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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-26 · Heft 13 (26.3.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Verlaufe der Verhandlungen spendete das Ehrenmitglied Herr Siegfried Brünneinen nnmhaften Betrag für die Kasse. Die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes bietet die Gewähr, daß auch fernerhin iüe Kasse ihrer vornehmsten Pflicht, Witwen und Waisen der Mitglieder zu unterstützen, und dienstunfähig gewordenen Kultusbeamten kleiner Gemeinden Beihilfe zu leisten, im weitesten Sinne Nachkommen wird. V. Z. Berlin, 23. März. Zu einer großen Trauerlundgebung der Berliner Aerzteschaft gestaltete sich am letzten Sonntag mittag die Beisetzung des Geheimen Medizinalrats und außerordentlichen Professors der Nervenheilkunde an der Berliner Universität M a r t i n B e r n h n r d t auf dem israelitischen Friedlos in der Schönhanser Allee. Prächtige Kränze hatten an der Bahre niedergelegt: die Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenkrankheit, die Berliner Medizinische Gesellschaft, die Gesellschaft deutscher Nervenärzte und die Berliner Allgemeine Poliklinik. In der Trauerversammlnng bemerkte man von der Berliner Universität den Dekan der medizinischen Fakultät Geheimrat Waldeher unb die Gehe im rate Hirschberg und Posener, vom Verein für inihut Medizin Professor Dr. Boas, von der Berliner Medizinischen Gesellschaft Geheimrat Landau, Geheimrat Schwabach und viele andere. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Warschauer. Hierauf trat Professor Ließ m a n u an die Bahre und widmete dem Sahingeschiedenen namens der Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenkrankheit herzliche Worte des Gedenkens. Für den Verein deutscher Nervenärzte sprach Professor £ p P e n h e i m. W. Posen, 18. März. Der neue israelitische Verein für Krankenpslege und Leichenbestattung hielt am 7. d. M. eine Seelengedenkseier in der Synagoge B (Israelitische Brüdergemeinde) ab. Die Feier begann mit einem Präludium, woraus Mi-ncha gebetet wurde. Der Synagogenchvr sang den Psalm 103, 15 bis 18. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Professor Tr. Bloch. Redner ging vom Texte cnt§: „Heil dem, der ans die Armen und Kranken mit liebevollem Blicke 'chaut." Er schilderte das Kranken- und Bestattnngslvesen, und Hhc groß die Aufgabe für die Männer des Vereins ist, die in liebevoller, selbstloser Weise ihre Betätigung zeigen. Hieraus folgten das Solo „Herr, was ist der Mensch" und das Gebet für die dahiugeschiedeneu Mitglieder, wobei auch der Krieger gedacht wurde, die gern und mutig ihr Leben für das Vaterland dahingaben. Mit dem Solo Psalm 41, 1 und 2 und einem Schlußgesang endete die Feier, die ans die Versammelten einen erhebenden Eindruck gemacht hatte. M. Hamburg, 19. März. Ter Israelitische Tempelverband hat für sein Gotteshaus in der Poolstraße eine wertvolle Spende erhalten. Von einem Mitglied des Vorstandes ist für die heilige Lade ein wertvoller Vorhang gestiftet worden. Der neue Vorhang besteht ans rotem Seidenplüsch mit schwerer Goldverzierung und schließt sich in seiner künstlerischen Stickerei der Architektur des Tempels harmonisch an. Das Mittelfeld zeigt die Gesetzestafeln, gehalten von zwei heraldischen Löwen. Die Widmung oberhalb des Mittelstückes gibt die Bestimmung der Stiftung mit den Worten „Zum Andenken im Tempel des Herrn" wieder, während am Fuße der Name des Stifters eingestickt ist. Die bei der Verarbeitung verwendeten Materialien lassen erkennen, daß es dem Stifter wie der ausführenden Firma in erster Linie darauf ankam, etwas Echtes, Bleibendes und dem heutigen künstlerischen Geschmack Entsprechendes zu schaffen. Die Arbeit darf mit vollem Recht als ein Erfolg des hamburgi sehen Kunstgewerbes bezeichnet werden. Hervorgegangen ist sowohl Entwurf wie Ausführung att§ den Werkstuben für Fahnen- und Kirchenstickerei der hiesigen bekannten Firma Gäth u. Peine. M. Altona, 19. März. Auf Anordnung des Generalkommandos fand für die demnächst zu vereidigenden Truppen jüdischen Glaubens von Hamburg-Altona in der Gemeindeshnagoge Altona ein Kriegsgottesdienst statt. Das festlich erleuchtete Gotteshaus war von Soldaten unb deren Angehörigen dicht gefüllt. Nachdem Oberkantor Nathanson mit dem Synagogenchor abwechselnd einige Psalmen vorgetragen hatte, hielt Oberrabbiner Dr. L e r n e x die Predigt. Der Geistliche wies auf | die religiöse Bedeutung des Fahneneides hin. In dem unserem Vater-! land aufgedrungeuen Kampf gelte es treu zu Kaiser und Reich zu stehen. Der Redner kam dann auf die russischen Greuel gegen die wehrlosen Juden zu sprechen und ermahnte die jungen Krieger, als Rächer gegen die Feinde ihres Glaubens sich