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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-30 · Heft 18 (30.4.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 18 (30.4.1915)
Date
1915-04-30
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Council von London sie übernahm. Rothschilds Wohltätigkeit war ' nicht nur offiziell, sondern beruhte auf persönlicher Teilnahme. Seine Sekretäre hatten ihm über Einzelfälle zu berichten, die sie auf der Straße beobachteten, um ihm die Ausübung überlegender Wohltätigkeit zu ermöglichen. Kränkliche Kinder wurden an die See geschickt, begabte Knaben auf seine Kosten ausgebildet. Das geschah nicht massenweise, sondern mit großmütiger Neberlegung in zahlreichen Einzelfüllen. Lord Rothschild fand die Zeit, viel zu lesen, und hatte ein gutes Gedächtnis. Er bevorzugte geschichtliche Werke und Lebensbeschreibungen, deren Früchte sich ihm mit persönlichen Erinnerungen und Beziehungen zu einem guten Bilde von der Geschichte des letzten halben Jahrhunderts verwoben. Nassen sympathie zog ihn immer zu Disraeli hin, auch zu einer Zeit, als er sich selbst zu den gemäßigten Liberalen rechnete. Später wurde Lord Rothschild der Verwalter des Vermögens Disra-elis und der Hüter seines Nachlasses an Politischen Urkunden. Als Rothschild später zu den Uuionlsten überging, wurde er überzeugter Bewunderer Disraelis, und er las die Reden dieses Staatsmannes so lauge, bis er ganze Seiten auswendig kannte. In der poetischen Literatur teilte er Disraelis Vorliebe für Byron und dessen „Hebräische Melodien". Lord Rothschild redete gut, doch machte im Alter wachsende Taubheit die Unterhaltung mit ihm mühsam. Gern teilte er aus dem Schatze seiner Erinnerungen mit oder äußerte seine Meinung über die Begebenheiten des Tages. Diejenigen, die von der Bekanntschaft zur Freundschaft mit Rothschild übergingen, wurden noch weit mehr durch die Wärme und die Großmut seiner Natur als durch seinen Verstand und seine ' Kenntnisse angezogen. — Nach dem obengenannten Blatte beträgt der Nachlaß von Lord Rothschild 2 500 000 Pfund Sterling. Zu Testamentsvollstreckern sind seine Witwe, sein Sohn Nathaniel Charles und seine Brüder Alfred Charles und Leopold bestimmt. Der älteste Sohn, L i o u e l Walter, erhält eine Leibrente von 5000 Pfund Sterling. Die Witwe erhält 100 000 Pfund Sterling, alle Juwelen und Schmucksachen, seine Geschäfte und seine S-tadtwohnnug. Besondere Bestinnnungeu sind über seine Kunstsachen getroffen. Sein Sohn Nat h a n i e l Charles erhält den Anteil des Vaters in der Firma R. M. Rothschilds Sons. Ferner erhalten seine Brüder Alfred Charles und Leopold und jeder seiner Enkel je 5000 Pfund Sterling. Von Aah und Fern. — Das Mitglied des Kuratoriums der L e h r a n st a l t f ü r die W i s s e n s ch a f t d e s I u d e n t n in s , Herr Geheimer Negierungsrat Professor Dr. Hermann C oh e n , wird vom 4. Mai an, Dienst a g abends 8—9 Uhr, Vorlesungen über „Ethik", 9—10 Uhr daran anschließend Lektüre, ferner vom 6. Mai an, Donnerstag Hebungen über a) Maimonides More III, 11 bis 12 Uhr, b) Tie messianischen Stellen in den Propheten und Psalmen, 12A bis 1A Uhr, halten. Die Vorlesungen und Hebungen finden im Gebäude der Anstalt, Artilleriestraße 14, statt. Sie sind öffentlich und unentgeltlich. Meldungen wegen der Zulassung können im Sekretariat, vormittags 11 bis 12 Uhr, erfolgen. — Ter Seuiorchef der Gerbstoff-Firma Gebr. Kristeller, M o r i tz K r i st e l l e r, beging dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar ist in Zahlreichen Ehrenämtern hervorgetreten und Mitglied der Handelskammer. — An den Folgen eines Herzschlages ist am 21. d. Al. der 76 Jahre alte serbische Generalkonsul Bankier I u l i u s G u t t e n t a g aus der Rankestraße 33 gestorben. Ter alte Herr wurde in der Friedrichstraße vom Schlage getroffen und nach der Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Hier starb er bald nach der Aufnahme. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung am letzten Sonntag aus dem Friedhof in Weißensee statt. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Weiße. — Aus Posen wird uns geschrieben: Am 17. April fand die Beisetzung des vor kurzem in Berlin verstorbenen Rentiers Hermann Scher e k (früheren Inhabers der Firma D. Scherek Witwe) auf unserem Friedhofe statt. Aus dem Nachlaß des Verstorbenen haben seine Ehefrau und Frau Lina Scherek dem Herrn Oberbürgermeister Dr. Wilms für die Armen der Stadt Posen linker besonderer Berücksichtigung der dllrch den Krieg in Not Geratenen dreitausend Mark überwiesen. — Der Oberlandesgerichtsrat Dr. Schaps in Hamburg ist zum stellvertretenden Mitglied des Kaiserlichen Prisengerichts ernannt worden.