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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-26 · Heft 13 (26.3.1915) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 schuldigen jüdischen Bevölkerung begangen worden sind. Wird der gemeinsaine Ausschuß der jüdischen Vereine Englands wenigstens von der gütigen Erlaubnis Sir Edward Greys Gebrauch machen uub „Vorstellungen" über dieses dunkelste Kapitel in der an dunkeln Kapiteln so reichen Geschichte Nußlands erheben, vielleicht sogar milde „Vorstellungen" seinerseits bei dem Bundesgenossen „anregen"? Und was werden die Herren, die sich jetzt schon den Kopf über das Schicksal der den Besitz wechselnden Gebiete zu zerbrechen beginnen, dazu sagen, wenn sie die österreichische Bekanntmachung vernehmen, daß die Nüssen ohne weiteres Tausende von jüdischen Familien Galiziens in die Feuerzone des Gegners treiben? Sind die russischen Pogrome besser und erträglicher geworden, seit die Nüssen die Bundesgenossen Englands sind? * Für die unmenschliche Behandlung, die die Russen in all ihren Provinzen den Juden zuteil werden lassen, bringen verschiedene Zeitungen folgendes neue Zeugnis, das diese aller Humanität hohnsprechende Art charakterisiert: Helsingfors, 18. März. „Hufudstadsbladet" berichtet Einzelheiten über die unlängst erfolgte Vertreibung der Juden aus dem Sanatorium in C-hhvinge: Am Sonntag erschien ein Polizeibeamter im Sanatorium und wies einen Befehl der Gouvernementsverwaltung vor, wonach sämtliche Juden, die keine besondere Erlaubnis hätten,, das Sanatorium sofort verlassen müßten. Am selben Tage wandten sich alle dort befindlichen jüdischen Kranken, etwa dreißig, an den Gouverneur in Tavasthaeus mit der Bitte, bleiben zu dürfen. Bier Tage später ging die Antwort der Gouvernementsbehörde ein mit der Aufforderung, das Sanatorium noch am selben Tage zu verlassen. Nur den ans Bett gefesselten Kranken wurde Aufschub bewilligt mit der Maßgabe, daß sie das Sanatorium zu verlassen hätten, sobald ihr Gesundheitszustand es erlaube. Eine Begründung war in der Antwort der Gouvernementsbehörde nicht angegeben. Das gleiche Schicksal teilten die im Sanatorium Richimjaeki befindlichen Silben, die gezwungen wurden, den Ort am Dienstag zu verlassen. * Aus Jerusalem geht uns folgender Artikel zu, den wir ohne Kommentar abdrucken. Nur die eine Bemerkung können wir nicht unterdrücken, daß gewiß das Gebaren der Zionisten Ursache solcher Maßnahmen ist, wir wollen aber die Hoffnung nicht aufgeben, daß das Auftreten gegen die Zionisten nicht zugleich die Sache der Juden schädigt. Aus dem Hacheruth vom 10. Schewath bis 25. Januar 1915. Bon Baha Aldin Boy, gewesenem Kaimaken in Jaffa, jetzt Attache des Generalstabs der vierten Armee, wurde uns aufgetragen, folgenden Brief, der in einer besonderen Beilage erschienen ist, in der Zeitung „Hacheruth" nochmals zu veröffentlichen. An die Redaktion der Zeitung „Hacheruth" iu Jerusalem. Ersuche Sie, folgende Zeilen in wörtlicher Uebersetzung zu veröffentlichen: Die Hohe Regierung, welche die Tätigkeit der unruhigen Elemente mißbilligt, die im palästinischen Gebiet des ottomanischen Reiches eine jüdische Regierung unter dem Namen Zionismus zu begründen strebt — eine Bestrebung, die den eigenen Stammesgenossen Schaden bringen müßte —, hat angeordnet, die Postmarken (gemeint sind Nationalfonds- Marken), Zionistische Fahnen, Banknoten der A. P. C. usw., welche unter diesen Elementen verbreitet waren, zu vernichten. Sie hat ebenfalls angeordnet, daß alle Verbindungen und zionistischen Organisationen, die Im geheimen bestanden, aufgelöst werden. Jetzt erfahren wir, daß einige Hetzer in böser und niedriger Absicht die Worte verdrehen und angeben, daß die Verordnungen gegen sämtliche Juden gerichtet wären. Es ist aber ganz selbstverständlich, daß kein Angriff auf die Juden beabsichtigt ist, welche mit uns verbunden sind, welche mit uns Söhne des Vaterlandes sind und gleiche Rechte genießen, und welche mit Gottes Hilfe stets fürs Vaterland mit uns verbunden sein werden. Die