Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- Seite 186 (sequence 6)
- Language
- German
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186 Nachweis, daß die Zahl der mit diesem Ehrenzeichen ausgestatteten jüdischen Krieger bereits eine verhältnismäßig hohe Zahl erreicht hat. Es werden ferner die Namen derjenigen jüdischen Kämpfer in Ost und West genannt, welche wegen ihrer Umsicht und Energie, die gepaart mit Mut und Tapferkeit, teils zu Abteilungssührern, teils zu Offizieren ernannt wurden. Stolzen Herzens gedenken wir alle, die wir in der Heimat, fern von den Schauplätzen des gewaltigen Völkerringens, weilen, der Tapferen, die unsere Ankläger und Verleumder durch ihr Verhalten Lügen strafen und all diejenigen, welche uns bisher wenig freundlich gesinnt waren, zur Anerkennung, ja zur Bewunderung ihres Heldenmutes zwingen. Endlich wurde ausführlich darüber berichtet, mit welch hohen Beträgen sich die jüdischen Staatsbürger bei der Spende für das Rote Kreuz und die anderen der Kriegshilfe dienenden Einrichtungen beteiligten. Es konnte eine lange Reihe von Gemeinden und Vereinen verzeichnet werden, welche für diese Institutionen zum Teil recht hohe Summen spendeten, um das große, gewaltige Kriegshilfswerk zu fördern. Es hat sich dabei eine Gebefreudigkeit gezeigt, die geradezu bewundernswert ist. Kaum eine Gemeinde, kaum ein Verein in den deutschen Lande» wird in diesem Verzeichnis vermißt. Selbst Einzelpersonen haben nach Kräften beigesteuert mit dem erhebenden Bewußtsein, die Gabe, ob groß oder klein, für einen hochedlen Zweck dargcreicht zu haben. Jedoch auch an einem eifrigen persönliche n Eintreten für die Bestrebungen des Roten Kreuzes hat es innerhalb der deutschen Judenheit nicht gefehlt, und viele ihrer Angehörigen haben, in den meisten Fällen unter Hintansetzung eigener Interessen, ihre Tätigkeit dieser segensreichen Institution gewidmct. Wo nur ein Verein, der die Kriegshilfe, gleichviel in welcher Form, zum Zweck hat, gebildet wurde, wirken Juden »reist an erster, leitender Stelle aufs eifrigste mit. In den Vaterländischen Frauenvereinen, die allerorten bestehen, sind jüdische Frauen mit Erfolg tätig, und sie gehören vielfach dem Vorstände dieser Vereine an. Ueberall, wo freiwillige Sanitätskolonnen bestehen, finden wir jüdische Männer in ihren Reihen, lim Leid und Schmerz, Not und Pein lindern und mindern zu helfen. In ganz hervorragendem Maße sind aber auch jüdische Frauen und Mädchen beim Roten Kreuz als Helferinnen und Schwestern tätig. Kaum war der Kriegsruf erschollen, da beeilten sich zahlreiche jüdische Männer, alte wie junge, die aus irgendeinem bestimmten Grunde nicht die Waffen ergreifen und ins Feld ziehen konnten, den freiwilligen Sanitätskolonnen ihre Dienste anzubieten, und junge jüdische Mädchen und Frauen meldeten sich in großer Zahl zur Teilnahme an den vom Roten Kreuz veranstalteten Ausbildungskursen in der Kriegskrankenpslege. Und nach kurzer Zeit waren viele jüdische Männer in den Sanitätskolonnen und viele junge jüdische Mädchen in den überall neu eingerichteten Reservelazaretten als Helferinnen und Schwestern beschäftigt. Mit seltenem Eifer gaben sich alle, alle dem edlen Werke hin. Alle diese Männer und Jungfrauen setzten fortan ihr ganzes Sein daran, um dem Vaterlande zu dienen und, keine Mühe, keine Beschwerde scheuend, auf einem Felde zu arbeiten, wo nicht der Kriegslärm ertönt und nicht die Fackel der Verheerung umgeht, sondern wo hehrer Friede iveilt und Menschenliebe Freund und Feind zusammenführt, um sie alle unterschiedslos mit gleicher Liebe und Treue zu umfassen und zu beglücken. Während nun der unter den Fahnen stehenden jüdischen Krieger allüberall in Liebe gedacht