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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-09 · Heft 15 (9.4.1915) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 15 (9.4.1915)
Date
1915-04-09
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 Kräfte in ein Erholungsheim, Depot genannt, gebracht worden) und dein langen, treuen Schwarzwaldburschen. Sprang mir doch neulich, als ich in ein Dorf einfuhr, einer mit lachendem Gesicht entgegen: in Strümpfen, den Stiesel, der noch einen Teil des Schützengrabens an sich trug, zum Reinigen ui der Hand, mit einer wollenen Weste angetan — ja, wenn so seine Eltern und Großmutter das Herbertel sehen könnten! Gott schütze ihn und alle unsere Lieben! Möge er einstens auf einer fröhlichen Kneipe seinen Bundesbrüdern das Bild mal vorführen können! Natürlich habe ich auch schon mehrere Berliner gesprochen. Einer — ein strammer Gardist — war neulich bei einem Gottesdienst. Voll Stolz zeigte er mir einen Zeitungsausschnitt, in dein von dem 25jährigen Jubiläum seines Vaters berichtet war, das er im Dienste der jüdischen Gemeinde Berlin feiern konnte. Gestatten Sie nun, sehr geehrter Herr Gehcimrat, daß ich Ihnen einen Wunsch ausspreche. Sie haben ja so viele Mäzene zu Freunden, und Männer und Frauen in Ihrem Bekanntenkreise, die für jede Art Wohltätigkeit eine offene Hand haben, auch dort, wo es gilt, jüdische Interessen zu fördern. Das Feldgebetbuch, das wir dem regen Eifer und der unermüdlichen Tätigkeit des Verbandes der deutschen Juden verdanken, ist sehr schön. Aber es fehlt den Soldaten eine größere Lektüre zur Erbauung. Es wäre eine herrliche (Habe, lvenn wir unseren jüdischen Soldaten ein Heftchen in dkö Hand geben könnten, das die schönsten Stellen der Bibel und einige Stücke aus der nachbiblischen Literatur enthielte. Es soll ihnen für die einsamen Stunden im Schützengraben und in den Lazaretten eine seelische und geistige Stärkung sein, eine Quelle der Erhebung lind Festigung. Der Druck müßte auf seinein Papier erfolgen, damit das Heftchen nicht stark ivird. Beneidenswert, wer dieses Buch zusammenstellen darf, und ohne Grenzen wird der Dank sein, den sich derjenige erivirbt, der für die Herstellung dieses Werkes das Geld opfert. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Rabbiner Dr. C h o n e. Gewiß wäre es sehr schön, wenn der im obigen ausgesprochene Wunsch erfüllt werden könnte. Die Redaktion. Das jüdische Technikum in tzaika. m Mittwoch, dm 24. Marz, hat die Versteigerung des jüdischen. Technikums in Haifa stattgefunden. Das Judentum hat einen Anspruch darauf, über die Vorgänge, die dieser Versteigerung vorausgegangen sind, unterrichtet zu lverden, und die Notwendigkeit für diese Darstellung ist eine um so dringlichere, da auch dieser Anlaß benutzt worden ist, um das Ereignis in ein falsches Licht zu rücken. Es ist Mannt, daß die Vollendung der Bauten des Technikums durch den Sprachenkampf in Palästina auf das schwerste geschädigt worden ist. Die Verwaltung des Technikums hatte zugestimmt, daß dem Hebräischen an den Instituten zu Haifa ein weiter Spielraum eingeräumt werden solle. Tie Schüler sollten im Hebräischen derartig gefördert lverden, daß sie beim Abgang von den Schulen die Sprache der Bibel völlig in Wort und Schrift zu l>eherrschen vermöchten. Demgegenüber wurde verlangt, daß, wenn llicht alle technischen Fächer, so doch ein großer Teil gleichfalls in hebräischer Sprache vorgetragen lverden sollte. Diese Forderuilg hat die Majorität der Kuratoren nicht für durchführbar gehalten, da es zurzeit in den verschiedenen Fächern weder geeignete Lehrkräfte, die Hebräisch zu unterrichten imstande wären, noch geeignete Lehrbücher in hebräischer Sprache gibt. Die Gegensätze über diese rein pädagogische Frage und die weiteren Erörterungen spitzten sich schließlich derartig zu, daß die amerikanischell Kuratoren ohrie Ausnahme die Aemter niederlegten, da sie, entfernt von dem Sitze der Gesellschaft, sich nicht in jedem Augenblick für genügend unterrichtet erachteten und demgemäß es vorzogen, eine Verantwortung für die lveitere Entwicklung abzulehnen. Dieser Entschluß lvar im höchsten Grade bedauerlich, aber nach Lage der Verhältnisse durchaus begreiflich. Obgleich das Unternehmen durch den Sprachenstreit somit ein außerordentlich harter Schlag getroffen hatte, machten die verantwortlich Leiter des Technilluns gleichwohl den Versuch, einen glücklichen Abschl si herbeizuführen. Bis zur Eröffnung der Unterrichtsanstalten waren Allsgaben va\ rund 300000 Mark noch zu