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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-16 · Heft 16 (16.4.1915) · p. Seite 189

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 16 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
Seite 189 (sequence 9)
Language
German
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18Ö werden einer völligen Umgestaltung anheimfallen, und so ist! i > schon jetzt an der Zeit, für die Befreiung der persischen nden einzutreten, die noch in. sehr unwürdigen Verhältnissen den. Ihre Zahl ist neben den Millivnenmengen russischer uden sehr gering; man schätzt sie aus 35 000 bis 40 000, doch : etjen diese Ziffern nicht fest. General Houtum-Schindler, j; cr Chef des persischen Telegraphenwesens, der diese Zahlen! , »gibt, sagt selbst, daß sie nur Annäherungswerte darstellen. ' is in die Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Lage der I üben nicht schlecht zu nennen. Sie unterlagen zwar einigen usnahmegesetzen, hatten zum Beispiel eine Sabbatsteuer zu j! itrichten, die Pro Kopf erhoben wurde. Ferner waren sie ge-! oungen, ein äußeres Unterscheidungszeichen, spitze Mützen 'ii blauer Farbe und einen viereckigen Einsatz auf der Weste, i i tragen. Der kluge Schah Nassreddin hob diese Tracht auf . ab gestattete den Juden die persische Tracht. Hier unterlag; t wohl dem Einfluß, welchen sein Leibarzt Jakob Eduard! vlack auf ihn ausübte. Seit Polack, dessen Buch über; ersten immer noch die brauchbarste Quelle ist, sind alle Leibi zte der Schahs Juden gewesen. Die letzten stammten be- : ichnenderweise aus Rußland. Die Steuer hob er nicht auf, j nn wie alle orientalischen Fürsten, und vielleicht nicht nur : i a'je, brauchte er Geld. Man muß aber anerkennen, daß er cii Juden einige Schulen baute und ihnen Auslandspässe laubte, denn bis dahin hatten die Juden die Provinz ihres ■ eburtsortes nicht verlassen dürfen. Nach seinem Tode nahm der russische Einfluß stetig zu, und - braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß russischer ' influß immer den Judenhaß großzieht. Der Mohamwej caiter haßt den Juden nicht; er weiß sich wie sein Prophet h um dem Rituell der mosaischen Gesetze abhängig, und Jahwe ■; i ja auch sein Gott, der eben nur den Namen Allah führt. atürlich läßt sich der Moslem aufhetzen; Sündenböcke werden! - aller Welt gebraucht, und im Orient ist der inuner der; ude. Heute, oder bis vor der türkischen Invasion, ist Aser- ' idschan eine russische Provinz, in der die Perser nichts zu ' gen haben. Leider wohnen an 15 000 Juden darin, die > ne Leidenszeit durchzumachen hatten wie ihre Schicksals- > nossen in Rußland. Seit alters her bewohnen sie eigene; tadtviertel in den persischen Städten, deren Straßen durch j ore abgeschlossen werden. Diese Maßregel entstammt dem! ittelalter, wo die Juden oftmals gezwungen gewesen waren, \ ' h gegen den Mob zu verteidigen. Das abscheuliche Ritual- ' i vrdmärchen ist zwar im Orient nicht bekannt, aber dafür i aren Anschuldigungen über Vergiftung der Brunnen, Regeni angel, Mißernten, Herbeizauberung der Pest nicht minder > führliche und wirksame Hetzmittel. Da die Steuerfrage in Persien noch unerledigt ist, und in i der Provinz andere Gesetze gelten, so war es natürlich das i sie, was die russische Verwaltung in Aserbeidschan tat, die ieuern zu prüfen, um Wege zu finden, auf denen man cid aus der Bevölkerung herauspressen und in die Taschen i ecken konnte. Nun unterliegt in Iran schon fast alles einer bleuer, aber mit bekannter Virtuosität gelang es den russil i len Gouverneuren doch, einige unentdeckte Qtiellen durch! ' e Wünschelrute ihres Geldhungers hervorzuzaubern. Natür- > h waren die Juden die ersten, die in schamloser Weise! > isgesaugt wurden. Denn sie hatten niemanden, der ihnen! d n Rücken deckte; seit alters her waren sie nur Geduldete j ') Mohammed war durchaus kein Judeufeiud. In der „Summ"; t t mohammedanischen Tradition heißt es: „Eines Tages