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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-14 · Heft 20 (14.5.1915) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 20 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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231 Herrschaften, unter frehen Himmel, am 4ten Februar a. e. geschehen Höchstgedachten Serenissimi Hochfürstl. Durchl. aber nebst Dero Durchl. Frau Gemahlin, wie auch die übrigen Fochfürstl. Herrschaften, denen Neu-Verlobteu, besonders mit mer reichlichen Ausstattung, deren sich keine Iudenfamilie in Dessau rühmen können, begnadiget und Tages vor der Copuation dasjenige, was einmahl gewidtniet, auch würklich ausahlen und reichen lassen: So finden zuvörderst behderseits Schwiegereltern, insbesondere die Neuangehenden Eheleute whe Ursache, vor sothane Hochfürstl. ausnehmende Gnade und Oeschenck-Verehrungen, gantz unterthänigsten und gehorainsten Dank zu erstatten, und haben dafür zu immerwährender Erkänntlichkeit, den Segen ihrer Väter, Abraham, Jsaac urd Jakobs, aus untevthänigster Devotion anwünschen sollen. Alldieweilen nun ein Jeder begierig ist, zu erfahren, oorinnen die Fürstl. Presente bestanden, so ist dem Hochfürstl. xruse, zu Hohem Ruhm und Ehren, und dein Publiko zur tachricht, nachfolgende Specification dem Druck mit beigefüget, -lß:? Thlr.! Gr 'aben des Regierenden Fürsten Hochsürst. Durchl. | | Braut und Bräutigam verehret 100 Species! j Ducaten .Fac. 275; — item die Frey heit vom Schutzgelde geschenket Ingleichen z. Lösung ein. Stuhls i. d. Synagoge... i 30 — "es Bräutigams Vater zu Qcm. neuen Kleide. ' 25 — Jem Bräutigam desgl.; 30 inen gemästeten Ochsen . i 40 — inen seiten Hammel . \ 3 — •in Fast „Gauscher" Wein .j 12 — ihre Hochfürstl. Durchl. die Regierende Fürstin haben ' j gleichfalls z. Ausstattung geschenket 50 Species: I Ducaten .Fac. j 137! 12 >esgl. ein propres Braut-Kleid! Hiernächst haben des Erb-Printzen Leopold Hochfürstl. Durchl. ein propre Braut-Bette machen lassen. Von Dero Genahlin der Erb-Printzefsin eine propre Mütze und Haube. Von Printz Eugenio 24 Ellen propre Leinwand zilm Bettjacken. Von Printzeß Wilhelmina, vor die Braut ein propren fischbein-Rock. Printz Dietrich, l Printz Moritz, l allerseits ein raisonables Geschenk. Printzeß Henriette, > Außer obenerwehnten, ist noch dieses als ein Kennzeichen >antz besonderer Gnade anzusehen, daß Höchstgedachten serenissimi Hochfürstl. Durchl. gnädigst ordinieret, daß Braut ind Bräutigam unter Begleitung des Rabbi, derer Aeltesten, md sämmtlichen Juden-Genossenfchaft, sowohl Männern als Beibern gesetzten Tages, Nachmittags um 1 Uhr auf dem fürstl. Schlosse, wozu ihnen ein n partes Zimmer angewiesen, ur Trauung erscheinen müssen, da dann nach beschchenen gevöhnlichen Ceremonien, (baß nehmlich der Braut ihr Krantz ibgenommen, ihre Haare durch etliche Jüdische Weiber ein- »eslochten und ihr Hernachmahls eine Haube aufgesetzt:) Braut mb Bräutigam unter voriger Suite, mit klingendem Spiel, >om Schlosse herunter in den Fürstlichen Lustgarten unter reyem Himmel geführet, und daselbst und zwar unter einem Üaldachin oder sogenannten Jüdischen Trage-Himmel, von eibenem Stoff mit güldenen Blumen gewürcket, getrauet vorder», bei welchem Acte die Hochfürstl. sämmtlichen hohen Herrschaften, aus den Fenstern Zuschauers abgegeben