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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-07 · Heft 19 (7.5.1915) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 19 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
Seite 226 (sequence 10)
Language
German
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226 sitzende träge wird und sich auf andere verläßt", lassen wir ihn wieder mit der Schilderung seines Aufenthaltes im liberalen Doktorhause sortsahreu: „Ein freigebiger Tisch wurde gehalten! alles war von bester Ware und in reichlicher Menge. Die Dienstboten hielten Haus und hatten freie Hände in allem; wurden niemals als Dienstboten behandelt. Das Hausmädchen war Pietistin, durfte es sein, soviel sie wollte. Sie hatte eine gute und huinvristische Natur und scherzte, unlogisch genug, mit dem im Hause herrschenden frohen Heidentum. Niemand scherzte dagegen mit ihrem Glauben. Johann selber wurde bald als vertrauter Freund, bald als Kind behandelt; er wohnte mit den Knaben zusammen. Sein Dienst war leicht. Es lag dem Pater mehr daran, daß er den Kindern Gesellschaft leiste, als daß er sic unterrichte. Er wurde hier etwas „verwöhnt", wie inan zu sagen pflegt - - mit der gewöhnlichen Auffassung, daß die Jugend zurückgesetzt werden müsse. Erst neunzehn Jahre alt, wurde er als einer ihresgleichen unter bekannte und reife Künstler, Aerzte, Schriftsteller, Beamte ausgenommen. Er begann sich für erwachsen zu halten, und die Rückschläge ivurden darum desto härter." Man kann sich leicht denken, daß die jetzt folgenden Krisen tutö Kümpfe, auf die Strindberg schließlich anspielt — die j des Dichters und Künstlers gegen den nüchtern-strengen Arzt-! beruf —, somit die wichtigsten und enrscheidenden seines Lebens überhaupt waren. Bor allem aber war er doch den düstersten sozialen Problemen eine Weile entrückt, und das! Eigentümliche und für uns doppelt Interessante ist ferner, i daß gerade diese neue Phase und Wandlung in der Be-! rührung mit d c m s e l b e n Kreise, denselben M >e n - I ch e n keimträchtig schlummern mußte! Ueberall wird dann; auch weiter von Strindberg selbst kein Hehl daraus gemacht. „Der Zufall wollte", heißt es einfach in Begründung dieser i geistigen Verlockungen, „daß die Frau Doktor eine gute! Bibliothek mit der schönsten Literatur der ganzen Welt besaß. j Das war ein Schatz! Und der Doktor besaß eine Galerie l schivedischer Meister und eine wertvolle Sammlung Kupferj |tid)c ... In der Familie sprach man so viel von Gemälden j und Künstlern, Dramen und Schauspielern, Büchern und! Dichtern, daß der Doktor sich oft veranlaßt sah, das Gespräch; mit einer starken Dosis aus seiner Praxis zu würzen-" ' Aber „die Aesthetik war einmal ins Leben eingebrvchen", und die hier zuletzt schon angedeutete, fast rührende Haltung; des Doktors den: gegenüber, was er selbst (wie er jetzt wohl 1 ahnen mochte!) zweischneidig heraufbeschwvren hatte, wird von Strindberg überall mit höchster Anerkennung und Dankbarkeit erwähnt. Ja, den größten Schmerz verursacht dem Dichter der Gedanke, daß der Freund doch endlich hinter seine anfangs bloß heimlich gewagten und betriebenen Schauspielerstudien — ihm war plötzlich die Bühne als einziges Lebcnselement erschienen! — komnien müsse. Aber wie benimmt sich dieser, als der Jüngling schließlich seine nicht mehr zurückzudämmende Lust für Theater und Literatur voll bekannt hat? „Der Doktor war wohl traurig" — dann aber ist er selbst wieder der erste, der ihm einen Weg in die Oefsentliehkeit zeigt und bahnt, und in beider Verhältnis ändert sich nicht das geringste! Im Gegenteil, sie gehen sogar von neuem Hand in Hand, arbeiten gemeinsam: der Doktor veranlaßt Strindberg, Schillers „Schaubühne als moralische Anstalt" ins Schwedische zu übersetzen, und er selbst schrieb eine Einleitung dazu — und das war, in einer Zeitschrift, eine der ersten Veröffentlichungen