ging der iaphet mit zivei Jüngern spazieren, als ihnen ein Sarg entgegen. | ».tragen ward. Mohammed ivich zur Seite und verneigte sich tief,! t’ c der Zug vorüber war. „Pfui!" sagte» seine Schüler „Wie ' mitest du! Das war die Leiche eines Juden!" — „Wie konnte ich echt!" entgegnet« der Prophet zürnend. „Es war eine Seele, die mir vorübergetragen wurde." auf der kargen persischen Erde. Ta viele vom Kleinhandel leben und als Hausierer lTälläl) im Lande »mherziehen, so inußten sie allerlei Papiere haben, die des Stempels der russischen Stadtbehörde bedurften. Jeder Stempel kostete natürlich Geld. War aber den Rttssen diese Methode;u umständlich, so klagte man die Juden irgendeines imaginären Verbrechens an, das durch ein paar Kosaken und andere russische Spitzel betrieben untrde. Die Folge tvar Vermögenskoufiskation, die von vornherein der Endzweck der ganzen Handlung gewesen war. Es gab für den Juden eben nur ein Mittel, die ganze Beamtenschaft bestechen. Aber das war auf die Dauer atlch schwer möglich, denn im Verhältnis zu der Durchlässigkeit der russischen Beamtentaschen ivaren die Danaidenfässer Panzerplatten. In den anderen Provinzen ging es den Juden nicht so schlimm, obgleich das russische System hier und da Nachahiner fand. Es lohnte sich auch anderswo nicht, denn die persischen Juden sind alle sehr arm, bettelarm. Die Mehrzahl lebt von der Seidenspinnerei und Weberei. Da dieser Ertverb zumeist als Hausindustrie betrieben wird, so bringt er nicht viel ein. In Aserbeidschan aber gibt es Fabrikunternehmungen, Teppichfabriken, Färbereien, Töpfereien, deren Arbeiter fast ausschließlich Juden sind, da die Perser sich für zu vornehm halten, um arbeiten zu können. Darum ist hier, wo auch Stapelplätze für Gegenstände des Hausierhandels sind, die ökonomische Lage trotz der russischen Erpressungen besser. Auch die Frauen beteiligen sich am Kleinhandel; sie suchen die Frauengemücher aus, die den Männern verschlossen sind, und machen dort gute Geschäfte. Andere Jüdinnen sind als Masseusen in den Bädern angestellt. Frau Tr. Nuscha Taterka, die Persien bereiste, erzählt, daß die Perserinnen den Jüdinnen freundlich entgegenkommen. Es ist selbstverständlich, daß ein armes Land wie Persien höhere Steuern erheben mttß als ein reiches. Aber es mttß mit allen Mitteln durchgesetzt werden, daß in der Neuordnung der persischen Verhältnisse die Sonderbesteuerung der jüdischen Bevölkerung ein für allemal aufhört. Es inuß den späteren Machthabern energisch eingeschärft werden, daß die geringe persische Industrie nur durch die jüdischen Arbeiter möglich ist, und diese Arbeiter durch ihren Fleiß und ihre Geschicklichkeit wohl imstande sind, die Industrie Persiens einer neuen Blüte entgegenzuführen. Es muß, um ein Scherzwort Dr. Polacks zu wiederholen, erreicht werden, daß die Juden von den Persern lvie ihre — Haussklaven behandelt werden. Die leben nämlich so gut wie in Berlin die Portiers. Dr. N. Bismarcks Stellung?um Judentum und?u den Juden. Von Dr. Adolph K o h u t. kV. (Nachdruck verboten.) u den allezeit getreuen, zuverlässigen und nie Opposition machenden Adjutanten der Feder, die Jahrzehnte hindurch die politischen Ideen des Kanzlers in die Presse lancierten und die in Wort und Schrift ihin erfolgreiche Bundesgenossen waren, zählte attch der Geheime Regierungsrat Ludwig Hahn, der allerdings seine jüdische Religion wechselte, was aber, wie mir einst von Bismarck sehr nahe stehender Seite versichert wurde, durchaus nicht auf den Wunsch des Kanzlers erfolgte. Dieser erkannte frühzeitig, daß ein so gewandter, geistvoller und ihm zugleich sympathisch gesinnter Publizist ihm in der Presse große Dienste leisten könnte. Er berief ihn daher zur Leitung des Literarischen Bureaus, d. h. der Presseabteilung im Ministerium, und übergab ihm auch die Leitung der halbamtlichen „Provinzialkorrespondenz", für die der Minister selbst ab und zu

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