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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-26 · Heft 13 (26.3.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Zuschuß einfftmk'H zu bewilligen. Die Versammlung lnffchließt demgemäß. Damit war die öffentliche Sitzung beendet. E. C. Berlin, 23. März. Der Verein f ü r A r b e i L s u a ch - w e i s hielt am 24. v. Nt. seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Max Ginsberg, begrüßte die Erschienenen und erstattete hierauf folgcnbeu Bericht: „In langen Zriedensjahren hat der voll beit Berliner Logen II. O. B. B. begründete Arbeitsnachweis seine soziale Mission erfüllt. Vielen Tausenden von Existenzen ist selbst oftmals in den scheinbar ver- .goeifeltstcn Fällen Gelegeilheit geworden, sich ans anständige Weise zu ernähren. Durch den jähen Ausbruch des Krieges traten auf dem Gebiete der Arbeitsvermittelung große Veränderungen ein, die ihre Wirkungeil auch ans unseren Betrieb ausübten. Es galt, die plötzlich ans ihreii Stellungen entlassenen mtb völlig erwerbslos gewordenen Arbeitsuchenden vor schwerer wirtschaftlicher Bedrängnis zu schützen; besondere Mittel und Wege zur Hilfe mnßteil gefunden inerden. Der Arbeitsnachweis hat in dieser schweren Zeit den Beweis erbringeil können, das; er nicht mtr ein unentbehrliches Instrument für die BeriilitteliNlg voll Angebot und Nachfrage ist, sonderii daß er durch schleunigste Anwendung geeigneter Maßnahmen ailch neue Erwerbsmöglichkeiten zll schaffeil versteht. Im Betriebsjahre 1914 sind 2579 Persoilen verschiedener Berufszweige in Stellungen gebracht ioordeil. Dauernde, das heißt mit längeren Kündigungsfristen verbundeile Stellungeil erhielten 932 männliche unb 1055 weibliche, im ganzen 1937 Bewerber. Zür 155 Stellungsuchende gelang es dauernde Stellung unter Beobachtullg der Sabbatheiligung zu finden. Das schloierige Problem, den privaten Haushaltungen geeignetes Dienstpersonal bei Vermeidung der gewerbsmäßigen Stellenvermittelungell Zilziiführen, beginnt allmählich weitere Kreise zu interessieren; der Verein war in der Lage, 102 jüdischen Dienstmädchen und Aufwärterinnen Stellungen Zll verschaffen. Die Kriegszeit hat auf bestimmte Industriezweige einen maniligfaltigen Einfluß ailsgeübt; es tauchterl Handelsartikel auf, die wir für unsere plötzlich bcschäftigungst-os geivordenen Arbeitsilcheildeli inchbar machen komiten. Durch Neberlassung solcher Artikel ist es gelungen, 143 Bewerber, die uns Zllm größten Teil seitens der Kriegshilfskommission der jüdischen Gemeillde überioiesen wurden, Erlverbsmöglichkeiten zll verschaffen; insbesondere war es möglich, ältere männliche Personen, deren wirtschaftliche Existenz bei Kriegsausbruch auf das schwerste bedroht war, über Wasser zu halten. Der Arbeitsnachweis ist ein Sainmelpnilkt für alle Arten unserer hiesigen Wohlfahrtseinrichtungen geworden. Besonders zur Jüdischen Gemeinde mit deren Fürsorge-, Durchreise-, Armen- und.Kriegskommissionen, ferner zilr Großloge für Deutschlarld llild den Berliner Logen llnterhält der Verein lebhafte Bej Ziehungen, die sich nicht nur auf die erfolgte Behandlung der ihln I überwiesenen Zälle erstreckt: es ist vielmehr auch ein ständiger Mei-! llllngsaustausch angebahnt, der dem Wesen moderner Wohlfahrts-! Pflege entspricht unb den Grundsatz: „Arbeit, nicht Almosen" ver-; wirklichen hilft. Die Kriegszeit hat es mit sich gebracht, daß die! Tätigkeit der Schreibstube empfindlich lintcr der Ungunst der geschäftlichen Verhältnisse leideil mufete. Dies ist zu bedalleru, da der Verein gerade in diesem Teile seines Arbeitsgebietes ältere Leute beschäftigt, die für andere Art von Erwerbstätigkeit nicht mehr gilt verwendbar sind. Es sei aber zu hoffen, daß Gönner und freunde des Arbeitsnachweises seine Versuche und Bestrebungen, hier Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, eifrig unterstützen werden. Die Finanzlage des Vereins für Arbeitsnachweis, über die der stellvertretende Schatzmeister, Herr Geheimrat Potsdamm er, berichtete, ist infolge des Ausbleibens der dem Verein in sonstiger Zeit recht erheblich zugewiesenen Spenden eine äußerst bedrängte, die dem Verein bei seinen Ausgaben besondere Beschränkungen auferlegt. Der Vorstand zweifelt aber nicht, daß die Opferwilligkeit und der soziale Sinn unserer Glaubensgemeinschaft die Bestrebungen des Vereins in wirksamer Weise nnterstützen und fördern wird, einmal durch Zuweisung von Arbeitsgelegenheiten mtb alsdann durch Zuwendung von Spenden. Der Vorstand, der Arbeitsausschuß ilnd das Damenkomitee des Vereins für Arbeitsnachweis hat in seiner Zusammensetzung eine Aenderullg llicht erfahren. Der Vorsitzende schloß die Generalversammlung mit dem Wunsche, daß das laufende Betriebsjahr ein erfolgbringendes fein und daß in baldigster Zeit unser Vaterland in Ruhe lind Frieden seinen wirtschaftlichen und sozialen Bestimmungen obliegen möge. E. S. Berlin, 22. März. Im