Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229177-3229197--71300-3283632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
223 -chörcn zu den besseren tmtcx den vielen Tausenden, die der gegenwärtige Krieg gezeitigt hat. Die Zentrale für Private Fürsorge?) W 35, Flottwellstraße 4, j ibt soeben den von ihr bearbeiteten Führer „Kriegsfürsorge in Großj Berlin" in zweiter, bedeutend erweiterter Auflage heraus, nachdem »ie erste, zu Neujahr erschienene Auflage in wenigen Tagen volltändig vergriffen war. Die Neuherausgabe, deren Anordnung aus Wunsch des Herrn Bürgermeisters Neicke in bezug auf die städtischen Maßnahmen erfolgt ist, bietet ein umfassendes Material über alle eit Kriegsbeginn erlassenen Verordnungen und Verfügungen, die > wem Allgemeinwohl dienen, ferner eine Zusammenstellung der für die! Krregswohlsahrtspsleae in Betracht kommenden Ne i chs ge s etze mit i hr-en Ergänzungen und Erläuterungen über Krieg-, Mietind Arbeitslosenunterstützungen sowie eine Zuammenstellung der Besoldungen, Pension e n u n d H i n - l e r b l i e b e n e n r e n t e n. Ein besonderer, von dem juristischen Mitarbeiter der Broschüre yergestellter Abschnitt bringt die für die ariegszeit in bezug auf die Gerichtsbarkeit wichtigen Erlasse iir Krieger und zugunsten notleidender Schuldner. Ein ausführlicher Abschnitt ist der so wichtigen Frage der N a h r u n gs m i t te l - o e r s o r g u n g gewidmet; ein umfangreiches A d r e s s e n v e r z e i dy iisder wichtig st e n W o h l f a h r t s e i n r i ch t u u g e n befindet ich am Schlüsse der „Kriegsfürsvrge". Da die Broschüre auch zahlreiche besetze und Verordnungen bringt, die auf Preußen und zum Teil auf >as ganze Reich Bezug Haben, so wird das Interesse an diesem Werk mch in weite Kreise Deutschlands dringen. Für alle in der Groß- , berliner Wohlfahrtspflege tätigen Persönlichkeiten ist der Führer z ebenfalls ein unentbehrliches Nachschlagewerk, das einem vielseitigen! Wunsch sein Erscheinen verdankt. Die über 200 Seiten fassende Broschüre ist zum Preise von 75 Pfennig im Buchhandel sowie in! wer Geschäftsstelle der Zentrale für private Fürsorge erhältlich.! Von diesem dem eminenten Friedenswerke in Kriegszeiten gewid-! rneten Buche wenden wir uns wieder solchen Erscheinungen zu, die es j ausschließlich mit dein Kriege, mit der Feindschaft der Völker zu tun! jabench. Ein gründlicher Kenner des Orients, E. Mittwoch, der in j wiesen Tagen zum außerordentlichen Professor an der Berliner Unij oersität ernannt worden ist, setzt das Wesen des Heiligen Krieges! auseinander. Er will nicht auf die militärischen Aussichten der Türkei! Angehen und auch die Erfolge des Heiligen Krieges nicht im einzelnen! besprechen, sondern setzt als einen Erfolg auseinander, daß „alle! inneren Zwistigkeiten, alle Gegensätze zwischen Türken und Arabern, j zwischen unbotmäßigen Beduinenstämmen und der Zentralregierung,! selbst die alteingewurzelten religiösen Streitigkeiten zwischen Sunniten j und Schiiten vergessen sind". An: Schluß des lehrreichen und bej yerzigenswerten Schriftchens, das schon als Teil der Sammlung, der! es angehört, eine große Verbreitung finden loird, steht der Satz:! Menu der Krieg den Ausgang nimmt, den wir erhoffen, wird auch! Wie Türkei einer neuen, glücklicheren Aera entgegengehen. Xk freundj schafblichen Beziehungen, die uns seit langem mit dem islamischen - Orient verbinden, werden sich dann immer inniger gestalten. Neue Aufgaben werden an uns herantreten, Aufgaben, an denen wir freudig arbeiten wollen im gemeinsamen Interesse Deutschlands und der Türkei." Sehr doktrinär ist die Schrift eines Mannes, der sich unter einem Pseudonym verbirgt. In dem Gespräch zwischen Edward und Meheutcb7) vertritt Mehemed die Sache der Deutschen und ihrer Bundesgenossen, Edward die Sache Englands. Wie es in solchen Dialogen geht, in denen der Verfasser gar nicht objektiv bleiben will, sondern die Sache einer Partei vertritt, wird die Angelegenheit Englands nicht so verteidigt, wie es von einem überzeugten Engländer geschehen könnte. Die Schrift handelt übrigens nicht nux von dem gegenwärtigen Kriege, sondern die Stellung Englands zu den Kolonien s) Kriegsfürsorge in Groß-Berlin. Ein Führer, heraus gegeben von der Zentrale für private Fürsorge, Berlin W 85, Flottwellstraße 4. Berlin 1915. Verlag von W. u. S. Loewenthal. Preis 75 Pf. 8) Kriegsschriften des Kaiser-Wilhelm-Dank, Verein der Soldatensreunde. Heft 17. Deutschland, die Türkei und der .Heilige Krieg. Von Dr. Eugen Mittwoch, Universitätsprofessor und Dozent am Seminar für orientalische j Sprachen in Berlin. Verlag Kameradschaft, Wohlsahrtsges. m. b. H.,! Berlin W 35. j 7) Recht oder Unrecht? Ein Disput über den Völterkrieg zwischen > Edlvard und Mehemed. Don Dr. Mehemed Emin Efendi. Dresden 1915.! Verlag von