Verordnungen, die veröffentlicht wurden, sind ausschließlich gerichtet gegen Gedanken, Organisationen und Arbeiten der Zionisten. Von unseren jüdischen Landesgenossen, die keine Verbindung haben mit derartigen Uniwälzungsgedanken, bitten und wünschen wir wie bis jetzt auch weiterhin friedliche Zusammenarbeit. Wir alle Ottomanen sind aus dem Innersten unseres Herzens Freunde aller Juden, welche mit uns im Bunde stehen, Freunde und Brüder eines Vaterlandes. Nur dem Zionismus und den Zionisten, jenen verderblichen Elementen, die Hetzen und Wirren veranlassen, und ähnlichen Verbindungen innerhalb unseres Vaterlandes, welche dergleichen Phantasiegebilden nachstreben, denen sind wir ewige Feinde. 8. Kanun-Tani 1330. V a h a r - A l d i n, Attache der vierten Armee für den Informationsdienst. # Wenn diese Nummer in die Hände der Leser kommt, hat sich hoffentlich die Erwartung erfüllt, die wir am Schluß der letzten Wochenübersicht ausgesprochen haben, daß der wirkliche Frühling, nicht bloß der astronomische, in die Lande eingezogen ist. Dann würden wir am 1. April frohen Herzens den Gedenktag begehen, zu dessen Feier sich ganz Deutschland rüstet: den 10 0. Geburtstag des eisernen Kanzlers Otto von Bismarck. Wir können unsererseits nur einen Artikel bringen, dessen Anfang in dieser Nummer erscheint, der die Stellung des mächtigen Mannes zu den Juden in anderer Weise beleuchtet, als dies gewöhnlich geschieht. Aber es soll auch an dieser Stelle daran erinnert werden, wieviel das Deutsche Reich für seine Einigkeit und seine Größe dem ehernen Manne verdankt. Es ist müßig, sich zu überlegen, ob es zu einem so fürchterlichen Kriege und zu der beklagenswerten Isolierung Deutschlands gekommen wäre, wenn ihm das Geschick ein Leben und Wirken über das menschliche Maß hinaus gegönnt hätte. Nur der Dank für das, was er getan, soll ihm an seinem Ehrentage auch von unserer Seite gespendet werden. Mochten und mögen auch die Freisinnigen noch so viel an ihm auszusetzen haben, so ist doch so vieles von der äußeren Größe und der inneren Bedeutung unseres Vaterlandes so fest an' seinen Namen geknüpft, daß uns im Gedenken an ihn unauslöschliche Dankbarkeit erfüllt. Am 1. April könnte auch unser Blatt einen Gedenktag begehen. Wäre die Zeit nicht so ernst und so schwer, so würden wir wohl an eine Festnummer gedacht haben. Denn am 1. April sind es 25 Jahre, daß Herr Rudolf Mosse den Verlag dieser Zeitung übernahm, und daß Herr A l b e r t K a tz in engere Beziehungen zur Redaktion dieses Blattes trat. Ludwig Philippson, der Begründer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", hatte, nachdem er länger als 50 Jahre die Zeitung geleitet, bis zu seinem am 29. Dezember 1889 erfolgten Tode die Redaktion geführt; Rudolf Blosse übernahm wenig später den Verlag und berief G u st a v K a r p e l e s zur Leitung der Zeitung. Es ist oft genug in diesen Blättern versucht worden, die beiden Männer, die Jahrzehnte an der Spitze des „grünen Blattes" standen, in ihrer Wesensart zu charakterisieren; heute soll nur der beiden Jubilare mit schlichtem Danke gedacht werden. Denn aufrichtiger Dank gebührt dem Verleger, der nicht bloß ein Vierteljahrhundert opfermutig das Blatt erscheinen ließ, sondern es mit guten Ratschlägen und beachtenswerten Anregungen unterstützte, der nie nach Alleinherrschaft strebte, sondern Leitern und Mitarbeitern volle Freiheit gewährte, und der auch in den schwersten Zeiten Wagemut und Opferfreudigkeit betätigte. Gern aber sprechen wir auch an dieser Stelle dem treuen Mitarbeiter Herrn Albert Katz unseren tiefgefühlten Dank aus. Als Verfasser gelehrter und eindringender Leitartikel, feuilletonistischer und wissenschaftlicher Aufsätze und gehaltvoller Besprechungen hat er dem Hauptblatte viele wichtige und anregende Beiträge zugeführt, als alleiniger Redakteur des Beiblattes mit großer Mühe, Geschicklichkeit und Umsicht diesem einen vielseitigen Inhalt zu geben verstanden. Diesen Dank schulden mit mir alle Leser;

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