Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Mnig versetzten, lauschen zu sehen. Dieser Sederabend wird allen eilnehmern wegen seiner schönen Allsgestaltung durch einen fach lndigen Landsturmmann, Herrn Lewin aus Hamburg, und wegen ' ines würdigen Verlaufes noch lange in angenehmer Erinnerung; eiben. Besonderes Verdienst erwirbt sich um diese Veranstaltungen - r rührige Vorsitzende des Jugendbundes, Herr Alex D o c t o r. r 'r sich ihnen mit großer Liebe und Hingebung widmet. gA) Köln, 9. April. Das hier erscheinende „Israelitische Geemdeblatt" bringt in der heutigen Nummer folgenden Bericht: . as 2. mobile Landsturmbataillon II Köln, fast nur aus Kölnern be- - hend, befindet sich seit 6 Monaten im Feindeslande. Da in seinem , uigen Standorte sich keine jüdische Gemeinde befindet, überhaupt in . r ganzen Gegend weit und breit keine jüdischen Familien ansässig - ad, wurde seitens des Lehrers und Kantors der Kölner Synagogen- , ineinde Louis Jacoby, Gefreiter bei der 4. Kompagnie, beantragt, mi die israelitischen Mannschaften des Bataillons einen besonderen i ottesdienst einzurichten. Das Gesuch wurde seitens des Hauptmanns ■■ r 4. Kompagnie, Herrn Gentzke, befürwortet ltub von dein Batailnskowmandeur, Herrn Ritmeister Balcheni, genehmigt, so daß am , sten Pessachtage der erste israelitische Gottesdienst im großen Gechtsfaale stattfinden konnte. Die Kölner Synagogengemeinde hatte : reitwilligst eine Thorarolle und die nötigen Kultusgegenstände zur erfügung gestellt, da das Bataillon sich dieserhalb an Herrn Stadt- . rordneten Eliel gewandt hatte. Gefreiter Jacoby übernahm das v int des Kantors und Predigers, uild wurde der Gottesdienst genall ' abgehalten, wie es in den Kölner Shllagogen üblich ist. Die welitischen Mannschaften folgten dem Gottesdienste, dem ersten wieder ■ it dein Allsmarsche aus Köln vor 6 Monaten, mit Andacht und Nnhiui. In seiner Festpredigt dankte der Kantor zuerst den Vorgesetzten id der Kölner Synagogengemeinde für ihre Verdienste um die gute - ache, um dann einen Vergleich zu ziehen zwischen dem Allszllg der ■ mder Israel aus Aegypten llnd dem heutigen unvergleichlichen 1 nllpfe Deutschlands gegen seine Feinde. Die deutschen Staatsbürger! wischen Glaubens gäben jetzt, wie einst, freudig Gut und Blut für t ls geliebte Vaterland hin. Mit felsenfester Zuversicht betonte er ' rnerhin, daß die gänzliche Niederwerstlng unserer Gegner durch! ine Macht der Welt verhindert werden könne. Nachdem er iloch i n Segen des Himmels aus die deutschen Waffen herabgefleht hatte, - tgte ein inbrünstiges Gebet für Kaiser und Vaterland, welches mit i n Worten schloß, daß deutscher Geist, deutsche Kraft und deutsche * lltur auch fernerhin voranstehen würden in der Welt. -- Sergeant lllf aus Köln hatte sich ebenfalls verdient gemacht, indem er das : mt des Vorstehers übernommen hatte. Frankfurt a» M., 9. April. Gerade recht zu deni Kriege : >d dem außerordentlich erhöhten Bedarf an Krankenanstalten ist das; ue K r a n k e n h a ll s der israelitischen G em e i n d e fertigs worden. Es ist natürlich alsbald zu einem Teil in ein Reservei wrett verwandelt worden. Die Anlage, die der Frankfurter Archi- ‘ ft F r a n z Roeckle auf der Anhöhe des Frankfurter Ostendes - erhall) -des großen Ostparks geschaffen hat, ist außerordentlich glückh inmitten von Gärten gelegen, die zum Teil zur Anstalt selbst ge-! wen, oder deren Bebauung in absehbarer Zeit nicht erwartet werden ' nu. Fast alle Zimmer liegen nach Süden: ein besonderer Wert ist i t dem ganzen Bau daraus gerichtet worden, alle Bäume, nmnent- - h auch die Gänge und Tagräume, freundlich und heiter auszustalten, damit möglichst wenig das übliche Anstaltsgepräge zum Vor- ' fein kommt. Die medizinisch-technischen Einrichtungen bilden wohl . uen gewissen Höhepunkt der Entwicklung; das gilt namentlich für die öntgeneinrichtungen, die jetzt so besonders wichtigen orthopädischen Einrichtungen und vor allen Dingen für die großen Operationssäle id ihre Nebenräume. Ein besonderer Operationssaal ist für die ' erzte bereitgestellt, die nicht zur Anstalt gehören (für die Patienten i fter Klasse herrscht freie Arztwahl). Die Abteilung für Poliklinik vollkommen von den übrigen Abteilungen getrennt; auch sie entilt, wenn auch in kleinerem Umfange, die eben erwähnten medizinisch- ' chnischen Einrichtungen. Es sind 150 Betten einschließlich des weit ^gelegenen Hauses für Jnsektionskranke vorhanden; augenblicklich {ub jedoch wegen des doppelten Zwecks — Privatkrankenhaus und V tzarett — mehr Betten vorhanden, da hier allein 150 Verwundete utergebracht werden können. Die Kosten der Anstalt belaufen sich ‘■;if 2^ Millionen