Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- Seite 231 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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231 Westarmee als Begleittrupp für Notverbände abkommandiert wurden, waren wir nur uod) zwei jüdische Kameraden unter 48). Ganz abgesehen davon, daß ich in meiner siebenmonatigen chweren Dienstzeit sehr viele Momente erhebender Art kennen gelernt habe, so kam mir auch jetzt erst der wahre Wert des Begriffes „Kameradschaftlichkeit" zum Bewußtsein. Trotzdem es mein Prinzip ist, einem jeden gegenüber zu 'etonen, daß ich Jude bin, so ist mir auch nicht ein einziges •)lal ba§ geringste Anzeichen von Antisemitismus begegnet, an Gegenteil, sowohl bei sämtlichen Vorgesetzten des Noten Kreuzes", der Militärbehörde, bei den Aerzten und nter den Kameraden fand ich stets das allergrößte Entegenkommen. Nur auf meinen eigenen Wunsch bin ich nicht efördert worden, dafür erhielt ich aber als einer der ersten ie Rote-Kreuz-Medaille verliehen. Wie oft wurde mir von Kameraden der verschiedensten '.ivilstünde versichert, daß sie nach dem Kriege ihre Ansichten der die Juden revidieren müßten, denn mehr als einmal mrde mir versichert, daß „Antisemitismus" so manchem ein überlieferter Begriff sei, der schon aus dem Grunde nicht gendert wurde, weil die Herren in ihrem Privatleben mit Juden mm in Berührung, geschweige denn in näheren Verkehr gebeten sind. Ost sind gerade mir sehr viele Anerkennungen von seiten er Vorgesetzten zuteil geworden, auch darf ich nicht unerwähnt lassen, daß — soviel ich auch während meiner Dienst-?it herumgekommen bin — mir in den Kreisen der Angeörigen des „Roten Kreuzes" auch nicht ein Fall bekannt ist, i dem ein Jude zurückgesetzt worden ist. * Von dem Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organiltion erhalten wir nachstehende Mitteilungen: I ü d i s ch e Hilfsaktion f ü r P a l ä st i n a. Die Zionistische Organisation (Bureau Kopenhagen) ll in aller! europäischen Ländern eine allgemeine jüdische Hilfsaktion :r Palästina in die Wege geleitet, die von den Zionistischen Laudesntralen meist geiueinsam mit anderen jüdischen Verbänden durchführt wird In Deutschland, England, Holland, Oesterreich, Nußnid und Skandinavien haben die Sammlungen bereits begonnen, und e ersten größeren Ueberweisungen nach Palästina konnten schon erlgen. — Die Aktion wird durch einen Aufruf unterstützt, den das openhageir-er Bureau der Zionistischen Organisation (Vestergade l); hebräischer, jüdischer, deutscher, englischer, französischer und inischer Sprache herausgegeben und in den jüdischen Zeitungen Ler Länder veröffentlicht hat. Der Appell findet in allen jüdischen reisen lebhaften Widerhall. Der Plan eines j üdi s chen Ko n g r esses. In der amerikanischen Presse wird der Plan der Einberufung ies allgemeinen jüdischen Kongresses, der die Forderungen des öischen Volkes für die spätere Friedenskonferenz formulieren und? Schaffung einer legitimen Vertretung des jüdischen Volkes vorreiten soll, eifrig diskutiert. Auf einem vor kurzem abgehaltenen eeting in New Bork wurde ein 50gliedriges Komitee gewählt, das für Einberufung eines jüdischen Kongresses tätig sein soll. Die leitende rsönlichkeit dieses Kongresses ist der bekannte Zionist Herr Joseph arondes. Mit dieser Frage beschäftigte sich auch die unlängst in io Uork abgehaltene Konferenz der sozialistisch-zionistischen Arbeiter- * xkl Poate-Zion. Auch hier lvurde beschlossen, eine große Aktion in ' nvegung zu setzen, um den Kongreß unter Beteiligung der großen bischen Organisationen zustandezubringen. Eine ähnliche Konferenz id jüngst in Mailand statt. Sie wurde von dem bekannten jüdischen 'titiker Luzzatti, dem ehemaligen italienischen Finanzminister, gelet. Der Krieg und die Judenfrage. Johannesburg. Das Exekutivkomitee der Südafrikanischen Zionisten^ ’ oeration hat auf seiner letzten Tagung folgende Resolutionen begossen: 1. Die Exekutive der Südafrikanischen Ziouistenföderation, lvelche mehr als 100 zionistische Vereine vertritt, ist der Meinung, daß eine einzigartige Gelegenheit zur Wahrnehmung der Rechte der Juden sich bei den Friedensverhandlungen nach Beendigung des Krieges bieten lvird, und daß die größten Anstrengungen zur Sicherung dieser Rechte gemacht werden müssen. 