Strindbergs! Es bietet sich uns wohl ein anderes Mal noch Gelegenheit, dieses Dichters weiteres und großes Schaffen im Zusammenhang mit Judentum und jüdischen Ideen zu betrachten, wie er manchmal wundervolle Paraphrasen zur Bibel schuf, zum Beispiel in den „Historischen Miniaturen" die „Aeghptische Knechtschaft", tvie er in den „Blaübüchern" für den tiefste 11 Kern unserer Religion geniales Verständnis an den Tez I legte, und vieles mehr. Für heute wollten wir, angeregt dur! I ein reifes Stück seiner späteren Jahre, nur auf die ersten Ar- I sänge dieses größten skandinavischen Meisters Hinweisen, d c I mit gewissen Erinnerungen, Erfahrungen und Erlebnisse > I in jüdisch-geistiger Luft und Atmosphäre möglicherweise nur! in sein ganzes ferneres Werk und Leben hinübergewirkt habe . I Mm jkrwerbsmögljchknten. Von FannyCohn. er Krieg hat vielen geholfen, die vorher keine Mögt» - keit vor sich sahen, ihre Existenz zu fristen. Wenn cd. gewisse Anpassungsfähigkeit und ein kleines Kapital zu eine i bescheidenen Anfang vorhanden waren, bot gerade der Krieg u; seinen vielfachen Bedarfsartikeln Gelegenheit zu gutem Abso . Es mußte umgelernt werden. So entstanden denn die viel neuen Fabrikationszweige in Metall-, Leder-, Textilartikeln un > Lebensmitteln. Die Heeresleitung war eine sichere und solven? Abnehmerin. Auch die Zeitungen, von denen ein Teil mange Inserate eingegangen war, bekamen wieder Luft. Die Jnsera . häuften sich wie in Friedenszeiten; Angebot und Nachfra e war wie sonst. Diejenigen, welche der Situation jt gewachsen wäre , die weder umzulernen noch zu wagen verstanden, die vieline r vor jedem Risiko zurückschreckten, mußten zusehen, wie ande ■ ein glänzendes Geschäft machten. Was speziell die jüdischen Kaufleute betrifft, so hat e i Teil derselben ja mit neuen, anpassungsfähigen Und nehmungen sich in die Sachlage zu schicken verstanden. 2 Zagen blieben zurück. Was beginnen? Etwas Geld wäre i beschaffen; zur Fabrikation, zur Lieferung reicht es nicht an Man muß doch leben, kann nicht alles aus eine Karte setze Es ist mir ausgefallen, daß es in Berlin weder eine jüdisn Molkerei mit Großbetrieb, eine Fischzuchtanstalt, noch ein; Geflügelhof und -zuchtanstalt gibt. Das sind doch Unternehmen, deren Rentabilität gänzli > außer Frage steht, namentlich gegenwärtig. In Frankfurt a. A ist die Milchkuraustalt von Isenburg in der Hanauer La»? straße allgemein bekannt. Seit Jahrzehnten wird sie nicht in von Juden stark frequentiert. Der Besitzer ist ein wohlhabend Atann geworden. Ferner ist in der Eschersheimer Landstra ebenda die Mahsche Milchkuranstalt und im Sandweg d selbst die Rothschildsche. Es gibt noch mehrere andere v- Juden geleitete Milchwirtschaften dort. Bei Isenburg befind sich ein Garten am Hause; da trinken die Gäste frisch ins Gl; gemolkene Milch; sie essen Brot mit Butter und saurem Rahi Handkäse. Viel Milch wird in der Stadt abgesetzt, auch Butte Hand- und Siebkäse (Ouark). In Teplitz besteht eine Milchkuranstalt in der Neuen Bad gasse, von dem Ehepaar Levy geleitet. In vier aneinande hängenden Ställen fand ich 80 wohlgenährte Kühe stehen, l e von zwei Schweizern betreut werden. Das schöne große Hm ■ besitzt ebenfalls einen Garten, wo die Leute einkehren. Jedermann, der das schöne Wiesbaden kennt, dem ist d „Fischzucht" dort ebenfalls bekannt. Das Etablissement, das diesen Namen führt, hat Forelle zucht und einen großen Garten, in dem die Gäste den Fil > verzehren. Während meines dortigen Aufenthaltes vor länger e Zeit habe ich mehreremal in der Woche mein Abendessen dm selbst eingenommen. Das im Nerotal reizend gelegene Ha» war immer von Gästen überfüllt. Die Anlage einer Fischzuchtanstalt am Havel- oder Dahn» ufer, wo Forellen gedeihen würden, die Anlage von Karpfen und Schleieteichen aus freiem Gelände würde äußerst rentabel

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