durch Tapferkeit und Mut aus- Zuzeichnen. Der Gott der Schlachten, der bis jetzt unserem Kaiser und seinen Verbündeten so siegreich beigestanden, möge ihnen und den tapferen Truppen auch weiter seine Huld bewahren, bis es gelungen - sei, die Feinde niederznwerfen und einen für das Vaterland ehrenvollen! Frieden zu schließen. — Vor geöffneter Bundeslade sprach hierauf der - Oberrabbiner das Gebet für das Wohlergehen für Kaiser und Reich.! Mit dem vorn Synagogenchor vorgetragenen „Adon Olam" schloß I die erhebende Feier. A. S. Dessau, 19. März. Herr Geheimer Kommerzienrat H u g o S o n n e n t h n l vollendete mit 17. b. M. das 70. Lebensjahr. Der Jubilar, dessen drei Söhne Heeresdienst leisten, verlebte den Tag fern von Dessau. — Herr Geheimrat Sonnenthal übernahm in jungen Jahren nach dem frühen Tode seines Vaters das von diesem gegründete Geschäft und brachte es zu hoher Blüte. Erst vor kurzem! löste er die.angesehene Firma auf, als die Magdeburger Biitteldeutsche! Privatbank sein Geschäft übernahm. Im Laufe seiner langen Tätig- J feit erwarb er reiche Erfahrungen, insbesondere auf dem Gebiete! Desfaner und anhattischer finanzieller und industrieller Fragen, und i wurde in den maßgebenden Kreisen als Finanzsachverständiger ge-! schätzt, insbesondere auch während der Zeit, in welcher er als Stadt-! verordneter wirkte. Besonders wertvolle Arbeit hat er für die hiesige! jüdische Gemeinde geleistet. In dem Zeitraum von über 40 Jahren, in! welchem er als Repräsentant und bald -als Vorsteher zur Leitung ihrer Geschäfte berufen war, hat er die arg verfahrenen finanziellen Verhältnisse der Gemeinde durch einsichtige Sparsamkeit zu einer Zeit wieder in das richtige Geleis gebracht, als die Gemeinde noch arm und m die Baronin-v.-Eohni-Oppenheim-Stistung noch nicht zu denken war. Seit langen Jahren ist Herr Geheimrat Sonnenthal Vorsitzender des Vorstandes der Gemeinde und erfreut sich als solcher im Kreise der Gemeinde einer unbestrittenen Autorität. Gern und oft folgte er dem Rufe zur Mitarbeit an allgemeiner menschlicher Liebestätigkeit wie auch insbesondere an wirtschaftlicher und sozialer Hebung der Glaubensgenossen. Von Beginn der Tätigkeit der ein Kapital von über fünf Millionen Mark für Zwecke menschlicher Liebe und Hilfe nutzbar machenden B a r o n i n - v. - E o h u - O P p e n h e i m - S t i s - tung der Israelitischen Kultnsgemeinde Vorsitzender des Kuratoriums derselben, hat er ihrer für Dessau und Anhalt so wohltätigen Wirksamkeit die großzügige Richtung gegeben. Seine Verdienste sind auch vom Landesherrn durch Verleihung hoher Orden anerkannt worden. Weite Kreise der Bevölkerung vereinigen sich in dem Wunsche, daß dem Jubilar, dem bisher ungetrübtes Familienglück befchieden mar, Kraft und Gesundheit zu weiteremlaugen und gedeihlichen Wirken für die Allgemeinheit verliehen sein mögen! I.. Mainz, 19. März. Der hiesige Israelitische H u m aui - tätsverein, bestehend aus einer großen Anzahl österreichischer und russischer Staatsangehöriger, veranstaltete am Sonntag abend eine Versammlung, zu der sich eine zahlreiche Zuhörerschaft einfand. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Siegmnnd Vierter, eröffnete die Versammlung, indem er ungefähr folgendes ausführte: Das Judentum der gesamten Welt blickt zuversichtlich auf die deutschösterreichischen Waffen, denn nur diese können und werden unsere Brüder aus dem Joche Rußlands befreien. Bedenken Sie, daß, trotzdem Sie Untertanen Rußlands sind, eines Staates, mit dem Deutschland zurzeit int Kriege steht. Sie gerecht und menschlich von den deutschen Behörden behandelt werden: ein jeder fühlt sich hier tute zu Hause, ja noch sicherer und besser wie in seinem eigenen Baterlande. Wie dankbar müssen wir einem solchen Staate sein! In keinem anderen kriegführenden Staat werden die Ausländer so zartfühlend behandelt als gerade hier in Deutschland, und trotzdem wagen feindliche Zeitungen die Behauptung, daß die Nüssen hier unglaubliche Qualen leiden. Ich glaube im Namen aller in Deutschland lebenden russischen Juden gegen solche unverschämte Lügen Verwahrung einlegen zu müssen. Wir lvünschen von Herzen, daß den in Rußland lebenden Deutschen eine gleiche Behandlung zuteil wird, tute nur solche hier erhalten. Nach einem Gottesdienst, in welchem der endgültige Sieg der deutsch-österreichischen Waffen erbeten wurde, wurde eine Sammlung für den Hilfsfonds für das ehemalige Russisch-Polen und Galizien eingeleitet. Gesterrkich-AlMM. K. Wien, 19. März. Unter zahlreicher Beteiligung aller Gesellschaftskreise wurde am 12. d. M. Herr Leopold v. Lieben auf'dem israelitischen Friedhofe zu Grabe getragen. Der Verblichene, der ein Alker

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