Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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namentlich die Verkörperung der Delila vortrefflich gelang; ausgezeichnet die Lesung des Büchleins «Ruth", allerdings nicht nach dem Original, sondern nach einer Paraphrase Hartlebens. Bei dieser Lektüre bewährte sich die Künstlerin als vollendete Meisterin: Einfachheit, Innigkeit und Schlichtheit zierten ihren Vortrag und machten die wenigen Minuten, die diese Spende währte, zu einem vollkommenen Genuß. H. Berlin, 16. März. Die W i s se n s cha ftliche Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin sendet uns ihren Bericht für das Jahr 1914, aus dem folgendes zu ersehen ist: Es fanden im verflossenen Jahre, dem 19. seit Begründung des Bereürs, sieben Sitzungen statt. Folgende Vorträge wurden gehalten: Herr Rabbiner Dr. Lewkowitz: „Herrri Bergson". (Der Bortrag wurde aus Vereinskosten gedruckt und den. Mitgliedern zuaejandt.) Herr Lehrer Jacobsohn: «Zur Charakteristik der Stammväter". Herr Lehrer Plaut: «Zur Reform des jüdischen Geschichtsunterrichts". Herr Dr. B. Keller mann: «Das Unsterblichtcitsproblem bei den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters". Herr Lehrer Borchardt: „Unsere Stellung zum Wandervogel". Die Fortbildungskurse wurden-auch im vorigen Winter und Sommer fortgesetzt. Herr Rabbiner Gans erklärte die Psalmen. Herr Dozent Dr. Täubler sprach über „Die Geschichte der Juden im hellenistischrömischen Zeitalter". In diesem Winter wurden aus naheliegenden Gründen die Fortbildungskurse ausgesetzt. Durch die Erhöhung des Beitrags an den Verband mußte der Beitrag von 6 Mark auf 8 Mark jährlich erhöht werden. Nach mannigfachen Vorbesprechungen wurde nach einem Referat des Herrn Direktor Dr. G u t m a n n eine Arbeitsgemeinschaft innerhalb des Vereins gebildet zur eingehenden Durcharbeitung religiös-wissenschajtlicher Fragen. Die Arbeiten wurden Anfang Mai ausgenommen, haben aber durch den Kriegsausbruch leider nicht sortgeführt werden können. Zu Verhandlungen mit den Vorgesetzten Behörden bot sich in dem verflossenen Vereinsjahr nur in geringen: Maße Veranlassung. So legte die Wissenschaftliche Vereinigung in nachdrücklicher Weise Verwahrung ein gegen Form und Inhalt mehrerer Verfügungen der Gemeindebehörden, welche die Bewerbung um Religionsstunden an öffentlichen und privaten höheren Lehranstalten betrasen. Doch gab die Vereinigung auf «den Rat des Gemeindevorstandes den vielfach diskutierten Plan aus, in Verbindung mit der Gemeindebehörde oder auch selbständig bei den Schulverwaltungen Groß-Berlins vorstellig zu werden, damit diese mehr jüdische Lehrkräfte als bisher an ihren Schulen anstellen. Der gegenwärtige Krieg hat sowohl dem Verein wie einzelnen seiner Mitglieder besondere Aufgaben gestellt. Von Vereinsmitgliedern sind dem Ruse zur Fahne gefolgt die Herren Sender, Metz, Samuel, Stiebe'l, Blumenthal, Frank, Ehrenreich, Roth, Guttmann, Wolfs, Last. Mit besonderem Stolz verzeichnet der Verein, daß eins seiner Mitglieder, Kollege Sender, mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet worden ist. Die im Felde stehenden Vereinsmitglieder hat der Verein durch Beweise seines Gedenkens zu erfreuen gesucht und ihre dem Gesamtwohl geleisteten Dienste mit dankbarem Interesse verfolgt. — Der von dem Verein auch in Friedenszeiten bewährten Solidarität mit den Kollegen im Reiche entsprach es, daß er von einer unter seinen Mitgliedern veranstalteten Kriegssammlung 600 Mark für die aus Ostpreußen vertriebenen Kollegen. verwendete. Der Bericht schließt mit folgenden Worten: In unseren Tagen, die weltgeschichtliche Taten ohnegleichen gesehen, mögen die Leistungen eines Vereins, der begrenzte Ausgaben durch wenig bedeutende Mittel zu erreichen sucht, geringwertig erscheinen. Aber wir wissen auch, daß das Große in der Welt nicht ohne die gewissenhafte Arbeit im kleinen zustande kommt, und so sind wir stets darauf bedacht, einen noch so geringen Beitrag zu 'dem großen Kulturwerk unseres Volkes zu -leisten. Mt Millionen Deutschen, die heute keine Schranke trennt, erhofft auch unsere Vereinigung die baldige Erfüllung des Prophetenwortes: Friede, Friede, den Nahen wie den Fernen! Berlin, 16. März. Das Eiserne Kreuz erhielten: Stabsarzt Dr. Eiger, Oberarzt Dr. Leopold Friedmann, Stabsarzt Dr. Arthur Simon, Stabsarzt Dr. Fritz Bleichröder, Stabsarzt Dr. Ernst Joseph, Dr. Salomonsky, Sohn des Herrn Adolph Salomonsky, kurz darauf zum Stabsarzt befördert, Offizierstellvertreter Otto Go mp er tz, Unteroffizier d. R. Kurt Silb erst e t n, Referendar Hans G u m p e r t, Sohn des Fabrikbesitzers Gustav Gumpert, Feldarzt Dr. Ernst