Verein für jüdische Geschichte u n d Literatur sprach am 11. d. M. als letzter Redner! in dieser Saison Professor Dr. Max Löhr aus Königsberg i. P. über „Israels Religion im Lichte der vorderasiatischen Geisteskultur". Durch die Ausgrabungen in Palästina seit den letzten 30 Jahren lassen sich nicht unerhebliche Einwirkungen vornehmlich von Babylon und Aegypten auf die israelitische Religion Nachweisen. Allein man darf in den Schlußfolgerungen nicht zu tueit gehen, da das Material noch lückenhaft ist und in den Einzelheiten die Meinungen meit auseinandergehen. Darum wollte Redner bei der Knappheit der Zeit nllr einen bescheidenen Versuch geben. Das ganze Leben der vorderasiatischen Völker war stark vonreligiösen Motiven durchdrungen. Manche äußere Dinge, wie Schallbrote, Amuletten finden sich auch in Babytoll. Noch mehr: manche Wendungen der babylonischen Hymnen haben überraschende Anklänge an manche Psalmen. Auch zwischen den alttestamentlichen Zabeln und Parabeln und denjenigen der Hm welk zeigen sich große Aehnlichkeiten. So ließe sich noch manches anführeu. Aber größer sind doch bei alledem die Verschiedenheiten. Trotz der monotheistischen Strömungen bei den anderen Orientalen - zudem mehr unbewußt - - blieben die Greuel der Vielgötterei im Schwung. Immer dagegeil zeigt sich bei Israel der sittliche Charakter der Gottesidee. Israel war das einzige Volk, bei welchem die bildliche Darstellung der Gottheit streng verpönt war. Erst bei Israel sprengt die Geschichtsschreibung die engen Grenzen der anua listischen Weise und erhebt sich zu wahrhast universalhistorischer Darstellung. Die israelitische Religion erzeugt machtvolle Individualitäten, ln eiche bei den Nachbarn fehlen. Der lebhafte Haß ln den Psalmell richtet sich nicht gegen Menschen, funberit gegen das Schlechte, dessen Träger die gebührende Strafe zu erwarten haben. Hoffnungslosigkeit bei den Heiden. Wie voll ist aber die heilige Schrift von Beispielen der Hoffnungsfreudigkeit und sittlichen Umkehr. Einen Psalm 51 haben die antiken heidllischen Religionen gar nicht Hervorbringen können. Gewiß ist das Hiobsproblem allgemeinmenschlich, findet sich darum auch in Babylon. Aber nicht entfernt kommt dort die Lösung an die geistige und sittliche Höhe, welche das Hiobbilch noch heute zirr Quelle des Trostes für Unzählige rnacht. Bei den Propheten überschreitet die israelitische Religion die Grenzen des Volks und nimmt eine universale Richtung an, aus deren Schoß sich zwei neue große Religionen mit unzähligen Verzweigungen gebildet haben. Alles in altem: Dem unbefangenen Zorscher erscheint das alte Israel nicht als ein Volk der Religion, sondern als das Volk der Religion. Ter hochinteressante und lehrreiche Vortrag wurde von den Zuhörern, unter denen viele Gelehrte und Sachverständige sich befanden, mit großem Beifall ausgenommen. M. D. Berlin, 23. März. An; 7. d. M. fand in Berlin die 23. ordentliche Generalversammlung der Hilfskasse für israelitische Kantoren und K u l t u s b e a m t e statt. In dem Geschäftsbericht, den der Vorsitzende Stadtverordneter Louis I o n a s gab, konnte mit Genugtuung die Tatsache verzeichnet werden, daß das segensreiche Hilfswerk der israelitischen Kantoren Deutschlands nunmehr 35 Jahre seine Tätigkeit entfaltet. Reale und ideelle Arbeit ist im Interesse des .Kautorenstandes in diesen dreieinhalb Jahrzehnten geleistet worden. Neben der Hilfe rein materieller Natur wurden die Standesinteressen gefördert. Die staatliche Pensionsversichernng hat die Hilfskasse bisher nicht bedeutsam entlasten können. Erfreulich ist, daß die Großgemeinden sich der Bitte nicht verschließen, für die Versorgung der Hinterbliebenen von Kultusbeamten kleiner Gemeinden dadurch Beihilfe zu leisten, daß sie der Hilfskasse materielles Interesse entgegenbringen. So hat auch im vergangenen Jahre die Jüdische Gemeinde zu Berlin der Hilfskasse eine Beihilfe von 300 Mark gewährt. Eine größere Anzahl von außerordentlichen Mitgliedern ist gleichfalls bestrebt, durch materielle Zuwendungen Interesse an dem Hilfswerk zu bekunden. Der Vorsitzende gab weiter einen kurzen Tätigkeitsbericht. Hoffnungsvolle, von Vaterlandsliebe erfüllte Worte waren es, die er an die Versammlung richtete. Er wies darauf hin, daß die Kaffe nicht fern von der Kriegshilfstätigkeit blieb. Wertvolle Anregung und Ratschläge für eine weitere Ausdehnung der Tätigkeit, wie auch für die Gewinnung, von außerordentlichen Mitgliedern, wurden aus der Mitte der Versammlung gegeben. Insbesondere geschah dies bei der Beratung über notwendige Satzungsänderungen, die auch zur Annahme gelangten. Bankier Seckel, der die Kaffe bisher mustergültig verwaltete, war genötigt, sein Amt niederzulegen. An seiner Stelle wurde Kaufmann Dagobert Jsaaksohn -Berlin gewählt. Außerdem wurde Hauptkantor Wilhelm F r i c d m a n n neu in den Vorstand gewählt. Im

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