Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229177-3229194--71258-3283587- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Radom 1× ep/2781485
OCR text
Feldrabbiner Diller, der zunächst der Lemberger Landsturmbrigade Zllgeteilt, vor Beginn der ersten Belagerung mit der Festungsseelsorge betraut wurde. Hierbei stand ihm auch der ehrwürdige Gemeinderabbiner Gedalje Schmelkes hilfreich zur Seite, der trotz Bitten seiner Angehörigen ohne Nückficht ans seinen leidenden Zustand leine Gemeinde nicht verlassen wollte und mit seltenem Pflichteifer seinen Glaubeusbrüdern in dieser schweren Zeit die seelsorgerische Fürsorge znwendete. - Dem 19. Infanterieregiment lvllrde eine hohe Auszeichnung zuteil. K a i s e r W i lhe l m hat neun Mitglieder des Offizierkorps des Raaber Bataillons mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Unter ihnen befinden sich, wie dem „Egyenlösseg" gemeldet wird, Fähnrich Aladar Berenyi, Oberarzt Tr. Josef König und Hilfsarztstellvertreter Dr. Eugen Fautv. Tie ausgezeichnete Abteilung hat sich diese Auszeichnung bei den in der Nähe von Gribow bei Boskawola neben dem 59. Preußischen Infanterieregiinent bekundeten heldenmütigen erfolgreichen Kämpfen verdient. Tas Regiment wurde zu dieser Auszeichnung vom Feldmarschall H i n d e n b u r g telegraphisch beglückwünscht. --- Erzherzog Franz Salvator als Generalinspektor der freiwilligen Sanitätspslege hat der freiwilligen Krankenschwester Berta Hirschfeld (stabiles Reservespital in Zvornik) die silberne Ehrenmedaille des Noten Kreuzes mit der Kriegsdekoration verliehen. — Am 7. d. M. ist nach langem schlveren Leiden Herr Max Dukes, der langjährige Ehef der Administration des „Neuen Wiener Tagblatt" und Verwaltungsrat der „Steyrermühl", im Alter von 05 Jahren gestorben. Herr Tnkes gründete seinerzeit die bekannte Firma M. Tnkes, aus der das Bureau M. Dukes u. Augenfeld hervorgeaangen ist, an dessen Spitze jetzt sein Schwiegersohn, kaiserlicher Rat Emmerich L e ß n e r, im Verein mit seinem langjährigen Freunde und Kompagnon, Herrn M. Angenseld, steht. Vor zlvanzig Jahren schied Herr Tnkes ans der von ihm ins Leben gerufenen Firma und trat an die Spitze der Administration des „Neuen Wiener Tagblntt", an welcher Stelle er seine Umsicht, Initiative und seine reichen Erfahrungen im Zeitungswesen mit großem Erfolg bewährte. Er war im Persönlichen Verkehr ein Mann, von seltener Schlichtheit, Geradheit des Wesens und von einer Herzensgüte, die ihm zahlreiche Freunde erwarb. Von Mah und Ferm -- Ter Verei n I ü d i s ch es Ge u e s u n g s h e i m i n L e h - n i tz tah sich durch die Kriegslage genötigt, die Eröffnung feines Heimes aus den 1. Mai hiuanszuschieben. Ta für Mai und die Sommermonate noch Plätze verfügbar sind, empfehlen wir den im Erwerbsleben stehenden Frauen und Mädchen, ihre Eingaben sofort all das Bureau des Vereins, Rosenstraße 2/4, zu richten. — Wie wir dem Jahresbericht der Berliner „Jüdischen Lesehalle lind Bibliothek E. V." entnehmen, betrug der Bestand der Bibliothek am Ende des abgelaufenen Jahres 9169 Bände, davon 1297 Belletristika. 2419 Bünde wilrden ausgeliehen. Neben 11 Zeitungen allgemeinen Inhalts lagen 118 jüdische Zeitungen aus, deren Zahl nach Kriegsausbruch auf 59 herunterging. Ebenso ging die Besucherzahl von 2600 Personen im Januar auf 1255 im Dezember 1914 herunter. — Vor 25 Jahren, am 30. März 1890, ist in Eharlottenburg die Synagoge in der Schulstraße 7 feierlich eingeweiht worden. Eharlottenburg zählte damals 76 859 Einwohner, darunter 733 männliche und 742 weibliche jüdische. Die Feier des Jubiläums ist in Anbetracht der heiltigen schweren Zeit verschoben worden. — Ter in weiten Kreisen der deutschen Judenheit bekannte und hochgeschätzte Oberlehrer a. D. Professor Tr. Josna Horowitz ist nach kurzem Leiden in der Nacht vorn 9. zum 10. April verschieden. Wir verlieren in dem Entschlafenen einen langjährigen treuen Freund und Mitarbeiter. Eine ausführliche Würdigung seines erfolgreichen Lebens und Wirkens behalten wir uns für eine der nächsten Nummern vor. (Siehe allch diese Nummer Seite 2 unter Berlin.) — Aus Königsberg in Preußen wird gemeldet: Bei den Ersatzwahlen der Nepräsentautenversammlung wurden auf sechs Jahre gewählt: Heinr. Bloch, Max Cohn, Leo D i e n e m a u n , Alb. E i ch e l b a u m , Herm. Lieberm a n n, Maxim M i n k o w s k i, Tr. med. Walt. Stein, Fabrikbesitzer Sal. W i n t e r , Generalagent Alfr. W o h l - g e m u t h, Rentier Herrn. W o l f f h ei m; auf drei Jahre: Rechtsanwalt Tr. Jul. I a cob i; als Stellvertreter au sechs Jahre: Professor