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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-02 · Heft 14 (2.4.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 14 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Der Gemeindevote. Bellsgr zur „Allgemeinen Leitung des Judentums". ZorrrkMndmHm und Machrichtm. Deutschland. &&& Berlin, 29. Mürz. Das K u r ator i u m der Lehr- ...n st alt für die Wisseuschast des Judentums verendet das Verzeichnis der für das Sommersemester 1915 bestimmten Vorlesungen: Herr Dr. B ae ck ist zurzeit im Felde. Herr Dr. B a n e t h r-ürd lesen: 1. Talmud bab. Ketubbot IX. sechs Stunden. 2. Talmild :;r. Sukka II, eine Stunde. 3. Orah hajjim Hil. Pesah, eine tnnde. 4. Jore de'a Hil. Schehita, zwei Stunden. 5. Eben! l'ezer Hil. Gittin, eine Stunde. 6. Mischne Tora, 12. Buch, zwei tnnden. Herr Dr. Elb o gen wird lesen: 1. Bibel kursorisch, •,net Stunden. 2. Bibelkommentare, zwei Stunden. 3. Bereschit sbba, eine Stunde. 4. Kultur- und Literaturgeschichte der Juden t Deutschland (Teil II), zwei Stunden. Herr Dr. Tä übler wird sen: 1. Historische Geographie und topographische Archäologie .'alästinas, zwei Stunden. 2. Allgemeine Geschichte der Juden im 9. Jahrhundert, zwei Stunden. 3. Hebungen über die Selbstiographie des Josephus und ihr Verhältnis zum Jüdischen Kriege, tuet Stunden. Herr Dr. Freund wird lesen: Der jüdische Religionsunterricht in Preußen und den übrigen deutschen Bundesaaten, zwei Stunden. Herr Dr. H o ch f e l d wird lesen: Propheten ünd Psalmen im Unterricht, zwei Stunden. Das Mitglied des 'Uratoriums, Herr Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Hermann; ohen wird lesen: 1. Ethik mit anschließender Lektüre, zwei 'tunden, abends. 2. Uebungen: a) Maimonides More, eine Stunde.!) Die messtanischen Stellen in den Propheten und Psalmen, eine tnnde. In der Präparandie werden wie bisher Kurse über Bibel ud Kommentare, hebräische Grammatik, Mischnaund das Gebetuch gehalten werden. Näheres wird durch Anschlag am schwarzen H’ctt bekannt gemacht werden. Die Festsetzung der Stunden wird rst bei der Eröffnung des Sommersemesters erfolgen. Alle Vor- 9 ungen und Uebungen sind unentgeltlich. Die Eröffnung des ommersemesters erfolgt Montag, den 26. April, 11 Uhr vorüttags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie :tc immatrikulierte Studierende der hiesigen Universität — und war ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch ndere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an en Vorlesungen teilnehmen. Tie Anmeldung erfolgt bei dem derütigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, Herrn Dr. Baneth, am 'tontag, den 26. April, 11 Uhr, Mittwoch, den 28. und Donnersig, den 29. April, 11 bis 12 Uhr, im Sprechzimmer der Lehrnsta'lt, Artilleriestraße 14. Außerdem ist Herr Dr. Baneth stets ach seinen Vorlesungen zu sprechen. R. H. Berlin, 29. März. Die w i s s e n s ch a f t l i ch e V e r - ■ i n i ö u n q j ü disch e r Lehrer u n d L e h r e r i n n e n zu Be rin hielt ihre ordentliche Hanptversmnmlung ab. Ter Vorsitzende gelachte der verstorbenen Frau des Kollegen Metz, des verstorbenen mters des Kollegen Tichauer, des im Kampfe gefallenen Bruders es Kollegen Silberberg, sowie des ebenfalls gefallenen Kollegen l'eumann, Frankfurt a. M. Darauf hielt Dr. B. Kelleraann seinen Vortrag über: Der Krieg und der Gottesglaube, r führte etwa folgendes aus: In neuerer Zeit werden infolge der roßen kriegerischen Ereignisse die Religion und die Philosophie ls erledigt erklärt. Diese Meinung kann nur durch eine falsche ormulierung des Religionsbegriffes entstehen. Die Religion, die och in der Vernunft begründet ist, kann durch kein geschichtliches reignis überholt werden. Man darf freilich die Religion nicht ait dem sogenannten religiösen Pragmatismus identifizieren. Daegen macht schon Hiob Front. Wir verstehen unter Religion die Begeisterung, für das aus der Vernunft kommende Sittengesetz, das n dem klassischen Wort: „Du sollst!" seinen Ausdruck findet. Danit ist aber die einheitliche Identität mit der Bibel erreicht, die ja Nlch in dem Dekalog das „Du sollst!" zum Grundprinzip ihrer Forderungen und Lehren erhoben hat. So ist auch dieses gewaltige Errgnis eine neue Illustration zu dem unbesiegbaren Gehalt der üdischen Religion. — Herr Dr.' Loewenberg erstattete darauf den Jahresbericht, und Herr Lehrer Hirschfeld den Kassenbericht. Nach längerer Debatte, in der Dr. Kellermann eine verstärkte Tätigkeit des Vorstandes auf dem Gebiet der soziale:: Fürsorge als notwendig bezeichnet, wurde dem Vorstände Entlastung erteilt. