Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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79. Jahrgang Nr. 15 Berlin, 9. April 1915 Der Gemeindebrite. 55tflagt zur „Allgemeinen Leitung deK IudentumK". SorrrkplmdrnNN und Mschrichtm. Seutlchlsnd. Berlin, 4. April. Die int Jahre 1720 gegründete Gefell- - ch tt f t z u r Ausstattung von B r ä uten übt in unserer - emeinde eine zwar stille, aber dennoch segensreiche Tätigkeit aus. nseren Altvordern war es ein durch Tradition geheiligtes Bei ürsnis, gerade diesem Zweig der Wohltütigkeil seine besondere iebe, seine besondere Fürsorge zuzuwenden. Hiervon zeugen die Stiftungen, die hochherzige Frauen und Männer schon in früheren Jahrhunderten für diesen Zweck errichtet haben. Galt es doch als t ite besondere Ehrenpflicht, jungen Menschenkindern, die von Hause i us nicht mit Glücksgütern bedacht waren, den Weg in das Leben zu ^.leichtern, schützend und helfend ihnen zur Seite zu stehen, wenn '? danach trachteten, ein eigenes Heim zu. gründen. Wenn auch in?r Zeilen Flucht sich hierin manches — und nicht gerade zürn ' esseren — geändert hat, so liegt dies nicht an einer Erkaltung des lohltätigkeitssinnes, sondern mehr in den veränderten, modernen zialen Anschauungen, durch die man oft ob der großen, weitsteckten Ziele die kleineren und dennoch so erstrebenswerten zu ^n recht mehr in den Hintergrund stellt oder doch ihnen nicht die ' iebe zu wendet, die sie unbedingt verdienen. Hierzu gehört Hachnassath-Kallah" in erster Reihe. Und da ist es herzerfrischend, nenn man den aus Anlaß der am 23. v. M. stattgefundenen ordentechen M itgliederv e r s a m m l ung erschienenen Druckbericht < .'s Vorstandes der Gesellschaft „Hnchnassath-Kallah" über die Jahre >12, 1913 und 1914 zur Hand nimmt und daraus ersieht, daß nne kleine zwar, aber wackere Schar von Wohltätern im Sinne der < .währten Ueberlieferungen unentlvegt loeiter wirkt. Wenn auch Oe Mittel leider nicht so reichlich fließen, wie es der so edle Zweck l heischt, war es dennoch möglich, -in den drei Berichtsjahren aus t t Hauptkasse 30 115 Mark, aus den Stiftungen 11 085 Mark, in r u.mma 41 200 Mark als Unterstützungen an bedürftige Braute zu e uvähren- und viel Segen damit zu stiften. Ter eiserne Fonds der ' auptkasse hat sich aus 106 500 Mark vermehrt, außerdem bestehen : i)t Spezialstistungen. In der ordentlichen Mitgliederversammlung c stattete der Borsitzende, Herr Emil Pincus, ausführlichen Be- ' cht und erörterte die Lage der Gesellschaft. Möge die Institution, ' führte er etwa aus, schon im Hinblick auf ihre alte Bewährung i ab das nicht mehr ferne Jubiläum ihres 200jährigen Bestehens! ästig zum Segen der Beteiligten erstarken. — Rach erfolgtem Ber cht der Revisoren wurde dem Vorstände Entlastung erteilt. In t u Vorstand wurden wi-edergewählt die Herren Emil Pincus, tartin F e r n b a ch , Ernst F i e g e l', Heinrich F r ä n k e l, Akax?■ r eude it h e i m , Gustav S a ch s , Siegfried Sachs; in die Revisionskommission gewählt beziehungsweise weidergewählt die ' erren Hermann A r o n , Paul B l a ch st ein, Nathan C o h lt. S£2 Berlin, 4. April, lieber die Volkswirtschaft Galiziens und t n Weltkrieg hielt kürzlich im Teutsch-Oesterreichisch-Uugarischen Urtschastsverband vor zahlreichen Gästen, auch aus Oesterreich l ibgeordneten usw.), Tr. Zdzislaw S l u s z k i e in i c z einen Bor- I ag. Er ist der Tirettorstetlvertreter der Jndustriebant für Galizien, wr Vorsitzende des Verbandes, Geheimer Rat Paasche, begrüßte die erren im Sitzungssaale des Abgeordnetenhauses und sprach den Tunsch aus, daß in Zukunft die wirtschaftlichen Beziehungen mit Oesterreich-Ungarn enger werden mögen, die die beiden Reiche in den c tand setzen, sich möglichst selbständig zu versorgen. Dr. Zdzislaw r luszkiewicz legte zu seinem Vortrage eine umfangreiche tatistik vor. Das Bild, das er von Galizien gab, war überaus ein- II 'hend. Galizien, dreimal so groß als Belgien, mit acht Millionen M anschen, ist das boden- und volkreichste Land der Donaumonarchie, dz ist übervölkert und hat daher eine sehr starke Auswanderung, lieber 11 Prozent der Bevölkerung, nämlich 870 000, sind Juden, die polnisch sprechen und dadurch das polnische Element stärken. Sie Oid von stärkstem Einfluß im Handel und Geldwesen, im Privat- und Osentlichen Dienste. 