haben, mchgehens das Neue-Ehe-Paar vom Fürstl. Schlosse, gleichfalls mit klingendem Spiele nach dem Hochzeits-Hause zur Mahlzeit geführet, der sämmtlichen Hochfürstl. Herrschaften, hohe Gesundheit dabey getrunken, und also diese Hochzeit mit vielem Vergnügen beschlossen worben. Nach erfolgter Trauung ist das gewöhnliche Teutsche Gebeth, so gleichfalls in dem Tempel zu Dessau mit güldenen Buchstaben auf Deutsch abgeschildert zu befinden, und von glaubwürdiger Hand ausgeschrieben, also lautet: „Der an die Könige Hülfe leistet." Verrichtet, und von der sämmtlichen Gemeine hierauf gesprochen »vorden: „Amen!" Der lange Lock. Roman von Anna G o l d s ch m i d t. (1. Fortsetzung.) «ß^r heißt Moritz. Aber auch das schadet nichts. Ich kann ihn ja Max nennen. Uebrigens ist er in manchen Dingen naiv, wie nur Männer sein können. Er erzählte mir ganz ungeniert, daß sein jüdischer Vorname „Maier" sei. Maier Heymann. Ein hübscher Name! Ein Glück, daß Erna nicht dabei war. Die würde mich den ganzen Tag aufziehen mit „meinem Maier". Wenn ich mir dächte, ich sollte jenrand eingestehen, daß ich auf jüdisch „Esther" heiße! — Wie oft hat inich Erna damit bis zu Tränen geärgert, wenn wir uns als Kinder zankten. Das Schlimmste war, wenn sie mir drohte, mich vor den christlichen Kindern so zu nennen. Sie hat sich aber selbst schwer gehütet. Das Vergnügen hat »nir mein seliger Urgroßvater eingebrockt, der bei meiner Geburt noch lebte. Die andern sind besser weggekommen. Großmarna »vollte denen zwar auch noch jüdische Namen anschmieren, aber da war Mama vernünftig genug, sich schönstens zu bedanken. Na, das sind ja aber nur Nebensachen. Wie steht es aber eigentlich mit der Hauptsache? Liebe ich Dr. Hehmann? Ma»na meint ja, das werde schon kominen, darüber solle ich mir nur keine Sorgen machen. Mit der Minllte, >vv ich seine Braut — zu ulkig! lvie das klingt: „seine Braut" - sei, würde ich ihn furchtbar lieben. Merkwürdig, wie das so plötzlich ausbrechen soll! Aber ich will wirklich nicht »nehr so eklig sein und mich allem innerlich gleich widersetzen, nur, weil es Mama gesagt hat. Schließlich meint sie es doch so herzensgut, und sie ist jetzt immer rührend zu mir. Sie will ja nur mein Bestes, und in diesem Fall scheint sie das Rechte für mich zu wollen. Heute abend habe ich eingesehen, daß es ein großes Glück ist, wenn Dr. Heyrnann mich will. Hiinmel, was reißen sich die Mädchen um ihn, und erst die Mütter! Sie sehen doch, das er sich nur um mich kümmert. Aber, als wir uns zuerst ein bißchen verzankten (wir tun es bei jedem Vergnügen wenigstens eininal. Es liegt an mir. Ich will mich nun bestimint bessern), schossen die Trösterinnen wie die Stoßvögel auf ihn los. Und nrir machten sie alle noch viel beleidigtere Mienen als er selber. Jawoll, das »nöchtet ihr wohl! Nix zu machen! Bei der Damemvahl holte ich gleich ihn, und wir tanzten fast den ganzen Abend zusammen. Und nie war er seliger und machte mir inehr den Hof als gestern. Ich lachte sogar über seine Witze, nur den andern zum Trotz. Die sind geplatzt vor Aerger, und ich bin überzeugt, sie sagen uns schon verlobt. Na, was nicht ist, kann noch werden. Warum nicht? Ich bekomme einen hübschen, braven, gescheiten Mann in angesehener Stellung und mit guter Praxis. Ich wäre doch ein Schaf, wenn ich „nein" sagte.

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