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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-19 · Heft 12 (19.3.1915) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 12 (19.3.1915)
Date
1915-03-19
Page
Seite 144 (sequence 12)
Language
German
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144 Literarische Mitteilungen. — Bibliographisch e r B i e r t e l j a h r s b e r i ch t f ü r b i c jüdi s ch e Literatu r. Herausgegeben vom Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. 1. Jahrg. Heft 1. Ta unsere Wochenschriften mit aktuellen, unsere Monatsschriften mit wissenschaftlichen Aufsätzen ihren Platz füllen, so kommt in beiden die Besprechung literarischer Novitäten zu kurz. Es war daher ein sehr guter Gedanke, einen literarischen Vier-teljahrsbericht Zn begründen, nur wird wohl leider auch hier der Krieg eine Unterbrechung, wenn nicht gar eine Vernichtung des Unternehmens herbeigeführt haben. Nach einer kurzen Einführung folgen zahlreiche Besprechungen nach folgenden Rubriken: Bibelwisseuschaft (hauptsächlich von B. Jakob besprechen), Patristik, Christentum, Geschichte (im wesentlichen von dein -Herausgeber R. Lewin), Religionsphilosophie (ausschließlich von M. Wiener, der aber uranch.es Ungehörige bespricht und bei einzelnem, zum Beispiel einer Nektoratsrede von Joel, gar zu lange verweilt), Jugendschriften, Gegenwartsfragen, Belletristik. Tie Besprechungen sind meist ziemlich kurz und halten ganz verständig die Mitte inne zwischen Referat und Rezension. Im allgemeinen sind die Beurteilungen recht milde, zum Beispiel gegen Kaegis moderne Bibel, wenn nicht etwa der Schluß der Besprechung Spott sein soll, auch gegen Winingers biographisches Lexikon; auch in der Beurteilung der Belletristika teile ich nicht immer die Meinung der Rezensenten. Es wäre zu wünschen, daß in ruhigeren Zeiten das llnternehmen freilich mit manchen Veränderungen und Verbesserungen seinen Fortgang nehmen könnte. L. G. # Mitteilu n g e n z u r j ü d i s che n V o l k s k u n d e. Herausgegeben von Dr. M. Grmüoald, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeiude in Wien. 17. Jahrgang, 2. Heft. (Der ganzen Reihe 50. Heft.) Tiefe Mitteilungen erscheinen Zugleich als Organ der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg. Wien 1914. Tas neueste Heft enthält am Schluß einen Bericht über die Jahresversammlung der Gesellschaft, ferner literarische Notizen, sodann die Fortsetzung des schon früher erwähnten Testaments des Wolf Wertheimer, endlich und hauptsächlich zivei größere Abhandlungen. Tie eine ist die Fortsetzung der sehr aufschlußreichen Studie A Z. Jdelsohns „Aus dem geistigen Leben der echtorientalischen Juden in Vorderasien" und bespricht die Juden Persiens. Die andere von N. M. Gelber, „Mendel Satanower, der Verbreiter der Haskalah in Polen und Galizien", macht uns mit dem Lebensgang eines bisher völlig unbekannten Aufklärers des 18. Jahrhunderts bekannt. Mendel Satanower, eigentlich Lewin (der übrigens nicht mit dem bekannteren Isaak Satanow zu verwechseln ist) ist 1750 geboren. Er kam 1780 nach Berlin, wo er Moses Mendelssohn kennen lernte und auch den Umgang .mancher anderen Aufklärer genoß. Nach seiner Heimat zurüekgekehrt, versuchte er dort für die Aufklärung zu nnrken und fand in dem Fürsten Ezartoryski einen Gönner, mit dessen Hilfe er ein merkwürdiges Judenreformprojekt ausarbeitete. Tie Mitteilungen über diesen Plan und über die Versuche zu seiner Turchführung sind sehr wichtig und lesenswert. Hoffentlich sind die Angaben des Verfassers über Leben und Schriften seines Helden, Angaben, die wir im einzelnen nicht zu kontrollieren vermögen, zuverlässiger als eine Notiz über Berlin. Wenn Gelber nämlich sagt: „Satauoiver lernte in Berlin 1780 .Lessing und Maimon kennen", so ist dies für Lessing absolut unmöglich, da dieser damals nicht in Berlin war, für Maimon ist es höchst zweifelhaft. — Wir wünschen der Zeitschrift, die in diesen Blättern schon oft froh begrüßt wurde, in ruhigeren Zeiten einen guten Fortgang. L. G. — Jude n st a a t und I u densa a t. Von Benjamin Wechsler, Frankfurt a. M. Preis 30 Pfennig. Im Selbstverlag. Druck von Kern und Birner, Frankfurt a. M. Eine jener gutgemeinten Schriften, bei denen man über die Naivität des Verfassers nicht genug erstaunen kann. Er vergleicht sich mit Herzl, ohne sich etwa die Superioriät zuschreiben zu wollen, und er hofft auf einen jüdischen Weltkongreß, auf welchem Zionisten, Agudah-Leute und die Vertreter der großen jüdischen Organisationen vereint tagen und einen Judenstaat beschließen sollen. Er meint — die Schrift ist freilich vor dem Kriege geschrieben, denn