Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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3 bii'fi'Ux'ii nicht länger in der Festung Königsberg bleiben dnrsten. Infolge des energischen Eintretens der Frau Jda DL n e s m a n n , die sich die Fürsorge für die jüdischen Soldaten zur besonderen Herzensaufgabe gemacht hatte, gelang es aber, die Kirche m kleinerem Umfange für die Soldaten der Garnison, die aus koschere Bespeisung Wert legten, aufrecht zu erhalten. Diese zahlten nur ein geringes Entgelt, und die Kostern wurden im wesentlichen durch den oben genannten Verein und Spenden einiger Wohltäter bestritten. Daß diese Einrichtungeine segensreiche war und einem wirklichen Bedürfnis entsprang, zeigte die dauernde Inanspruchnahme derselben. Das herannahende Pessa-chfest gab Veranlassung, wieder in größerem Umfange für unsere Vaterlandsverteidiger einzutreten, um denselben Gelegenheit zu geben, wenigstens soweit, als in dieser Kriegszeit möglich, die Festtage in traditioneller Weise zu begehen. Der Gemeinderabbiner, Herr Dr. v a e l st e i u, hatte bei der zuständigen- Behörde ein Gesuch eingereicht, die jüdischen Soldaten für die ersten und letzten Feiertage und die Sederabende zu beurlauben, und diesem Gesuch wurde, wie wir uns freuen mitzuteilen, in entgegenkommendster Weife entsprochen. Es waren zirka 300 Soldaten zu versorgen, von denen cttua die Hälfte an den vier hohen Feiertagen in der Kant-Loge bespeist wurden und, soweit deren Dienst es gestattete, auch an den Zwischentagen. Die andere Halste mußte wieder in Familien nntergebracht werden, die sich gern dazu zur Verfügung stellten. Die notwendigen Mittel für die Pessachbespeisnug im Betrage von etwa 2000 Mark wurden durch eine besondere Sammlung aufgebracht. Die Sederabende verliefen in den schönen Bäumen der Kant-Loge in würdiger und weihevoller Weise und werden den Soldaten, die sie fern von dev Heimat hier begehen mußten, eine schöne Erinnerung bleiben. Ein Komitee von acht Damen unter Leitung der Frau Diuesmaun hatte freudig seine Dienste zur Verfügung gestellt, und eine besondere Anerkennung gebührt auch Fräulein Herta Jacobh, die die Leitung der Küche übernommen hatte und mit großer Umsicht und Geschick die nicht leichte Aufgabe erledigte. Auch für die Kranken und Verwundeten in den Lazaretten konnte gesorgt werden. Die jugendlichen Mitglieder des jüdischen Wauderbuudes freuten sich, durch Einträgen des Essens nach den Lazaretten auch ihrerseits au dem guten Werke Mitwirken zu dürfen. Die bekannten Ereignisse in Memel hatten von dort auch wieder Flüchtlinge hergeführt, die ebenfalls, soweit sie nicht anderweit nntergebracht wurden, eine freundliche ''Aufnahme und Verpflegung in der Kant-Loge fanden. P. Königsberg i. Pr., 2. Mai. Zur Unterstützung der in schwerer Weise durch den Krieg betroffenen ostpreußischen jüdischen Religionelehrer und Kultusbeamten ist ein ansehnlicher Hilfsfonds zusammengekommeu. Inden und Christen haben diesen ihres Eiukommens völlig beraubtere und durch Zerstörung und Plünderung ihrer Lrte vielfach gänzlich verarmten -Familien ihre innige Teilnahme zu erkennen gegeben. Von den eingekommenen Spenden konnten bereits über 20 000 Mark zu den notwendigsten Lebensbedürfnissen au die Betroffenen verabfolgt werden. Eine große Anzahl der Beamten bedarf aber noch fortgesetzt der Unterstützung zu ihrem Lebensunterhalte. Es sind außerdem noch zirka 90 000 Mark Sachschäden der ostpreußischen jüdischen Beamten zu decken, von denen aus Staatsmitteln gewiß nur ein Teil beglichen werden wird. Da die jüdischen Lehrer und .Kultnsbeamten bei ihrer bekannten Vermögenslage außerstande sind, auch nur einen geringen Schadeuteil selbst zu tragen, und bei ihnen auch die Möglichkeit fehlt, ihren erlittenen Kriegsschaden eventuell durch späteren Kriegsgewinn wieder auszugleichen, so wird ihnen aus dem gesammelten Hilfsfonds auch zu diesem Sachschaden veigeholfen werden müssen. £b der Fonds dafür neben der Unterhaltung der Beamten während der Kriegszeit völlig ansreiehen wird, bleibt noch ungewiß. S. N. Osterode (Dstpr.), 30. April. Unser allverehrter Neligionslehver und Prediger. Jakob Stur mann, konnte am 1. d., M. ans eine gesegnete Tätigkeit von fünfzig Jahren in hiesiger Gemeinde znrückblicken. Sehr lauge schon plante die Gemeinde für diesen Tag ein großes Fest unter Teilnahme des Verbandes der ostpreußischen Shnaaogeugemeiudeu, zu deren Begründern der Jubilar gehört, und des Dstprenßischen Lehrervereins, dessen Vorsitzender er von Beginn an uhu- und noch ist. Aber die unglücklichen Zeitverhältnisse machten dieses unmöglich. Die Feier blieb auf die Mitglieder der hiesigen Gemeinde beschränkt, und nur ent einziger Kollege, Herr Kantor K a r v - Alleustein. konnte anwesend sein. Schon beim Morgengottesdunst war der Platz des Jubilars mit Blumen und der Zahl 50 geschmückt, und bevor er als Aufgerufeuer den -Segensspruch über d? Thora sprach, dankte er in einem kurzen Gebet Gott für die chm ei wiescne Gnade. In der Behausung des Jubilars erschienen Inmitte seiner Kinder und Enkel ain Bormittag der Vorstand und die Repro seutauten der Gemeinde, der Vorstand des Frauenvereins, der Cheun Kaddischa und des Literaturvereins sowie die meisten Mitgliede der Gemeinde, Männer, Frauen und Kinder, zum größten Teil Schule des Jubilars. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr L. Witten b c r g, beglückwünschte ihn namens der Gemeinde in einer längeren, her liehen Ansprache, in welcher er die Verdienste des Jubilars zu Unii digen wußte, und überreichte rin Ehrengeschenk. Ihm folgten die Ai sprachen des Vorsitzenden der Repräsentanten, Herrn S a m u l o n, nu der Vorsitzenden der anderen Vereine, die ebenfalls Ehrengeschenke übe reichten. Herr Bürgermeister Tr. Herbst und noch zwei Mitglied des Magistrats erschienen um 12 Uhr mittags. Der Vürgermeist: beglückwünschte Herrn Sturmann zu .dem gleichzeitigen 50jührig Bürgerjubilänm in hiesiger Stadt unter Neberreichung eines Blume! arrangemeuts. Eine Schülerin der Religionsschule trug ein selbs! Verfaßtes Gedicht vor und überreichte ein Geschenk der Religion-, schaler. Herr K a r o - Allenstein überbrachte die Glückwü; ick des Lehrervereins in Form einer künstlerisch ansgestattell Adresse, in welcher der Jubilar zum Ehrenmitglied ernannt loiv Für den Vorstand überreichte er ein Bild des Tempelplatzes zu Jern salem in einem kostbaren Goldrahmen. Auf jede Ansprache antwor tote der Jubilar in der Vollkraft eines Mannes, oft tief gerührt, nute Anwendung von Bibel- und Talmndstellen. Durch die Post ließ': eine Unzahl von Depeschen und Briefen aus allen Teilen Deutschlands z Hunderten ein, darunter eine Adresse des Ausschusses des Verband, der ostprenßischeu Shnagogengemeinden und eine Zuschrift vor Bureau des D. I. G. B. Am 2. April beim Frcitagabendgottesdi-'n' hielt Herr Stnrmanu die 50jührige Jübelpredigt in gewohnter Web und gelobte unter Anführung 1. Buch Sam. 12, 23 ferner, wir st: 57X« Jahren, ein Gottesdiener zu bleiben. Wir wünschen: ack tm sch oi lim! W. Schwersenz, 30. April. Die Rlühlenbesitzer Gebend Brummer in Posen haben die hiesige Spnagogengemeiude an Anlaß des 70. Geburtstages ihrer Mutter Frau Nosalie Brumm, geb. Nothholz, wohnhaft in Posen, mit Schenkungen bedacht, welll: die Beschaffung von Gaskroneu für die Synagoge und die Reuoviernr der letzteren bezwecken sollen. Die Familie Brummer hat lange Jahr in unserer Stadt gelebt. Der Senior der Familie, der «etwa vo zwei Jahren in Posen verstorbene Kaufmann Marcus Brumme: wirkte auch als Stadtverordneter in Schwersenz. .7. V. Breslau, 30. ylpril. Ter 70. Geburtstag des Herr Rabbiner Professor Dr. Guttmann gestaltete sich zu einer „Freie! Bereinigung" der Wohlsahrtsvereiue innerhalb unserer Gemeinde! deren Vertreter dem geistlichen Haupte derselben den Ausdruck ihre.! Verehrung zu seinein Jubeltage darb ringen wollten. In erster Rei!' erschienen Borstand und Repräsentantenversammlung, vertrete durch Rentier Eduard Sachs und Sanitätsrat Dr. Reich, um di Ehrcnstiftuug von 5000 Mark zu übergeben, der Liberale Verein de Shnagogengemeinde: die Gesellschaft zur Förderung der Wissen schm des Judentums ließ durch Rabbiner Professor Dr. Bloch-Pose: eine gelehrte Jubelschrift überreichen, das Lehrerkollegium des Jüdisv theologischen Seminars durch Professor Dr. Lewh, der Rabbinervei band Deutschlands durch Rabbiner Dr. Rosenthal. Danae reihten sich in großer Zahl die verschiedenen örtlichen Wohltätigkeit: anstalten und Vereine an, so die Israelitische Kranken- und Ve. pflegungsanstalt (Handelsrichter M u g d a n), die Gesellschaft „Ei: tracht" (Direktor M. Guttmann), die drei Brüdergesellschaften, de Israelitische Speisehaus, der Verein der „Achtzehnmäunei (H. K a l i s ch e r), der Kaufmännische Wohltätigkeits-Verein (Vo: sitzender Wilhelm Kober), Lessingloge, deren Schwesternver?: 1600 Mark als Stiftung überwies, Jüdischer Frauenbund, Verein sn jüdische Geschichte und Literatur, Liberaler Rabbinerverbaud, Zentrm verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der Jubila dankte allen tiefbewegt. Sehr groß war die Zahl der Glückwunsch schreiben und Telegramme. M. Hamburg, 30. April. Das R-e p r ä s e n t a u t e n ko l l e g i u u;. I der Deutsch-Israelitischen Gemeind e hielt eine Sitzung j unter Vorsitz des Herrn Jos. L i p P m min ab. Die Abrechnung dm > Depositenkasse milder Stiftungen gab Herrn Bachrach Veranlassung z>