Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Juden, wie Kali sch, Stettenheim, Louis Herrmann, Moszkowski, Blumenthal, Engel und andere. Ich habe das Buch aufmerksam gelesen, Habe über manches herzlich gelacht und gönne das Vergnügen, das ich empfunden habe, mtd) anderen. Daher kann ich das Buch unbedenklich zur Lektüre empfehlen. Als Kritiker dagegen hatte ich manches daran auszusetzen. Zunächst, daß schon auf dem Titel der Superlative etwas zu viel sind. Ebenso in den kurzen Einführungen, die den Proben der einzelnen Autoren vorangestellt sind. Sodann mochte ich bezweifeln, daß die beigebrachten Proben wirklich das Humoristischste, Witzigste und Originellste enthalten. Endlich hat mich die Art der Allswahl nicht befriedigt: Bllnnenthal könnte man vielleicht aus seinen Sprüchen erkennen, obgleich seine Lustspiele mir charakteristischer erscheinen. Kalisch dagegen kanil man meines Erachtens aus seinen witzigen Gelegenheitsscherzen in seiner Art gar nicht würdigen; eine Szene aus irgendeiner seiner Possen wäre gewiß mehr geeignet, seine ganze Art kennen zu lernen. Ebenso würde z. B. Heinrich Seydel aus einem Kapitel seiner unvergleichlichen „Leber echt-Hühuchen" - Skizzen besser vorgeführt als alls seinen Gedichten und der Skizze, die in unserem Buche geboten wird. Das Buch leidet an dem Fehler so mancher Anthologie: es will recht viel Verschiedenartiges bringen und versäumt dadurch, das Gesamtbild einer Persönlichkeit vorzusühren. Vielleicht standen die Autorrechte einer Auswahl, wie ich sie mir denke, entgegen. Aber immerhin gewährt die Sammlung genug Amüsement, und damit hat ein humoristisches Werk seine Aufgabe erfüllt. In dieser schweren, traurigen Zeit wirkt ein herzliches Lachen befreiend. — „T lic Je w i s h Qua t e r ly H o v i e w“. New Series, edited by Cyrus Adler and S. Schechter. Vol. IV. 11)13—1914. Published quarterly by the Dropsie College for Hebrew and Cognatc Learning*. Broad and York Streets, Philadelphia (Pcnns.). hob Seiten. Auch der IV. Jahrgang der „Jewish Quarterly Review" steht vorzugsweise unter de:n Zeichen der Entdeckungen alls der Geniza in Kairo. Ihr sind die Fragmente hebräischer Gedichte entnommen, die Israel Davidson veröffentlicht und erläutert (S. 53—95); es befindet sich darunter das erste bekauntgeivordene Gedicht Elchanans den Schemarja, Stücke aus einem Divan Gabirols, die in der alten Sammlung als Nr. 122- 326 bezeichnet lvaren, je zwei Gedichte von Josef ibn Suhl und Josef ibn Zaddik. Aus der Geniza stammen Marmorsteins Mitteilungen zur Geschichte des palästinischen Gaonats iS. 621 ff.). Durch dieselbe Quelle sind fast alle Aussätze angeregt, die das halachische Gebiet berühren. I. N. Epstein veröffentlicht je ein bisher unbekanntes Fragment der Scheeltot und des aramäischen Qriginals der Halakhot Pesnkot, beides für die Kenntnis der Entstehung der ältesten Werke der nachtalmudi sehen Literatur außerordentlich wichtig (S. 419 - 442). B. Aptowitzer teilt aus einem Manuskript des Sammelwerkes Asufot Formulare und Vorlagen für Urkunden mit, wie sie an den Gerichten der babylonischen Geonim üblich lvaren, und behandelt sie eingehend -im Anschluß an die bekannte Literatur (S. 23—51). B. Halper gibt die Einleitung zur geplanten Veröffentlichung der gefundenen Fragmente des Buches der Gesetze von Ehefez B. Jazliach, der nach feiner Meinung in Mosul um das Jahr 1006 gelebt und ein vollständiges Kompendium der religiösen Vorschriften in aramäischer Sprache geschaffen hat, an deren Spitze er die ethischen Vorschriften setzte, die er im übrigen nach der Reihenfolge des Pentateuch anordnete (S. 519—576). Endlich bezieht sich aus die Geniza der Aufsatz, in dem S. Schechter seine Anschauung über die von ihm veröffentlichten „Fragmente eines zadokitischen Werkes" verteidigt: im dritten Bande (S. 429—484) hatte A. Büchler die These verfochten, daß in jenen: Fragment, das so viel Aufsehen erregte, ilicht das authentische Dokument einer jüdischen Sekte in Damaskus aus vorchristlicher Zeit vorliegt, sondern das Programm eines nach samaritanischem Ritus lebenden Beduinenstammes aus dem siebenten oder achten Jahrhundert, das nach Art der Psendepigraphen in den Nahmen einer alten Sekte hineingestellt i)t! Schechter weist diese Annahme mit guten Gründen, aber mit zu viel Temperament zurück (S. 449—474). Temperamentvoll ist auch Frank Schechters Aufsatz über die Rechtlosigkeit der Juden Englands im Mittelalter (S. 121—151), der gegenüber allen bisherigen Darstellern auf das Wort „Rechtlosigkeit" den