G r ä f e n b e r g, Wilhelm Rothenburg, Pataillonsarzt Dr. Hans K n o P f - Groß-Berlin. Der Berliner Arzt Dr. Alfred Pehser, zurzeit Stabs- und Regimentsarzt in einem Landlvehrregiment, der bereits das Eiserne Kreuz erhalten hat, empfing jetzt ebenfalls den bayerischen Militär-- Verdienstorden mrt Schwertern. Das Eiserne Kreuz erhielten ferner: Leutnant Rechtsanwalt Sewald I a s f e - Dresden, Regrerungsbaumeister Julius Cohen-Frankfurt a. M., Leutnant d. R. Professor Dr. Epstein in Detmold, Diplom-Jng. Paul Berliner- Hannover, Oberveterinär Heymann - Schneidemühl, Regimentsarzt Dr. Adolf Wongtschowski und Max Hermann, Sohn des Kaufmanns und Kultusbeamten der jüdischen Gemeinde in Lublinitz, und Tierarzt H i r sch in Gutterrtag O.-Schl. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Oberstabsarzt Dr. M. L. Mayer, Sanitätsrat und Spezialarzt in Nürnberg, Dr. Benno G r i e s m ann - Nürnberg, Assistenzarzt bei 1. Res.- Jnf.-Regt., Dr. Harry Wah rb u r g-Nürnberg, Oberarzt d. N., Kanonier Max Rogozinski aus Schwanseld in Bayern, Stabsarzt Dr. Julius Hechinger aus Nürnberg, Feldmagazin- Inspektor Max Sturm aus Nürnberg, Sohn des Kaufmanns Leon Sturm. Den M i l i tä r v e r d i e n st o r de n dritter K l a s s e erhielt Stabsarzt d. L. Dr. Benno Jakob aus Nürnberg. 22 Insterburg, 14. März. Rabbiner Dr. Beermunn verläßt in. diesen Tagen unsere Stadt und damit den Platz 17jähriger gewissenhaftester Amtstätigkeit und Arbeitstreue, um einern an ihn ergangenen Ruf als Seelsorger eines weit größeren Wirkungskreises in Heilbronn zu folgen. Dr. Beermann verabschiedete sich am Freitag abend 6 Uhr in herzlichen Worten von seiner Gemeinde. Die Synagoge war bis ans denletzten Platz gefüllt «und die Anwesenheit christlicher Amtskollegen und Freunde, die es nicht versäumen wollten, den Abschiedsworten des Scheidenden zu Lauschen, der sich auch in der christlichen Bevölkerung Insterburgs viel Liebe erworben hat. Dr. Beermann knüpfte seine Betrachtungen an das Gebet eines alten Predigers, der beim Eingang in das Lehrhaus sprach: «Laß mich keinen Fehler begehen" und beim Verlassen betete: „Habe Dank für meinen Teil". Als loelt fremder Jüngling sei er vor 17 Jahren hierher gekommen', als reifer Mann, reich an Erfahrungen verlasse er die Gemeinde, der er als letzten Wunsch und Gruß zurief: «Trennen uns Berge, scheiden uns Ströme, schwebt zueinander doch Seele zu Seele, Sehnen zu Sehnen, Gebet zu Gebet". Darauf dankte der Gemeindevorfltzende Stadtrat Eichelba u m in warmen Worten für die vorbildliche Treue, mit der Tr. Beermann seines Amtes gewaltet hat, für die formvollendeten- Predigten, die den Andächtigen unvergeßliche Weihestunden bereitet haben, für den fesselnden. Religionsunterricht, der die Jugend nachhaltig beeinflußt hat, für die hingebende Seelsorgearbeit, die bleibende Beziehungen geknüpft hat. Geheimrat Blumen seid als Vorsitzender der jüdischen Gemeindevertretung führte ungefähr folgendes aus: „Nur in wenigen schlichten, aber aus -treuem aufrichtigen Freundesherzen kommenden Worten möchte ich Ihnen sagen, was Sie uns gewesen sind, was wir Ihnenverdanken. Das Höchste und Beste, das Sie uns als bleibenden Gewinn, als dauernden köstlichen Schatz hinterlassen, ist der Geist, den Sie unserer Heranwachsenden Jugend einzupslanzen verstanden. Nicht totes Wissen haben- Sie unseren Kindern übermittelt, aus warmem Herzengossen Sie Ihre Begeisterung und hingebende opferfreudige Liebe für unfern Glauben in die Herzen Ihrer Schüler. Mit Ihrem Scheiden tritt die bange Frage an uns heran: Wer wird imstande sein, nach Ihnen den kommenden Geschlechtern den gleichen Geist, die gleiche Gesinnung von Seele zu Seele zu übertragen. Aber nicht unsere Sorgen, sollen uns heute beschäftigen, vor der Freude über die glückliche Wendung Ihres Geschicks müssen sie zurück,treten. Gott der Herr ist sichtbar mit Ihnen gewesen -und hat Sie zur Höhe geführt." Die Vereine der Gemeinde hatten bereits am Vormittag Deputationen -an ihren scheidenden Geistlichen abgesandt und ihn unter Ueberreichung von Angebinden ihres dauernden- Dankes versichert. 2XD Danzig, 12. März. Im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 1. d. M. Feldprediger Dr. Sonderling aus Hamburg, der im feldgrauen. Ornat am Rednerpult stand, über das Thema «Wir und der Krieg". Dr. Sonderling betonte, daß in den letzten Jahrzehnten die Erkenntnis für die Erfüllung des jüdischen- Idealismus scheinbar bei -allen Kulturvölkern vorwärts gegangen sei. als aber der Ausbruch des Krieges den einzelnen Nationen, den Vettern jenseits des Kanals die Maske vom Gesicht gerissen hatte, mußten sich die Juden fragen, ob all ihre