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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-07 · Heft 19 (7.5.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 19 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 sprechenden Einwohnern nicht verständigen, so daß Einbrüche und Dieb- | stähle an der Tagesordnung sind. - Die Bussen bemühen sich immer! mehr, der Stadt Lemberg das Aussehen einer russischen Stadt ausj zuzwingen. Das österreichische Geld verschwindet immer mehr, wozu . in erster Linie der schrecklich hohe Rubelkurs beitrügt. Man zwingt! die Leute, sich das Haar auf russische Art Zu schneiden und sich Bollbärte wachsen Zn lassen. Biele Bewohner Leinbergs und noch mehr aus der Umgebung sind Zur orthodoxen Kirche über ge treten, um Ruhe vor Schikanen Zu finden. Aber es gibt dafür wieder Menschen, die, von herzersreuender Standhaftigkeit, sich nicht bewegen lassen, vom Wege der äußeren und selbsterwählten Pflicht abzuweichen. So sollte jüngst ein Richter ein Urteil fällen. Er weigerte sich aber. Zu sagen: ..Im Rainen des Zaren Nikolaus". Eineu anderen Namen durfte er aber nicht sagen, und so kam man endlich überein, daß er das Urteil schlechtweg ..Im Namen Seiner Majestät" fällen sollte. Während man der russenfrenudlichen Bevölkerung freundlich entgegenkommt -und die Polen duldet, haben die Juden in Lemberg wie in ganz Galizien Erschreckliches Zn leiden, insbesondere die o r t h o d o r e n I u de n , so daß die meisten von ihnen sich an Samstagen überhaupt nicht auf die Gasse trauen, sogar nicht einmal die Synagogen besuchen, um nicht mißhandelt Zn werden. Merkwürdig ist es, wie es die Russen verstanden, der Stadt sofort ein typisch russisch-schmutziges Aussehen Zu geben. Für die Reinigung der Straßen ist gar keine Sorge getroffen. Auch ist die Stadt von einem durchdringenden Geruch erfüllt, der von einer Art Stiefelwichse herrührt, mit der die Soldaten ihre Schuhe schmieren, damit sie glänzen. Mau wird den Geruch auch in den vornehmsten Straßen nicht los. Er durchdringt in den engen Straßen die Häuser und läßt die Einwohner so niemals ihr Elend vergessen. Von Oah und jFmt ~ Die Kriegshilfskommission, der Franenverein und die Kriegsspeiseanstalt der Berliner Logen U. O. B. B. veranstalten genreinfam am Sonnabend, 8. Mai, abends SX Uhr, in der Philharmonie ein Konzert, dessen Ertrag dazu bestimmt ist, die Kriegsnot Zu lindern. Es haben ihre Mitwirkung Zugesagt: T i l l a D u r i e u x , Dr. Ludwig F u lda , Mafalda Salvatini, Peter U n k e l, Felix Robert M e n d e l s s o h n , Oberkantor Magnus D a v i d s o st n und Organist L n t g e. Eintrittskarten sind bei Bote u. Bock, A. Wertheim und im Logenbnrean, Kleiststraße 1l, erhältlich. — Professor Dr. En g e n M i t t w o ch, Privatdozent an der philosophischen Fakultät der Universität Berlin, ist Zum außerordentlichen j Professor an dieser Fakultät ernannt worden und übernimmt somit i den durch den Tod des Geheimrats Professor Dr. I. Bart h ver- > waisten Lehrstuhl für semitische Philologie. — In dem Konj tu r s v e r f ah r e n über das Vermögen des I ü d i s ch e n i I u st i t u t s für technische Erziehung in Palästina ist in-! folge eines von dem Gemeinschnlduer gemachten Vorschlags zu einem! Zwangsvergleich Bergleichstermin ans den 11. Mai 1915 vor dem Königlichen Amtsgericht Berlin-Mitte anberamnt. — In Nr. 13 dieses Jahrgangs berichteten wir über die Generalversammlung der „Kauj torenhilfskässe in Deutschland" und teilten mit, daß der bisherige Bor-! stand wiedergewählt wurde. Herr Haupttantor S i e g f rieb N e u - st a d t bittet uns, berichtigend milzuteilen, daß er auf seinen ausdrücklichen Wunsch nicht wiedergewählt worden ist. — Während der Anwesenheit des Handelsministers Sydow in Insterburg hielt der Vorsitzende der dortigen Handelskammer, Stadtrat Eichelb an m, einen Bortrag über die durch den Rnsseneinfall verursachten Schäden im Bezirk der Handelskammer. Danach haben die Russen dort rund tausend Geschäfte geplündert, fünfhundert wurden durch Feuer zerstört. — Herr Berthold Lew in in Königsberg i. Pr., der bisherige Korpsveterinär im ersten Armeekorps, ist zum Armeeveterinär mit dem! Range eines Oberstleutnants ernannt. — Ans Rogasen wird uns ge-! schrieben: Das hiesige Rsservelazarett hat bisher zwanzig jüdische Soldaten beherbergt, deren geistliche Fürsorge Herr Rabbiner Dr. D ü n n e r voll hier freiwillig übernahm. Für diejenigen Verwundeten bzw. Erkrankten, die rituelle Kost wünschten, wurde dieselbe aus privatem Wege besorgt, während für die Pessachtage die Gemeinde die llicht unbedeutenden Kosten der rituellen Verpflegung übernahm. Augenblicklich sind nur noch zwei Russen hier, die ihre künstlichen Gliedmaßen erwarten, um dann in ein Gefangenenlager gebracht zu werden. — Im Reservelazarett zu Rawitsch sind fünf jüdische H i l f s s ch w c st e r n tätig, die alle schon vor Ausbruch des Krieges ans Veranlassung des Roten Kreuzes ansgebildet worden sind, (Mit derselben ist infolge Verheiratung vor kurzem ausgeschieden und |Vtdcm in Frankfurt a. O. tätig. — Am 1. Juni d. I. begM der Erste Lehrer der Synagogengemeinde Zn Brombeul. I. H e r Z b e r g , sein fünfnndzwanzigjähriges Ortsjubilänui. Am selben Tage begeht Herr Herzberg auch sein vierzigjährig Anitsjnbilänm. Herzberg ist als Schriftsteller besonders auf dem ( ebiete der Jugendliteratur bekannt. — Zum drittenmal wurde < m dem der israelitischen Knltnsgemeinde Albertsweiler-Annweiler u hörigen Friedhofe eine verbrecherische Schändung begangen. 