Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 o v Bemängelung, daß die Zinsen aus bmx Reservefonds diesem wieder : geschrieben werden, wie überhaupt der Reservefonds eine weit s öftere Höhe aufweise, als es verfassungsmäßig nötig sei. Die da-? rch festgelegte Summe könnte für andere Zwecke der Gemeinde, be- ' iiders in jetziger Zeit, flüssig gemacht werden, während sie so ge- ' errt bleiben müsse. Nachdem noch die Herren L i s s e r und! athiason sich zu der Angelegenheit geäußert hatten, wurde aus utrag des Herrn Mathiason die Abrechnung genehmigt. Herr i ettinger beantragte dann die Wiederaufnahme seines Antrages . i\ Einsetzung einer Kommission zur Abänderung der Verfassung der i uneinde. Nach seiner Auffassung bestehe der vor längerer Zeit gei llte Antrag noch zu Recht, und es könne die Wahl der Kommission l reits in dieser Sitzung vorgenommen werden. Die Kommission i Kc Prüfen, ob es nicht angebracht erscheine, die Mahlzeit der Miti ieder des Gemeindevorstandes ans eine Reihe von Jahren zu bc- ' aänken und sie nicht für Lebensdauer, wenn auch nicht formell, so l ch Praktisch durch stete Wiederwahl in ihrem Auit zu belassen.? ruer solle geprüft werden, ob es sich empfehle, daß eine mit der i ineinde in geschäftlicher Beziehung stehende Person auch gleichzeitig itglied des Repräsentantenkollegiums sei. Nach längerer GeschäftSr dnungsdebatte, an der sich die Herren Lisser, Helft, Lippmann und i dere beteiligten, ivurde beschlossen, den Antrag Oettinger als einen i irgestellten zu betrachten und die nähere Begründung in geheimer - Mma, anzuhören. — Der dem Repräsentantenkollegium zur Ein- > 't vorliegende Bericht über die Tätigkeit des Armenarztes von:; April 1913 bis 31. Mürz 1914 bot einen Einblick in die Tätigkeit : r sozialen Fürsorge der Gemeinde. Es wurden im Berichtsjahr von i \n Armenarzt 288 Patienten behandelt. Hiervon wurden 66 dem aukenhaus überwiesen. Der Bericht hebt weiter die erhebliche Zu- : hme der armenärztlichen Tätigkeit hervor, die in diesem Kriegs- : ,)x noch bedeutend gestiegen sein dürfte. Auch die Tätigkeit der den v inenarzt unterstützenden Gemeindeschloester war tveit umfangreicher . > im Vorjahr. Sie hatte 246 Fälle wahrznuehmen. Davon entlen auf 67 Kranke 2632 Besuche und auf 26 Fürsorgefälle > Besuche. C. Aschaffenburg, 30. April. Vor kurzem verstarb hier wüh- V. üb» eines kurzen Urlaubs bei seinen Angehörigen Herr Felix . olinger, Sohn des Herrn Leopold Solinger, nach nur halb- ■, aiger Krankheit. Der 25 Jahre alte Soldat stand im 1. Rekruteu- ' not des 9. Infanterieregiments in Würzburg, wo er Mitte März - igerückt war, nachdem er sich bereits im Herbst 1914 beim 2. Jäger- ' taillon in Aschaffeuburg vergeblich freiwillig aeineldet hatte. Die ' i e r l i ch e Beerdig u n g fand auf dem hiesigen israelitischen l iedhose statt. Dazu hatte sich eine sehr große Trauergemeinde eiu- - blndeu, darunter Hauptmann Morhard mit zwei Jägeroffizieren! w einer größeren Wteilung Mannschaften mit der Militürmusik; v u Würzburg waren ein Unteroffizier und zwei Mann vom Re-! stendepot kommandiert, und als Vertreter der Stadt waren Rechts- > luttlt Dr. Schwind und Mngistratsrat Vetter anwesend. Rabl aer Dr. Breuer hielt eine tief zu Herzen gehende, formvollendete l muerrede, am Grabe sprachen Hauptmann M o r h a r d namens i r Armee und Unteroffizier Vorenwald namens der Kameraden aige Worte der Teilnahme, und dann verschwand unter den Klängen .!es Psalms der Soldatensarg unter der Frühlingserde. Dänkmark. 2XD Kopenhagen, 29. April. Die Regierung der Vereinigten . aaten hat ihren Dampfer „Vulkan" dem Amerikanisch-Jüdischen ' ckfskomitee und dem Provisorischen Komitee für allgemeine nistische Angelegenheiten zur Verfügung gestellt, um Lebensittel für die notleidende Bevölkerung nach Palästina zu bringen. t „Vulkan" ist am 13. Mürz ausgesahren. An Bord des Schisses : landen sich mit der Vollmacht zur zweckentsprechenden Verteilung ' r Lebensmittel die Repräsentanten der beiden Komitees, die mren Louis H. Lev ine und Tr. S. L e v i n - E p st e i n. Die - egierllN'g der Vereinigten Staaten sowohl wie die kriegführenden ä'ichte haben diesem Schisse sichere Fahrt garantiert. Bon den r Ausrüstung dieses Schiffes gespendeten Summen seien folgende nannt: Nathan Strauß 50 000 Dollar, das P r o v i s o r i - r e K o m i t e e f it r a l l g e m e tit e z i o n i st i s ch e A it g e - e g e n h e i t e n 25 000 Doll a r , das A m e r i k a n i s ch - üdische Hilfskomitee 25 0OO Dollar, Jacob H. Schiff "5 000 Dollar. Die Tatsache, daß eines der größten Kohlenschisfe, wi-e der „Vulkan", von