempel und in der Totenkammer des jüdischen Friedhofes eine große Menge feinsten Weizenmehls versteckt vorgefunden wurde, vielmehr ist es richtig und es geht aus den beiliegenden Bestätigungen des Gemeinderats der Stadt Znaim deutlich hervor, daß weder im israelitischen Tempel noch in der Totenkanuner des jüdischen Friedhofes in Znaim Mehl versteckt vorgefunden wurde mtb daß sohin an diesem Gerücht auch nicht ein wahres Wort ist." Dieselbe Schauermär wurde auch in Budweis in Böhmen verbreitet, so daß die politische Behörde sich genötigt sah, amtlich zu erklären, daß das Gerücht von der Auffindung großer Mengen Getreide in der Budweiser Synagoge rein aus der Lust gegriffen sei. Traurig und beschämend zugleich, wenn in dieser großen Zeit mit solch verächtlichen Waffen gekämpft wird! LnrrlgnÄ. Z. London, 2. Mai. Nach längerem Aufenthalt auf dem französischen Kriegsschauplatz ist der Londoner Rabbiner Michael Ad lei nach England zurückgekehrt und schildert nun in den „Times" die von ihm gewonnenen Eindrücke. — Er erzählt: „Ich finde, daß ich die Zahl der Inden, die im Felde stehen, weit unterschätzt habe. Ich hatte eine Liste von vielen Tausenden zusammengestellt, doch traf ich überall noch immer neue jüdische Offiziere und Mann-

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