Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- Seite 141 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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14] Zeigt aber auch Milt und Tatkraft und stehet darin nicht euren Vorgängern nach. Fort mit jeder Leisetreterei! Fort mit jeder Sanftmut und Schonung! „Drauf" sei eure Losung, „Durch" eure Parole! Duldet jede ehrliche Kampfesart, wenn sic nur zum Ziele, zum Siege führt. Fraget aber auch nicht, ob Mann zu Mann Paßt, und lasset ovr allem das sonst hier und -da übliche Naserümpfen und ..Ueber-die-Achsel-Ansehen"! Klassengeist sei euch ein unbekannter Begriff. Hütet euch vor jeglichen Absonderungsgelüsten! Sie sind die Feinde aller Geselligkeit und führen zur Entfremdung und Zersplitterung. Jeder Mann, der den Namen „Jude" trägt, sei euch willkommen im Bunde. In dem heiß und wild tobenden Kampfe, in dem unsere Glaübensbrüder, der Kern unseres Stammes, stehen und für euch streiten, da gilt auch nur der Mann! Nicht wird gefragt: „Wer bist du?" oder „Was bist du?" Und wenn ihr etwa einem reichen und vornehmen Hause entsprossen — „tut -euch nichts darauf zugute", wie man -auch euch deswegen „nichts zugute" hält. Fort mit jedem Stolz auf Reichtum, -auf Besitz! Fort mit jedem Stolz auf Stand, auf Familie! Geld und Gut adeln nicht allein, und nicht lediglich Herkunft und Stellung verleihen Wert. Adel verleiht nur der eigene Wert, den ihr euch selber erringen müßt und könnt durch ehrliches, eifriges Arbeiten an euch selbst, durch Betätigung von Edelsinn und Liebe als Jude und als Mensch. Aber einen Stolz sollt ihr stets und überall zeigen: den Stolz auf eure Volksabstammuug, den Stolz auf euer Judentum! Ja, seid stolz auf euren jüdischen Glauben! Seid stolz auf den Namen „I u d e"! -Bekennt es stets frei und offen, J-ud e n zu sein. „Jüdische Abstammung" und „jüdische Glaubenszugehörigkeit" sind wohl zwei Begriffe für sich, aber untrennbar. Das eine bedingt unter allen Umständen das andere. Schämt euch nicht eurer Abstammung! Schämt euch nicht eures Väterglaubens! Ihr könnt glaubensstarke und glaubcnsfrohe Juden sein und doch euch als treue, echte Deutsche -bewähren, die mit allen Fasern ihres Herzens, mit jedem Zuge ihrer Seele an ihrem Deutschtum hängen und freudigen Herzens ihm ihr Herzblut opfern. Eure Brüder, die da draußen in der Ferne auf dem Kampfplätze stehen, sie beweisen es und auch die, welche in der Heimat um sie bangen nnd — für sie beten! Mit solcher Gesinnung inr Herzen könnte ihr in dem Kampfe, der auch euch trotz aller Errungenschaften nicht ganz erspart bleiben wird, mit dem größten und vcrbittertsten Gegner die Klinge kreuzen. Solange Neid und Mißgunst, Bosheit und Tücke sich regen, werdet ihr auf der Warte stehen müssen, werdet ihr in heißem Ringen das Gewonnene zu verteidigen haben. Und wenn ihr dann wegen eures Glaubens und eurer Stammeszugehörigkeit angegriffen werdet, wenn man euch durch Andichtung aller Laster nnd Fehler in den Schmutz zu ziehen trachtet, dann tretet mutig auf den Kampfplatz. Tretet den Schändern und Schmähern eurer höchsten Güter kühn und rücksichtslos entgegen. Bleibt keine Antwort schuldig. Ein heiliger Zorn erfasse euch. Und wenn es not tut, gebraucht die schärfsten Waffen, schlaget kräftig drein, einmal, zweimal, bis der boshafte Gegner niedergeschmettert am Boden liegt und für immer verstummt! Hütet euch aber, Schmähung mit Schmähung zu erwidern und Roheit mit Roheit zu vergelten. Und wenn der Feind niedergeworfen ist, dann traget ihm nichts nach. Seid versöhnlich. Bewahrt euch vor Haß, der der Zerstörer jeglicher Regung ist, die der Menschenliebe gilt. Und noch eins: Hütet euch in eurem jugendlichen Sturme und Drange vor dem stetigen „Besserseinwollen" und lasset jedem seine Meinung. Am Ende treffen sich die Meinungen aller in dem Hauptziele, dem der Kampf gilt. Wer aber im Schmutz watet und unehrliche Waffen führt, den treibt von eurer Seite. Er darf nicht euer Weggenosse, euer Mitkämpfer sein. Haltet aber auch nicht alle-Gegner für schlecht, wenn einer etwa nicht ohne Fehler nnd Makel ist. In den Tagen des Friedens aber, der euch beschieden sein wird, meidet alles, diesen zu stören. Seid nie Angreifer, sondern stets Verteidiger! Und >venn ihr vollends herangereift, wenn ihr die alleinigen, selbständigen Träger der höchsten Lebensgüter geworden seid, dann vergesset derer nicht, die sic euch vertrauensvoll überliefert, die für euch gelitten nnd gestritten, gekämpft und gerungen und ihr ganz Sein eingesetzt haben, um euch zu beglücken! Zeigt euch allezeit ihrer wert und würdig! Wehe, wenn ihr versagtet! Der Kampf untre nutzlos gewesen, das Blut wäre zwecklos geflossen. Aber nein, ihr werdet nicht versagen! Ihr werdet den Vätern die Treue halten und nicht fahnenflüchtig werden! Mit kräftigen Händen werdet ihr das Banner cntgegennehmen, mit kräftigen Händen es durch der Welt Getümmel tragen, das Banner, das alle Zeit unsere Väter selbst in beit schwersten Tagen zu „Licht und Freude", zu „Wonne nnd Herrlichkeit" geführt hat! r££SL Der neue Lhrilt. Roman von Peter Ujväri. Uebersetzt von Rosa Trencsüni. (Fortsetzung.) v^^ozu Hütte er mehr sagen sollen, Kollürtz große Erbärmlichkeit Hütten die teilte ohnehin nicht verstanden. Er versteckte sich hinter einem Baume mtb beobachtete von dort aus die Vorgänge bei der Kirche. Er sah, daß Littauer heftig ans Kollar einsprach, und nulßtc auch, wovon die Rede war. Dann kam Pater Luzian dazu, und Littauer sprach auch mit diesem. Pater Luzian stand in hochmütiger Haltung vor ihn: und sagte dann etwas. Er sagte: „Diese Kirche haben wir zum Ruhme Christi erbaut. Ihre Wichtigtuerei ist ganz vergebens. Wegen Ihrer jerusalenüschen Reminiszenzen werden wir die Kreuzanbringung nicht hinausschiebeu." „Aber verstehen Sie doch, hochwürdiger Herr, da sind Fehler geschehen." „Da ist keinerlei Fehler geschehen. Die Kommission hat den Bau untersucht." „Die Kommission hat das Fundament nicht untersucht. Tie Konunission hat nicht die Konstruktion der Kuppel untersucht . . ." Darauf erwiderte Pater Luzian nur so viel: „Wir sind fertig. Ich habe jetzt anderes zu tun, Herr Littauer. Eben kommt Seine Eminenz." Die Feuerwehrleute zogen einen Kordon, die Polizisten hielten die Ordnung aufrecht. Der Selcher zupfte sein Festordnerabzeichen, die Armschleife, zurecht, und der Kürschner