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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-07 · Heft 19 (7.5.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 19 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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9. Jahrgang Nr. 19 Berlin, 7. Mai 1915 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen .Leirung des AudentumS". Sorrrlpondknsm und Aschrichten. SkUtschiSNÜ.! Z/7> Berlin, 4. Mai. Verschiedene in Palästina arbeitende jüdische rganisationen Deutschlands haben, wie bereits mitgeteilt, ein Hilsswerk i ir Palästina gegründet und fordern in einem großen Aufruf die i entschen Juden Zu Spenden auf. Als erste Rate hat das Hilsswerk; ir Palästina soeben 20 000 Mark für die notleidende jüdische Be-! ölkernng nach Palästina überwiesen. Die jüdische Bevölkerung leidet! -ehr als die arabische unter der Absperrung Palästinas vom Weltj anbei, weil sie sich vor allem in den judüischen Kolonien mit dem An-! m von Exportfrachten befaßt. Tie amerikanischen Juden haben eine! oßzügige Hilfsaktion für die palästinensische Bevölkerung organisiert nd in Zusammenarbeit mit christlichen Gesellschaften auf dem amerimischen Kohlendampfer „Viilkan" einen großen Lebensmitteltransport n Werte von 150 000 Dollar nach Palästina gesandt. Die jüdischen j rganisationen haben festgestellt, daß ein Zuschuß von mindestens j >0 000 Mark monatlich nötig sein wird, um der schlimmsten Not der wischen Bevölkerung zu steuern und die bestehenden Einrichtungen zu halten. Nun werden die deutschen Juden aufgefordert, an der eschafsung dieser großen Summe zu ihrem Teil tatkräftig mitzurbeiten, da ja Deutschland als Freund und Bundesgenosse der Türkei :t erster Stelle zu dieser Hilfsaktion verpflichtet ist. In allen Teilen entschlands sollen Sammelstellen organisiert werden, um den großen md zu erreichen: der Not der jüdischen Bevölkerung zu steuern und •ie Ergebnisse jahrzehntelanger hingebungsvoller Arbeit aus der heiligen cholle der Väter vor schwer gutzumachendem Schaden zu hüten. — Geldspenden werden auf das Postscheckkonto Berlin 4192, Hilfswerk für alästina, geleistet. &&& Berlin, 4. Mai. Der Sonderberichterstatter der „Bossihen Zeitung" schreibt in einein längeren Artikel „Unter russischen gefangenen": Etwas abseits von den übrigen hocken auf dem Bähung einige schwarzhaarige ausgemergelte Gestalten in zerrissenen oldatenmänteln und murmeln im eintönigen Singsang etwas vor d) hin. „Wer sind diese Kameraden?" frage ich den raublustigen eldwebel. „Das sind keine Kameraden, Euer Hochwohlgeboren, 'ndern bloß Judenbengel (Shidi), die gerade ihr Nachmittagsgebet richten." Also „bloß Judenbengel" — die entsittlichende Zarennrtschaft richtet selbst auf dem Schlachtfeld und in der Gefangenschaft nie hinunelhohe Schranke zwischen Auchchristen und Nurjuden ans. lese haben inzwischen ihr Gebet beendet, und scheu, gleichsam selbst ier in steter Angst vor dem russischen Polizisten, nähern sie sich llferer Gruppe. „Wir sind aus Balta, teurer Herr," beantworten sie .uw Frage, „und Gott segne die Deutschen, die uns jetzt ausgenommen abeu. Viele sind ja von uns nicht übriggeblieben, denn so oft die wissen stürmten, mußten wir in erster Reihe voranü r m e n; selbst die Maroden und Kranken wurden dann jedesmal azu aus den Revieren (Okolodki) geholt. Gott verzeihe ihnen diese llutsünde!" Eine magere Faust schlägt an die eingefallene Brust, und n trüber Resignation nicken die übrigen jüdischen Nichtkameraden, ach war Rabbiner in Ostrowko," sagt ein Zweiter, „habe ehrlich Lottes Wort gepredigt und war nie Soldat gewesen. Da haben sie nch anr 29. Januar vom Morgengebet weg aus der Synagoge unter vaustschlägen und Kolbenstößen geholt, haben mich nicht einmal von neiiter. Frau und meinen Kindern Abschied nehmen lassen, schleppten nich in einem Viehwagen an die deutschen Berge und ließen mich -türmen. Wie konnte ich dies aber — wußte ich doch nicht einmal, oas ich mit meinem Gewehr anfangen sollte, das sie mir in die Hand 'drückt. Gott sei dafür gelobt, daß die Deutschen mich gerettet haben!" &&& Berlin, 4. Mai. Das Eiserne Kreuz erhielten: Dr. Walter;> athenau, der als Direktor der Kriegsrohstoffabteilung sich verienstvoll betätigt hat, Gefreiter Alfred B r a u n , Spezialarzt Dr. Heinrich L e i ch t e n t r i t t, Vizewachtmeister d. R. Hans Dan- U g e r, Feldwebel Curt Joseph, Felbwebelleutnant Martin M e n d e l s o h n, Rechtsanwalt Dr. Bruno A p t, Kriegsgerichtsrat Rechtsanwalt Dr. Georg Wunderlich, Bataillonsarzt