Dr. Th. Cohn, Art. Fürst, Ma: S ch l u s z e w e r. - - Das Königliche Friedrich-Wilhelm-Gymnasiuu in Posen begann am 16. April 1914 mit 604 Schülern im Gym nasium und 118 in der Vorschule; darunter waren 238 evangelisch 214 katholisch und 152 jüdisch, bzw. 53 evangelisch, 22 katholiß! und 37 jüdisch. - Herr Stadtverordnetenvorsteher Jnstizra P l a c z e k in Posen wurde in der Stadtverordnetensitzung zun Kuratoriumsmitglied der Bergischen Altersversorgungsanstalt fü dieses Jahr bis zum 31. März 1916 gewählt. - Aus Detmold wir, uns geschrieben: Auf Grund der Verfügung der Fürstlich Lippescher Negierung vom 10. März 1915 ist Herr N ü l f, Prediger der Syna gogengemeinde Tetmold, mit der Beaufsichtigung des jüdischen Ne ligionsunterrichts im hiesigen Fürstentum betraut worden. — Ta letzte Mitglied der früheren israelitischen Kultusgemeinde in Hollfeld Privatier Heinrich D e s s a u e r, ist dort im 76. Lebensjahre ge storben. — Am 1. April waren 25 Jahre verflossen, seitdem Her Rabbiner Tr. Jsr. Gold schm i dt nach Offenbach a. M. berufe: wurde. - Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: Rabbiner Dr. Salv mon Breuer beging jüngst das Jubiläum seiner 25 jährige: Wirksamkeit in der hiesigen Shnagogengemeinde Israelitische Rel: gionsgesellschaft. Infolge des Ernstes der Zeit hatte er sich eu Feiern des Tages verbeten. --- Freifrau Wilhelm v. Rothschild Freiherr v. G o l d s ch m i d t - R o t h s ch i l d und Nathan S v it il h e i m e r wurden mit der silbernen türkischen Noten-Halbmond Medaille 2. Klasse ausgezeichnet. — Tie Tugendpreise aus der Abiche Weilschen Stiftung haben, wie uns aus Karlsruhe i. B. mitgeteil wird, für dieses Jahr erhalten: Die Witwe des im Feld gefallenem Wilhelm Weil in Mannheim, die Witwe des im Felde gefallenem Rudolf Müller in Lichtenau und die Witwe des Religionslehrew: Jac. Eisenmann in Gailingen. -- In Stockholm hat sich ei: jüdisches Hilfskomitee gebildet, das für Schweden eine Geldsammlum zur Unterstützung notleidender Glaubensgenossen in den vom Krieg betroffenen Ländern organisiert. Ter Aufruf ist von Tr. Ehrenpreis Lamm, Marburg und anderen bekannten Persönlichkeiten Schweden unterzeichnet. Die zufließenden Mittel sollen unparteiisch jedesma nach dem Lande abgeführt werden, wo gerade die Notlage der Jude:' am größten ist. — In Zürich starb im Alter von 85 Jahren de' polnische Philanthrop Neuben B e cf e r m min, Stifter eines Alters Versorgungshauses in Radom, ein von Jud und Christ hochgeschätztem Menschenfreund. — Aus Paris wird mitgeteilt, daß Baron I a m c - I Rothschild, der Sohn des Barons Edmund Rothschild, freiwilln . in die französische Armee eingetreten ist. Er wurde dem englische: j Hauptstab als „Uebersetzer" zugeteilt. — „Das Jiddische Volk" j meldet: In London ist eine jüdische Deputation aus Petersburg! angekommen. Ter Zweck der Deputation ist, die englische Judenheil mit der traurigen Lage ihrer Brüder in Rußland bekauntzumachen und sie zu einer Hilsstätigkeit aufzumuntern. Tie Deputation wirl auch mit den leitenden Personen Fühlung nehmen, um die englische Regierling zu veranlassen, ihren Einfluß zugunsten der russische: Juden auszuüben. — Zangwill protestiert gege n Ruß l a n d in dem Blatte „Nation" und gegen die englischen Blätter welche den russischen Antisemitismus verteidigen. Er wagt öfsentlicl zu erklären, daß man kein Recht habe, von dem Barbarismns de: Deutschen zu reden, wenn der Bundesgenosse solche Taten verübt. - In Jaffa veranstaltete ein aus Juden und Arabern zusammen gesetztes Komitee zugunsten des Roten Halbmondes einen künst Krischen Abend, dessen Programm kinematographische Aufnahme: aus dem Beilis-Prozeß enthielt. Beilis, der Held des Dramas der au diesem Abend anwesend war, wurde auf die Bühne gerufen und durch den Kaimakan von Jaffa dem Publikum vorgestellt, dm dem Märtyrer des Zarismus eine stürmische Ovation bereitete — Zu den vielen jüdischen Hilfskomitees, die sich in der letzten Zeü in den Vereinigten Staaten gebildet haben, ist ein neues in New Aork hinzugetreten. Unter dem Vorsitz des Herrn Dr. I. A. H u r Witz ist ein Komitee gegründet worden, das die durch den Krieg in eine Notlage versetzten jüdischen Studenten in der Schweiz unter stützen will. Das Komitee hat bereits namhafte Beträge nach der Schweiz überwiesen. Die Verteilung der Gelder besorgt ein in der Schweiz zu diesem Zweck eingesetztes Komitee. Verantwortlicher Redakteur: Albert Kap in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Walter Wiederau ff, Berlin 80 36. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.