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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-14 · Heft 20 (14.5.1915) · p. Seite 235

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 20 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
Seite 235 (sequence 7)
Language
German
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235 (' '6urt" können wir eher griechische Lehreil erkennen, und viel- I, ist es selbständig-jüdisches Gut, das nur in gewisser Be- >. hung babylonischen Anschauungen ähnelt. Den Schluß bildet -te Zusammenstellung der Zahlen, die in der Weltanschauung D 5 talmudischen Juden eine Rolle spielen. Vor allem sind es d z Duodezimalsystem, zwölf mit seinem Vielfachen, und die eben. Hier zeigt sich das Nachwirken babylonischer Gedanken ch in unseren Tagen. — Das große Gebiet des Aberglaubens, i babylonischer Einfluß am klarsten zutage tritt, ist in dem l mde „Bibel und Babel" überhaupt nicht vertreten?) Die torische Erklärung der Texte, die zum Teil auch noch aus >r umstrittenen Wincklerschen Hypothesen beruht, wäre gleicht besser zugunsten eines sprachlichen und sachlichen mmentars eingeschränkt. Aus die Philologische Seite der Erl. rung ist in dem Werke „Bibel und Babel" kein Wert gelegt. otz der Uebersetzung wird der,; v nicht imstande ist, die Quellenrke mit ihren Kommentaren i derzeit zu benutzen, manchen ellen ratlos gegenüberstehen, örend wirken auch zahlreiche aken in der Uebersetzung. Wenn das Werk „Bibel und ibel" nicht allen Ansprüchen ge- > ht wird, so darf man es doch! ht in seiner Bedeutung unter- 1 ätzen. Trotz allem sind wir mit; >n wichtigen Thema Babel und . ilmud durch das Werk Funks ein t ück weiter gekommen. Und nicht < nt mindesten — die große Arbeit l t Pionierdienste geleistet — auch t ihren Mängeln hat man gelernt. ' c neue Redaktion der „Monui nta talmudica“, die sich aus den 1 ofessoren Albrecht und Schlögl > d Rabbiner Dr.Funk zusammen- ' nt, gibt das in dem ersten Heft t s zweiten Bandes freimütig > bst zu. Noch läßt sich über die tt schnitte „Talmudisches Recht" r n Salomon Gandz und „Gei ichte" von Professor Kraus, l ' erst zum Teil erschienen i d, kein abschließendes Urteil i len. Wir dürfen aber die v ffnung aussprechen, daß trotz t e schweren Zeit dieses Werk deutsch-österreichischer und > lisch - christlicher Gelehrsamkeit einem gedeihlichen Ende i 'gegengesührt werden möge. Mx\ Spltteirr und wir. Von Ludwig Geiger. 4 arl Spitteler hat einen Vortrag, den er jüngst gehalten Detail vom Eingang zum vorhof hat, durch den Druck veröffentlicht?) Das ist das erste, ii§ ich von ihm gelesen habe. Ich will gern bekennen, daß dies i t Bildungsmangel meinerseits ist, lege ihn aber getrost zu den ') lieber babylonische Oelmagie im Talmud und der späteren j nschen Literatur handelt eine interessante Studie von Samuel 3 iches, London, 1913. Unser Schweizer Standpunkt. Von Karl Spitteler. Vortrag, gelitten in der Neuen helvetischen Gesellschaft, Gruppe Zürich, am ' Dezember 1914. Verlag von Rascher u. Co., Zürich 1918. l,Schriften für Schweizer Art und Kunst" II.) übrigen; da Herr Spitteler vermutlich auch nie etwas von mir gelesen hat, so sind wir quitt. Wenn der Redner nun in seinem Vortrag sagen würde: wir sind Schweizer, ob uns auch die Sprache in eine deutsche, französische und italienische Schweiz trennt, dürfen daher keiner kriegführenden Nation zu Hilfe eilen, keine tatkräftige Unterstützung leisten, sondern müssen uns neutral halten und unsere Landesgrenzen vor allenfallsigen Angriffen schützen, so wäre er völlig in seinem Recht. Freilich können >vir Deutsche ihn beruhigen. Kein vernünftiger Deutscher — ich rechne selbst die Alldeutschen hinzu — denkt daran, etwas von der Schweiz zu begehren, sondern erachten die Schweiz als ein festes Bollwerk der Freiheit. Für Preußen speziell sind die Erinnerungen an Neuchatel lebendig genug, als daß es irgendeinen Versuch machen sollte, die Schweizer Grenzen anzutasten. Nicht also Hilfe erwarteten wir von der Schweiz; was wir begehrten, war vielleicht Dankbarkeit und Sympathie. Die erstere beweist der Verfasser wohl, indem er sagt: „Noch enger als der beste Schweizer mit Frankreich, ist der Deutschschweizer mit Deutschland ans sämtlichen Kulturgebieten verbunden. Nehmen wir unter anderem die Kunst und Literatur. In wahrhaft großherziger Weise hat Deutschland unsere Meister anfgenommen, ihnen den Lorbeer gezollt, ohne einen Schatten von Neid und Eifersucht, ja sogar diesen und jenen über die heimischen erhoben. Unzählige Bande von geschäftlichen Wechselbeziehungen, von geistigem Einverständnis, von Freundschaft haben sich gebildet: ein schönes Eintrachtszeichen, das uns ivährend der langen Friedenszeit gänzlich vergessen ließ, daß zivischeu Deutschland und der deutschen Schweiz etwas wie eine Grenze steht." Speziell von sich selbst redend, führt er aus, daß er in Frankreich von keinem gekannt sei, in Deutschland dagegen ungezählte Freunde habe. Eine solche Einpsindung nun sollte, wie man meinen möchte, Sympathie auslöfen, Mitgefühl für unsere Leiden und unseren Heroismus, Hoffnung erwecken auf unseren Sieg. Dies ist aber leider nicht der Fall. Wohl kommt der Redner darauf zu sprechen, daß Rassenkultur und Sprachverwandtschaft Zuneigung einflößen müssen, und er deutet dies an mit folgenden Worten, die mir recht töricht erscheinen: „Mit elenden sechs Zeilen unbedingter Parteinahme kann sich heute jeder, der da mag, in Deutschland Ruhm, Ehre, Beliebtheit und andere schmackhafte Leckerbissen mühelos holen", aber er als freier Schweizer will dies nicht und kommt zu dem Schluß: „Wir sind als Neutrale den übrigen Völkern die nämliche Gerechtigkeit des Urteils schuldig, die wir den Deutschen gewähren, deren Bild wir uns ja auch nicht in der französischen Verzerrung aufnötigen lassen." Ich gestehe offen, daß ich mit dieser Gnade nicht zufrieden bin. Um so weniger, als der Redner nun seine Unparteilichkeit so weit treibt, daß er in allen Völkern etwas Verehrungswertes erblickt. Er mag vielleicht recht haben, wenn er sagt: Preußen und Deutschland haben bisher Russisches zu sehr geachtet und würden vielleicht später ganz gern wieder ein Bündnis mit Rußland

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