Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1915)
- Date
- 1915-03-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3224737-3229177-3229191--71204-3283530- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
79. Jahrgang Nr. 13 Berlin, 26. März 1915 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums. Sorrrh»ondrn?rn und Mchrichtm. DkUtschlsnd. V. Berlin, 21. März. Die heutige Sitzung der R ep rasen - a n t e n v e r s a m m l u n g wurde mit einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden Dr. Minden eröffnet. Ter Vorstand teilt mit, daß er sich konstituiert habe und Herrn Kommerzienrat Eisner zum ersten, Herrn Geheimrat Dr. ctexn zum ziv eiten Vorsitzenden gewählt habe. Es ist ein schreiben eingegangen von einem Gemeindemitglied, das sich höchst rfreut über die Wahl des Vorsitzenden und des Bureaus der Ne» »räsentantenversammlung ausspricht. Weiter teilt der Vorsitzende mit, >aß der „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen" heute abend eine Gedenkfeier für Louis Sachs abhalte, zn der die Repräsentanten eingeaden werden. Schließlich inacht Herr Dr. Minden darauf aufmerksam, >aß in dem letzten „Gemeindeblatt" bereits ein Bericht über die letzte rlepräsentantenversammilung erschienen sei und damit wohl der Bechluß der vorigen Versammlung, das Stenogramm der Verhandlungen gl bringen, hinfällig geworden sei. Herr Professor Türck nimmt Au-, aß, darauf hinzuweisen, daß der Vorstand durch die Nichtberücksichtigmg des Beschlusses der Versammlung nicht im Sinne der Repräsenanten gehandelt habe. Es entstehe die Frage, ob der Gemeindevor-. tand allein oder mit den Repräsentanten bcn Inhalt des „Gemeindeilattes" zu bestimmen habe. Herr Dr. Ntinden rnöchte die Diskussion darüber vertagt wissen. Justizrat Lilienthal vom Vorstandstisch spricht eine Verwunderung über den Anstand des Herrn Professor Türck aus. Er habe in der vorigen Versammlung darauf hingewiesen, daß ein Bericht über die Sitzung in der nächsten Nummer erscheinen werde. )m übrigen, betont er, es sei gar keine Frage, daß allein der Gemeinde* wrstand int Verein mit der Redaktionskommission den Inhalt des Blattes zu bestimmen habe. Herr Dr. Minden meint, es sei fraglich, w dieser Zustand haltbar sei, und wiederholt die Bitte, die Diskussion Vi vertagen. Nachdem auch Gehe imrat Blumenthal für Veragung der Diskussion eingetreten ist, verläßt die Versammlung den Gegenstand. — Frau Ulr. Graetz geb. Loeser hat der Gemeinde letztoillig 2000 Mark zn gewandt, deren Annahme die Versammlung bechließt. — lieber die Abrechnung des Bureaus für die Vermietung von ^hnagogenplätzen referiert Herr Gewerberat Plotke. Danach betrug die Gesamtzahl der zur Vermietung gestellten Plätze -82 617 im >Lonnnalwerte von 354 227 Mark, die sich auf 8 Synagogen und > Betlokale verteilen. Davon waren über 8000 Freiplätze, nicht vermsgabt wurden 178 Plätze. Tie Gesamteinnahmen aus der Vernietung betrugen 265 311 Mark. Der Referent erblickt darin, daß l0 000 Andächtige ungefähr unsere Synagogen und Betlokale gefülll Bitten, ein Zeichen der Vertiefung des religiösen Empfindens. Der Bericht wurde zur Kenntnis genommen. — lieber den Rechnungsabschluß >er Gemeindehauptverlvailtuug referiert Herr Lewinski. Aus den nteressanteu Ziffern sei hier mitgeteilt, daß der Steuerertrag um zirka!50 000 Mark auf 3 190 000 Mark gestiegen ist. Bedauerlich fei, daß >000 aller Zensiten wegen Steuerrückstandes ihr Wahlrecht verloren zätten. Von den gesamten Steuereingängen wären für Kultuszwecke M Prozent, für Unterrichtszwecke 13 Prozent, für Wohlfahrtspflege >9 Prozent, für Zinsen und Amortisationen 24 Prozent und für Verwaltung, „Gemeiudeblatt" usw. 23 Prozent verausgabt worden. Auf verschiedene Positionen sind kleinere Nachbelnilligungen in Höhe von insgesamt 34 437 Mark erforderlich. Die Versammlung spricht die Genehmigung aus und erteilt Entlastung. — Ten Koscherfleischhäudleru oerden die Beiträge zu dern Penstons- und Unterstütznuasfonds der Koscherfleischkommission auch für die Jahre 1915/16 erlassen. Herr Bonns Levy beantragt, da dieser Beitrag bereits seit 23 Jahren nicht erhoben wird und mit der Beratung die Versammlung in jedem Kahre nur unnütz in Anspruch genommen werde, die Kosch-erfleifchyändler dauernd von diesen Beiträgen zu befreien. Nachdem Herr Kustizrat Lilienthal erklärt hatte, daß der Vorstand damit beschäftigt -er, durch Aenderung des Regulativs einen dauernden Erlaß herbeigiführen, zieht Herr Levy seinen Antrag zurück. Herr Professor Blafchke bittet bei diesem