während desselben und wahrscheinlich viele Jahre nach ihm wird man schwerlich an Judenkongresse und dergleichen denken —, daß die Zeit dazu gekommen sei, und er meint ferner, die europäischen oder die Weltmächte würden nichts dagegen einwenden. Ja, er verstehst sich sogar soweit, zu behaupten, Christentum und Mohammedanismus würden keinen Einspruch gegen einen jüdischen Staat erheben. Gegen solche Utopien, die dem Verfasser Herzenssache zu sein scheinen, soll man nicht mit Derbheit, auch nicht mit Spott, ja nicht einmal mit einem mitleidigen Lächeln Vorgehen: man hat nur die Pflicht darauf hinzuweisen, daß ein Einsamer, Weltfremder solche Gedanken hegt und ausspricht. Augenblicklich ist, wie schon angedeutet, ein großer Teil der Menschheit mit Lösung ganz anderer Fragen im blutigen Kriege beschäftigt: wir unsererseits aber möchten daran zweifeln, daß, wenn ruhigere Zeiten wiedergekehrt sind, die Verwirklichung des Traumes unseres Weltverbesseres möglich werden kann. L. G. — Z n r Revision des bayerischen I u d e n e d i k t e s. Vortrag, gehalten am 12. Februar 1914 im Alhambrasaale zu Würzbnrg von Tr. Robert Piloty, a. ö. Professor des Staatsrechts. Frankfurt a. M. Verlag des „Israelit". G. m. b. H. 1914. Ter Umstand, daß die Rede eines christlichen Professors im Verlage des „Israelit" erscheint, lehrt uns, daß dieser Vortrag sich zugunsten der Orthodoxen ausspricht. Wir unsererseits haben immer den Standpunkt der Gleichberechtigung vertreten und dafür plädiert, daß, wie überhaupt so auch bei der Revision des bayerischen Jutzeuedikts den Orthodoxen ihr Recht gewahrt würde, können aber unmöglich billigen, daß die Minderheit auf Kosten der Mehrheit begünstigt i werde. Der Redner tritt für eine Trennung der Judengemeinden , ein, und erklärt sich gegen die Verhältniswahl, gegen die Bildung i selbständiger Synagogenverbäude innerhalb der einheitlichen Ge-! meinden ebenso wie gegen die Bildung selbständiger Gemein-! den mit getrennten Bezirken innerhalb derselben Stadt : oder desselben Bezirksamtdistrikts. Dagegen empfiehlt er als; einzig gangbaren Weg die Trennung der Gemeinden nach dem j Kultus. Wir sind nun durchaus gegenteiliger Ansicht und halten j die beiden ersten von Piloty verworfenen Wege für die einzig richtigen, ferner vermögen wir nicht einzusehen, wie sich der Pilotysche j Vorschlag, namentlich in kleinen Städten, verwirklichen läßt. Mir! scheint es geradezu unmöglich, daß sich in jeder Stadt oder gar in! jeden! Dorf zwei Gemeinden bilden; das wäre nur denkbar, wenn! inan die Reicheren der Gegenpartei nötigte, die Aerineren zu unter- | stützen oder wenn der Staat, was er aber gewiß nicht tut, die Pflicht übernähme die leistungsunfähigen Gemeinden zu subventionieren oder . ihre Beamten aus Staatsmitteln zu besolden. Im ganzen aber ist I der Pilotysche Vorschlag nur eine Wirkung des unseligen Grund-! satzes, die Minoritäten zu schützen. Wir wollen keineswegs die! Minderheit unterjochen, aber wir verlangen für die Majoritäten ein j größeres, mindestens aber dasselbe Recht. L. G. Religiöses R e ch t. Von Dr. Mordcho W. Rapaport.! Separatabdruck aus den Blättern für vergleichende Rechtswisseuj schaft und Volkswirtschaftslehre. X. Jahrgang, Heft 1, 2, 3. Berlin 1914. R. v. Deckers Verlag G. Scheuet, königlicher Hofbuchhändler. Das Büchlein enthält Betrachtungen, welche sich als eine praktische Anwendung der Ideen darstellen, die sich in seinem größeren Werke (Das religiöse Recht und dessen Charakterisierung als Rechtstheologie) finden. G—n. Mchereinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in . keinem Falle statt. Tie Jugendlehrer der talmudischen Zeit. Von L. Wiesner, Wien. Wien 1914. Verlag von R. Löwit. Druck L. Beck u. Sohn, Wien VII. Die Halleschen Juden im Mittelalter. Bon Dr. Siegbert Neufeld. Berlin 1915. Im Selbstverläge des Verfassers. Truck von Emil Streisand. Berlin SW, Alte Jakobstraße 120. Königstreue und Vaterlandsliebe. Ansprache in der Synagoge zu Hoppstädten a. d. Nahezum^27. Januar, gehalten von Dr. Ferdinand Straßburger, großh. Landesrabbiner des'Fürstentums^Virkenseld. Ter Reinertrag ist für den Vaterländischen Frauenverein bestinunt. Preis 50 Pfennig. Hoppstädten-Birkenfeld 1915. Verlag: Ferdinand Filtmanu, Birkenfeld. Druck von E. Scheur, Birkenfeld. Die große Zeit im Spiegel ernster Tage. Ansprachen und Predigten am Neujahrsfest und Versöhnungstaae des Krieasjahres, gehalten in der Synagoge Glockengasse von Tr. Ludwig Rosenthal, Rabbiner der Synagogengemeinde Köln. 3. Auslage, Köln 1914. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kaufsmann.

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