seiten der aineritanischen Regierung zur Verfügung gestellt wurde, ist dem persönlichen Eingreifen des Staatssekretärs Brhan zu verdanken. Da keine Schisfahrtsge'ellschaft die unsichere Fahrt nach Palästina riskieren wollte, waren die Komitees gezwungen, allein 75 00O Dollar zu sammeln, um die Expeditionskosten und die Kosten der Versicherung zu decken. Diese Kosten mußten bewilligt werden, da kein einziges der momentan freien Regierungsschifse für die umfangreiche Ladilng Raum genug zur Verfügung hatte. Im letzten Augenblick hat nun das Marineministerium in Washington dem Komitee mitgeteilt, daß es in Anbetracht der wichtigen menschenfreundlichen Aktion Order gegeben habe, ihren Dampfer „Vulkan", der schon für eine andere Reise bestimmt war, wieder auszuladen, um so die unentgeltliche Beförderung der Waren nach Palästina zu ermöglichen. Die gesamte amerikanische Presse begrüßt diese humane Handlung der Negierung. Grstrrrkich-Anggm. X. Wien, 30. April. Ter „Pester Lloyd" veröffentlicht über die Anwesenheit des Thronfolgers in Ezernowitz folgende Mitteilungen: Mährend der Audienz machte Erzherzog-Thronfolger Karl Franz Josef folgende Aenßernngen: „Da die Bukowina glücklich wiedererobert ist. werden die Tinge hoffentlich besser gehen, und die Bevölkerung wird sich immer mehr gestärkt ihrer normalen Tätigkeit widmen können." Zu dem Repräsentanten der jüdischen Kultusgemeinde, Abgeordneten Dr. Wender, sagte der Thronfolger: „Ihre Glaubensgenossen haben wegen ihres Patriotismus unter der Russenherrschaft sehr gelitten. Die jüdische Bevölkerung ist sehr patriotisch. Wir werden ihr das nie vergessen. Nach glücklicher Beendigung des Krieges werden hoffentlich alle Schäden gutgemacht werden." ----- „Angesichts vieler Anfeindungen der letzten Zeit", so bemerkt mit Recht die „Wiener Sonn- und Montags-Zeitung", „wird das Judentum diese Anerkennung seines Patriotismus durch die gütigen Worte des geliebten und verehrten Thronfolgers wie einen Trost empfinden, im Bewußtsein, daß man an allerhöchster Stelle darüber wohlunterrichtet ist, daß die Inden in Erfüllung ihrer patriotischen Pflicht vor keinem Opfer an Gut und Blut zurückschrecken." Der Patriotismus der jüdischen Bevölkerung in Galizien und in der Bukowina ist auch den Russen wohlbekannt, und aus diesen! Grunde verfolgen sie die Juden mit ihren: besonderen Hasse, der geradezu grenzenj los ist. Die Russen wissen ganz gut, das; die Inden kaisertreu sind und! daß sie ihrem österreichischen Baterlaude nie und nimmer untreu > werden. Wer es aber mit Oesterreich hält, ist notgedrungen gegen j Rußland. In vielen galizischen Städten versuchte!: es die Russen anj fangs, die Inden human zu behandeln, um sie auf diese Weise für sich zu gewinnen. Als aber die Juden beim Einzüge unserer Truppen ihrer Freude Ausdruck verliehen, änderten die Russen ihre Taktik gänzlich und gründlich. Die Jude.! haben ihre Freude schwer gebüßt. Aber selbst die russische Knute und die Nagaika vermochten nicht den : Patriotismus der galizischen Judenschaft anszurotteu. Und darauf sind wir stolz und den schwer geprüften Glanbensbrüdern von Herzen dankbar. Z. Wien, 30. April. Als die Russen Anfang September in Lemberg -einrückten, war es, wie der „Neuen Freien Presse" geschrieben lvird, die erste Sorge des sofort ernannten Gouverneurs, Grafen Bobrinski, 12 österreichische Geiseln einsperren und in das Hotel George, wo er sein Quartier aufgeschlagen hatte, bringen zu lassen. Die scheinbar so humane Behandlung der Geiseln war den; Umstaude zuzuschreiben, daß der Graf in der Gegenwart der in Lemberg geachteten Bürger, unter denen sich auch der R a b b i n er der orthodoxen jüdischen Gemeinde befand, einen Schutz gegen Bomben oder sonstige Anschläge der Bevölkerung auf seine Wohnung sah. Ein Teil der Geiseln wurde nach Rußland geschleppt und in entfernteren Gouvernements interniert. -- Die Lebensmittel sind billig. Trotzdem ist das Leben sür die ärmeren Klassen unerschwinglich, denn Brennmaterialien sind nicht zu haben, und da man die billigen Lebensmittel nicht kochen kann, ums; mau angesichts der Nahrung Hunger leiden. Die Strafgerichte arbeiten regelmäßig. Biele Geschäfte wurden ans Befehl des Gouverneurs zwangsweise geöffnet. Die Banken amtieren zum größten Teil. Das Leben in Lemberg ist für die Zivilbevölkerung recht traurig. Tie Ossiziere aber geben sich einem beispiellosen Wohlleben hin und haben überraschend viel Geld. Mit dein Vorwände der Spionage wird entsetzlicher Mißbrauch getrieben, und die 60 russischen Wachtlente — die Lemberger Polizei wurde abgeschafft können sich mit den polnisch-