Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- Seite 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Krirgsliteratur. Von L u d w i g G e i g e r. II. er Elfer ist verrauscht, mit dem ein jeder die Karte vor sich ausgebreitet hatte, auf denen er den Siegeslauf der deutschen Truppen verfolgte, aber immer ist das Interesse noch groß, die schrittweise sich vollziehenden großen Entscheidungen zu betrachten. Zn diesem Behuse reichten die bisher erschienenen Karten nicht immer aus. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, sind die eben erschienenen Ravensteinschen*) Karten wirklich sehr nützlich. Für den Augenblick sind ganz besonders wichtig die außerordentlich genauen Darstellungen von Belgien und Polen, die unseren Lesern in erster Linie empfohlen sein mögen. Ueber das einzelne seien nach dem Bnchhändlerbericht folgende Daten angegeben: Im Felde brauchbare Kriegskarten, Maßstnb 1 :300 000, hat die Geographische Anstalt Ludwig Ravenstein, Frankfurt a. M., herausgegeben. Die in Buchhandlungen und beim Verleger käuflichen Karten enthalten alle Orte bis zum Weiler und in weniger dicht bewohnten Gegenden auch Einzelhöfe mit Namen, Eisenbahnen mit Stationen, Landstraßen, Ortsverbindungswege, Wald, Bergnamen und Höhenzahlen und eignen sich hervorragend zu Liebesgaben. Die Karten sind nicht allein für die ins Feld ziehenden Truppen ein von vielen militärischen Stellen anerkannt vorzügliches Hilfsmittel, sondern ermöglichen auch den Angehörigen daheim, den Standpunkt ihrer Lieben an der Front genau sestzustellen. Den zurückkehrenden Kriegern bieten die Ravenstein-Karten die Möglichkeit, den ganzen während des Feldzuges gemachten Weg zu verfolgen. Jede der Karten hat 70 X 106 Zentimeter bedruckte Fläche. D e n w e st l i ch e n Kriegsschauplatz umfassen: Karte Nr. 3 Belgien und angrenzendes Nordsrankreich sowie. Karte Nr. 4 Ostfrankreich mit Beikarte Umgegend Paris, beide in Schwarzdruck mit rotem Eindruck der Landesgrenzen und feindlichen Befestigungen, Karte Nr. 9 Elsaß-Lothringen, die außerdem noch Gebirge in brauner Schraffierung bringt. D e. n ö st l i ch e n Kriegsschauplatz umfassen: Karte Nr. 6 Russisches Grenzgebiet gegen Ostpreußen; Karte Nr. 7 Polen, nördliche Hälfte (Mittelpunkt Warschau); Karte Nr. 8 Polen, südliche Hälfte. Diese drei Karten sind in Schwarzdruck mit roten Grenzen und Befestigungen sowie grün für die ausgedehnten Waldslächen gedruckt. Alle sechs Karten kosten jede nur 1 Mark. Karte Nr. 13 Südostengland, im Westen von der Linie Sheffield—Southampton begrenzt, wird von besonderem Interesse werden, wenn der Luftkrieg einsetzt. Diese Karte ist in Höhenschichtenmanier allsgeführt, hat 25 Nieter Höhenkurven, von 50 zu 50 Meter verschieden getollte Schichten, blaue Flüsse, Larldstraßen (mit Entfernungen) in drei Qualitäten rot, Wald grün, Orte und Bahnen schwarz. Preis dieser Karte 1,50 Mark. Eine zweite Gruppe bilden die drei Ravensteinschen Kriegschronikkarten, D. R. G. M., die in sehr klarer und übersichtlicher Weise mit rotem Eindruck seither bekanntgewordene Kriegsereignisse derart verzeichllen, daß jedermann unter Anwendung der gleichen Zeichen für die Karten sich auf dem laufenden halten kann. Karte Nr. 10 Westlicher Kriegsschauplatz kostet nur 60 Pf.; Karte Nr. 11 Nordfrankreich l.lld Südengland 75 Pf.; Karte Nr. 12, alle östlichen Kriegsgebiete in sechsfachem Druck umfassend, kostet 1 Mark. Schließlich seien noch erwähnt die sehr klare Uebersichtskarte (Nr. 1) von Europa 1 :7 000 000, Preis 60 Pf., sowie Karte Nr. 2 Kriegs- und Heeresstraßenkarte für beide Kampffronten 1 :2 200 000, 1 Mark, und Karte Nr. 5 Umgegend Paris 1 :300 000 mit farbiger Waldlmd Gebirgsdarstelluug, 50 Pf. Alle Karten sind in sauberem Umschlag gefalzt. Auf Schirtingpapier gedruckt, kostell die großen Karten 1 :300 000 jedes Stück 3 Mark. Lamms „Jüdische FeMbücherei"-) ist ein nützliches Unternehmen. Das erste Heft „Der Krieg und wir Juden" enthält gesammelte Aus- J) Ravensteins Deutsche Kriegskarten Nr. 1—13. Preis 60 Pf. bis 1,50 M. Verlag Ludwig -Ravenstein, Geographische Anstalt, Frankfurt a. M. Auslieferung aller Ravensteinschen Kriegskarten für Gr.oß-Berlin bei Dietrich Reimer, Berlin SW 48, Wilhelmstraße 29. 