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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-19 · Heft 12 (19.3.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 12 (19.3.1915)
Date
1915-03-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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79. Jahrgang Nr.1 I Berlin, 19. März 1915 Der Oemetndetzote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". korrclpondenzrn und Aschrichtm. Skutlchlsnd. Berlin, 16. März. Die in unserem Blatt vor kurzem veröffentlichte Zeichnungsaufsorderung auf die neue fünfprozentige Deutsche Reichsanleihe (Zweite Kriegsanleihe) enthält den Vermerk „unkündbar bis 1924". Diese Bedingung ist in manchen Kreisen des Publikums als ein Nachteil für den Erwerber der neuen Schuldverschreibung aufgefaßt ivorden, während sie in Wirklichkeit einen großen Vorzug darstellt. Was besagt denn die Bestimmung „unkündbar bis 1924"? Nichts anderes, als daß das Reich die Anleihe mindestens bis zum Jahre 1924 mit 5 Prozent verzinsen muß, und daß es vorher weder den Zinsfuß Herabsetzell noch vorher den Anleihebetrag zurückzahleu darf. Der Anleihebesitzer bleibt mithin bis zum Jahre 1924 in dem ungestörten Genuß des für ein Wertpapier von dem Range der Deutschen Reichsanleihe außerordentlich hohen Zinsfußes von 5 Prozent. Will das Reich nach dem Jahre 1924 nicht mehr 5 Prozent Zinsen zahlen, so muß es dem Anleihebesitzer die Wahl lassen zlvischen Kapitalrückempfang und niedrigerem Zinsfuß. Das heißt, wer heute 98,50 Mark für 100 Mark Nennbetrag der neuen Reichsanleihe zahlt, muß, wenn das Reich nach dem Jahre 1924 nicht mehr 5 Prozent geben will, die vollen 100 Mark ausgezahlt erhalten. So und nicht anders ist die Bestimmung „unkündbar bis 1924" anszufassen. Ganz irrig ist die Annahme, daß der Anleihebesitzer sich vor deur Jahre 1924 das für die Anleihe aufgewandte Geld nicht wieder verschaffen kann. Die Reichsfinanzverwaltung zahlt zwar, wie schon oben gesagt, das Kapital vor deur Jahre 1924 nicht zurück. Es wird aber jederzeit möglich sein, ein Wertpapier von den hohen Eigenschaften der Deutschen Reichsanleihe durch Vermittlung der Reichsbank oder anderer Banken und Bankiers zu veräußern, und nach menschlicher Voraussicht wird der Anleiheerwerber bei einem Verkauf für 100 Mark Anleihe nicht nur den ausgewandten Betrag von 98,50 Mark, sondern wahrscheinlich einen nennenswerten Aufschlag erzielen. Eine Schuldverschreibung des Deutschen Reiches ist jederzeit zu Geld zu machen. Entweder, wie schon gesagt, durch Verkauf oder, wem: das Geld nur vorübergehend gebraucht wird, durch Verpfändung der Anleihestücke bei dm öffentlichen Darlehnskaffen. Wer durch Inanspruchnahme der Darlehnskassen sich Geld zum Erlverb von Kriegsanleihe beschafft, braucht auch nicht zu besorgen, daß nach einigen Monaten oder überhaupt zur Unzeit die Rückzahlung von ihm verlangt wird. Tie Darlehnskassen sind eine öffentliche Einrichtung, die gerade in erster Reihe den Zweck verfolgt, den Eigentümern von Wertpapieren eine Geldbeschaffung durch Verpfändung ihrer Papiere zu ermöglichen. Das Publikum darf infolgedessen mit Bestimmtheit auf größtes Entgegenkommen der Darlehnskassen rechnen. — Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß den zum Zwecke der Einzahlung aus die neue Kriegsanleihe zu entnehmenden Darlehen bis auf weiteres ein Vorzugszinssatz — zurzeit o% statt oj/j Prozent — eingerüumt wird. Alles in allem: es gibt zurzeit keine bessere Kapitalanlage als die Deutsche Kriegsanleihe. Und so begreiflich und wünschenswert es auch ist, wenn das Publikum bei der Verwendung seiner Spargelder Ueberlegung und Vorsicht übt, so darf es doch im vorliegenden Falle ohne weiteres das Sicherheitsgefühl haben, daß den Interessen des Vaterlandes und den eigenen Interessen nicht besser als durch eine rege Beteiligung an der Zeichnung aus die Kriegsanleihe gedient werden kann. 2XD Berlin, 16. März. Seitens der Berliner j ü d i s ch e n Gemeinde werden Kurse unterhalten, durch welche Lehrerinnen lind Seminaristinnen Gelegenheit geboten ist, sich in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden. Die Kurse dauern drei Jahre. Am Ende der Ausbildungszeit findet eine Abschlußprüfung statt, über deren Ergebnis ein Zeugnis ausgestellt wird. Die Teilnahme ist unentgeltlich. Für die Teilnehmerinnen an den Kursen stehen aus dem Julius Bleichröderschen Legat einige Stipendien Zur Verfügung. Das Sonnner-! semester beginnt am Donnerstag, den 8. April d. I. Mel-; düngen nimmt der