Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1915)
- Date
- 1915-04-02
- Page
- Seite 165 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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165 assend. Man ersieht aus ihnen, daß in dieser Zeit die Juden? er jetzt der Oefsentlichkeit übergibt, schon früher eine Anzahl sehr wertvoller Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden herausgegeben, besonders in den Beilagen p den Jahresnoch das Bürgerrecht der Stadt gewannen und. in das Bürgermch eingetragen wurden, was später nicht mehr der Fall war. Len größten Teil des ganzen Werkes nimmt die darauf sollende fünfte Abteilung, Auszüge aus den Gerichtsbüchern, ein, ic mit dein Jahre 1330 beginnen. Es sind Urkunden, in denen pbett in Verhandlungen der freiwilligen, streitigen oder uiminalgerichtsbarkeit Vorkommen. Hier wuchs das Material „ ins Ungeheure, daß der Herausgeber sich genötigt sah, den jnhalt der Urkunden über die von den Juden gegen Pfand usgetanen Darlehen in tabellarischer Form zusammenzuassen. Man erkennt aus der Menge dieser Urkunden, die sich ■ar manches Jahr auf mehrere Hunderte belaufen, welchen Um- 4mg die Leihgeschäfte der Juden im 14. Jahrhundert ange- .10 mitten hatten, und daß ihnen schon damals kaum ein „derer Nahrungszweig übrig- „lasten worden war. Bon dem Großhandel, in dem sie mähend des frühen Mittelalters „ch eine bedeutende Rolle '.espielt hatten, erscheinen sie amals schon völlig zurückedrängt. Auch als Handwerker treten sie nur Vereinelt auf, und von den freien berufen war ihnen kaum noch in anderer als der des Arztes ugänglich. Der Zins, den sie ■et ihren Leihgeschäften nehmen allsten, wurde von König udwig im Jahre 1338 auf Prozent, wenn es sich um inheimische, und auf 4311 Promt, wenn es sich um auswärtige Schuldner handelte, estgesetzt. In einem letzten lbschnitt gibt das Werk dann -och einBerzeichnis der hebräichen Grabsteine des Friedhofs us den Jahren 1272 bis 1400, eren Inschriften Horowitz vor inem Jahrzehnt teilweise zum rstenmal veröffentlicht hat. Durch ein Register, das nicht weniger als 140 Seiten u kleinem Druck bedeckt, wird der reiche Inhalt des Werkes in übersichtlicher und -eistvoller Weise dem Benutzer zugänglich gemacht. Es beeichnet sich zwar nur als „Personen- und Ortsregister", erchließt aber auch den stofflichen Inhalt durch ein Schlagwortverzeichnis unter dem Stichwort Frankfurt. Auch die ahlreichen Judennamen, die dieses Register nachweist, sind wn Interesse. Namen wie Goschalk, Minnemann, Minnegut, lieberdrut, Sonderlin, Suzekind, Lampe und ähnliche zeigen > uch ihrerseits den alten Zusammenhang der Juden mit dem Deutschtum, den erst die spätere Entwicklung im Mittelalter urückzudrängen versucht hat. Man wird hoffen dürfen, daß die historische Forschung vn dem Werke, das wohl in jeder größeren wissenschaftlichen Äbliothek anzutreffen sein wird, den Nutzen ziehen wird, der lir den gelehrten Herausgeber und die Frankfurter jüdische Gemeinde der verdiente Lohn für die aufgewendete Arbeit und üe gebrachten Opfer ist. Für die Geschichte der Frankfurter Juden selbst ist durch diese Veröffentlichung eine Grundlage geschaffen, wie sie keine andere jüdische Gemeinde bisher 'esitzt. Professor Kracauer selbst hat aus dem Material, das berichten des Philanthropins von 1911 und 1914 „Die politische Geschichte der Frankfurter Juden bis 1349" und „Aus der inneren Geschichte der Juden Frankfurts im 14. Jahrhundert". Als ein besonders erwünschter Erfolg dieses Werkes aber würde es zu betrachten sein, wenn auch andere Gemeinden, deren Mittel über die bloße Notdurft des Lebens hinansreichen, nach der Rückkehr friedlicher Zeiten dem hier gegebenen ruhmvollen Beispiel folgen und durch Bekanntgabe der Quellen ihrer alten Geschichte zur Aufhellung der Geschichte der deutschen Juden auch ihrerseits beitragen würden. km jüdilches Mergrlchknk. Von M a r i e B e ß m c r t n y. ei allen Kulturvölkern herrscht die Gepflogenheit, der gehobenen Feststimmung auch durch Geschenke Ausdruck zu geben, um bei anderen, namentlich bei denen, die aus der Schattenseite des Lebens stehen, Freude auszulösen. Die Barmherzigkeit legte es von jeher dem jüdischen Herzen nahe, die Feiertage den Armen durch Zuwendung der notwendigsten und festlichen Nahrung angenehm auszugestalten. Wenn je eine Zeit dazu angetan war, an diese Mildtätigkeit zu denken, so ist es die Gegenwart mit ihren gewaltigen, schmerzdurchwühlten Geschehnissen. Der Krieg, der große und strenge Lehrmeister, fordert aber noch mehr! Er hat uns den wunderbaren Zusammenhang der verschiedenen Stände und damit das innere Verantwortlichkeitsgefühl mit aller Klarheit zum Bewußtsein gebracht. Er zeigt uns täglich, welch ein Verwobensein des einzelnen mit dem Volksgenossen durch das Leid und durch die Begeisterung für die große Sache hervorgegangen ist. Da unser Anteil an dem Einzelschicksal nunmehr lebendiger ist als je zuvor, so sind lvir uns auch dessen bewußt, daß mit der äußeren Kriegshilfe zur Linderung der Not noch nicht jede soziale Aufgabe gelöst ist. Es wurde daher das schöne Wort des „Kriegsinnendienstes" geprägt, das in die Tat umgesetzt werden soll, denn nur aus Taten kommt es an in diesen harten, schweren Tagen! Ist irgendein Zusammenhang zwischen Kriegsinnendienst und Passahfest zu finden? Daraus gibt schon die Bibel eine Antwort, wenn sie von der Gastlichkeit unserer Urväter erzählt, die nicht nur den Hungrigen speisten, sondern ihn an ihren Tisch setzten, um ihm das Gefühl der Heimat und Familienzugehörigkeit für eine Weile zu schenken, was von manchem Einsamen vielleicht als die größere Wohltat eingeschätzt wird! Die moderne organisierte Fürsorge, die vornehmlich die Großstadt und die Masten der Bedürftigen zu berücksichtigen Settignano bei Florenz. Entstanden zyzz. MT > 1