Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- Seite 232 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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M-SW Anleihe bei der Kunst des islamitischen Orients dennoch auf den ersten Blick als einen Judentempel. Man möchte sagen, daß Edmund Körner aus dem Wesen des Judentumes einen ganz neuen und vollkommen modernen, monumentalen und ornamentalen Ausdruck gefunden hat. Das ist die bedeutungsvolle Tat des neuen Bauwerkes." L. G. Monumenta talmudica. Bibel u n d Babel. Bon R u d o l s L e s z Y1, s f y. ie Anerkennung des Talmud in der Wissenschaft ist noch jungen Datums. Jahrhundertelang wurde der Talmud verbrannt und verachtet. Jetzt will man aus ihm lernen. Man hat eingesehen, daß er nicht nur für das Judentum, für das jüdische Gesetz und die jüdische Religion Bedeutung hat, sondern daß er von der ganzen Kultur, in der die Juden lebten, durchdrungen ist. Der Talmud ist ein jüdisches, aber auch zugleich ein allgemein - orientalisches Werk, eine Quelle ersten Ranges für das Wissen vom Orient. Achtlos ist man hier an einer Goldgrube vorbeigegangen, ans der sich reiche Schätze für unsere Erkenntnis gewinnen lassen. DieSchwierigkeiten, den Talmud der allgemeinen Wissenschaft dienstbar zu machen, liegen nur zum Teil in seiner Sprache. Hier hat die Uebersetzung von Lazarus Goldschmidt, die nun schon mehr als zwei Drittel des Talmud umfaßt und deren Beendigung hoffentlich in wenigen Jahren zu erwarten ist, Abhilfe geschaffen. Wir können den größten Teil des Talmud jetzt in deutscher Sprache lesen. Aber so riesenhaft die Goldschmidtsche Arbeit ist, einen Führer durch den Talmud ersetzt sie nicht. Die rabbinische Literatur, die weit mehr als nur den Talmud umfaßt, ist nicht nach einem System gearbeitet, sondern in einer Reihe von Jahrhunderten haben sich die ungleichartigen Schichten der jüdischen „mündlichen Tradition" aneinander angeschlvssen; in buntem Wechsel folgen Rechtsvorschriften und Märchen, Predigten und Medizinisches, Mathematik, Ethik und Dinge, die an Aberglauben grenzen, aufeinander. Sich in diesem Wirrsal zurechtzufinden, erfordert ein eigenes Studium. Diesem Uebelstande wollen die IVIvnumenta taln-wäica abhelfen. Die reichen Quellen, die in den rabbinischen Schriften, besonders im Talmud, für die einzelnen Wissenszweige fließen, werden nutzbar gemacht, indem man sie voneinander sondert, ohne sie zu verarbeiten. Es soll kein neues Buch über das Recht im Talmud geschrieben werden, das der Jurist doch nicht nachprüfen könnte, sondern alle Rechtsbestimmungen des Talmud werden systematisch angeordnet in punktiertem Originaltei und deutscher Uebersetzung aneinandergereiht. Die ver gleichende Rechtsgeschichte kann dann das Material zu weitere Studien verwerten. In dieser Weise will man das Meer de Talmud der Forschung zugänglich machen; eine riesenhaft Aufgabe, die Bewunderung verdient. Wir können stolz daransein, daß es deutsche und österreichische Gelehrte sind, die sie idie Hand genommen haben. Daß die Juden den Hauptteil der Arbeitslast trage i werden, ist nur natürlich. Aber neben ihnen arbeiten Pro sessoren der protestantischen und katholischen Theologie. Ti Redaktion des Werkes ruhte beim Erscheinen des ersten Bande in den Händen des Rabbiners Dr. Salomon Funk, des Pre fessors Neumann in Wien und des nun leider dahingegangene - Professors Wünsche in Dresden. Die absolute Unparteilichkei. die auch in der Wissenschaft und gerade dem Talmud geger über nicht etwas Selbstverständliches ist, wurde damit ge währleistet. Der erste Tedieses monumeitaten Werke liegt uns jetzt al geschlossen vo unter dem Tite Bibel und Babe. bearbeitet vo Salomon Fm! (Orion - Verla;. Wien und Sei) zig 1913.) De■ Thema allein h geeignet, das Interesse weite Kreise auf sie, zu ziehen. Dealte Streit ui Bibel und Babist verstumm Es wird allgmein behaupte daß die Bibe Israels voll ivon den Eir flüssen der in alten babhlvn scheu Kultur, nur über ein Mehr oder Weniger wird noch du kntiert. Was hat das zweite große Schriftdenkmal Israels, de Talmud, zu dieser Frage zu sagen? Was hat die mündlie! Tradition, die sich im rabbinischen Schrifttum verkörpert, vo > jenen babylonischen Ideen bewahrt, die die Grundlage men sei sicher Kultur geworden sind? Die Antwort auf diese Fra, soll uns der Einleitungsband der tVlonumenta talmudica gebe- Er bildet den Anfang nicht nur, weil die babylonische Fra< ' am Beginn der Menschheitsgeschichte steht, sondern weil d ' rabbinische Literatur zu einem großen Teile auf dem Bode - Babylons erwachsen und deshalb mit babylonischer Kulte ganz besonders eng verknüpft zu sein scheint. Die Kultur Babels hat dreimal im Laufe der Wcl j geschichte Einfluß auf das Judentum ausgeübt. Zum erste -! Male im Zeitalter Abrahams im zweiten vorchristlichen Jahi - tausend, als Hammurabi, der Amraphel der Bibel, nach Pal» j stina zog, als die kananäischen Könige in babylonischer Ken schrift an den ägyptischen Pharao schrieben und ihn um Hilf gegen die Chabiri, die Hebräer, anslehten (Tell el Amarna Tafeln). Damals kamen all jene babylonischen Geschichten von der Schöpfung, von dem Paradiese, von der Sintflut und den- Hauptportal. MM'