Dr. Leo Hi rschlaff, Assiftenzart Dr. Paul Reiche, Zivilingenieur Felix Ni oral, Unterarzt Dr. Sigm. Glaser, Rechtsanwalt Benno W y g o d z i n s k i, der als Gerichtsrat einer Etappeninspektion angehört, Bataillonsarzt Dr. Ernst Glaser, Assistenzarzt Dr. M. Schulhof, Assistenzarzt Tr. Moses Strauß, Offizierstellvertreter Dr. jur. Siegfried Lieb eck, Dr. Arnold Loewy, Assistenzarzt im Rudolf - Virchow - Krankenhaus, Sohn des Rabbiners Dr. L o e w y - Graudenz, Groß-Berlin. — Herr Sanitätsrat Dr. Ludwig Hahn, Berlin-Schöneberg, Martin-Luther-Straße 20, der seit November 1914 als Chefarzt einer Sanitätsabteilung im Elsaß dem Vaterlande dient, ist zum Oberstabsarzt befördert und mit dein Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Seine beiden Söhne stehen auch, und zwar der eine im Garderegiment als Unteroffizier, der andere als Feldzahnunterarzt jetzt in Ostende, im Felde. - Ebenfalls mit dem Eisernen Kreuz wurden ausgezeichnet: Vizeseldwebel Wilhelm N o s e n t h a l, Frankfurt a. O., Dr. Georg G o l d s ch m i d t, Breslau, Assistenzarzt Dr. Hans Al a r c n s, Stroppen, Einjähriger Gefreiter Kurt K a tz, Zwickau i. Sa., Oberarzt Dr. Willy Michaelis, Leipzig, Dr. Emil Weiß, Bitterseld, Feldrabbiner Dr. Sonderling, Hamburg, Unteroffizier der Res. S. Abraham, Posen, Unteroffizier Leo Lewinski, Polzin in Pommern, Unteroffizier Referendar Arthur Bauer, Köln, Vizeseldwebel Arthur Gabbe, Sohn des Kausinanns I. Gabbe, Magdeburg. Das Eiserne Kreuz erhielten in N ü r nb e r g : Oberarzt d. L. Dr. I g l a u e r , Fritz N e u bürg e r , Gesr. i d. Res. in: bayer. 20. Reserveinfanterieregiment, OffiZierftellvertreter j Diplomingenieur David Falk, Oskar Lövinsohn, Mitglied des i freiw. bayer. Kraftfahrerkorps, für tapferes und unerschrockenes Ver- > halten bei der Bergung von Verwundeten. — Landwehrmanu Sally! Landauer aus Creglingeu i. Wrttbg. Der Vizefeldwebel August j Al ichelbache r aus Oettingen i. Bayern erhielt wegen hervor-! ragender Tapferkeit das Eiserne Kreuz 1. Klaffe und wurde zum z preußischen Leutnant befördert. — Das bayerische Militnr-! Verdi e n st k r e uz H. K l a s s e e r h i e l t e n : Lazarettinspektor Dr. Gustav Kahn, Fritz Forchheimer, Vizewachtmeister benn i 1. schweren Reiterregnnent, zugeteilt Zmn Stab der bayer. Kavallerie-! dlvision. — SD e n Militärverdi -e u stord e n IV. Klasse e r h i e l t e n : Oberstabsarzt Dr. Leonhard R o s e n s e l d , Oberstabsarzt Dr. Steiuheimer, Stabsarzt Dr. Benno Jakob, Stabsarzt Dr. Ludwig F r a n k, Oberarzt d. Res. aus Nürnberg, Leutnant Dr. K r a ke n be r g e r, Amtsainvalt in Nürnberg. - Z n bayeris ch e n L e u t n a n t s tu u r d e u befördert: Rechtsanwalt Dr. Levor, Dr. jur. Eise mann, Rechtspraktikent I o se P h s t h a l, Karl R o s e n b a u m , Tiugfelder. — Z u m badischen Leut u a nt w n r d e b e f ö r d e r t: Paul M a y e r! aus Mannheim im Reserveinfanterieregiment Nr. 40. Z/7) Königsberg, 30. April. Unter der Aegide des Vereins „Hachnossas Orchim — Jüdische Volksküche E. V., Königsberg" ist hier für die Bespeisung der jüdischen' Soldaten der Garnison an den hohen .Feiertagen int Herbst 1914 in der Weise gesorgt worden, daß dieselben, soweit es der Raum gestattete, im Pensionat Ata sie beköstigt, im übrigen in Familien untergebracht wurden. Gegen Ende des Monats September, als die ostpreußischen Flüchtlinge in großen Scharen nach Königsberg strömten, unter welchen sich viele Glaubensgenossen befanden, die auf rituelle Bespeisung Wert legten, wurde eine größere Organisation notwendig. Zu diesem Zweck stellte die Kant-Loge in hoch anerkennenswerter Weise ihre Räume zur Verfügung, und es wurde von dem Verein Hachnossas Orchim unter finanzieller Unterstützung des bei Kriegsausbruch zur Linderung der Not unserer Glaubensgenossen gegründeten „Hilfskomitees 1914" hier eine Küche eingerichtet, in welcher die Flüchtlinge und auch Soldaten regelmäßig eine gute koschere Bespeisung erhielten. Gleichzeitig wurden die Flüchtlinge, soweit erforderlich, reichlich mit Kleidern versorgt, die von Glaubensgenossen aus ganz Deutschland gesandt worden waren. Für die Bestreitung der Mittel zur Verpflegung: der Flüchtlinge trat damals in der Hauptsache das allgemeine Komitee für die ostpreußischen Flüchtlinge ein, das über große Mittel verfügte, in dein es wöchentlich 200 bis 300 Mark, je nach Zahl der Personen, zur Verfügung stellte. Am 15. Januar mußte die Küche für die Flüchtlinge geschlossen werden, da

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