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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-12 · Heft 11 (12.3.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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79. Jahrgang Nr. 11 Berlin, 12. März 1915 Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Teilung deS Judentums. SarrelponLen?en untt Mchrichtm. LeutlchlsnL. Y. Berlin, 7. März. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung wurde von dem Vorsitzenden Direktor Tr. Minden uit einigen geschäftlichen! Mitteilungen eröffnet. Die verstorbenen Ehecutc Leiser Louis V ry und Doris Bry geb. Rosenthal haben für das Reichenheimsche Waisenhaus 1000 Aiark und für die Altersversorzungsanstalt zur Errichtung einer Louis-und-Doris-Bry-Stistung 12 000 Mark letztwillig bestimmt. Ter Annahme dieser Zuwendungen timmte die Versammlung zu, desgleichen der Annahme der Zuwendungen des verstorbenen Rentiers Moritz Lin den he im im Ge-! amtbetrage von 5008 Atark. — Ter Versammlung liegt eine Vorlage i wr, in lvelcher über die Erneuerung der Plätze in den Synagogen i iud Betlokalen neue' Bestimmungen getroffen werden. Danach sollen! u Zukunft für die Neue Synagoge sowie für die Synagogen Lützowtraße und Fasänenstraße Freikarten für Unbemittelte überhaupt nicht uehr ausgegdben werden, in den anderen Synagogen und Betlokalen verdeil vor der Plätzevermietnng die unentgeltlich zu vergebenden Plätze vorher festgelegt. Ferner wird bestimmt, daß die Gesuche um j Freikarten schriftlich und spätestens 14 Tage vor dem Neujahrsfest z mzubringen sind. Eine lieberlassung von Plätzen zu ermäßigten Kreisen soll nickst mehr ftattfinden. Für Betlokale werden Borneldungen nicht mehr angenommen. Der Umtausch der vorjährigen, tarten bleibt allerdings hierdurch unberührt. Schließlich soll den» enigen Atitgliedern, von denen Anträge bereits aus früheren Jahren 'orliegen, Mitteilung genracht werden, daß ihre Anmeldung bis zu.m . April d. I. zu erneuern ist. Die Versammlung stimmte all diesen ruen Bestimmungen zu. Zugleich wurde eine Abänderung der Plätzearise für die Alte Synagoge und die Synagogen Kaiserstraße, Lindenlrahe, Rykestraße und Levetzolvstraße angenommen und dem vor-! legenden Tarif für die neue Synagoge Kottbuser User die Zustimmung! rteilt. — Es folgte dann eine Reihe von Bewilligungen: der Jsraelitil)en Vereinigung Kartshorst wird für 1914 eine Subvention von! 085 Mark, der Jüdischen Vereinigung Teurpelhos-Aiariendorf zu den! osten des Festgottesdienstes 580 Mark und für den Religionsunterj 'cht die Subvention von 500 Atark auf 600 Mark erhöht. Dem | Ylragogenverein Ahawas S'cholaum werden 160 Mark, dem Israeli-! schen Religionsverein in der Oranienburger Vorstadt zur Erhöhung! er Lehrergehälter 260 Mark, der Religionsgenossenschast Agudath chim in Pankow eine Extrabeihilfe von 450 Mark beunlligt, der Orts- : rnppe Berlin des Jüdischen Frauenbundes werden zur Unterhaltung - wes Atädchenklubs 600 Atark bewilligt. Ebenso werdender Für-! rgekommission zur Bestreitung der Mehrausgaben 1914/1915 - V0 Mark nachbewilligt. — Die deutsche Heeresverwaltung hat.ctaif j -rund von Verhandlungen, die in der Hauptsache vom Ausschuß des! erbandes der deutschen Ju-den geführt wurden, genehmigt, daß bol der deutschen Armee ein Rabbiner als Feldgeistlicher tätig ist. Die osten find freilich von den Gemeinden auszubringen. Die Verteilung t Kosten erfolgt nach der Seelenzahl der Gemeinde. Dementrechend bewilligte die Versammlung einen einmaligen Betrag von '43,22 Mark und einen lausenden Betrag von 1121,61 Mark monatlich ' r die Dauer des Krieges. — Die Vorlage betressend Bewilligung c-ner Ausgabe zur Berichtigung und Ergänzung der Partituren für j * e Orgelsynagogen rief eine längere Debatte hervor, da die nrj ' rüngliche geforderte Summe von 1000 Mark nur ln Höhe von! 0 Mark bewilligt worden ist. Es wurde insbesondere darauf hin-! s wiesen, daß durch die Inanspruchnahme der Kantoren ein wesent-! l her Teil der Arbeit ohne Bezahlung geleistet werden könne. Die > > erfammlung stimmte der Vorlage des Vorstandes zu und bewilligte! l u Betrag von 500 Mark. Ebenso stimmte die Versammlung dem! ' orstandsantrage zu, der Synagogengemeinde Danzig für das ihr! - zahlte Ebensteinsche Vermächtnis von 6000 Mark noch die Hälfte d r Zinsen vom 5. Juki 1912 bis 11. August 1914 vergleichsweise