Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1915)
- Date
- 1915-04-02
- Page
- Seite 162 (sequence 6)
- Language
- German
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162 Konstitution des Landes herbeisühren wird, durch die der Regierung die Ausübung eines gleich wohlwollenden Schutzes für alle Klassen der Bewohner und in einer schnelleren Weise wie in der Vergangenheit erleichtert wird. Empfangen Sie usw. v. Bismarck. An den Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin. Berlin, den 18. April 1868. Se. Majestät der König haben mich beauftragt, die Immediateingabe des Vorstandes der jüdischen Gemeinde vom 6. d. M. zu beantworten, worin derselbe die Allerhöchste Verwendung Sr. Majestät gegen die Durchführung eines bei der rumänischen Volksvertretung eingebrachten, die Stellung der Israeliten betreffenden Gesetzentwurfs nachgesucht hat. Infolgedessen benachrichtige ich den Vorstand der jüdischen Gemeinde, daß ich auf allerhöchsten Befehl schon nach Eingang der ersten Nachricht über jenen Gesetzentwurf auf telegraphischem Wege Erkundigungen in Bukarest cingezogen hatte. Hierauf ist mir aus sicherster Quelle die Mitteilung zugegangen, daß der gedachte Gesetzentwurf gegen den Willen des Fürsten Karol eingebracht worden ist, daß dessen Annahme nicht zu erwarten stehe, und wenn sie dennoch erfolgte, die Sanktionierung des Gesetzes seitens der fürstlichen Regierung nicht stattfinden iverde. Wenn somit in dieser Beziehung für den Vorstand der jüdischen Gemeinde keine Veranlassung zur Beunruhigung vorhanden ist, so hat die Königliche Regierung auch nicht unterlassen, jetzt ebenso, wie es bereits bei früherem Anlasse geschehen, infolge der in neuester Zeit verbreiteten Nachrichten über angebliche Judenverfolgungen in der Moldau in Bukarest Vorstellungen machen zu lassen, und es ist uns hieraus die Zusicherung erteilt worden, daß Maßregeln getroffen seien, um jede etwaige Beunruhigung der israelitischen Glaubensgenossen zu verhindern. Graf v. Bismarck. Wenn wir dein ungarischen Advokaten Dr. Julius Kepes glauben dürfen, hat er einst im Sommer 1892 den Altreichskanzler in Kissingen, wo dieser damals zur Kur weilte, über seine Stellung z u in Judentum interviewt. Wenigstens berichtete Kepes darüber in einer schon längst eingegangenen Monatsschrift, betitelt „Jung-Ungarn"*). Da sich der Verfasser auf zahlreiche Persönlichkeiten beruft, die noch als Zeugen jener Zusammenkunft seine Mitteilungen bestätigen können, kann ich nicht umhin, von diesen Bekenntnissen des Fürsten hier Notiz zu nehmen. Dr. Juliils Kepes, dem sich Bismarck mit großem Wohlwollen genähert hatte und aus dessen Veranlassung dem ge- *) I muhest 101 i, Berlin, Paul Cnssirers Verlag. feierten Staatsmann von den in Kissingen konzertierenden Zigeunermusikanten eine Serenade und zum Diner Tafelmusi! gebracht wurde, hatte den Mut, ganz unbefangen und ruhw an den Fürsten die heikle Frage zu richten, ob die ganz außer ordentliche herzliche Liebenswürdigkeit, mit der er ihn ausge zeichnet, nicht dadurch beeinträchtigt werde, daß er, Kepes Jude sei, beziehungsweise ob der Kanzler sich vielleicht hierüber orientiert habe, bevor er ihn mit der Einladung zu Tisck beehrte? „Warum fragen Sie das?" erwiderte Bismarck. „Weil man allgemein wissen will", meinte Kepes, „Durch laucht seien Antisemit. Ich glaube zwar nicht daran, den, Durchlaucht würden sich dock sonst wohl kaum stundenlan, mit einem Rabbiner unterhalte! haben, wie ich hier in Kissin gen hörte." „Aus den deutschen Zeitiin gen, die Sie jetzt lesen," bemerkt! Bismarck, „müßten Sie woh, den Schluß ziehen, daß ick eigentlich kein guter Deutsche, mehr bin. In Wirklichkeit wir! das jeder rechtschaffene Mensel als Erfindung bezeichnen. D a Märchen von meinen Antisemitismus muß i > dieselbe Kategorie ein gereiht werden. Ich wa> immer bestrebt, die Sitten dieseklugen Volkes zu bessern, ohn ihm je etwas zuleide zu tun Das wäre auch unchristlich ge handelt, denn das Judentum bildet die lebende Zeugenschas des Christentums. Sollten du Juden aussterben, so bin ick überzeugt, daß dies für der Fortbestand >des Christentum-: eine ungünstige Prognose wäre Ich wußte genau, Herr Doktor daß Sie der israelitischen Religion angehören, aber dieser Umstand beeinflußt meine Gesinnung nicht, im Gegenteil' — und er schob seinen Arm io den von Kepes — „die Zeugen der- Christentums müssen hochleben.' Der Interviewer spann dieses Thema weiter und fragt, den Fürsten, ob er wirklich gott sei. Bismarck beant wartete diese Frage ungefähr mit den Worten: „Leben und Gesundheit find Gottesgaben Hierüber habe ich seit meiner Jugend meine entschiedene un umstößliche Ueberzeugung. Ungeachtet der verschiedenen philo sophifchen Auffassungen, metaphysischen Wissenschaften unl ihrer Entwicklung bin ich niemals auch nur einen Augenblick in meinem Glauben an Gott wankelmütig geworden." Sulla» Schneider. Von Karl Schwarz. m 4. März hat der Tod einen still schaffenden, hochbegabten jüngen Künstler von langem Leiden erlöst, dessen Werke nur selten an die breitere Oefsentlichkeit gelangten, Herrn. Struck und Gustav Schneider, photographiert von Max Halberstadt in Hamburg. (Mit Genehmigung des Photographen.) gläubig