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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-26 · Heft 13 (26.3.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Don M Jahren erreichte, war Diele Jahre Präsident der Wiener Börsenkammer und BizcgvnvernenrsiellVertreter der Oesterreichisch- Ung.arischen Bank. Leopold v. Lieben wer gemeinsam mit seinem Bruder Richard Chef des bekannten Bankhauses Lieben u. Eomp. in Wien, das seit 4862 besteht und sich in Finanz-und Jndustriekreisen des größten Ansehens erfreut. Das Haus des Verblichenen, der init einer Tochte^ des Barons Eduard Todesco verheiratet war, bildete in srüherer Zeit den Sammelpunkt eines größeren gesellschaftlichen Lebens, an dem auch viele namhafte Gelehrte und Künstler teilnahmen. Ter Heimgang dieses edlen und hochherzigen Mannes, der sehr wohltätig war und auch an unserem Gemeindeleben regen Anteil nahm, bedeutet einen schloeren und schmerzlichen Verlust nicht nur für die große Zahl derjenigen, deren Gönner, Förderer und Beschützer er war, sondern für unsere Kultusgemeinde und deren Institutionen überhaupt. Ehre ititö Segen seinem Andenken. -- Seitens des Ministeriums des Innern erging vor einigen Tagen an die Geistlichen aller Konfessionen die Aufforderung, von der Kanzel aus belehrend und aufklärend über die Maßnahmen der Negierung betreffs der Mehl- und Getreidesperre zu wirken. Insbesondere wird ihnen zur Pflicht genmcht, die Andächtigen im Gotteshause und die Jugend in der Schule zu ermahnen, beim Verbrauche von Nahrungsmitteln äußerst sparsam.vorzugehen. An dem kommenden Passahseste werden die jüdischen Geistlichen Gelegenheit haben, in ihren Predigten aus diese patriotische Pflicht hinzulveisen und die Regierung in ihren Bestrebungen tatkräftig zu unterstützen. — Vor einigen Tagen stattete Erzherzog Franz Salvator dem Reservespital der Preßburger israelitischen Kultusgemeinde für verwundete Krieger einen längeren Besuch ab. Zum Empfange Seiner Kaiserlichen Hoheit waren erschienen die Spitalärzte, der Rabbiner, der Präses der Gemeinde und der Obmann der Ehewra-Kadischa. Ter hohe Gast zeichnete die Erschienenen durch längere Ansprachen aus uud dankte dem Rabbiner und der Spitalsleitung für ihre patriotische Tätigkeit. Von Sah unil ffrrn. — Tie P e u s i o n s -, W i t w e n - und Waise n k a s s e d e s B e r b a n d e s der j ü dischen L c h r e r v e r e i n e im Deutschen Reich, die sich an der ersten Kriegsanleihe mit. 100 000 Mark beteiligt hat, hat auch auf die zweite Kriegsanleihe wiederum 90 000 Mark gezeichnet. — Ter Berliner Stadtverordnete Tr. I sinne hat vom 20. August vorigen Jahres infolge von Sammlungen bis heute 300 000 Mark in Gold bei der Reichsbank eingewechselt. Ter größte Teil dieses. Goldes stammt aus dem Norden und Nordosten Berlins. ~ In der Schlacht im Argonner Wald fiel am 10. März Wilhelm Lewinski . aus Berlin im 24. Lebensjahre, nachdem er im Oktober vor seinem Eintritt als Kriegsfreiivilliger das Examen für das höhere Lehramt bestanden hatte. Er ist ein Enkel des verstorbenen Lehrers an der Knabenschule unserer Gemeinde und Waisenhausdirektors N. Lewinski. - Am 13. d. M. verschied der langjährige Vorsitzende der „Vereinigten Schochare hatow u. B'ne Brith Gemeinde E. V.", Kaufmann Julius Ab r a h a m im 63. Lebens- > jahre. lieber 30 Jahre im Vorstände, zuletzt als erster! Vorsitzender, hat er sich durch seinen wahrhaft humanen Eharakter, frommen Sinn und stete Hilfsbereitschaft die Freundschaft und Dankbarkeit aller erworben, die ihm im Leben nahe gestanden haben. — Aus Schrimm wird uns geschrieben: Einer der angesehensten und geachtetsten Bürger unserer Stadt, Kaufmann Peritz Wolfs, ist im 60. Lebensjahre gestorben. Der Dahingeschiedene war eifriges Mitglied der Eheivra Kaddischa und Repräsentant der Synngogengememde und beteiligte sich sonst bei allen Wohlfahrtseinrichtungen der Stadt. — Frau R eg i na Ne i sser in Breslau hielt am 11. März im dortigen Augusta- Hospitat vor Verwundeten und Pslegeschwestern wieder einen Vortrag, und zwar über die Königin Luise, der lebhaft ansprach und der Vortragenden reichen Beifall einbrachte. — Zum Nachfolger des verstorbenen Kantors Samson L eh m a n n in Würzburg wurde von der dortigen Gemeindeverwaltung einstimmig Herr Rüben Moses Esch io ege, Oberkantor und Lehrer zu Emden, gewählt. Ter Gewählte ist der Sohn des Hauptlehrers Eschwege zu Thüngen in Unterfranken. - Zu ordentlichen Mitgliedern der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen wurden unter anderen auch zwei Juden gewählt und bestätigt: in der philotogisch historischen Klasse der Professor an der Universität Göttingen Tr. Enno L i t t m n n n (Semitische Philologie), in der mathematischphysikalischen Klasse Professor Dr. Edmund Landau (Mathematik). — Tie Israelitische Kinderheilstätte in Bad Nauheim, die ihr ganzes Haus seit Kriegsbeginn der Militärbehörde als Lazarett zur Verfügung stellte, hat mit dem Israelitischen Frauenheim in Bad Nauheim Vereinbarung getroffen, um in deren Räumen während des Sommers, wenn auch in beschränktem Maße, herzkranke und skrofulöse Kinder verpflegen zu können. — Schwere Kriegsopfer hat die israelitische Gemeinde Hattstadt im Elsaß gebracht. Ter Kantor und Neligionslehrer G. Weil ist in Flandern gefallen. Tort mußte auch der Synagogendiener Weil, ein bescheidener uud strebsamer Mann, sein Leben lassen. — „Jelvish Ehronicle" erklärt, daß die englischen Juden sich in ihrer Palästiuafürsorge auf die nach Aegypten geflüchteten Juden russischer Nationalität beschränken müßten. Es sei Aufgabe Amerikas und eventuell der Glaubensgenofsen in anderen, der Türkei nahestehenden Ländern, für die in Palästina selbst verbleibenden ottomanischen Untertanen zu sorgen. Die englischen Juden müßten sich außerdem bisher für ihre Brüder in Polen interessieren. — Zwischen den nach Warschau aus Grodsisk geflüchteten Juden befindet sich eine Frau von 110 Jahren. Die „Boruch Josselte" wird sie genannt. Sie ist die Grodsisker Hebamme gewesen und rühmt sich deshalb: „Ganz Grodsisk gehört mix." Bereits vor hundert Jahren mußte sie schon einmal von Grodsifl nach Warschau flüchten; es war zur Zeit, als Napoleons Heer sich ihrer Heimatstadt genaht hatte. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin»Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlander, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Pfandschein Über echte Glashütter Herrenuhr, 3 Goldkapseln, belieben 175 M., für 15 M., über Uhrarmband m. 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