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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-12 · Heft 11 (12.3.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Ergebnis, daß mit zehn gegen sechs Stimmen die Vorstandsvorlage abgelehnt und der Aus schuß an trag, den Ritus der Neuen Synagoge einzusühren, angenommen wurde. Zn den Kosten des jüdischen Religionsunterrichts in der Zemkeschen höheren Mädchenschule in. der Fruchtstraße wurden 133 Mark für Sonderhonorare, an einzelne Mitglieder der Synagogenchöre 740 Mark bewilligt und für Kriegswohlfahrtszlvecke einschließlich des bereits verbrauchten Betrages von rund 118 000 Mark aus dem Kontor Reserven 200 000 Mark zur Verfügung gestellt. Damit schloß die öffentliche Sitzung, der eine geheime folgte. S£2 Berlin, 0. Mürz. Der soeben erschienene 13. Jahresbericht des „Vereins Jüdische Arbeiterkolome in Weißensee" läßt deutlich den Einfluß des Krieges auf -den Betrieb dieses so wichtigen sozialen Instituts erkennen. Während die Frequenztabelle für die Monate Januar bis einschließlich Juli eine Durchschnittsziffer von 75,1 ergibt und in den Zahlen für die einzelnen Monate mit denjenigen der früheren Jahre übereinstinnnt, wobei erfahrungsmüßig die Winterzeit aus naheliegenden Gründen höhere Angaben aufweist als die milde Jahreszeit, finkt die Frequenz während der Kriegsmonate auf durchschnittlich 35,4 herab. 80 Kolonisten sind als Beorderte oder Kriegsfreiwillige dem Rufe zur Fahne gefolgt: sie behaupten sich ehrenvoll in den Kämpfen auf deutscher und österreichischer Seite und bezeugen ihre Anhänglichkeit an die Kolonie durch häufige Nachrichten aus dem Felde. Die Zahl der während des letzten Jahres beschäftigten Russell ist von 98 auf 42 gesunken, die meisten davon kommen natürlich auf die Friedenszeit; immerhin ist anzuerkennen, daß die Behörde das Verweilen einzelner vertrauenswürdiger 'Russen duldet. Obwohl für die Kolonisten günstige Arbeitsgelegenheit vorhanden ist, fehlt es an Zuzug; ein Beweis dafür, daß die Beschäftigungsverhältnisse in freier Arbeit günstiger sind. Die Zahl der Aufgenommenen ist im letzten Jahre von ca. -1000 aus 700 herabgegangen, dennoch ist die Zahl der Verpfleguugstage für vorübergehend Aufgenommene und Erholungsbedürftige von 2904 auf 3412 gewachsen. Seit Bestehen der Kolonie stlld insgesamt 7386 Mann ausgenommen worden. Der durchschnittliche Verpflegungssatz für Manu und Tag ist nur um ein Minimum von 62,1 auf 63 Pfennig gestiegen. Dieses sehr günstige Verhältnis ist dem bisherigen Vorhandensein von Vorräten zu verdanken und wird sich lvührend der folgenden Kriegsteuerung sehr verschlechtern. Sehr ungünstig ist die finanzielle Lage des Vereins: trotz einer größeren einmaligen Zuwendung seitens des verstorbenen Kommerzienrats H. Auerbach aus Berlin in Höhe voll 3000 Mark und der Erhöhung des Jahresbeitrages der Jüdischen Gemeinde zu Berlin von 2000 Mark auf 3000 Mark hat sich wiederum ein Defizit von 3000 Mark ergeben. Der Zeitpunkt, an dem sich der jetzt noch auf j 15 510 Mark belaufende Betriebsfonds aufgezehrt haben wird, ist nahe! bevorstehend, falls sich nicht Wohltäter großen Stils finden, die durch! Zuwendungen und Vermächtnisse die Weiterführung des großen Hilfsi werks ermöglichen. In die leitenden Kollegiell hat der Tod der Herren j Kommerzienrat H. Auerbach und Max Blumenseldt schmerzliche! Lücken gerissen; an die Stellen der Verstorbenen sind die Herren Dr. 1 Arthur Gliksman und Apotheker S. Selig s oh n getreten. Berlin, 9. Mürz. Ter V e r e i n für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 28. v. M. seine diesjährige j ordentliche Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesord-! nung widmete der erste Vorsitzende, Prof. Tr. M. Philippson, dem! Andellkell des im vorigen Jahre verstorbenen Predigers Dr.! M. Lev in, der dem Vorstände des Vereins seit seiner Begründung! allgehörte, einen tiefempfundenen, von der Versammlung stehend an- > gehörten Nachruf, in dem er der vorzüglichen Charaktereigenschaften des Verstorbenen, seiner Literarischen Wirksamkeit wie insbesondere seiner dem Verein geleistete!: trellen Dienste gedachte und seineil Manen ein treues Gedenken über das Grab hinaus gelobte. Sodann erstattete er dell Bericht über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahre und stellte mit Befriedigung fest, daß der Verein trotz der schweren Kriegszeit seine Arbeiten mit bestem Erfolg fortgeführt habe. Nach einem von Herrn Benas Levy gegebenen Bericht über die Einnahme!: und Ausgaben des Vereins im Vergleich zu denen des Vorjahres verlas Herr G. Spiewkowski den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen 11417,82 Mark, die Ausgaben 15 794,42 Mark, der Kassenbestand 6171,80 Mark. Die von ihm namens der Revisionskommission beantragte Entlastung des Schatzmeisters erfolgte einstimmig. In den hierauf vollzogenen Wahlen wurden in besonderen j Mahlgängen Professor Dr. M. Philippson zum ersten, Dozenr Dr. I. Elbogem zum zweiten Vorsitzenden sowie der GesamLvor stand lind die Revisionskommission per Akklamation wieder- und ai _ Stelle des verstorbenen Dr. M. Levin Professor Dr. Ludwig Steil neugewählt. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete dü > Festsetzung des Haushalts.für^. 1915/16 mit 14M. .Dari! und die Bewilligung verschiedener Subventionen. Im Anschluß Hierai > sprach Dr. Rudolf Leszynfky dem Vorsitzenden und dem Schatz! meister für ihre Mühewaltung den Dank der Anwesenden aus! woraus die Generalversammlung von dem Vorsitzenden mit bester j Wünschen für die Zukunft des Vereins geschloffen wurde. > E. S. Berlin, 9. März. Die letzte Atontagsvorlesung hielt au; 22. v. M. Professor D. I. H o r o w i tz über „Alte deutsche Denkei : und die gegenwärtigen Kämpfe für Deutschlands Macht und Ehre" j Daß Deutschlands alte Kultur in geistiger und materieller Beziehung! mächtig voranschreitet, hat nicht das Wohlgefallen, sondern den schnö j den Neid seiner westlichen Nachbarn erregt, welche im Verein mit den j kulturfeindlichen Zarismus die Größe unseres Vaterlandes zu ver! nichten drohen. Dem Volk schreibt man die Herrschaft des Milita! rismus zu, von dem so viele geistige Bewegungen ausgegangen sink j und ausgehen, deren sich die westeuropäischen Völker doch auch er freuen. Einem Locke, Voltaire, Montesquieu reihen sich die Lessing Mendelssohn, Kant, W. v. Humboldt würdig an. Die heute so be wunderten deutschen Kriegstugenden haben ihre tiefere Wurzel n | Kants Ethik. Ihm ist die Tugend kein Wissen, sondern schlechthn! Wollen, sie wendet sich an jedermann, wurzelnd im sittlichen Bewußt j sein. Nicht Zweck (Rücksicht auf Lohn oder Glückseligkeit), sondert! Mittel soll die Tugend sein, gerichtet aus die Hebung der Allgemein j heit. Keine doppelten Wahrheiten! Was in der Theorie richtig ist! muß sich auch in der Praxis bewähren. Zwei Dinge erfüllen der > Menschen mit ehrfurchtsvollem Schauer: der gestirnte Himmel übe: j ihm und das sittliche Gesetz in ihm. Kants kategorischer Jmperatr! wirkte mächtig auf die Geister. Hiervon zeugen uns „Fichtes Redei j an die deutsche Nation", Schillers „Don Kar los", „Der Prinz vor! Homburg" von Kleist, die größeren politischen und sozialen Reformer j in Preußen, deren Träger vornehmlich der Freiherr vom Stein, Har! denberg und Th. v. Schön waren, nicht minder auch die schöpferische! Kriegsmänner: Scharnhorst, Gneisenau, Clausewitz. Die allgemeine Wehrpflicht entstand mit der Idee der gleichen Pflichten aller Bürger Dieser sittliche Idealismus schuf die Freiheitskriege des deutscher Volkes 1813 bis 1815. Die sittlichen! Ideen Kants schließen Absolutis mns und Knechtssinn aus. Leider ist die heutige Wissenschaft über zivilisiert, aber in der sittlichen Kultur zurückgeblieben, sonst war ein solch entsetzlicher Krieg wie der jetzige gar nicht möglich. Dar unser Volk durch Tapferkeit und beispiellose Aufopferung sich aus zeichnet, läßt Großes hoffen. Darum kein fauler Friede, welcher nu der geheime Vorbehalt zu einem neuen Krieg sein würde, sondern ei: ehrenvoller Friede zum Wöhle Deutschlands und zum Segen für di Menschheit. Den tief durchdachten, von hohem Idealismus erfüllte i Worten des greisen Redners folgte mächtiger Beifall der zahlreiche-. Zuhörer. L2 Berlin, 9. Atärz. Aus dem von deutschen Truppen besetzte Gebiet geht uns aus Mlawa (Russtsch'-Polen) die Mitteilung zu, da; in Mlawa und Umgebung infolge der Not und der KMe sehr die!? Krankheiten herrschen, so daß auf Veranlassung der Militärverwa - tnng darauf gedrungen wird, ein jüdisches Lazarett einzi richten. Zur Ausstattung des Lazaretts sind ganz besonders Bet: und Leibwäsche, neue wie gebrauchte, aber gewaschen, dringend nöti». Wir bitten alle unsere Leser, bei sich selbst und in ihrem Bekannte! kreise entbehrliche Wäschestücke, sowohl für Erwachsene als auch skr Kinder, zu sammeln und sie an das Bureau der Chewra Kabisch Berlin C 2, Spandauer Straße 31, mit der Bezeichnung „Für du:- jüdische Lazarett in Mlawa", und zwar möglichst durch die Pake - fahrtgesellschast oder durch die Post zu senden. Trotz der täglich g brachten Opfer seitens unserer Glaubensgenossen sind wir überzeug , daß sie auch hier den armen Kranken hilfreich zur Seite stehen Werden- Rabbiner Dr. E. Finkel. Dr. Arthur Kahn. 2XD Berlin, 9. März. Bon der Zionistischen Vereinigung, e halten wir mit der Bitte um Veröffentlichung folgenden Au fr ul zugunsten einer Pessachspende für unsere So! daten: Ermutigt durch den Erfolg unseres Ausrufs zugunsten dn' Chanutaspende für unsere an beiden Fronten kämpfenden Soldateu,

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