2. Es erscheint dringend geboten, eine vereinigte jüdische Aktion einzuleiten, um die Forderungen der bürgerlichen, politischen und religiösen Gleichberechtigung der Juden fi'ir diejenigen Länder zu formulieren, wo sie noch nicht besteht. 3. Eine vereinigte Aktion soll unternommen werden, um eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu erlangen. 4. Alle Zionistischen Föderationen sollen dringend auf die Notlvendigkeit hiugelviesen werden, mit anderen jüdischen Körperschaften zusaunnenzuarbeiten, uni eine Zentralkvrperschaft zu schaffen, lvelche für die oben erwähnten Ziele wirken soll: sie sollen dafür sorgen, daß in dieser zentralen Körperschaft die Z i o n i st i s ch e O r g a n i s a t i o n in angemessener Weise vertreten ist. Lin Orachtwerk über die Lllener Synagoge. (Hierzu drei Abbildungen.) ir haben im Jahrgang 1913, Nr. 47, Seite 558 ff., der neuen Synagoge in Essen gedacht, einige Ausnahmen dieses großartigen Bauwerks veröffentlicht und in einem Artikel Emil Cohns die Baugeschichte kurz erzählt und das wunderbare Denkmal künstlerischer Tätigkeit gewürdigt. Da der Verfasser jenes Artikels die Verdienste des Baumeisters in das rechte Licht gestellt hatte, so war es nur nötig, wie es a. a. O. Seite 576 geschehen ist, der Verdienste zu gedenken, die sich Herr Rabbiner Samuel in Essen durch seinen Rat bei jenem Unternehmen erworben hat. Heute liegt nun ein Prachtwerk über diese neue Synagoge vor, nicht etwa von der Gemeinde in Essen herausgegeben, sondern von der ersten Architekturbuchhandlung in Deutschland?) Es würde meine Kompetenz bei weitem übersteigen, wenn ich in die Einzelheiten des Buches einzugehcn wagen würde, und auch nur wenige Leser meines Blattes würde eine Hervorhebung des Inhalts im einzelnen interessieren. Ich will» daher nur meiner Freude Ausdruck geben, daß ein solches Merk vorhanden ist, meine Bewunderung für den Künstler aussprechen und besonders anerkennen, mit welchem Fleiß jüdische Ornamente benutzt und verwertet sind. Hier mag es genügen, die Schlußsätze der Einleitung — denn das Prachtwerk, dem diese Zeilen gelten, besteht im wesentlichen ans Tafeln, denen nur ein verhältnismäßig kurzer Bericht vorangestellt ist — mitzuteilen. Herr Richard Klapheck, der Verfasser des Vorberichts, schreibt: ,,Jch sagte einleitend, daß meistens eine Synagoge störend wie ein Fremdkörper sich im deutschen Stadtbilde bemerkbar mache und in den seltensten Fällen einen Anschluß an die Nachbarschaft und den baulichen Charakter der Stadt gefunden habe. Der Ball von Edmund Körner „sitzt" mit einer absoluten Selbstverständlichkeit im Stadt- und Straßenbilde. Die Raumgestaltung ist aus dem Terrain klar und meisterhaft entwickelt. Das Ornament und die farbige Behandlung stehen lediglich im Dienste der einheitlichen Raumgestaltung. Baukunst heißt Räume schaffen! Und trotz der glänzenden Anpassung und Gestaltung dokumentiert sich die Essener Synagoge bei allem Verzicht auf äußerliche ') Die neue Synagoge in Essen an der Ruhr, erbaut von Professor Edmund Körilcr, mit Text von Dr. Richard Klapheck. 13. Sonderheft der „Architektur des 20. Jahrhunderts", verlegt bei Ernst Wasmuth, Aktiengesellschaft, Berlin. 103 Seiten (davon 26 Seiten Text). Die übrigen Seiten sind Bildtafeln. Auch im Text zahlreiche Illustrationen.