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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-14 · Heft 20 (14.5.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 20 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Die Konzertsaison pflegt im Mai zu i de zu sein, und die Berliner haben dann die Flut der mannig- - ligsteu konzertlichen Veranstaltungen glücklich überstanden. In i .sein Jahre jedoch, wo fast alle öffentlichen Vergnügungen im Dienste : v Wohltätigkeit stehen, läßt sich das Publikum auch in der warmen chreszeit noch willig in den Konzertsaal locken, wenn es heißt, dem ■teil Zweck zu dienen, und das Programm anziehende Namen ausist. So veranstalteten am 8. d. M. drei jüdische Körperschaften, die r i e g s h i l f sko m m i s s i o n , der Frauen Verein und die ' r i e g s s pe i se a n st a lt der B er Ii n e r L o g e n U. O. B. B., der Philharmonie ein Konzert, dessen Ertrag zur Linderung der ■' negsnot bestimmt ist. Namhafte künstlerische Kräfte, wie Tilla it r i e u x , Frau Salvatini, Dr. L. Fulda, Peter Unkel, verfantor M. Davidsohn und Felix R. Mendels s o h n u. a., Iteu sich zur Verfügung gestellt, und der Abend nahm einen schönen erlauf. Das Programm, das von Herrn Lüdtke mit einer Reger- >en Tokkata für Orgel stimmungsvoll eingeleitet wurde, wies eine wechslungsvolle Reihe musikalischer und deklamatorischer Nummern \l Frau Durieux^ meisterhafte Fontane-Vorträge, Tr. Fuldas aftvolle Deklamation aus eigenen Werken, Herrn Mendelssohns öues Cellospiel und die von Herrn Unkel mit Bravour vorgetragenen Zange von Schubert, Strauß und Hildach erzielten stürmischen Beiü, und zahlreiche Extranummern folgten. Herr Davidsohn sang it prächtiger Stimme und gewandtem Vortrag ein „Kriegsgebet" ii Karl Beines, „Die drei Wanderer" von Hermann sowie extra Dinz Eugen" und brachte wiederum den Beweis, daß der moderne nitor sich eventuell auch im Konzertsaal unter anerkannten Künstlern lumpten kann. Daß Herr Davids o h n gerade in diesem Konzert mit nein größeren Solopart betraut wurde, steht in erfreulichem Gegensatz > den in letzter Zeit hier stattgefundenen Synagogenkonzerten, wo den n't amtierenden Kantoren erst nach vielem Hin und Her einige?nige Soloakte Zugebilligt wurden. Auch Frau Salvatini fesselte? Zuhörer mit ihrer großen, wohlgeschulteu Stimme, wenn auch v italienische Text, dessen sie sich bei der Arie der Amelia aus Verdis Maskenball" bediente, auf leisen Widerspruch stieß. Den Abschluß ldete ein Kriegshymnus von E. v. Wolzogen, vertont von Bogumil .-Pier. Mit dem Komponisten am Flügel trug Oberkantor David- 1 h n die Solostimme vor und das zahlreiche Publikum sang den htuß stehend mit. Berlin, 11. Mai. Der I s r a e l i t i s ch e F r a u e n - n ter st ü tz u n g s v e r e i n , E. B., Berlin, hielt am 22. April ne 32. ordentliche Alitgliederdersanunlung ab. In dem Rechen. Maftsbericht der Vorsitzenden, Frau May, wurde besonders daraus ngewiesen, daß die Arbeit des Jahres in die beiden großen Abschnitte •v und nach dem Ausbruch des Krieges zerfällt, und daß die Arbeit dieser letzteren Zeit nicht gestockt hat, sondern durch den großen reis der bedürftigen Wehrmannsfrauen im Gegenteil erweitert orden ist. Besondere Mehrausgaben sind dem Verein durch die Zuunnenarbeit mit dem Nationalen Frauendienst und der Kriegshilfs- 'mmission der Jüdischen Gemeinde nicht entstanden, wohl aber konnte h Familien eine intensivere Pflegschaft zuteil werden. Als erfreu- - h ist hervorzuheben, daß der Vaterl ä n d i s ch e F rauene r e i n u ater d e n Vereinen, de n e n er die W o h (tat r r F r n h u n t e r st ü tz u n g zuteil lv erden läßt, s ich a u ch er Hilfe de s Israelitischen Frauenunteru tz n n gsver ein s bedient, und daß wir in der Lage sind, rauen vom dritten Schwangerschaftsmouat an wöchentlich 3 Mark zur Mieren Pflege zuteil werden zu lassen. Auch in der Ernährungsfrage -iben die die bedürftigen Familien besuchenden Damen Aufklärung in •e Häuser unserer Schützlinge getragen, aus Kochkiste und Kochbeutel ingewiesen, Kochbücher verteilt und auf allgemein belehrende Veranstaltungen aufmerksam gemacht. Aus dem Bericht des Schatzmeisters 'll hervorzuheben, daß die Spenden bedauerlicherweise in letzter Zeit nachgelassen haben, und er spricht deshalb die