Richard A. Giesecke.! und zu den übrigeil Ländern loird etwas breit vorgetragen. Mitunter wird mit Ironie der Anspruch Ellglands zurückgewiesen, für Kultur nlld Humanität aufzutreten, und mit patriotischem Schwünge Deutschlands Recht betont. Der Schluß ist allzu rhetorisch. Wie in der eben angezeigten Schrift England, wird in einer neuen Arbeit Adolph Kohuts Frankreich als Erbfeind Deutschlands hingestellt. Dies scheint mir historisch nicht ganz gerechtfertigt. Im gegenwärtigen Kriege wenigstens handelt Frankreich nach meiner Ueberzeugung nur im Schlepptau Rußlands und in einem nicht ganz freiwilligen Anschluß an England. Auch das Wort des ehemaligen Reichskanzlers, des Fürsten Bislnarck, das unserer Schrift8) als -Diottü vorgesetzt ist: „Der nächste Krieg bedeutet entweder die Vertilgung Deutschlands von der Oberfläche Europas oder die Vertilgung Frankreichs", inöchte ich mehr als einen augenblicklichen Zornesansbruch betrachten, wie er in einem lebhaften Tischgespräch vortonlinell kann, demi als das Resultat richtigem politischen Nachdenkens. Wenn man auch in diesen beiden Pllllkteu mit dem Autor nicht übereiustinunt, so folgt inan gern seinen Auseinandersetzungen, die um die Mitte des 16. Jahrhunderts beginnen mib mit 1871 schließen. Kohut ist weniger objektiver Historiker als glühender Patriot, er zitiert nach meinem Geschmack etwas zu viel, aber er weiß lebhaft zu erzählen und fesselt dadurch den Leser. Im Airschluß daran mag ein arideres Werk des unermüdlich schassenden Autors°) erwähnt werden, das, mcim es auch nichts mit dem augenblicklichen Kriege zu tun hat, so doch sich mit unsere!: Feinden beschäftigt. Das Büchlein enthält gewandt zusammengestellte Ausdrücke aus Bismarcks Erinnerungen und aus seinen Reden. Am wenigsten feindlich lauten die Ausdrücke des großen Staatsmannes über Rußland. Sehr urerkwürdig ist die Aeuherung (S. 72): „Wenn wir, Deutschland und Oesterreich-Ungarn, aber zusammen mit unseren zwei Millionen Soldaten Rücken an Rücken stehen wie ein Karree, dann sollen es die mit ihrer nihilistischen Politik wohl bleiben lassen, den Frieden zu stören." Auch diesem Buche ist, wie billig, ein Motto Bismarcks vorangestellt, von dem man nur wünschen kann, daß es sich glänzend und bald bewahrheitet. Es lautet: „Heute gilt es uns wenig, ob die Feinde von Ost und West, selbst vereint gegen uns heranziehen wollten. Wir hauen sie doch alle in die Pfanne." (Eine Bitte möchte ich bei der Gelegenheit dem Autor vortragen, daß er nämlich seinen Verleger veranlasse, seinen Büchern Inhaltsverzeichnisse vorangehen zu lassen. Ein Buch ohne Inhaltsverzeichnis macht -einen unbehaglichen Eindruck.) Den Schluß der diesmaligen Uebersicht mögen zwei Bücher verioandteu Inhalts machen. Das ersteA()) ist eine Fortsetzung einer in Nr. 14 besprochenen Veröffentlichung. Der Titel ist eigentlich ein Widersprilch, denn Haß und Lob sind Gegensätze, wahrscheinlich ist oer Titel satirisch gemeint. Er soll bekunden, daß das nngemessene Lob, das die Ausländer aller Zeiten über Deutschland aussprachen, sie eigentlich zu keinem Hasse berechtigt. Ich zweifle nicht, daß der Verfasser alle die Stellen, die er mitteilt, genau nach den Originalen übersetzt hat, möchte aber doch bemerken, daß aus den Werten vieler Schriftsteller dem Lobspruch auch ein tadelndes Wort entgegengesetzt werden könnte. Wenn Victor Hugo sagt: „Deutschland ist eines der Länder, die ich liebe, und ich bewundere das deutsche Volk. Ich habe fast die Gefühle eines Sohnes für dieses edle und heilige Vaterland aller Denker; wenn ich nicht Franzose wäre, möchte ich Deutscher sein", so weis; ein jeder, der Victor Hugo auch nur oberflächlich kennt, daß der genannte französische Schriftsteller in seinen Poesien glühende Zvrnausbrüche gegen Deutschland gebraucht hat. Und auch Michel de Moutaignes Wort: „Alles ist in Deutschland voll von Beqeumlichteit und Artigkeit und vor allem von Gerechtigkeit und Sicherheit", loird wettgemacht durch viele Aussprüche desselben Schriftstellers über deutsche Trunksucht, Unreinlichkeit und Barbarei. Die hier zusammengestellten Lleußerungen folgen bunt aufeinander, indem ebensowohl Mitglieder der verschiedensten Länder unmittelbar hintereinander das Wort ergreifen und auch so, daß Aussprüche von 1813, 1911, 1858, 1808 usw. in schönster 8) Frankreich als Erbfeind Deutschlands. Von Dr. Adolph Kvhut. Hof a. S. Druck und Verlag von H. Kleemeier. b) Bismarcks Urteil über Frankreich, Rußland und England. Von Dr. Adolph Kohut. Hof a. S., Druck und Verlag von H. Kleemeier. io) Unsere Feinde, wie sie die Deutschen hassen. II. Bd. Lob Deutschlands aus den: Munde berühmter Franzosen, Engländer, Russen, Japaner. Belgier usw. Herausgegeben von Dr. Fr. Stieve. Mit 80 Karikaturen. Erschienen im Kriegsiah r 1915 im Delphin-De Aa-g. München.