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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-30 · Heft 18 (30.4.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 18 (30.4.1915)
Date
1915-04-30
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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]i gesegnetes sein. Im Namen des Vorstandes und der Beamten u nt etc Herr Syndikus Dr. Nathan den: teuren Amtskollegen tief in sundene Worte des Abschiedes. Nach einer weiteren Trauerfeier i >er Friedhofskapelle fand die Beisetzung auf dem Friedhofe in h Sborf statt. ys> Limburg, 23. April. Auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe ii de ein im Dietkirchener Gefangenenlager gestorbener 34jähriger ojüdischer Konfession namens Neu mann aus Petrikau bei Lodz -r digt. Die zahlreichen jüdischen Gefangenen hatten durch den , gen Kultusvorsteher die Militärverwaltung bitten lassen, ihren l; ubensgenossen nach den Vorschriften ihres Glaubens auf dem r ich ose ihres Bekenntnisses 31t Limburg zu bestatten. Die hiesige i sche Gemeinde trug die Kosten, und die Militärverwaltung kam Wunsche gern entgegen, obwohl bei den: Garnisonlazarett ein s ncr Friedhof angelegt ist, auf dem bereits einige in der Gefangenst verstorbene Soldaten ruhen. s. A. Nürnberg, 23. April. Am 20. d. M. starb an den Folgen ii r Operation Herr Dr. Heinrich G r ü n b a u m , Reallehrer am >! iglichbayerischen Technikum und an der städtischen Handelsschule Nürnberg im Alter von 38 Jahren. Der Entschlafene war ein >' nn von hervorragender Befähigung und umfassendem Wissen. 1 ' dem Gebiete der Mathematik für Technik und Maschinenkunde Grünbaum als Kapazität und hat verschiedene allgemein vertete Lehrbücher für diese Wissenschaft herausgegeben. Gleich ' i zu bewerten wie als Gelehrter war der Verstorbene auch als 1 usch und als Charakter. Den Angelegenheiten des Judentums : inete der kenntnisreiche und ideal veranlagte Mann seine volle inerksamkeit. Er war ein sehr tätiges Mitglied der Maiaidesloge und erster Vorstand des jüdischen Jugendvereins, welch erem er mit großem Fleiße und tiefem Verständnis Ziel und -stung zu geben verstand. Bei der Beerdigung war die große chenhalle dicht gefüllt; das ganze Lehrerkollegium und sämtliche . iiler des Technikums und der Handelsschule waren erschienen, um i verehrten Kollegen und Lehrer die letzte Ehre zu erweisen. Mit ckichen Worten entwarf Herr Rabbiner Dr. Freu den tha l Lebensbild des edlen und genialen Menschen, der, wie es in der el heißt, die höchsten Höhen und die verborgensten Tiefen des lens zu erreichen und zu ergründen suchte. Namens des Lehrer-?giums und Technikums Nürnberg legte Herr Oberstudienrat p e l l e r einen Kranz nieder. Namens der städtischen Handelsle sprach Herr Direktor Professor Dr. Dorn einen warmempfunm Nachruf. Auch drei Schüler legten unter dem Ausdrucke der ehrung für den ausgezeichneten Lehrer Kränze an der Bahre der. Herr Rabbiner Dr. Heilbronn, der Vizepräsident der imonidesloge, sprach dem Verewigten Dank und Anerkennung nens der Maimonidesloge und des jüdischen Jugendvereins Esra Herr Rechtsanwalt Dr. Strauß, Bingen, überbrachte die 'chiedsgrüße der Rhenaloge aus Bingen, in welcher Stadt der ingegangene jahrelang gelebt, gewirkt und einen zahlreichen undeskreis hinterlassen hatte. Offenburg, 23. April. Wenn mau den neuen Offenburger inhof verläßt, stößt man auf einen Anzeiger der Sehenswürdigeu, unter denen auch das „Judenbad" aufgeführt wird. Dieses!iig bekannte Bad ist, wie die „Straßb. Post" vom 10. April beitet, das älteste Kulturdenkural, das die Nachbarstadt Offenburg glweisen hat. Jahrhundertelang war es verdeckt und ist erst 7 wieder aufgefunden worden. Das Bad liegt unter einem Haus der Glaserstraße, das dein Besitzer des Gasthofes „Zur Sonne", crn Schimpf, gehört. Der Eingang befindet sich in einem ziemlich ' f e n Keller. Hier tritt man durch eine 1,17 Meter hohe und Meter breite Tür in einen etwa zwei Meter langen ebenen ng ein, worauf man 36 Stufen abwärts steigt bis zu einer Tiefe i rund zwölf Metern. Die erste Hälfte des Treppeugangs ist etwa i Meter hoch und 1,20 Meter breit, dann nehmen die Höhe und Breite ab auf etwa 1,70 und ein Meter. Bon der untersten Stufe rt ein fast ebener Gang von etwas über drei Metern zu einer ngaugstür in einen: viereckigen Raun:, der bis zur Höhe von Metern über 2 Meter lang und fast ebenso breit ist. Von der gegebenen Höhe geht dann in der Mitte ein runder Lustschacht von :en: Meter Durchmesser bis zun: Erdboden, wo er mit einer Steiu- 'tte zu gedeckt ist. An dem Gang, der sich unten au der Treppe ündet, ist rechts