Anlaß, der Gemeindevorstand möge dafür sorgen, daß im alten Westen eine Koscherfleischhandlnng eröffnet werde. - Eine sehr interessante Vorlage wurde aus der öffentlichen ohne ersichtlichen Grund tu die geheime Sitzung verwiesen. Sie betrifft den Antrag des Vorstandes, das „Cemeindeblatt" durch die Post zu versenden und fortan auch I n s erat e i n d a s „ G e in e i n d e b l a t t" aufzunehmen. Namens des Ausschusses I referierte Herr Dr. Giusberg. Der Ausschuß habe Vertagung bis nach dem Kriege beantragt. Das enlpfehle sich auch schon in Rücksicht auf die geschäftliche Lage und weil die großen Betriebe zurzeit auch nicht voll funktionierten. Sollte die Vertagung, nicht angenommen -werden, dann uw ge die Vor» läge in geheimer Sitzung beraten werden. Es wird beschlossen, die Vorlage in gehei-mer Sitzung zu beraten. — In das -Kuratorium des zweiten Waisenhauses werden die ausfcheideuden Mitglieder Jnstizrat V r e s l n n e r , Kommerzienrat E i s n e r , Landgerichts rat L o e tu e, Vt a i; At e cf l e n b u r g , I s i d o r S a ch s , Ben a s L e v h und Tr. Alfred Witkowski wieder- und Rabbiner Tr. Bergmann neugewählt. Die Zahl der Mitglieder der Synagogenbaukommission wird um ein Bcitglied erhöht und Herr Arthur Schisser gewählt, gleichzeitig an Stelle des Herrn Seligsohn Herr Rabbiner Tr. Hochselb. Die Mitgliederzahl der Bankommission wird um drei erhöht und zwei dieser Mitglieder, Herr Regierungsbanuteister Mar Grünfeld und Direktor Mar Aleycr. gelvühlt. — Znm Ankauf der von Herrn Kantor Alexander F r o m m e r m a n lt komponierten Rezitative werden 1000 Mark, für eine Neuauflage der Beerdigungsgesänge 520 Mart bewilligt. Zur rituellen Beköstigung der in der Garnison Kottbus befiudlicheu jüdischen Soldaten am Pefsachfest loird ein Beitrag von 200 Mark bewilligt. In der Strafanstalt zn Rawi'tsch befinden sich zurzeit 41 jüdische Sträflinge aus Berlin. Zur Beköstigung derselben am Pefsachfest werden Herrn Rabbiner Tr. Evhn-Ralvitsch 82O Mark bewilligt. Dem „Verein für Statistik der Juden" werden, uachdein Herr Dr. Ginsberg in seinem Referat aus die sehr nützlichen Arbeiten des Vereins hiugewiesen hatte, auch für 1915 ein Betrag von 1000 Mark, der David Hertzogschen Freitischstistuug wieder ein Zuschuß von 800 Mark gell'ährt. — Wie kürzlich mitgeteilt, war in der letzten Repräseutantenversammlung der Beschluß gefaßt worden, für die Synagoge Kottbuser Ufer den Orgelritus der Nellen Synagoge eiuzliführen. Der Vorstand ist diesem Beschluß nicht beigetreten, er hat der Versammlung vielmehr mitgeteill, daß er beschlossen habe, zur weiteren Beratung der Frage eine ans zwei Mitgliedern des Gemeindevorstaudes und vier Mitgliedern der Repräsentnntenversammlung bestehende gemischte Deputation eiuzusetzeu. Zugleich ist vom Vorstand Herr Dr. Stern als Vorsitzender und Herr Tr. Feilcheuseldin diese Kommission abgeordnet lvorden. Namens des Allsschusses III referiert Herr Professor T ü r ck über diesen 'Alltrag. Der Ausschuß empfiehlt die Annahme des Vorstaudsvorschlages und schlägt als Mitglieder für diese gemischte Kolnmission die Herren L o e lv e n t h a l, Dr. I g n. (5 o h n , Professor B l a s eh k e und Professor T ü r ck vor. Da ans der Versammlung noch ein weiterer Wahlvorschlag gemacht wurde, wurde mit Stimmzetteln abgestimmt. Gelvählt wurden die vom Ausschuß vorgeschlag'neu Herren. Herr Willibald Loeweuthal nimmt Anlaß, der Versammlung davon Mitteilurlg zu machen, daß ein Neuköllner Herr in einem Schreiben an ihn dagegen protestiert, daß der Liberale Verein in Neukölln der Auflösung entgegengehe. Es sei zwar ein aus persönlichen Gründen herbeigesührter derartiger Beschluß ergangen, allein er 'sei aufgehoben und der Bestand des Vereins durchaus gesichert. Auch Herr Tr. Jgu. Eoh u hat eine Berichtigung vorznbringen. In einem Reprüsentantenbericht sei ihm fälschlich die Aeußernng in den Mund gelegt, daß in der Gegend der Synagoge Kottbuser Ufer überall liberale Privatsynagogen vorhandeli fc-l-en, lveshalb die Einführung des Draelritns begründet sei. In Wirklichkeit habe -er gesagt, daß dort nur private Synagogen vorhmiden silld undnur konservative. Daher bestehe ein Bedürsuis für eine konservative Synagoge. Dlirch den Ausbruch des Krieges haben die Vorarbeiten für den Etat des Krautenhauses besondere Schloierigkeiten verursacht, so daß ein Vor-. auschlag bisher nicht eulgerichtet lverden koullte. Ter Vorstand beantragt daher zunächst für den Monat April ein Zwölftel des bisherigen Jahreszuschusses in Höhe von 17 512 Mark als Gemeinde-