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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-16 · Heft 16 (16.4.1915) · p. Seite 184

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 16 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 Autorität kennt keine Grenzen. Inden, die während der deutschen I Invasion unter Androhung schwerer Strafen gezwungen worden! waren, die von t>en siegreichen Deutschen auferlegten Kontributionen! beischaffen zu helfen, wurden, nachdem die betreffende Stadt wieder in! die Hände der Russen gelangt war, von den russischen militärischen Be-! Hörden aufgehüugt, weil sie „dem Feinde Hilfe geleistet hätten". Man! denke sich, daß die belgische oder sranzösische Regierung, wenn es ihr gelingt, einmal belgische oder französische Städte wieder Zu erobern, alle diejenigen Belgier und Franzosen hängen lasser! wollte, die unter deutschem Zwang ähnlich gehandelt haben! Der einzige Lichtblick in diesen Schreckensbildern ist für den „Labour Leader" die Einheit und das Zusammenhalten zwischen den organisierten polnischen und jüdischen Arbeitern. So weit die englische Zeitung über die Schandtaten des Alliierten der Engländer und der Franzosen, denen allen dreien die große, aufgeklärte Ration jenseits des Atlantischen Ozeans die Waffen liefert, die in den Händen der russischen Soldateska den Todeskampf der russischen Juden verlängern helfen. Wenn die Runnner des „Labour Leader" vom IS. März die entsprechende Verbreitung in den Bereinigten Staaten gefunden haben wird, dann wird es interessant sein, zu sehen und zu hören, ob unter dem Zeichen des Sternenbanners nicht doch alle jene Kreise, die sich stolz ihrer Aufklärung und Humanität berühmen, den Mut finden, um der verbrecherischen Waffenlieferung an Rußland und seine Verbündeten ein Ende zu bereiten. * \ lieber die Lage der Juden in Polen liegen folgende Mel-! düngen vor:! }( ehtzigt a n s e n d o b d a eh l 0 s e I u d e n i n W a r s eh au.! Der Personenverkehr zwischen Warschau und Zhrardow hat, wie Warschauer Blätter berichten, sehr abgenommen, seit die Juden aus j Grodzisk, Zhrardow, Mschtschonow und den umliegenden Ortschaften! ausgewiesen sind. Dazu kam in der letzten Zeit noch die Ausweisung j aller Personen deutscher Herkunft und evangelischen Glaubens aus > der Umgegend, besonders aus Zhrardow. Niemand hat bisher die! Erlaubnis zur Rückkehr erhalten. Nach der Berechnung der Peters- - bnrger jüdischen Gesellschaft „Jca" sind in der letzten Zeit ungefähr! 25 000 von den russischen Behörden ans ihren Wohnorten ansac-! wiesene Juden in Warschau einaetroffen, so daß die Zahl der obj dachlosen Juden jetzt gegen 80 000 beträgt. Für sie sind besondere! Lebensmittelniederlagen errichtet und zu diesem Zweck die aus! London iMrwiesenen 30 000 Rubel verwandt worden. Auch nach! Wilna, Bialhstok und Kowel sind massenweise jüdische Flüchtlinge! zugewandert. — Die „Gaz. Marsch." veröffentlicht eine vergleichende! Statistik der polnischen Schulen im Königreich Polen und in Galizien, aus der ersichtlich ist, daß es im Jahre 1911 im Königreich 5000 polnische Schulen mit 359 034 Schülern gab. Aus je 2341 Einwohner kam also eine Schule, auf 1000 Einwohner 29 Schulkinder. In demselben Jahre besaß Galizien 5855 Lehranstalten mit 41 082 Schülern. Dort kam auf 1435 Einwohner eine Schule und auf 1000 Seelen! 129 Schulkinder. D i e F 0 r t d a u e r der r u s s i s ch cit Jude n verf 0 l g u n g e n. Nom, 6. April. Der Petersburger Korrespondent des „Secolo" schildert die andauernde Verfolgung der russischen Juden durch die Behörden. Sogar die verwundeten jüdischen Soldaten umgen nur mit Zittern die Lazarette zu betreten, aus Furcht, auf die Straße gesetzt zu werden. Der bekannte Schriftsteller Leonid Andrejew geißle zwar diese Zustände in der Presse, aber natürlich vergebens. Der Korrespondent fügt hinzu: Der Gouverneur von Galizien verbot den Juden, Galizien zu betreten, und den dort Ansässigen, ihren Wohnort zu wechseln. In Plock wurden hnndertundvierzig Juden und vierzig Polen wegen Handelsbeziehungen mit Deutschen nach Sibirien verbannt. * Aus