Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 während dieses Jahres notwendigen Aufwendungen ihrerseits zu tragen >ud ein Mindestgebot von 225 000 Mark zu gewährleisten. Dieser Vorchlag ist von zionistischer Seite abgelehnt worden. So fand denn die gerichtlich festgesetzte Versteigerung des Technikums statt mit dem Ergebnis, daß das Objekt mit allein Zubehör für 225 000 Mark vom Hilssx'rein der Deutschen Juden erstanden worden ist. Es mag schließlich noch in aller Kürze festgestellt werden, von welcher 2eite die Beträge herrühren, die es ermöglicht, haben, das Technikum zu rbauen. Der Plan für das Technikum stanuut von Dr. Nathan her, der nach ingehenden Studien im Orient und nach wiederholtem Aufenthalt in Palästina sich von der Nützlichkeit und von der Notwendigkeit des Unternehmens für unsere Glaubensgenossen und für den Orient überhaupt iberzeugt hatte. Es gelang ihm, für fein Vorhaben die Familie Wissotzky it Moskau zu interessieren, die alsdann sich bereitsinden ließ, 100 000 Rubel ür die Förderung des Planes herzugeben. Ans diesen 100 000 Rubeln vurde eine Wolf-Wissotzkh-Stiftung des Hilssverejns der Deutschen Juden - also angegliedert an diese Organifation — gebildet. Es gelang alsdann auch Dr. Nathan, Herrn Jacob H. Schiff in New Jork zur Hergabe von 100 060 Dollar zu veranlassen. Herr Jacob H. Schiss machte aber berechtigterweise darauf aufmerksam, daß es Glicht wünschenswert wäre, iv-enn eine Stiftung, die den Flamen eines einzelnen Privatmannes führt, die Trägerin des gesamten Unternehmens würde, zu dem eine größere Reihe -von Personen schließlich beisteuern müßte. Demgemäß wurde die an den Hilfsverein angeschlossene Wissotzky-Stistnng und die Spende des Herrn Jacob H. Schiss vereinigt unter teilt Namen „Jüdisches Institut für technische Erziehung in Palästina". Für die Fortführung des Unternehmens gab alsdann der Hilssverein der Deutschen Juden noch zwei weitere seiner Stiftungen her: eine Stiftung des Herrn Dr. James Simon im Betrage von 100 000 Mark und die Cohn-Oppenheim-Stiftlmg des Hilssvereins der Deutschen Juden im Betrage von 300 000 Mark. Die Familie Wissotzky spendete schließlich in einem späteren Stadium noch mals 100 000 Rubel, womit ans dem Grund und Boden des Technikunrs ein Internat für die Schüler errichtet werden sollte. Auch diese Summe ist alsdann in den Bau der' Schulen mit Zustimmung der Familie Wissotzky hineingesteckt worden. Ferner hatte der Jüdische Nationalsonds für den Erwerb von Grund und Boden als eine Art hypothekarischen Darlehns 80 060 Mark zur' Verfügung gestellt. Alle diese Transaktionen sind, was hervorzuheben ist, vorgenommen worden unter Zustimmung aller Beteiligten und ohne daß auch nur ein Kurator jemals gegen irgendeine dieser Zuwendungen und gegen die Bedingungen, unter denen sie nach Lage der Dinge stattfinden muhten, Einspruch erhoben hätte. Die Finanzierung gestaltete sich demnach folgendermaßen: Der Hilssverein hatte aus Stiftungen, die bei ihm bestanden, 600000 Mark hergegeben. Dazu konnnen an Vorschüssen über 66 000 Mark, mithin in runder Summe 660 060 Mark seitens des Hilfsvereins der Deutschen Juden und 400 000 Mark von Herrn Jacob H. Schiff in New Jork; zu der Stiftung der Familie Wissotzky beim Hilfsverein gab diese alsdann nochmals 200 000 Mark, womit die Haifa-Jnternat-Gesellschaft gegründet worden ist, an deren Spitze Herr Dr. James Simon und Dr. Nathan stehen. Endlich flössen von zionistischer Seite aus dem Jüdischen Nationalfonds 80 000 M. zu. Erreicht ist durch den nunmehrigen Uebergang des Technikums in den Besitz des Hilfsvereins der Deutschen Juden nur eins: Es sind jetzt wiederum klare Verhältnisse geschaffen, und die finanzielle Verantwortung für das Unternehmen schwebt nicht