2) Lamms Jüdische Feldbücherei. Nr. 2—3: Die Psalmen in deutscher Uebertragnng von Dr. Michael Sachs, Preis 1,20 M., geb. 1,60 M. — Nr. 4: Makkabäa, Jüdisch-literarische Sammlung von Louis Lamm. Verlag von Louis Lamm, Berlin, 1915. Preis 60 Pf., geb. 1,— M. sätze verschiedener jüdischer Schriftsteller. Nr. 2 und 3 die Psaliw deutsch von Michael Sachs. Die letztere Sammlung, ein bekannt Meisterwerk, 'bedarf keiner weiteren Empfehlung. Ueber den. Inh,: von Nr. 1 vermögen wir nichts Näheres zu sagen, da uns das §: nicht zugekommen ist. Nr. 4 bringt Geldichte- -und Legenden in. bunt Auswahl. Daß hierbei ein kleiner Auszug aus Karl Ettlinge lustiger Schrift „Moritzchens Tagebuch" -ausgenommen wurde, ist wiß froh zu begrüßen. Dagegen scheint es mir recht überflüssig, d, einem Aufsätze von Kayserlingk über Teilnahme der Juden an.Port gisieschen Entdeckungen an dieser Stelle ein Platz gegönnt worden Die sonst abgedruckten Legenden und Erzählungen sind zur Lektl. wohl geeignet. Auch das Buch der Regula Engels mag in diesem Ziufanunonhn besprochen werden, wenn es auch nicht über den gegenwärtigen Kr: sondern über frühere Kriege handelt. Es sind höchst merkwürd: Aufzeichnungen einer Schweizer Frau, geboren 1761, verheiratet 17] gestorben 1855. Die Frau hatte in ihrer Ehe 21 Kinder von 1779 > 1811 geiboren, barunter 17 Söhne, die meist vor der Mutter starb, und vier Töchter, von denen nur eine einzige die Mutter überleb Zuerst lebte Frau Engel mit ihrem Gatten, einem Soldaten, der bis zum Obersten brachte, im Elsaß, dann in Korsika, Flandei Aegypten, Italien und vielen anderen Ländern. Von den Heer: zögen und den vielfachen Abenteuern gibt sie anschaulichen Bericht. Ms ich das Buch zu leisen begann, glaubte ich vielfache Notizen üb Juden zu finden. Diese Hoffnung trog indessen. Einmal, S. b finden sich ein paar häßliche Bemerkungen über holländische Jud ein anderes Mal, S. 219 bis 224, wird die Hilfsbereitschaft -ei: Juden sehr hübsch dargestellt. Das Buch ist aber auch sonst eine st unterhaltende Lektüre. Es gibt außer den Kriegszügen, von bci schon kurz die Rede war, vor allen: die merkwürdigen Retseabenten die Regula Engel fünf Jahre hindurch nach dem Tode ihres Man: bestand, um ihre -an den verschiedensten Orten zerstreuten Kinder e zusuchen. Denn sie reiste nach Amerika zu einem Bruder Bonapar wo sie -einen ihrer Söhne zu finden hoffte, versuchte nach Elba du: zudringen, wo sie zwei andere Söhne vermutete, durchwanderte Fra reich und Italien, um ihre' Tochter zu sehen, die bei der Herzogin r Parma sein sollte. Alle diese Reisen wurden zum Teil aus mtii; licher Sehnsucht, zum Teil aus Abenteuerlust unternommen; auch zwingende Notwendigkeit, eine Stütze in ihrem Alter und Pflege ihrer Krankheit zu finden, trieb die mutige Frau. Denn Frau Nea Engel, die -solche Abenteuer^bestand, war schwer leidend und vollstau verarmt. Man könnte sie eine Reiseschnorrerin en gros neu:: Denn das Buch, das 1821 erschien, also nur von der ersten Hälfte ih Lebens Bericht erstattet, möchte man als eine Bettelei bezeichnen, sie jeden ihrer Gönner, hauptsächlich Schweizer, in allen Orten r Welt nennt und gewiß -auch Sorge dafür trug, daß jedem di: Gönner ein Exemplar zugeschickt wurde. Sie rechnete jedenfalls große Geldbeiträge. Ob diese Hoffnung in Erfüllung gegangen -wissen wir nicht; die gute Frau lebte noch mehr als 30 Jahre nach : E-rscheinen-ih-r-es Buches. - Frau Engel war keine Schriftstellerin von Beruf, man weiß n nicht, ob sie das Buch selbst gesch-rieben oder nach ihren Notizen schreiben lassen. Es -entwirft keine glänzende Charakteristik Menschen und Ländern, aber das Leben der Frau ist so reich an iw würdigen Ereignissen, sie verfügt über guten Humor und über eine staunliche Kraft im Ertragen der merkwürdigen Prüfungen, daß v. ihre Aufzeichnungen mit dem größten Interesse liest. Kriegslieder 3 4) können nur ausnahmsweise hier erwähnt werdas vorliegende Heft ist dem Namen nach von einem jüdischen Ander sonst, wie er selbst bekennt, als Feuilletonist tätig war. 24 Kriegslieder, die hier zusammengestellt sind, waren schon in . tungen und.Sammlungen gedruckt. Die Lieder zeichnen sich durch ei frischen Ton, durch lebendiges Bekenntnis der Vaterlandsliebe e sie empfehlen die Unterstützung der Zurückgebliebenen, seltener pr. gen sie Haß gegen die Feinde, besonders gegen England. Die Lic 3) Lebensbeschreibung der Witwe des Obrist Florian Engel. Von selbst beschrieben und von einem ihrer älteren Verwandten revidiert i mit Anmerkungen begleitet. Neu herausgegeben von Dr. Phil. S. D. berg. 1914. Verlag von Rascher u. Co. in Zürich. 4) Breslauer Weltkriegs-Gedichte und Lieder 1914/1915 von Leo Loe- Gedruckt von Paul Förster, Breslau 10, Matthiasstraße 29. Preis 20 10 Prozent des Reingewinns werden dem Nationalsrauendienst überwies