Nachdruck legt; ein Vergleich mit den nicht unähnlichen Verhält- , nisscn der Juden in Deutschland wäre der Arbeit sehr Zugute ge. tomnnm. Ins Gebiet der Geschichte fallen noch Radius Mitteilung eines handschriftlich nicht vollständig erhaltenen Privilegs von 1535 des milden Papstes Paul III. für deutsche Juden in Ancona (S. 22." bis 247) und Israel Friedländers mißglückter Versuch, in der be kannten Erzählung des Talmuds vom Bruch eines Hasmonäers mi. den Pharisäern (Kidd. 71a) nicht Johann Hyrkan, sondern Alexander Jannai zu sehen (S. 443—448). Das biblische Gebiet ist durch eine eingehende Analyse M. Jastrows der Zaraat-Gesetze (Lev. 13, 14) vertreten, in denen I. eine durch mehrfache Ueberarbeitung und Kasuistik zustande gekommene Gesetz gebung sieht. Danach ist Zaraat nicht Aussatz, sondern eine Haut krankheit, die bald in milderer, heilbarer, bald in strengerer Form auftritt und verschiedene Gattungen von Geschwüren als Unterarten hat (S. 357—418). I. Neider gibt „Prolegomena zu einem griechisch, hebräischen und einem Hebräisch-griechischen Index zu Aquila" (S. 321—356, 577—620); er behandelt Agnilas Art zu übersetzen, seine hebräischen Sprachkenntuisse, seine Bibetausfassung. Ein weiteres Kapitel soll den Aquila vorgelegenen hebräischen Text behandeln. Endlich ist noch ein populärer Aufsatz N. Bentwichs über die in der griechischen Philosophie und der christlichen Theologie zwischen Philo und Plotin hauptsächlich behandelten Probleme (S. 1—21), eine sehr gelehrte Abhandlung Halpers über die Metrik in der hebräischen Poesie des Mittelalters, die sich auf Vergleichung mit dem Arabischen und auf Beispiele aus Dichtungen stützt (S. 153—224) zu erwähnen sowie zahlreiche Bücherbesprechungen. I. Eibogen. * — Correspondence School f o r Religious School Teachers. Condueted by the Jewish Chaiitauqiin Society. 1. Methods of Teaching — Primary Grades, Coursc B. By Ella Jacobs. 2. Biblical History Junior Grade. By Edward N. Caliseh, Ph. D. Philadelphia Pa. 1914. Auf diese beiden Erscheinungen der pädagogischen Literatur des amerikanischen Judentums, welche sich mit dem Elementarunterricht im Pentateuch befassen, sei auch an dieser Stelle hingewiesen. Nicht allerdings, um den wissenschaftlichen und methodischen Wert der Bücher nach dem Maßstab deutscher Anschauungen zu kritisieren! Denn gerade die Unterrichtswissenschast ist mehr als jede andere von den nationalen Verhältnissen der einzelnen Länder, von den Sitten und Gebräuchen, von den Tugenden und Untugenden, überhaupt vorn Nationalcharakter abhängig, wenn auch nicht in den Zielen, so doch gewiß in den Methoden! Hat es darum auch wenig Sinn, vom Standpunkt deutscher praktischer Pädagogik amerikanische Bücher zu beurteilen, so ist doch die Tatsache, daß eine so ausgedehnte, pädagogische Literatur im amerikanischen Judentum überhaupt existiert, für uns in Deutschland eine sehr ernste Mahnung. Der jüdische Religionslehrer findet in seiner pädagogischen Bibliothek mit ganz! wenigen Ausnahmen, die zudem leider recht unbedeutend sind, nur Werke christlicher Autoren, und es bedarf besonders für den jüngeren Lehrer eines recht großen Unterscheidungsvermögens und einer erheblichen wissenschaftlichen Sicherheit, wenn er seinen Unterricht ganz und gar von christlichen Einflüssen unberührt erteilen will. Soweit wir in Deutschland auf anderen Gebieten des jüdischen Lebens vorangeschritteu sind, hier klafft noch eine Lücke, und der Aufbau einerpädagogischen Literatur müßte mit allen zweckmäßigen Mitteln begünstigt werden. Die Amerikaner, die sogar eine besondere Gesellschaft für diesen Zweck nach dem Vorbilde andersgläubiger Institutionen gegründet haben, sind um die große Reihe der Erscheinungen dieses Gebiets geradezu zu beneiden, und es wäre von Herzen zu wünschen, daß dieses Beispiel auch bei uns Nachahmung fände. Eine bloße Uebersetzung der vorliegenden, wie anderer Erscheinungen dürfte sich allerdings aus den oben angedeuteten Gründen weder empfehlen noch lohnen. Gold m a n n - Oppeln. * D i e Petichot des Midrasch r abb a zu Genesis. Von Tr. David Künstlinger. Krakau 1914. Verlag des Verfassers. Zu den schwierigsten Fragen der talmudischen Literatur gehört die höhere Textkritik im Midrasch. Künstlinger hat die einleitenden Formeln des Midrasch rabba zu Genesis untersucht und hat in mühseliger Arbeit die herrschende Verwirrung zu klären versucht. Eine eingehende Würdigung der außerordentlich eingehenden itnb mühseligen, aber auch erfolgreichen Arbeit gehört an eine andere Stelle. G—n.