mehr in der Luft. Zurückgewiesen aber muß die Insinuation werden, als sei durch den Erwerb des Technikums seitens des Hilfsvereins in irgendeiner Weise über die Zukunft des Instituts eine Präjudiz geschaffen. Wann das Institut eröffnet werden kann und welche Gesichtspunkte bei der Leitung des Instituts maßgebend sein muffen, das wird durch den Wschluß des jetzigen Weltkrieges seine Ent¬ Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Martin Bernhardt. scheidung erfahren, und nicht durch den Abschluß des Konkurses. Tie zukünftige politische Entwicklung lvird bestimmt werten durch die Kämpfe in Belgien, in Polen, an den Dardanellen und am Suezkanal. Und je nachdem die Würfel fallen, lvird auch der Unterricht am Technikum im Interesse unserer orientalischen Glaubensgenossen in der einen oder in der arideren Weise gestaltet lverden müssen. Dieser Gestaltung schon heute vorzugreifen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, und jeder Versuch nach dieser Richtung könnte nur von politischen Kindern unternommen werden. Indem der Hilfsverein der Deutschen Juden das Technikum zunächst erworben hat, tat er nur, und zwar unter schwierigsten Verhältnissen, was seine Pflicht ist. Er rettete ans einer wirtschaftlich unhaltbaren Lage ein großes jüdisches Unternehmen, zu dessen Sanierung andere Kräfte unter entsprechenden Opfern nicht bereit waren. Der Hilssverein der Deutschen Juden hat damit erhebliche neue Lasten in sehr ernsten Zeiten auf sich genommen mit keiner anderen Absicht als der, das in Haifa bereits Geschaffene soweit möglich bis zum Friedensschluß ohne Schädigung zu erhalten. Alsdann erst werden die entscheidenden Beschlüsse zu fassen sein, wie nach Lage der neuen politischen Verhältnisse eine segensvolle Wirksamkeit des Technikums für unsere Glaubensgenossen und für den gesamten Orient herbeigeführt lvirden kann. Geh. Medtzmalrat Orok. Dr. Martin Lernhardt gestorben im März 1915. martin Bernhardt, einer unserer beschäftigsten Spezialisten, ein weit über Berlins Grenzen bekannter und beschäftigter Mann, ein seinem väterlichen Glauben stets anhänglicher Verehrer, wurde am 10. April 1844 in Potsdam geboren und besuchte dort das Gymnasium. Gr studierte in Berlin Medizin und wurde 1867, nach seiner Approbation als Arzt, von Leyden als Assistent an die innere medizinische Klinik in Königsberg berufen. 1860 berief ihn Westphal als Assistent nach Berlin an die Nervenklinik in der Gharito. Er blieb hier, nachdem er sich 1872 als Privatdozent habilitiert hatte, bis 1876 und wurde 1882 außerordentlicher Professor an der hiesigen Universität. Sowohl aus seiner Leydenschen wie aus der Westphalschen Klinik und aus seiner späteren privaten Poliklinik hat Bernhardt eine große Zahl wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlicht, die hauptsächlich neurologischen Inhalt haben. Bon Büchern, die er verfaßt hat, sind als sein Hauptwerk zu nennen: „Die Erkrankungen der peripherischen Nerven", das 1902 in zweiter Auslage in dem Nothnagelschen Handbuch der speziellen Pathologie und Therapie erschienen ist. In ihm sind seine zahlreichen neurologischen Arbeiten der früheren Jahrzehnte zusammengefaßt. Ein größeres Werk ist das 1881 erschienene Buch „Beiträge zur Symptomatologie und Diagnostik der Hirngeschwülste". Eine interessante kleinere Broschüre ist ein Werk: Die Berufsunfälle der Telephonistinnen. Glossen?ur Gememdrgesangsfragr. Besprechung der Gemeindegesangsfrage hat eine Anzahl von „Schlagwörtern" zutage gefördert und in die Oeffentlichkeit hinausgeschleudert, deren Sachlichkeit und Richtigkeit angezweifelt werden muß,. Die wichtigsten und gefährlichsten derselben möchte ich einer kurzen Untersuchung unterziehen, weil sie einerseits mit der Betätigung der