— Wie Rabbiner Dr. Marx- Darmstadt mitteilt, ist auf dem Truppenübungsplatz bei I Darmstadt ein israelitisches Soldatenheim errichtet worden, in dem ben! jüdischen Soldaten Gelegenheit geboten ist, ritllell zu leben. — Die Priv j dezenten in der rechtslvissellschaftlichen Fakultät der Universität Freu t furt am Main Dr. Cahn und Landrichter Dr. Haymaun sind;n außerordentlichen Honorarprofessoren in derselben Fakultät ernannt w^ den. — Dem Wirklichen Geheimen Rat Professor Dr. Ehrlich wui) das rumänische Kreuz für Sanitütsverdienste erster Klasse verliehen. Aus Wien wird uns geschrieben: Die feit Jahresfrist i -. stehende „Internationale wissenschaftliche Vereinigung israelitisck r Kantoren" hat für Deutschland als Vertreter, wie bereits m'.:- geteilt, die Oberkantoren Birnbaum- Königsberg, F r i e: . m a u n - Berlin und Singer- Kattowitz gewählt. Es sind v i gefähr vierzehn Länder vertreten, und das Aktionskomitee ivi jeden Zweiten Monat einen wissenschaftlichen Bericht mit Notenb lagen heraus. Ferner wird an einem kantoralen Kompendium arbeitet, in dem die wichtigsten Gebetintonationen und Melod; n des ganzen Jahres so sestgelegt sind, wie sie in den verschieden n Ländern als traditionell gelten. — Wie aus London berichtet wib, ist dieser Tage, das erste Mal in der Geschichte, der hohe englis? Orden „Victoria Croß" an einen Juden verliehen worden. Der Ar gezeichnete ist Leutnant Frank Alexander de Paß von der Judi Cavalry. Die Auszeichnung wurde ihm erst nach seinem Tode zull .. denn er fiel an dem gleichen Tage, an den: er sich durch hervorrageu? Tapferkeit das ,,Victoria Croß" verdiente. — In London ist ei? jüdische Deputation aus Petersburg angekommen. Der Zweck d: Deputation ist, die englische Judeuheit mit der traurigen Lage ihr : Brüder in Rußland bekanntzumachen und sie zu einer ^ilfStcit^ keil aufzumunkern. Die Deputation wird auch mit den leitenden P, sonen Fühtmrg nehmen, um die englische Negierung zu veranlass ihren Einfluß auf Rußland zugunsten der russischen Juden ai zuüben. — Nach den letzten Berichten aus Palästina haben zwar d; N. F.-Betriebe unter der allgemeinen Krisis in mancher Hinsicht leiden, doch geht alles ersreulicherloeise seinen gewöhnlichen Gar . Ueberall konnte man fast alle Arbeiten, wie sie von der Verwaltu > ursprünglich im Wirtschastsplau vorgesehen waren, ausführeu. M : hat sich besonders in diesem Jahre auf den Anbau von Gemüse v legt. Aus der Pftanzuugs- und Ackerballfarm Ben-Schemen werd ' täglich Milch ulld Käse nach Tel-Awiw sowie Geflügel linb Eier iuv-.i Jaffa gebracht. Die Genossenschaft Dagauia am Jordan bringt : i Ermangelung einer guten Verbindung nach Haifa oder Jaffa-Jenn lem ihre Prodlltte nach Damaskus zlim Verkauf. — Alls New?)o ' wird berichtet: Präsident Wilson hat dein Verbände der jüdisch Veteranen aus dem Amerikanisch-Spanischen Kriege eine künstleri' hcrgestellte Gedenktafel zur Erinnerung an die Heldentaten b Schlachtschiffes „Maine", auf welchem sehr viele jüdische Matroi heldenmütig gekämpft hatten, zum Geschenke gemacht. Der Verbaider jüdischell Veterauell von Amerika hat dieses nationale Ehre! gescheuk dem jüdischell Waisenhause voll New Jork zllr Obhut übe tragen, woselbst es vor kurzem feierlichst enthüllt wurde. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 5s Verantwortlich für den Anzeigenteil: Nein h. M aus ol f s, Berlin C 2. Druck und Verlag von Rudolf Mosse. Dus Ladern und Kurorten. Bad Salzbrunn. Die Vorbereitungen für die Kurzeit 19:- finb im vollen Gange. Der Kurbetrieb wird am 1. Mai in agelvohnter Weise mit den regelmäßigen Kurtönzerten eröffnet. No; den zahlreichen Voranmeldungen ist mit einem sehr guten Besuü des Bades zu rechnen. Das Kurleben wird diesmal durch die A: Wesenheit zahlreicher erholungsbedürftiger Kriegsteilnehmer, Otl ziere sowohl lvie Mannschaften, ein besonderes" Gepräge erhalten Indessen silld die Gerüchte, Bad Salzbruim werde so stark mit Mi tär belegt, daß die Zivilkurgäste zu kllrz kommen, völlig unbegründ Die wichtigsten Kuranstalten waren den ganzen Winter über o öffnet und standen den im hiesigen Vereinslazarett untergebrachb > verwundeten und kranken Vaterlandsverteidigern kostenfrei zllr Vefügung. Ganz besonders wurden die vorzüglichen Heilerfolge dur, die jetzt in jeder beliebigen Zahl zur Verfügung stehenden kohle! sauren Mineralbäder und das mediko-mechanische Zander-Jnstit t gerühmt. Auch zahlreiche andere Winterkurgäste hatten die mib Witterung zum Kurgebrauch benutzt. Einen schmerzlichen Vertu s hat das Bad erlitten durch den Tod des langjährigen fürstliche' Brunnenarztes Sani tütsrat Dr. D e t e r m e h e r, der sowohl a! hervorragender Praktiker wie als Wissenschaftler einen verdiente: Ruf genoß. Er starb im Dienste des Vaterlandes an den Folgen einer Infektion, die er sich bei einer Operation in einem Reserve lazarett, wo er als Stabsarzt tätig war, zugezoaen hatte. Als raue. Arzt hat sich Herr Dr. Schneider aus Görbersdorf hier niedergelassen.

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