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl des Herrn Abraham zum ersten, Falkenberg zum zweiten Vorsitzenden, Hirschfeld zum Schatzmeister und an Stelle der beiden Schriftführer Loewenberg und Metz, die ihr Amt niederlegten, die Wahl des Herrn Plaut zum ersten und der Lehrerin Fräulein Simon zum zweiten Schriftführer. — In der Sitzung vom 9. Januar hielt Herr Rektor Dr. Spanier einen Vortrag über die! Ehegeschichte des Hosea. Der Vortragende Zeigte einleitend, daß die! Wellhansensche Auffassung der Ehegeschichte des Hosea fast zur Gel- | hing eines gesicherten Ergebnisses der Wissenschaft gekommen, daß j sie im Schulunterricht bereits verwertet und auch von jüdischer Seite angenommen sei. Mit welchem Rechte? Eine kurze Zergliederung der drei ersten Kapitel des Hosea, der einzigen Grundlage für die Wellhansensche Konstruktion, zeigt, daß kein Hauptstück des zweiten Kapitels das ungetreue Land, das den Fruchtbarkeits- Baalim dient, als Ehebrecherin dargestellt wird, ohne Bezugnahme auf ein Persönliches Geschick des Propheten, und daß die im dritten Kapitel erwähnte Ehebrecherin nicht Gomer bath Diblajim sein könne. Der Vortragende hält den Inhalt des ersten Kapitels in Analogie der beiden anderen im wesentlichen für allegorisch. Gegenüber der modernen Anschauung, als ob das Eheerlebnis des Hosea gewissermaßen seine Prophetie begründet habe, vertritt der Vortragende den Standpunkt, daß das Grunderlebnis des Propheten die sittliche Entrüstung über die Entartung des Volkes gewesen sei. Er weist nach, daß ein Zusammenhang zwischen. Erotik und Religion ganz besonders bei diesen: Propheten als ausgeschlossen gelten n:uß. „Aus persönlichen Liebescrfahrungen kommt kein israelitischer Prophet zu Gottesersahrnngen. Dazu ist ihm sein Gott viel zu erhaben und heilig." Nach den Anschauungen des alten Israel über den Ehebruch ist die Annahme des Zusammenlebens mit einer Ehebrecherin gerade bei diesem Propheten, dessen Anschauung verankert ist in der historischen und gesetzlichen Tradition seines Volkes, eine Absurdität. Der Blick auf das ganze Schriftwerk des Hosea, seine Darstellungs- und Gefühlsweise läßt die Tatsächlichkeit des Erlebnisses ausgeschlossen erscheinen. Der Vortragende widerlegt alsdann die Gründe, die gegen die biblische Auffassung der Ehegeschichte und für die geschichtliche Wahrheit ins Feld geführt werden. 1l. n. sucht er den Einwurf zu entkräften, daß der Name Gomer bath Diblajim von Hosea nicht gedeutet werde und überhaupt nicht zu deuten sei. Ein überkommener Name wi-e der der Frau darf in einer Allegorie, ohne ihren Schein zu vernichten, nicht ausdrücklich gedeutet werden. Läßt man Hengstenbergs und Riedels Erklärung nicht gelten, so darf man auf keinen Fall und an: wenigsten bei einem Propheten, der so voll unerklärlicher Ausdrücke ist, aus der Tatsache, daß wir rncht den Namen erklären können, auf seine Unerklürbarkeit schließen und damit zugleich auf die Tatsächlichkeit des Geschehens. Es konnte ja auch der Name einer bekannten Kedscha sein, der dann in der Allegorie von allen Hörern sofort in der rechten Weise verstanden wurde. Ter Vortragende findet es sonderbar, daß in einer kritisch gerichteten Forschung aus Grund von Andeutungen und Angaben zweifelhafter Natur das fest umrissene Bild eines bestimmten Erlebnisses ans den tausend Möglichkeiten, die der Reichtum des Lebens gewährt, herausgegrifsen und als Tatsache hingestellt wird. Nachdem er gezeigt, daß zudem die moderne Exegese den. Boden, auf dem die Konstruktion Wellhausens errichtet sei, unterminiert habe, so daß diese nun völlig haltlos sei, schließt er mit dem Ergebnis, daß wir von der Geschichte des Hosea, von ihrem Unglück und Leid, von ihrem Einfluß auf die Gedankenwelt des Propheten so gut wie nichts wüßten. Die dem Vortrag sich anschließende Debatte ergibt die fast vollständige Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Referenten. — lieber den Antrag Arndt, nach dem die Wissenschaftliche Vereinigung ans dem Brandenburger Verein, ausscheiden soll, wird einstweilen nicht abgestimmt, um zuvor diesem die Möglichkeit einer Stellungnahme zu lassen.

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