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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-14 · Heft 20 (14.5.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 20 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 vierwöchigen freien Aufenthalt zn einer Sol- und Badekur. — Der ehemalige Pflegling Julius Hiller ist im Alter von 19 Jahren als Kriegsfreiwilliger in den Kämpfen in Flandern gefallen. Die Einnahmen im vergangenen Jahre an laufenden Jahresbeiträgen und Spenden betrugen 36 669/24 Mark. Nach den aufgewendeteu Ausgaben verblieb ein Ueberschuß von 789,93 Mark. — Durch das erfolgte Hinscheiden des Herrn Jnstizrats Joseph Manheimer hatte die Anstalt einen überaus herben Verlust erlitten. Seit dem Jahre 1902 war der Verewigte Mitglied der Direktion und hat während dieser Zeit mit großem Eifer am Wohle der Anstalt mitgewirkt. — In der stattgehabten Generalversammlung wurden als Mitglieder der Direktion die Herren Israel Friedl a cnber, Jsaac Eobli n e r , Sa Uh H a m b n r g e r , Joseph SX a n t o r o icz, David Peltasoh n wieder- und Herr Tr. Wolfs, Bankdirektor der Norddeutschen Kreditanstalt, nengewahlt. — Im Amte verblieben die Herren Professor Tr. Bloch, Amtsgeriehtsrat I. H o l z m a n n , Bankdirektor Solo Seweeze w s k i und Hermann Wollheiin. B. Görlit;, 7. Mai. Das Bestreben der Wohltätigkeit, in der alle Kreise einen so herzerfrischenden Eifer an den Tag legen, hat auch die ersreuliehe Neuerung zuwege gebracht, die Synagogen ihrer Zurückhaltung der großen Oefsentlichkeit gegenüber zu entziehen und ebenfalls für die Veranstaltung geistlicher Musikaufführungen zu gewinnen. Nachdem Berlin in dieser Nichtung vorangeaangen ist, hat die hiesige jüdische Gemeinde als eine der ersten ihr schönes Gotteshaus gleichfalls in den Dienst der guten Sache gestellt und mit dem Wohltätigkeitskonzert am 2. d. M. die Freude eines künstlerischen Ereignisses erlebt, über das bei den Besuchern schwerlich Zweifel obwalten. Was der Veranstaltung besondere künstlerische Bedeutung verlieh, waren die Darbietungen des königlichen Kammersängers Paul Knüpfer aus Berlin, den wir bei dieser Gelegenheit zum erstenmal in Görlitz vernahmen. Er saug zunächst die große Baßarie von Felix Mendelssohn- Bar tholdh „Gott sei mir gnädig". Es waren Klänge von einer Schönheit und Wärme, die sich das tiestste Empfinden erschlossen und so die überlegene Künstlerschast Knüpfers dartaten. Frau Gertrud Fischer- VN a r e tz k i führte sich mit dem Brahmssehen Liede „Ans dem Friedhof" stimmungsvoll ein und zeigte einen geschmeidigen, klangvollen Alt von metallischem Glanz, dessen feines Ausdrucksvermögen aber erst mit der Schubertschen „Litanei auf unsere gefallenen Krieger" in ganzer Klarheit offenbar wurde. Ihr Altsolo ht der Brahmsschen Rhapsodie 'aus Goethes „Harzreise": „Aber abseits, wer islls", war eine Kostbarkeit, für die nur ihr besonders danken möchten. Ten Orgelpart hatte Herr Dr. K o ch, der Organist der Peterskirche und verdienstvolle Fördererder musikalischen Kunst in Görlitz, übernommen. Er bewies sein oft anerkanntes Können mit dem einleitendere Vortrag des Bachschen Präludiums in A-moll, inehr aber noch in dem begleitenden Zusammenspiel, das ihn den ganzen Abend über dauernd