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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-02 · Heft 14 (2.4.1915) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 14 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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168 Abschnitte gekillt: „Heer und Krieg; Land und Leute; Politik m\b Geschichte; Literatur und Kunst; Ties und Jenes." Recht amüsant lind lehrreich sind die Stellen der Franzosen vom 16. bis 1b. Jahrhundert über England, zum Beispiel Momtesquieus, Voltaires, Taines, Nochesorts, Ataupassants. Auch wie einzelne Engländer, zum Beispiel Macaulay, ungünstig über Frankreich berichten, ist ebenso unterhaltend wie die Urteile vieler Engländer über Rußland und mancher Russen und Engländer über Iapall. Alan sieht aus allen diesen Zeugnissen, daß diese Verbündeten vor den unnatürlichen Bündnissen einander allfs allerschärfste verurteilten, sich lächerlich und verächtlich zu machen suchten, und kann nur die Hoffnung hegen, daß sie, sobald sie erbarmt haben, daß ihre verruchten Pläne nicht ausgeführt werden können, zu ihrer natürlichen Auffassung zurückgelangen werden. Warum in dem Buche einzelne Bemerkungen von Ausländern gegen Deutsche, rrnd Ausführungen des Japaners Lafcadjio Hearn über Japan ausgenommen sind, vermag ich nicht einzuseheü. Auch paßt es nicht gut in den Zusammenhang, so interessant es an sich ist, daß am Schluß die neueren Anschauungen Chamberlains über Deutschland ausgenommen sind. Der Text ist von zahlreichen Karikaturen begleitet, die zum Teil ganz komisch wirken, .aber etwas wahllos zusammengestellt sind. -L. 0. Sprkchsaal. Rachstehender Aufruf geht uns zur Veröffentlichung zu. (D. Red.) Hilfswerk für Palästina. A u f r u f! Rene Rachrichten aus Palästina zwingen uns, an alle, die ein fühlendes Herz für die Rotlage unserer palästinensischen Brüder haben, heranzutreten, inu der schlimmsten Rot daselbst steuern zu können. Wenu Palästina auch bisher von den unmittelbaren Kriegsgreueln verschont geblieben ist, -so leidet es doch unsagbar unter der vollständigen Isolierung. Gibt es doch nur wenige Länder, die so völlig auf den Verkehr zur See angetviesen sind wie Palästina, dessen Hafenstädte Jaffa, Haifa und Gaza fast die gesamte Ein- und Ausfuhr des Landes vermitteln; denn der einzige Schienenstrang, der Palästina mit dem oberen Syrien verbindet, kommt auch in Friedensz>eiten nur einem fteineii Teil des Landes zugute und -dient jetzt ausschließlich den rückwärtigen Verbindungen des gegen hm Suezkanal marschierenden türkischen Heeres. Die im Laude sonst um diese Jahreszeit vorhandenen Vorräte sind großenteils zur Ernährung des Militärs herangezogen. Ta die Schiffahrt in der Levante durch die das Meer beherrschenden Dreiverbandsinächte fast völlig lahmgelegt ist, so war die Folge einerseits das Aufhören jeglicher Erwerbsmöglichkeit für große Teile der Bevölkerung, insbesondere für diejenigen, welche von dem Export der Produkte lute Orangen, Wein, Mandeln usw. leben, andererseits aber ein stets zunehmender Mangel an den wichtigsten Lebensmitteln und Gebrauchsgegenstünden. So fehlt es schon jetzt ganz an Reis, Bohnen, Zucker, Tee, Spiritus; Mehl unt> Erbsen sind nur schwer zu beschaffen; Kaffee ist außerordentlich teuer geworden. Trifft dies die gesamte Bevölkerung Palästinas, so leidet die jüdische dadurch besonders schwer, da sie ja großenteils auch sonst auf die Zuschüsse von außen angewiesen war, die teils in Form direkter Unterstützung, teils durch Unterhaltung gemeinnütziger Anstatten, Spitäler, Altersheime, Volksküchen und Schulen aller Art gewährt wurde. Selbst die jüdischen Kolonisten leiden mehr als die Araber, da sich die Jilden vor allem mit dem Anbau der genannten Exportfrüchte befassen, während die Araber mehr Getreidebau treiben. Wenn bisher noch wenig Nachrichten über die Not in Palästina an die Oefsentlichkeit gedrungen sind, so liegt dies daran, daß der schriftliche Verkehr mit Palästina so gut wie ganz aufgehört hat. Auch hat die Rot erst in der letzten Zeit einen wirklich bedrohlichen Charakterangenommen, da die schon früh einsetzende Hilfsaktion in Amerika in den ersten Monaten des Krieges die damals noch geringeren Bedürfnisse Palästinas einigermaßen zu befriedigen vermochte. Hat doch Amerika in den ersten sechs Kriegsmonaten über eine Million Mark nach