17 Prozent der Juden arbeiten in der Landwirtschaft, so daß man sagen kann, daß die Juden in Galizien sozial sehr gut gruppiert sind. Das Schulwesen hat starke Fortschritte gemacht; die Zahl der Analphabeten betrügt jetzt „nur" noch 45 Prozent. Galizien ist trotz zunehmender Industrialisierung ein ausgesprochenes Agrikulturland. Tie Landwirtschaft befindet sich in einem Uebergangsstadium. Sie kann den eigenen Bedarf an Brot noch nicht decken. Aber die Gesamterzeugung der Landwirtschaft einschließlich der Baumfrüchte beläuft sich doch auf etwa eine Milliarde Kronen. Sehr schroff stehen sich gegenüber Großgrundbesitz und der außerordentlich zersplitterte Kleinbesitz. Tie Holzerzeugung beläuft sich auf jährlich 80 Millionen Kronen, wovon 40 Millionen auf die Ausfuhr kommen. Tie Viehzucht ist stark entwickelt, bedeutend besonders die Pferde-, Schweine- und Geflügelzucht, die freilich, ebenso wie die Bienenzucht, durch den Krieg zum Teil vernichtet worden sind. Tie großen Satzschätze sind dem Staate Vorbehalten. Die Erzeugung könnte leicht verdoppelt, ja verdreifacht werden. Wichtig ist die Kalierzeugung, die jetzt mit großem Eifer betrieben wird. Von größter Bedeutung für die Industrie Galiziens sind die auf 25 Milliarden Tonnen geschützten, mit Oberschlesien wettbewerbsfähigen Kohlenlager, die nach dem Kriege sehr viel stärker ausgebaut werden sollen. Tie ' Petroleummengen reichen für ganz Oesterreich-Ungarn und noch zu erheblicher Ausfuhr. Galizien konnte aus diese Weise verhindern, daß Mitteleuropa ans diesem Gebiete ganz in amerikanische Abhängigkeit geriet. Das alles sind die notwendigen Vorbedingungen für die Industrie. Tie eigentliche Industrialisierung Galiziens setzte vor 33 Jahren ein. Heute wird die industrielle Gesamterzeugung auf jährlich 600 Millionen Kronen geschätzt. Bereits entwickelt sich ein galizisch-potnischer Unternehmertypus. Es ist zu hoffen, daß die Schäden nach dem Kriege rasch wieder gebessert werden können und ein großer Aufschwung eintreten wird. In der letzten Zeit hat sich die galizische Geldwirtschaft stark entwickelt. Tie Institute haben ihre Depots und Bücher bei Kriegsausbruch rasch noch nach Wien retten können. Ter Krieg hat der galizischen Volkswirtschaft gewaltigen Schaden, der noch gar nicht zu übersehen ist, zugefügt. Aber die Kriegsentschädigung wird auch hier Besserung bringen. Zur Wiedergeburt Galiziens wäre wünschenswert freie Weichselfahrt bis Danzig. Ter Wert Galiziens ist durch den Krieg natürlich nicht vernichtet. Berlin, 4. April. Das Eiserne Kreuz erhielten: Feldunterarzt Heinrich Z o l k i, Unteroffizier Max H i r s ch , Feldwebel Kurt Joseph, Gefreiter Erich E o h n, Offizierstellvertreter Regierungsbaumeister Mar Israel und sein Bruder Unteroffizier d. R. Paul I s r a e l, Ofsizierstellvertreter Dr. H a n s Kaim, der Berliner Chirurg Stabsarzt Tr. Max Litthauer, Bataillonsarzt Tr. Ernst Herzfeld, Landsturmmann Gefreiter Salomon Katz, Kanonier Bernhard Sommerfeld, Unterarzt Tr. Gerhard Salomon, Oberarzt d. R. Dr. Artur Zeh den, Bataillonsarzt Friedrich L e w i n s k i, Unterarzt Felix M o t t e k, Unteroffizier Wilhelm Glasfeld, Oberapotheker Georg Grunw a l d, Sohn des Tirektors Herrn Grunwald-Pankow, Feldwebel Kurt Joseph in Firma Lesser u. Joseph, Wehrmann Hermann Schiff, Oberarzt d. R. Tr. Alfred H o r w i tz , Oberarzt Tr. Erwin F r e u n d - Groß-Berlin. Tie gleiche Auszeichnung erhielten: Oberarzt Dr. Paul H i r s ch - Thorn, Apothekenbesitzer Willy Rosenb e r g - Braunsberg i. Ostpr., Klempner Arthur W a r s k i - Grätz uurer gleichzeitiger Beförderung zum Unteroffizier, Kaufmann Julius F u ch s - Schocken, Kriegsfreiwilliger Moritz R o s e >v i tz - Hohensalza, Offizierstellvertreter Benno F e i b u s ch-Gollub i. Westpr., Stabsarzt Tr. Fritz C h o tz e n - Breslau, Feldwebelleutnant Mar Scheps, Sohn des Synagogenvorstehers und Kämmerers H. Scheps-Zerkow, Prov. Posen, Unterarzt Friedrich G l a s e r - Zaborze, Unteroffizier Otto Cohen, Sohn des Herrn Simon Cohen in Firma Cohen und Mades in Köln, Kriegsfreiwilliger Gefreiter Erwin S o l i g m a n n , Sohn des Rabbiners Dr. C. Seligmann in Frankfurt a. M. Aus Grünberg i. Schl, wird uns geschrieben: Herr Fritz Meyer, Sohn des Treibriemenfabrikanten Herrn Otto Meyer, ist zum Leutnant der Reserve befördert worden. — Aus München wird uns geschrieben: Der bereits zu Beginn des Krieges mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnete Kaufmann Otto Beer aus St. Ingbert, Sohn des vor kurzem verstorbenen Kaufmanns Herrn Stadtrat Michel Beer, ist