herzliche Bitte aus, auch unseres Vereins in dieser schweren Zeit zu gedenken. Ein sehr interessantes Referat über die Ntitarbeit im Hausdienstausschuß, durch Frau Klara Jordan gegeben, propagiert die Idee der weiblichen Lehrlinge im Haushalt und regt Hausfrauen zur Aufnahme solcher Lehrlinge an. Berlin, 11. Mai. Am 5. d. Ni. wurde dem langjährigen Stadtrat, Geheimen Sanitätsrat Dr. Straß m a n n , durch eine Abordnung der städtischen Behörden der künstlerisch hergestellte Ehreubürgerbrief feierlich überreicht. Die Urkunde, die in ihrer Darstellung auf die ärztlichen Verdienste Dr. Straßmanns um die städtischen Krankenhäuser, die Irrenanstalten und die Gesundheitspflege der Reichshauptstadt anspielt, wurde von mehreren Magistratsmitgliedern unter Führung des Oberbürgerineisters Wer m u t h und dem Vorstand der Stadtverordnetenversammlung überreicht. Geheimrat Dr. S t r a ß m a n n ist, wie seinerzeit berichtet, zu Anfang dieses Jahres in Anerkennung seiner vielfachen Verdienste um die Berliner Stadtverivaltung einstimmig von den städtischen Körperschaften zum Ehrenbürger gewählt worden. Ter Oberbürgermeister überreichte den Ehrenbürgerbries mit einer kurzen Begrüßungsansprache, in derer der großen Verdienste Straßmanns um die Hygiene in Berlin gedachte. Geheimrat 'Straßmann dankte und gab dem Wunsche Ausdruck, noch lange Zeit für das Wohl der Reichshauptstadt wirten zu können. C/«) Berlin, 11. Mai. Von den 950 Mitgliedern der im Kartell-Convent vereinigten jüdischen studentischen Korporationen (K. C.) stehen zurzeit 722 unter den Waffen. 100 von ihnen wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet; 14 erhielten andere Kriegsauszeichmmgen. Zu preußischen Offizieren wurden 11, zu bayerischen 2 befördert.' Der Verband hat bisher, soweit bekannt ist, den Verlust von 23 Aiitgliedern, die den Heldentod fürs Vaterland starben, zu beklagen. &&& Berlin, 11. Mai. Das Eiserne Kreuz erhielten: Vizewachtmeister Kandidat der Volkslvirtschaft Richard C h r a m b a ch, Sohn des Bankdirektors Karl Chrambach, Stabsarzt Dr. Gustav Tugendr c i ch , Unteroffizier Leo Sterns e l b, Unteroffizier Georg G r u n d, Sohn des Fabrikbesitzers Nt. Grund, Chirurg Tr. Richard Baum, Unteroffizier Assessor Dr. Arthur Sam ter, Stabsarzt Tr. Fritz L e s s c r , Stabsarzt Dr. Rudolf R i e gner, Unterarzt Kurt B o r ch a r d t, der kürzlich zum Leutnant beförderte 18jährige Kriegsfreiwillige Leon Stein, Sohn des Direktors der Aktiengesellschaft für Bierbetrieb, vorm. M. Stein u. Co., Groß-Berlin. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Ingenieur Alfred S ch l o m a n n - Ntünchen, Vizefeldwebel d. L., Rechtsanwalt Ernst C o h n - Essen, Leutnant Rechtsanwalt Dr. Hugo Ehrlich, Sohn des verstorbenen Rabbiners Dr. Ehrlich-Tilsit, Robert Kahn-Köln, Gefreiter Georg Joseph- Krone a. Br., Student der Rechte Walter E i che t b a u m - Insterburg, Gefreiter Alwin L i p p m a n n-Nikolai O.-S., Dr. med. G u t t m a n n , Sohn des Rabbiners Professor Guttmann-Bres'lau, Sanitätsrat Dr. I o e l - Culmsee, Vizefeldwebel Alfred A r o n - Dresden, Vizefeldwebel Otto L e v i - Mannheim, Unteroffizier Ingenieur Paul G l o g a u e r - Ossen'bach a. M., Gefreiter Emil E r n st - Witten. W. Posen, 7. Mai. Die israelitische Waisenknabenanstalt hatte bei Beginn des vergangenen Jahres 26 Knaben in ihrer Obhut. Davon besuchten 22 die Schule, 4 befanden sich in der Berufsausbildung: 24 erhielten im Hause volle Verpflegung, 2 waren auswärts untergebracht und wurden von der Anstalt vollständig unterhalten. Im Laufe des Jahres schieden 10 Zöglinge aus. Neu ausgenommen wurden im Laufe des Jahres zivei Knaben, so daß am Schlüsse des abgelaufenen Jahves die Zahl der Zöglinge 18 betrug. Die Knaben besuchten mit Ausnahme eines einzigen die Knabenmittelschule 1. Einer größeren Zahl war auch wie in früheren Jahren Freischule gewährt worden. Der Gesundheitszustand der Zöglinge war ein überaus günstiger. In den Sommerferien war der Betrieb des Hauses gänzlich eingestellt. Die meisten Zöglinge fanden Aufnahme bei ihren Verwandten oder bei Freunden der Anstalt in der Provinz Posen, zwei kurbedürftigen Zöglingen gewährte die Verwaltung des jüdischen Kurhospitals in Kolberg einen

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