Palästina gesandt. Dazu kamen nicht unbeträchtliche Summen, die aus den in Europa noch von früher her liegenden Beständen der Hilfsorganisationen nach Palästina abgeführt werden konnten. Jetzt aber sind diese Summen aufgebraucht, und Hunger und Elend stehen vor der Tür. Man hatte noch auf den Orangenverkauf gehofft, der allein den jüdischen Kolonisten eine Einnahme von VA Million Franc gebracht haben würde; aber leider muß die Orangenernte jetzt infolg der Unmöglichkeit des Exports als total verloren angesehen werden trotz der großen, leider aber vergeblich gebliebenen Anstrengungev die man in Amerika gemacht hat, um die Erlaubnis zur Ausstlhr de Orangen sowie der Mandeln und des Weins zu erlangen. In Palästiu selbst kann man nur sehr kleine Mengen absetzen, und zwar zu s niedrigen Preisen — man kauft in den Städten für 10 Pfennig 125 de großen herrlichen Jaffa-Orangen —, daß dem Pflanzer überhaup nichts davon verbleibt. Ter Mangel an Zucker verbietet endlich di. Verarbeitung der Orangen zu Marmelade. Durch diesen Schicksalsschlag verarmen die Bauern so vollständig daß, wenn ihnen nicht geholfen wird, wenigstens den Lebensunterhal die Arbeitslöhne und das zur Bewässerung benötigte Petroleum zu bc schassen, die Pflanzungen vollständig verfallen werden. Damit würde? Werte von 16 Millionen Mark sowie eine zwanzigjährige Arbeit vernichtet werden. Aber auch abgesehen hiervon sind die Ansprüche, welche die nächste' Monate an die Hilfsbereitschaft stellen, sehr bedeutende. Unsere Ver trauensmänner in Palästina haben festgestellt, daß ein Zuschuß ve mindestens 200 000 Mark monatlich nötig sein wird, um der schlimm ften Rot der jüdischen Bevölkerung zu steuern und die Betriebe om rechtzuerhalten. Wir hoffen, daß das wirklich unermüdlich arbeitend Amerika auch fernerhin einen großen Teil der benötigten Summe ain bringen wird. Rüstet es doch sogar augenblicklich ein Schiff mit Rat rungsmitteln für Palästina aus, an dem sich die großen Philanthrop^; Nathan Straus mit 50 000 Dollar und Jakob Schiss mit 25 000 Dollo beteiligt haben. Das Allgemeine und das Zionistische Hilfskomitee i i Rew Uork gaben ebenfalls ein jedes 25 000 Dollar. Rußland, das jeHw so schwer heimgesuchte, wird Palästina wenigstens nicht völlig im Stielassen. Dennoch aber muß die Beschaffung eines beträchtlichen Teile der -genannten Summe -auf uns deutsche Juden fallen, da ja Deutscl land als Freund und Bundesgenosse der Türkei an erster Stelle z.i dieser Hilfsaktion verpflichtet ist. Die Unterzeichneten, im Heiligen Lande arbeitenden Organisation^ i haben deshalb ein Komitee gebildet, dem Vertreter dieser sämtlich i Vereinigungen angehören, und welche das Hilfswerk für Palästina u bk Hand nehmen wird. Die gesammelten Gelder sollen, soweit s? nidjit von den Spendern für besondere Zwecke bestimmt werden, o i elfter Stelle die direkte Rot lindern, und zwar durch Verteilung in Nahrungsmitteln, durch Unterstützung und Bildung von Volksobn: Suppenküchen oder durch Beschaffung von Arbeitsgelegenheit. A i zweiter Stelle steht die Hergabe von Durlehen an solche wirtschaftliche' Betriebe, die ohne Unterstützung zugrunde gehen würden oder die eim großen Anzahl von Arbeitslosen Beschäftigung geben können. Dagege? soll die Förderung kultureller Zwecke, der Schulen, Kindergärten ust. wie bisher den einzelnen Vereinen überlassen bleiben. In Anbetracht der großen Wichtigkeit unserer Bestrebungen e - warten wir auch von jedem Freund der Palästinaarbeit einen möglick? hohen Beitrag, und zwar nach Möglichkeit einen solchen, der fi-ö während der Kriegszeit monatlich wiederholt. Möge jede Sperü: reichen Segen bringen! Geldsendungen und Zuschriften sind an das Hilsswerk für Palästina, per Adresse Zionistisches Zentralbureau, Berlin W 1 Sächsische Straße 8, zu richten. Bezalel Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und Nachbarländern. Esra Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien. Gesellschaft für P a l ä st i n a f o r s ch u n g.! Jüdische Gesellschaft für sanitäre Interessen! i n P a l ä st i n a. V e r b a n d j ü d i s ch e x Frauen für Kulturarbeit i n Pa l ästi n a. Breslauer P a l ä sti n a kv m i te e. Verein zur Förderung jüdischer Ack e r b a u k o l o n i e u i n P a l ä st i n a u n d S y r i e n, K ö l n. Zionistische Vereinigung für Deutschland.

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