46 Gr> steine wurden demoliert oder stark beschädigt. — Geheimer Ko u merzienrat Ludo Mayer, Inhaber der Firma I. Mayer u. Sou in Offenbach a. M., stiftete an seinem siebzigsten Geburtst g- 50 000 Mark für Hinterbliebene gefallener Krieger und 50 006 Mg für den Witwen- und Waisenpensionsfonds seiner Arbeiter. Als vor einigen Monaten die Königevon Dänemack. Schweden und Norwegen, zmn erstenmal seit mehreren hnnd rt Jahren, in Malmö znsammenkamen, fand kurz darauf eine Zusamuu u knnft der Premierminister dieser drei Staaten in Kopenhagen steck Der Sekretär dieser Konferenz war der 27jährige Georg Coh i, der ebenso wie sein jüngerer, in Kopenhagen als Anwalt tätie.r Bruder Naphtali ctn strenggläubiger Jude ist und keinen Morgen Mi Gottesdienst versäumt. Sie staben beide auch jüngst die große G? dene Medaille der Universität Kopenhagen erhalten. — Wenn hellte! c Züge durch unser Land eilen, die die deutschen und französischen Kries invaliden in ihre Heimat zurnckführen, schreibt der „Berner Bmck , so geziemt es sich, festzustellen, daß die erste Anregung, für den Ai: tausch dieser hartbetroffenen Opfer des Krieges, von einem schlichen jüdischen Privaten, Karl Bodenheimer ans Kassel, ansgegans n ist. Dieser hat sich schon im Oktober vorigen Jahres an den schwei rischen Bundespräsidenten gewandt und ihm seinen Vorschlag nnt breitet. Damals schon wurden die ersten diplomatischen Schritte M den Vertretern Frankreichs und Deutschlands angebahnt: sie führten '.n Januar Zu einem grundsätzlichen Einverständnis und vor kurzem c >t Zn einer Verständigung über die Einzelheiten. — Der „Oest reichischen Wochenschrift" wird geschrieben: Jil Hrnschan n d Urngebnng war vor einigen Wochen das Gerücht verbreitet, daß ';i dortigen Tempel Mehlvorräte verborgen worden sind, und daß ' wlgedessen Kaufleute zum Militärdienst einbernfen wurden. Gegn einige Verbreiter dieser Gerüchte wurde vom Tempelverein die Ehre beleidigungsklage überreicht, welche zur Folge statte, daß die?! eeklagten vor dem k. k. Bezirksgericht P.-Ostrau erklären mußten, d e sie nnbesonnenerweise sich an der Verbreitung dieser Gerüchte, \vcl: r. oll ständig nnlvastr sind, beteiligt haben. Die Angeklagten miiM '?tbbitte leisten, eine Buße von 150 Kr. für Kriegssürsorgezwecke und M Kosten bezahlen. — Deln Rabbiner Dr. S a m n e l K o h n in Bndapeck ist zll seknenl 50jährigen Doktorjnbiläum an der Breslauer Philo? phischen Fakultät das Diplom erneut und mit den besten Wünschen f” weitere erfolgreiche Wirksamkeit übersandt worden. — Wie aus Pm ■ oemeldet wird, ist an Stelle des verstorbenen Narcisfe Leven He v E nge n See zum Vizepräsidenten des Zentralkonsistoriilms gewäl! worden. - - Der bekannte Philanthrop Bankier Sauel Merzbae Ritter der Ehrenlegioil, ist gestorben. — Die in Warschau r scheinende „Hazephirah" bringt folgenden Brief ans Bialystok: .. unsere Stadt sind Tausende von Flüchtlingen gekommen, besonders a - Lomcza, welcher Ort fast nur von Inden bewohnt ist. Lomcza ist i großer Trümmerhaufen. Der größte Teil der Bevölkerung flüchte' und viele wurden auf der Flucht von Schrapnells verwundet und e tötet. Alle leiden schreckliche Not. In Bialystok wurden die Flüo tmge gilt empfangen. In Minsk sind 2000 Flüchtlinge angekommee ' Ans New Bork wird geschrieben: Hiesige Blätter bringen Nachricst ü ans Jerusalem, wonach die Stadt vollkommen unter deutschem liii tärischen Kommando steht. Sowohl die Post als die gesamte sonsti. ' Zensur werden von Deutschen beallfsichtigt und ausgeübt. Unter d i Zensoren befindet sich auch eine 'Anzahl jüdischer Herren für Hebrai! Jargon und Rumänisch. Die Oberaufsicht über die Militärhospitäe in der Türkei liegt in den Händen eines österreichischen Glauben genossen, Ingenieur Hecker. Die Oberschwester des Misg-abladock Hospitals, Frau Lischanski, ist mit der Leitung der Krankenpflege ' '■ sämtlichen Militärhospitälern Jerusalems betraut worden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastratze 58 Verantwortlich siir den Anzeigenteil: R e i n h. M a u s o l f f, Berlin C 2. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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