und links je ein Zugemauerter Türbogen und darin! eine Nische; ob sich hinter den Türbogen vielleicht noch Räume befinden, ist bisher nicht untersucht worden. In der Mitte des viereckigen Schachtes ist ein kreisrundes Wasserbecken, das 1,30 Meter im Durchmesser hat und zur Aufnahme des Grundwassers bestinunt ist; es ist etwas über zwei Meter tief und bis fast zwei Meter mit Wasser angefüllt. Von einer Treppe, die in das Wasserbecken führt, ist jetzt wenigstens nichts zu sehen, lieber Alter und Zweck des merkwürdigen Bauwerks war man früher in: unklaren, jetzt aber wird mit voller Bestimmtheit angenommen, daß es ein sogenanntes Judenbad ist und ans den: Ende des 13. Jahrhunderts stammt. Solche alte Bäder findet man heute noch in Speyer in der bayerischen Rheinpfalz und zu Friedberg in der Wetterau; das Judenbad zu Worms war vor längerer Zeit, als der Schreiber dieser Zeilen danach fragte, verschüttet. Grsterreich-Angam. — Olmütz, 23. April. Das „Mährische Tagblatt" in Olmütz berichtet; Mit einem hier eingetroffenen Berwundetenzuge kam auch ein kleiner Junge mit, der zehnjährige Janosch K. ans Budapest. Janosch, ein kräftiger, munterer Bub, wurde, da er sich von den Soldaten, mit denen er kam, nicht trennen wollte, mit ihnen in das Verwundetenspital der Artilleriekaserne gebracht, das unter ärztlicher Leitung des Dr. Georg Fischer steht. Auf welche Weise der kleine Janosch zu den Soldaten verschlagen wurde, ist gewiß erzählenswert und bildet eines der kleinen Kapitel, das der große Dichter Krieg novellistisch gestaltet hat. ' Der Vater von Janosch, em jüdischer Fuhrmann ans Budapest, war auf Grund des Kriegsleistungsgesetzes -einberufen worden und sollte als Kutscher mit dem Truppentrain auf den Kriegsschauplatz. Seine Frau war längst gestorben, Verwandte hatte er keine, und so wußte er sich mit seinen: Buben, der allein hätte Zurückbleiben müssen, keinen Rat. Für Janosch aber hatte die Sache gar keine Schwierigkeiten. Warum sollte er nicht auch mit in den Krieg, in den schrecklich-schöne:: Krieg, den er ans Geschichtenbüchern und Zeitungen kannte, und wo auch ein kleiner Bub —- er wußte es - Heldentaten verrichten konnte. Mit all seiner kindlichen Ueberredungsgabe setzte er seinen: Vater zu, bis dieser nachgab und aus dem ihn bedrängenden Dilemma den Entschluß faßte, seinen Jungen mitzunehmen. So zog Janosch mit in den Krieg! Es ging in die Karpathen, wo gerade der furchtbarste Gebirgswinter die Schrecken der Kämpfe noch steigerte. Bald ans dem Wagen seines Vaters, bald mitten unter den Soldaten tummelte sich Janosch herum, und was seine Buben Phantasie noch eben zuvor nur geträumt hatte von Krieg und lustigem Soldateuleben, das durfte er nun alles selbst erleben. Da wurde eines Tages der alte K. von den Russen gefangen genennnen und der Kleine, der gerade damals irgendwo anders gesteckt hatte, blieb allein zurück. In: Tale von Homona, an: Laborczaflnffe, lag er mit den Soldaten in den Schützengräben. Flintenkugeln, Granaten und Schrapnells flogen herüber, aber den tapferen Kleinen schreckten sie nicht, und mitte:: in: Kugelregen trug er den Soldaten Essen und Trinken zu. Er hätte sich aus diesen: Leben gar nicht fortgesehnt, hätte nicht vor drei Wochen der Kommandant der Kompagnie, Lei der er sich aushielt, befohlen, daß Janosch mit einem Verwundetentransport hinter die Front abginge. Mit diesem Transport kam der tapfere Junge nach Olmütz und wird von hier wohl in seine Heimat gebracht werden. England. Z. London, in: April. Einige Züge ans dem rein rnenschliitin: Charakter des verstorbenen Lords Rothschild veröffentlicht ein „Freund und Nachbar" in den „Times". Alle, die den Verstorbenen kannten, so sagt er, wußten, daß es etwas gab, was.ihn weit mehr berührte als alle Geldmärkte der Welt oder Politischen Angelegenheiten; nämlich seine Kinder und namentlich seine Enkel. Wenn er nach seinen: Landsitz Tring herauskam, so war das Kinderzimmer sein Lieblingsanfenthalt, und er wurde das kindliche Geschwätz und Spiel der Kleinen nie müde. Ehe er sich seiner letzten Operation unterzog, sagte er: „Meine einzige Furcht ist, das; ich die Kinder nie wieder sehen werde." Zu den Festtagen Pflegte er den Kindern der ganzen Nachbarschaft Spielzeuge zu schicken, die mit Bändern in seinen Farben geschmückt lvaren, und die kleinen Dankbriefe, die dafür einliefen, machten ihm unendliches Vergnügen. Für die armen Juden in: Londoner Ostend war Lord Rothschild ein großer Wohltäter. Er unterhielt viele Jahre die jüdische Freisckmle und die damit verbundene Abendspielschule, bis der County

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