Leiter der Kurse, Herr Rektor Dr. S p a n i e r, in; der Mädchenschule, Kaiserstraße 29/80, entgegen, der auch zu jeder! weiteren Auskunft bereit ist. 2£5 Berlin, 16. März. Der seit länger als 200 Jahren bestehende und mehr als 600 Mitglieder umfassende Verein „Schomer laboker umischan awelim" zur Unterstützung armer Leidtragender hat am 6. d. M. in dem Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde, Roseuftraße 2/4, seine Generalversammlung abgehalten. Trotz der Ungunst der Zeiten war diese verhältnismäßig zahlreich besucht, und der Gedankenaustausch steigerte die Gewißheit, daß dieser segensreiche Verein ' durch alle Mittel der Agitation gestärkt und gefördert werden muß. Aus dem von dem Vorsitzenden, Justizrat Ignatz Holtz, erstatteten Bericht ergab sich, daß der Krieg auch an diesem- Verein nicht spurlos vor- : übergegangen ist, daß im vergangenen Geschäftsjahr die Zahl der Geber geringer war als die der Nehnier und daß infolgedessen, um für alle Fälle gerüstet zu sein, eine außerordentliche Generalversammlung am 10. November 1914 die Satzungen dahin abgeändert hat, daß der Bori stand in außergewöhnlichen Fällen, wie Krieg und sonstigen Notständen, zur Deckung der laufenden Ausgaben dem eisernen Fonds einen Betrag bis zu 10 000 Mark entnehmen dürfe. Ein Appell des Vorsitzenden an die erschienenen Mitglieder hatte zur Folge, daß dem Schatzmeister ea. 400 Mark zuflossen. Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeiten hat der Vorstand in diesem Jahre von jeglicher geselligen Vereinigung abgesehen und nur die geschäftlichen Fragen auf der Generalversammlung zur Erledigung gebracht. Die Ergänzungswahl des Vorstandes und der Revision ergab die Wiederwahl der Ausscheidenden. Ter Vorstand des segensreich wirkenden Vereins besteht aus folgenden Herren: Justizrat I g nutz Holz, Vorsitzender, S a m u e l E o h u, Rendant, Nt a r t i n F e r n b a ch , Schriftführer, A r o u Hirsch, Emil P i n e u s,! Moritz Hirsch, Bernhard Easparius, Berthold; Tietz, Alois A. F. Marcus.! L. G. Berlin, 16. März. Der V o r t r a g s a b e n d, den I r e n e! Trief ch am 2. d. M. in der Singakademie zur Liebesgabenbeschajsung! für die Kronprinzen-Arln.ee hielt, hatte, da der Saal ansverkaust war,! für den guten Zweck gewiß einen vollen Erfolg. — Mir persönlich aber j bot der Abend einigermaßen eine Enttäuschung. Ich hatte die Küust-! lerin bisher weder im Theater noch im Vortragssaale gehört, hatte aber so viel Rühmenswertes über sie erfahren, daß ich mit den größten Erwartungen hinging. Diese wurden aber nicht voll erfüllt. Schon der Umstand, daß die Künstlerin saß, nicht stand, hemmte ihre Bewegungsfreiheit und vielleicht auch die volle Enllvickelung ihres Organs. Aber sie bekundete auch manche Mängel, die sie längst Hütte beseitigen sollen. Sie spricht ä, ö, eu höchst unrein und hat in ihrer Aussprache etwas Gleitendes beim Zusammentreffen zweier Konsonanten, so daß sie etwa Jhsrael spricht statt Jßrael (wie es klingen müßte) und ähnliches. Bor allen Dingen entfaltete sie zu viel Pathos. Gleich bei dem ersten Stücke: Aus den Offenbarungen des Jesayas (so schreibt das Programm) schrie sie derm-aßeu, daß eine weitere Erhebung der Stinune kaum möglich war. Im allgemeinen gelang ihr Strindberg besser als die Bibel. In den Strindbergschcn Stücken: Die Szene, Die Fingalsgrotte aus dem Drama „Das Traumspiel", „Hymnus an das Weib" aus dem Roman „Die Beichte eines Toren" und „Eva", Szene aus deur Drama „Nach Damaskus", die zwar von großer Dichterkraft, aber auch von einer ungemessen schweifenden Phantasie Zeugnis ablegen, bewährte sie ihre Meisterschaft, namentlich die Szene „Eva" machte einen außerordentlichen Eindruck. Ter erste und letzte Teil des Abends waren ausschließlich der Bibel gewidmet. Aber weder in den Stellen aus den Propheten, außer Jesaja noch Ezechiel, noch in einigen Psalmen vermochte sie die Hoheit der Bibel vollständig wiederzugeben; auch nicht in der Vorlesung des Buches Jona — obgleich Frau Triesch-das Buch gewiß besser rezitierte als manche Lehrer, die in unseren Synagogen an deur Versöhnuugstage mit dieser heiklen Aufgabe betraut werden. Künstlerisch wohl gelungen war die Rezitation des Stückes von Jean Paul „lieber den Tod des Jünglings auf dem Schlachtselde", nur vermag ich den Grund nicht einzufehen, warum diese Rede des deutschen Dichters als ein biblisches Stück bezeichnet wurde. Wirklich gut war nur die Vorlesung der Geschichte von Simson und Delila, wo

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