fesselte und dessen feinsinnige Durchführung ihm eine hohe Meinung von seiner künstlerischen Beherrschung des subtilen Instruments der Orgel einbringeu mußte. Der Görlitzer L e h re r g e s a n g v e r e i n brachte unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Lehrer Z itttiti c r , zunächst das Schubertsche „Gott, meine Znverficht" und am Schluß die Goethesche Rhapsodie zum Portrag, von denen namentlich die letztere von tiefer Wirkung lvar und mit denen er den Beweis lieferte, trotz empfindlicher Einbuße an Mitgliedern durch den Krieg doch am alter künstlerischer Höbe zu sein. Sämtliche Billetts zn dem Konzert fanden Abnehmer, und sicherlich wäre die Zahl der Besucher erheblich größer gewesen, könnte der Namn einen stärkeren Besuch vertragen. M. Altona, 7. Mai. Jur Gefangenenlager zn Jdstedt starb der russisch-jüdische Gefangene Elias Sendrow. Dem Bemühen des Altouaor Gemeindevorstandes gelang es, bei der Militärbehörde die Uebersührung der Leiche nach dem jüdischen Friedhof in Rendsburg gl erwirken. Da Herr Oberrabbiner Tr. Lerner durch eine Rekrutenmreidignng verhindert lvar, reiste Rabbiner E. D u cf e s z nach Jdstedt, um die Uebersührung und die Trauerfcierlichkeiten zu leiten. Nachdem im Gefangenenlager ein gemeinsamer Gottesdienst der 57 jüdischen riegsgefangenen abgehalten lvar, lourdoll die Gefangenen unter Begleitung von Landsturmteuteu lmch dem Jdstcdter Friedhof geführt, um dem verstorbenen Kameraden die letzte Ehre zu erweisen. In Gegenwart des Kommandanten sang ein gefangener Kantor mit schöner Stimme das „El mole rachaulim". Die ergreifende Trauerrede des Rabbiners wurde oft von lautem Schluchzen der Gefangenen unterbrochen. Unter Boralltritt des Kommandanten und des Rabbiners folgten die Gesangeuen und die Landstnrmlente dem Sarge, bis \;| Leichenwagen außer Sichtweite lvar. Am nächsten Tage fand sich Rendsbnrger Gemeinde zum Begräbnis des Verstorbenen ein. N I einer kurzen Ansprache wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. . il Kameraden des Verstorbenen hatten ein schönes Grabzeichen v il fertigt, das das Datum des Todestages und den Namen des B rJ stoebenen in deutscher, hebräischer und russischer Sprache enthält. I ***- Magdeburg, 7. Mai. Der Ausschnß des Sh l-I a g o g e n - G e ln e i n d e v erbnndes d e r Provinz Sach s I versendet soeben den Verwaltungsbericht für das Geschäftsjahr 1914/ 1 Der Gemeindetag fand am 10. Mai in Halberstadt statt. Er besch i l tagte sich mit den Entwürfen des Deutsch-israelitischen Gemeindebnw J zn einem Normalvertrag und zu einer Geschäftsordnung für Schie :I gcrichte. Bon einer Beschlußfassung wurde aber abgesehen; die Z I gelegenheit sollte zunächst int Ausschuß weiterberaten werden. Z I fürchterliche Weltkrieg lvirkte natürlich auch ans die Tätigkeit i I Verbandes zurück; insbesondere verspürten die kleinen Gemeint I feilte Wirkung. Wie allgemein, ging ihre Stenerkraft zurück, n e viele ihrer Ntitglieder stehen unter den Waffen. Infolgedessen v c zichteten mehrere Gemeinden ans die Entsendung eines Predigers \\ den hohen Feiertagen: in einer kleinen Gemeinde konnte nberhai : I fein Gottesdienst abgehalten werden. Prediger entsandte der B band nur in die Gemeinden Bitterfeld und Eisleben; der Gemein \ Schivarza gewährte er einen Zuschuß zu den Kosten der Besoldn?! eines Vorbeters. Auch der Wander-Neligionsnnterricht in d'p kleinen Gemeinden erlitt im August mannigfache Störungen, kom n daun aber wieder regelmäßig fortgesetzt werden. Nur in der (• ' metitbe Genthin, in der der Unterricht schon seit Mai vorigen Zahl loegen zeitweiser Erkrankung des Herrn Lehrers Steinhardt mit.: brachen worden ist, konnte er infolge mangelnder Fahrtverbindnng » auch jetzt noch nicht wieder nufgenommen werden. Augenblick! e läßt der Verband Wander-Neligionsnnterricht in neun Gemeind erteilen. Der Weltkrieg wies aber dem Verband ein anderes gros r Arbeitsgebiet zu: die religiöse und geistige Fürsorge für die den Lazaretten und Gefangenenlagern sich befindenden jüdisch r Soldaken. Er fand bei diesen seinen Bestrebungen eine tatkrästi : Unterstützung bei den Rabbinern der Provinz sowie auch bei d:: Vorstehern einzelner Gemeinden, in deren Bezirk sich Gesanaenenlag v mit jüdischen Kriegsgefangenen befinden. Um eine Einheitlichkeit diese Bestrebungen zu bringen, berief der Verband zum 10. Janu eine Ausschnßsitzmig mit der Tagesordnung „Bericht der Herr i Rabbiner unserer Provinz über ihre durch den Krieg gebotene se sorgerische Tätigkeit, insbesondere in den Gefangenenlagern u " Lazaretten". Die Herren Rabbiner Dr. A ite v b a ch - Halber sie : und Dr. Kahlberg - Halle waren zur Sitzung erschienen: t Herren Dr. Levy - Nordhausen und Tr. Salz b c r ger - Erfn i hatten schriftlich Bericht erstattet. Außerdem war noch Herr Rabbiu Dr. I a e o b u s - Magdeburg (seit dem 1. Januar Vertreter d i Dr. Wilde, welcher seit September sich als Feldgeistlicher bei d Westarmee befindet) anwesend. (Die Berichte der Rabbiner über iln seelsorgerische Tätigkeit in den Gefangenenlagern und Lazaretten sii im Verwaltungsbericht abgedrnckt.) Die Verhandlungen zeigten d Notwendigkeit, für die Beschaffung von Ritualien und Gebetbücher für die jüdischen Kriegsgefangenen und Lazarettsoldaten besonde Mittel flüssig zu machen. Ein Aufruf vom 15. Januar an die Be bandsgemeinden ergab das erfreuliche Resultat, daß „zur Lindern-- der geistigen und religiösen Not der jüdischen Kriegsgefangenen" e' ' Betrag von insgesamt 436,80 Mark emging, welcher allerdings b auf einen kleinen Rest bereits verausgabt ist. Außerdem wurden den Gemeinden Bleicherode, Erfurt, -Halberstadt, Magdeburg m Nordhausen noch Sammlungen von Ritualien, Gebet- und sonstige hebräischen Büchern veranstaltet, welche den Herren Rabbinern nn Vorstehern bei ihren Bestrebungen trefflich zustatten kamen. Dr Bericht schließt mit dem Wunsche: „Möge die gütige Vorsehung der deutschen Volke bald einen dauernden Frieden schenken, der es uu ermöglicht, uns unseren Bestrebungen, die sonst lediglich ans Ei Haltung des Gottesdienstes und Förderung des Religionsunterricht in den kleinen Gemeinden gerichtet sind, wieder ausschließlich und ntn voller Kraft widmen zn können." Der diesjährige Verbandstag findet am 9. Mai in Magdeburg statt. 4. F. Minden u W., 7. Mai. Im hiesigen Gefangenenlager, in welchem anfangs nur vier Franzkyen jüdischen Glaubens und neun russische Zivilgesangene sich befanden, sind seit Anfang März noch

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