Mark, wovon 1% Million aus freiwilligen Mitteln ' lfgebracht worden sind, während der Rest von der israelitischen Gej meiude übernommen wurde. Besondere Beachtung verdieilt das S ch w e st e r n h a u s des V e r e i n s für jüdisch e K r a n k e n -! Pflegerinnen, das neben dem Krankenhaus gelegen, aber doch! räumlich und hinsichtlich seiner Verwaltung vollkommen von dun! Spital getrennt ist. Die Schwesternhygiene ist ein ganz neuer Be-! griff; sie ist sowohl für die Einrichtung als für den Betrieb dieses j Hauses ausschlaggebend gewesen. Hier die Hauptgostchtspunkte: Alle : Mahlzeiten werden int Schwesternhaus eingenommen, und alle! Schwestern mit Ausnahme der Abteilungsoberschwestern schlafen in > diesem Hause, das denselben Architekten wie das Krankenhaus zum! Erbauer hat. Mit Glück ist alles Anstaltsmäßige vermieden, und durch; die architektonische Gestaltung und die Einrichtung ist vielmehr er-! reicht worden, daß alles anheimelnd und von künstlerischer Wirkung 1 ist. Die landläufigen Forderungen nach Sonne, Luft und Reiulichi keit sind überall erfüllt worden, ohne besonders in die Angell zu : fallen und etwa dadurch lvi-eder das Gemütliche des Hauses zu zer-; stören, in dem doch gerade ein Stück - und vielleicht das wichtigste der Schwesternhygiene liegt. Dllrch geschickte Formgebung der veri hültnismäßig einfachen Einrichtungsgegenstände «und durch die Wahl der Farben sind ganz reizende Räume geschaffen, wie z. B. der Speisesaät und der große Wohnranm, die beide auf eine Prächtige Gartenterrasse müllden. Diese Gesellschastsränme und der Garten bieten j die Möglichkeit zu geselligen Zerstreuungen (Musik, Spiele usw.). die : das Gemütsleben jugendlicher Menschenkinder günstig beeillftnssen, aber in ein Krankenhaus selbst nicht Passen würden. Hübsche Einzelzimmer oder Zimmer für je zwei Schwestern enthalten die beiden Obergeschosse, während das dritte Stockwerk besondere Ziulmer für sogenannte Tagschläferinnen enthält, d. h. für Schwestern, die Racht-; lvache in der Hallspflege gehabt haben. In der Anstalt, die übrigens heute auch zum Teil zu einenl Reservelazarett geworden ist, haben 70 Schwestern Unterkunft. F. J. F. Hellstein sHesser,-Nassau), 9. April. Im Rothschildschen Hospital, Frankfirrt a. M., lvo e-r Heilung von feinen Leiden suchte, verstarb anl 1. d. M. der Borsitzende inlserer Gemeinde, Simon Moritz, im Alter von 67 Jahren. Die Be-! erdigung fand am 2. d. M. auf ilnserenl Begräbnisplatz Birstein l in Anwesenheit des Bezirksrabbiners, Dr. Balllberger, Hanau, statt, i Simon Moritz stand mehr als 20 Jahre an der Spitze unserer! Gemeinde und ist in diesem Amte seinem verstorbenen Vater Moses! Moritz, der der Gemeinde ebenfalls mehrere Jahrzehnte Präsii vierte, gefolgt, so daß die Leitllna lmserer Gemeinde seit einem : halben Jahrhundert von den Sprossen einer Familie geführt wird. Wie sein seliger Vater, so war auch Simon Moritz ein wahrhaft frommer, aufrichtig religiöser Mann, der auch alle seine Kinder getreu den Traditionen der Väter erzog. Allsgezeichnet nlit den besten Gaben des Geistes lNld Herzens, war er nicht nur formell, i sondern auch in der Tat der „Erste der Gemeinde". Auch bei allen! Andersgläubigen erfrellte er sich des größten Ansehens lind war! Schiedsmann der Politischen Gemeillde. Simon Moritz war! Veteran des Krieges 1870/71, an dem er als Unteroffizier teilnahm. Er hat mehrere Schlachten mitgemacht, gehörte dann zur Belagerungstruppe von Paris, mn schließlich mit der siegreichen Arulee in Paris einzliziehen. Eül Sohn voll ihili ninlmt bei der j Garde an dem jetzigen Kriege teil.! 22 Bad Dttrrheim, 9. April. Viele Eltern Fjatten int Jnter- | esse ihrer erh o l n ngsbedürsti ge ll Kinder gehofft, daß nnür! Friedrich-Luisen-Hospiz, nachdem es den Winter über i geschlossen gewesen, im Frühjahr wieder eröffnet werden würde.! Dies war jedoch nicht zu ermöglichen. Dagegen ist nunmehr die Wiedereröffnung für den Sommer beschlossen. Wenn auch infolge der Verteuerung aller Lebensbedürfnisse ein finanzieller Ausfall zil i erwarten steht, hat die Verwaltung unter den gegenwärtigen! schwierigen Verhältnissen sich doppelt verpflichtet gefühlt, eine" so - bewährte Stätte der HeiUlng und Kräftigllna für nufere Jllgetld ihrer schönen Ausgabe nicht länger zu entziehen. Da für Juli und ' August scholl zahlreiche Anrneldungeil vorliegen, rnöge, wer sicher! aus Aufnahme rechnen will, sich baldigst an die Schwester Oberin! des Fricdrickj-Lnisen-Hosprzes -in Bad Dürrheim, Schwarzloald,! wenden. Gesterreich-Angam. O. W. Wien, 9. April. Unter den in die Kriegsgefangenschaft geratenen Offizieren der Festung Przemysl befindet sich auch -de-