machen. Herr Dr. I a m e s S i m o n unD Dr. Nathan erklärten sich bereit, zu diesem Betrag je 100 000 Mall beizusteuern, lvenn auch die Familie Wissotzky den gleichen Betrag unter den gleichen Bedingungen hergeben würde. Diese Bereitwilligkeit w,ir nicht vorhanden, und dementsprechend wurde in der Sitzung M Kuratoriums am 17. Juli vorigen Jahres der nachstehende Antr ui angenommen: Der Vorstand wird ermächtigt, da durch die ablehnende Halte m des Herrn Kommerzienrats Wissotzky die Fertigstellung des Technikw iin Frage gestellt ist, diejenigen Maßnahmen zu treffen, welche die gegi.i lvärtige Situation erfordert, eventuell den Konkurs anzumelden. Es ist also festzustellen, daß die Lage des Technikums vor dem Ai? bruch des Krieges, und noch bevor an den Ausbruch des Krieges ge da hi lverden konnte, eine finanziell so schwierige geworden lvar, daß der V r waltung anheimgestellt werden mußte, im gegebenen Falle den Konti M zu eröffnen. Obgleich dies die nackten Tatsachen sind, ist dennoch . hauptet worden, daß die Verwaltung des Technikums den Ausbri I; des Krieges benutzt habe, um den Konkurs über das Technikum herai '<-■ zubeschwören. Nachdem alsdann der Krieg ausgebrochen war, wurde die Veschafsii g weiterer Mittel für das Technikum zu einer völligen Unmöglichkeit. Gell r zur Bestreitung von Forderungen der Lieferanten und der fortlaufend >, Ausgaben waren auch nicht vorhanden, so daß nur durch die Hera, m von Vorschüssen die dringendsten finanziellen Ansprüche an das Techmku i, als da sind fällige Rechnungen, Gehälter für die bereits angestell ü Lehrer, für die Wächter, Ausgaben für Steuern, für Heizung und Mt Instandhaltung der Gebäude und der Maschinen, gedeckt lverden konn!,l Dazu kam ein weiteres. Eine legale Beratung mit den in Rußll D und den in England ansässigen Kuratoren lvar während der Kriegs da .t unmöglich geworden, so daß die gesamte Verantwortung und die gesai :t finanzielle Last auf den Schultern der Verwaltung ruhte. Obgleich d m so war, wurde die Eröffnung des Konkurses, die aus finanziellen Grünt i: eine absolute Notwendigkeit war, von Monat zu Monat hinausgezögert n der Hoffnung, daß es durch eine schnelle Beendigung des Krieges möglM sein würde, das Unternehmen wieder auf eine gesunde Grundlage; stellen. Erst nachdem sich herausgestellt hatte, daß die Hoffnung 1 eine schnelle Beendigung des Krieges eine trügerische war, volle fH Monate, nachdem das Kuratorium den Beschluß gefaßt hatte, der B waltung die Eröffnung des Konkurses anheimzugeben, erst dann l unter dem Druck der wachsenden finanziellen Schwierigkeiten von den Beschluß im Juli Gebrauch gemacht worden. Die Eröffnung l * Konkurses über das Technikum wurde alsdann Ende Dezember 19 l herbei gefi'ihrt. Es ist auch falsch zu behaupten, daß durch diese Konkurserösfnu h bk Rechte irgendwelcher Persönlichkeiten beeinträchtigt worden sind. T '> die Amerikaner in keiner Weise behindert waren, ihr Interesse gegt - über dem Technikum zum Ausdruck zu bringen, bedarf keines Beweis . Als die Bürger eines neutralen Staates waren sie hierzu durchaus 9' stände. Und auch die Familie Wissotzky hätte ihren Willen zum Ausdr h bringen können. Sie hätte nur einen Deutschen oder einen Bürger eii * neutralen Staates mit der Wahrnehmung ihrer Wünsche und Absichten ü betrauen brauchen. Sie hat es aber direkt abgelehnt, einen derartig n Schritt zu tun. Die Zionisten endlich haben wegen der nunmehr zu m greisenden Maßregeln verhandelt. Sie haben Angebote gemacht und t haben damit konkret den Beweis erbracht, daß sie auch während M Krieges ihren Standpunkt, soweit es ihnen Zweckdienlich erschien, gegenüber dem Technikum wahren konnten. Zionistische Bertrauenspersonen haben sich bereiterklürt, fi 150 000 Mark und gegen Begleichung von etwa 20—25 000 Mark Schuld n das Technikum zu erwerben. Dieses Gebot hat der Konkursverwalter n -• zu niedrig zurückgewiesen. Weiter wurde von zionistischer Seite dt Wunsch ausgesprochen, daß der Versteigerungstermin für das Technika n bis nach Abschluß des Krieges hinausgeschoben werden möge. Da bau i die Frage entstand, wer die fortlaufenden Kosten für Gehälter, Steuer - Bewachung, Instandhaltung der Gebäude usw. usw. hergebeu sollte, wurde seitens des Konkursverwalters den zionistischen Unterhändlern e r Vorschlag gemacht, den Versteigerungstermin für das Technikum a-i ein Jahr hinauszuschieben, wenn sie sich bereit erklärten, den schätzung weise ermittelten Betrag der für die Erhaltung des bisherigen Zustand s

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