wird, während man bemüht ist, ihre Tätigkeit auch der Nachwelt bekannt werden zu lassen, findet das stille, hingebungsvolle Wirken sowohl unserer jüdischen Sanitäter als auch unserer jüdischen Schwestern und Helferinnen bei uns nicht die Beachtung und Würd gung, welche diese Kriegsteilnehmer verdienen, deren Mitarbc t der Militärbehörde so wert erscheint, und die wir mit volle n Rechte als „jüdische Nichtkombattanten" und „jüdische Nich - kombattantinnen" bezeichnen können, die, wenn sie auch nie t eigentliche Kriegsdienste leisten, doch im Dienste des Kriege * stehen, indem sie helfen, die Verwundeten und Kranken dur , ihre Pflege so weit wiederherzustellen, daß diese, wenn di>? eben möglich ist, in die Lage kommen, wieder ins Feld zieh, zu können, um die in den Kriegerreihen entstandenen Lücke» auszufüllen. Es wäre nun wohl angebracht, festzustellen, u, welchem Maße Angehörige unserer Gemeinschaft sich bei diese, Teile des großen, umfassenden Kriegshilfswerkes betäti t haben. Ja, es müßten die Namen all dieser „stillen Krieg - teilnehmer und -teilnehmerinnen" verzeichnet werden. Gew; werden sie und nicht minder wir alle einmal mit Freude m > Genugtuung die stattliche Reihe der Namen lesen, deren Träg, r allen Kreisen der jüdischen Gesellschaftsklassen angehöre Dies würde wohl auch außer der inneren Befriedigung da über, ein edles Werk vollbracht und dem Vaterlande gebin : zu haben, der einzige Lohn sein, denn Orden und Ehre, . zeichen haben diese „Nichtkombattanten" und „Nich ■ kombattantinnen" in den seltensten Fällen von der Militä behörde zu erwarten. Im Kriege 1870/71 hatte das freiwillige Sanitätswese insbesondere das Rote Kreuz, noch nicht eine so hohe V deutung erlangt wie in dem gegenwärtigen Weltkriege. T ' Beteiligung der Juden an diesen Hilfswerken war damn wohl keine so rege wie jetzt, wenigstens liegen uns mein! Wissens darüber keine besonderen Mitteilungen vor. Versäumen wir es daher nicht, auch nach dieser Richtui g hin Feststellungen zu machen, damit wir unseren gege wärtigen und künftigen Feinden die Antwort nicht schuldig > bleiben brauchen! Andererseits sollen alle diejenigen, well! ,? aus dem einen oder anderen Grunde dem großen Kriegshilf - werke etwa noch fernstehen, angeregt werden, ihre Kräfte, m " seien diese noch so gering, zur Verfügung zu stellen. Es sei aber an dieser Stelle ganz besonders hervorgehobe daß die vorstehenden Ausführungen nicht etwa bezwecken solle ■ für die jüdischen freiwilligen Kriegsteilnehmer Auszeichnung!; irgendwelcher Art zu erstreben. Vielmehr soll einerseits a>' ein weites Betätigungsgebiet hingewiesen werden, v ' noch sehr viel geleistet werden kann und wo alle, alle, ar» und reich, jung und alt, mittun können. Liegt doch uns Jude.t nichts ferner, als für ein Wirken im Dienste der Humanste. die dem Vaterlande gilt, stets und überall irgendwell" äußere Anerkennungszeichen zu erlangen. Uns genü.t vollauf das erhebende und befriedigende Bewußtsein, in d > Reihen derjenigen gestanden zu haben, die, ohne Rücksicht fl ' Stand und Glauben, auf Nation und Herkunft, Mensche!' liebe betätigen und schon im Kriege vorbereitend an de» großen Menschheits-Friedenswerke Mitarbeiten und die Hand dazu geboten haben, dieses erhabene Werk fördern zu helfe!.' Geh. Kommerzienrat Hugo Sonnenths. (Zu seinem 70. Geburtstage.) eheimer Kommerzienrat Hugo Sonnenthal in Dessen xf/ wurde als Sohn des Bankiers August Sonnenthal 17. März 1845 zu Dessau geboren. Er gehörte einer fe t langem in Dessau ansässigen und angesehenen Familie au. sein Vater war Vorsteher der jüdischen Gemeinde. In junge > Jahren starb sein Vater, und Hugo Sonnenthal, kaum 22 Jahn' alt, übernahm als ältester Sohn das Bankgeschäft des Vaters,