Wien wird berichtet: Die Besetzung Galiziens durch Rußland ruft in russischen Re-; gierungskreisen die Frage über die Rechte des jüdischen Grundbesitzes! in dem besetzten Gebiet hervor. Der russische Generalgouverneur! Galiziens, Gras Bobrinsky, hat laut „Birshewija Wjedomosti" vom! 12. März Vorschläge gemacht, die schließlich zu einer vollen! Liquidation des jüdischen Grundbesitzes in Galizien führen sollen.! Zur Begründung dieser Maßregel führte Bobrinskh die gleichen Ev >sj Wägungen an, die in Rußland der Beschränkung der Rechte der Jud li zugrunde liegen, in der Hauptsache den Hinweis auf die Ausbentn!§ ]'H der Ortsbevölkerung durch die Juden, ihre mangelnde Anpassuu, - sähigkeit an körperliche Arbeit als kleine Grundbesitzer. Nach i .r > 1 Meinung von Bobrinsky muß solche Liquidation des jüdischen Grni>- , besitzes logisch aus der ganzen russischen Gesetzgebung über die Ink n i folgen, und es ist am besten, eine solche Maßnahme aus ctimri, ohne irgendwelche Abweichung, unmittelbar nach der Erkläre der Annexion Galiziens vorzu nehmen. Nach Bobrinsky entfal: 1, Z. etwa 30 Prozent des privaten Grundbesitzes in Galizien auf jiibif ne 1 Eigentümer. * M Aus Koustantinopel wird uns berichtet: Der Sultan tu c,x dem Sohne des hiesigen Botschafters der Vereinigten Staat n 1 : von Nordamerika, Henri Morgenthau, den Osman?- f'1 orden dritter Klasse verliehen. Nicht nur Botschafter Marge!- ' ' thau selbst, sondern alle seine Familienmitglieder haben si b. wie das türkische Amtsblatt hervorhebt, auf dem Gebiete i r! 1 allgemeinen öffentlichen Wohltätigkeit schon in Friodenzeib:!; ganz besonders aber jetzt seit Ausbruch des Krieges, unvirgängliche Verdienste erworben. Sr. S. Smmrnlchein. m 21. April vollendet Herr Dr. Sonnenschein, chemo Lehrer an der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt zu Be lin, das siebzigste Lebensjahr. Simon Sonnenschein wurde 1845 zu Straßnitz in Mähr geboren. Er genoß eine strenge altjüdische Erziehung u wurde, sehr regen Geistes, schon bevor und sodann während die Volksschule und das Gymnasium besuchte, von seinem Va und dem Rabbiner der Heimatstadt in Bibel und Talni sowie in das Verständnis der religiösen Bräuche eingefül Später ging er znm Abschluß der Gymnasial- und Erwei rung der allgemeinen Bildung sowie behufs Bereicherung n Vertiefung seines biblischen und talmudischen Wissens no Wien. Nach.der Absolvierung des Gymnasiums legte er 1 selbst 1867 seine Universitätsstudien breit an, wandte sie ai bis 1873 besonders der Philosophie, Mathematik und Phi zu. Daneben hörte er wie schon während der Gymnasiale religivnswissenschaftliche Vorlesungen am Beth vammidra dessen Dozenten damals Adolf Jellinek, Friedmann und Iso Hirsch Weiß waren. Nachdem er sich sodann in einem Hamburger Patrizierhai als Erzieher betätigt und so bewährt hatte, daß er sich die o dauernde Dankbarkeit seines Zöglings und der Eltern dessclt erwarb, setzte er seine Studien in Berlin fort und promovie in Wien auf Grund der Abhandlung „Beweis des Clairaultscl Satzes über die Erdschwere". Später bestand er daselbst Prüfung pro facultate docendi. Im Oktober 1877 trat Herr Dr. Sonnenschein in das Leh kollegium der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt ein. Hier e faltete er dank seiner Persönlichkeit, seiner pädagogischen gabnng, seinen umfassenden und tief eindringenden Stud seiner Begeisterung für die Lehren des Judentums eine feg volle erziehliche und unterrichtliche Tätigkeit. Zunächst unterrichtete er hier nur in verschiedenen Prosa- Fächern. Ueberall verstand er es, in Hingebung und Pfli treue arbeitend, die innere Teilnahme der Schüler zu wer und wachzuhalten, sie zu selbständigem Denken und Arbei anzuregen und ihnen ein Streben nach Weiterbildung ein, pflanzen. Vier Jahre nach dem Eintritt in das Lehrerkollegium warb er sich — nach dem am 27. August 1881 erfolgten H scheiden des Leiters der Anstalt, des Rektors Aron Horwitz, ein von der Gemeinde und dem Vertreter der staatlich c i V o!■ I V.l if ' ii-.s iü V.f!v. (v.W 5J;„ iH'-i bl! Poi

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