zu! - hlen. —Für die rituelle Beköstigung der israelitischen Strafgefangenen i - Brandenburg a. H. werden 150 Mark und der gleiche Betrag zur ' Wellen Verpflegung der jüdischen Marinefoldaten in Kiel während der Osterfeiertage. Die Abrechnung über den Neubau der Synagoge Levetzolvstraße erfordert insofern einen Nachtrag, als für die Kosten sich ein Mehraufwand in Höhe von rund 6750 Mark herausstellte. Dadurch ist die in der Hauptrechnung nachgewiesene Ersparnis aus den Betrag von rund 12 975 Mark herabgegangen. Die Versammlung nimmt von der Abrechnung Kenntnis und erteilt die beantragte Entlastung. — Für die Errichtung einer Religionsschule konservativen Charakters in Charlottenburg als Ersatz für die anfzulösende Religionsschule des Israelitischen Rellgionsvereins in der Bismarckstraße wird für das Jahr 1915/16 ein Betrag von 3315 Mark bewilligt. — Dell weitaus größten Teil der Sitzung füllte die Beratung und die Beschlußfassung über den Ritus der Synagoge Kottbuser Ufer ans. Namens des Ausschusses referierte Herr Willibald Loewenthat: in anssi'chrlicher Weise. Er gab einen historischen Abriß des Werdegängedieser Synagoge, deren Entstehung der Initiative der sestgottesdienstlichen Kommission beizumessen ist. Er wies aus den Wahlzissernnach, daß in dem Kreise, der für die Synagoge in Betracht kommt, sich mehr liberale Juden als solche konservativen Charakters befinden. Ter Ausschuß sei daher zu dein Entschluß gelangt, unter Ablehnung des Antrages des Gemeindevorstandes zu beschließen, in der Synagoge Kottbuser llfer den Ritus der Neuen Synagoge mit Orgel einzusühren. Die Orthodoxen seien in jener Gegend nur spärlich vertreten und könnten nicht in Betracht kommen, zumal sie ihre eigene Vereinigung im Neuköllner Bezirk hätten. In der dortigen Gegend sei die liberale Majorität ganz zweifellos und diese Majorität müsse berücksichtigt werden. Man würde es als eine Vergewaltigung empfinden, wenn ihnen nur Gelegenheit gegeben würde, einem Gottesdienste beizu wohnen, der ihrer religiösen Auffassung nicht entspreche. Ter Referent gibt eine Darstellung der Gruppierung Liberaler und Konservativer in jenem Bezirk und kommt zu den: Ergebnis, die Annahme des Ausschutzantrages zu empfehlen. Ter Korreferent, Herr Justizrat Tr. Cohn, geht auf die Versicherung des Vorredners ein, daß man stets bereit sei, die Wünsche und Bedürfnisse der Konservativen, wo sie begründet sind, zu berücksichtigen. Er verweist darauf, daß in der dortigen Gegend überall liberale Synagogen bestehen und man in der Oeffentlichkeck nicht wird glauben wollen, daß der Rede von dem Entgegenkommen gegenüber den Konservativen auch die Tat folgt. Von einer Vergewaltigung der Liberalen könne keine Rede sein, da diesen das Gotteshaus in der Lindenstraße mit liberalem Ritus nach wie vor zur Verfügung steht. Er verweist schließlich auf die vom Genwindevorstand vorgenommenen Erhebungen und die Gutachten der Rabbiner, von denen sich nicht ein einziger gegendie Einführung des Ritus der Synagoge Kaiserstraße, wie es der Vorstand beantragt, ausgesprochen hat. Vorn Vorstaudstisch tritt Herr Sa-nitätsrat Dr. Feil ch e n s e l d für die Vorstandsvorlage ein. Der Gemeinde- Vorstand habe es von jeher für seine Pflicht gehaltein über den Parteien zu stehen und sich als Vertreter der Gesamtheit zu betrachten. Man habe sich unterrichtet durch Befragung beider Parteien. Ergibt statistische Daten über die Anzahl der vorhandenen Synagogenplätze in den Orgelsynagogen einerseits und den orgelfreien Synagogen anderseits, etwa 4000 gegenüber 10 000, und gelangt zu dem Schlüsse, daß die konservative-n Elemente, die in der Gegend des Kottbuser Users in der Mehrzahl sind, den Anspruch auf Berücksichtigung hätten. Man habe int übrigen die Synagoge so eingerichtet, daß, falls sich ein anderer Ritus als notwendig erweisen sollte, sich die Einbauung der Orgel ohne weiteres ermöglichenlasse. Einstweilen beharre der Vorstand ans seinem Standpunkt. An der weiteren Debatte beteiligten sich die Herren L e w i n s k y , Kommerzienrat Simon, die sich für die Einführung des Ritus der Synagoge Kaiserstraße einfetzten, ferner die Herren Willibald L o e w e n t h a l., Professor B l a sch k e, Professor T ü r ck, Professor Kali scher, die für die Einführung des Ritus der Neuen Synagoge sprachen, und schließlich noch die Herren Löwenberg und Justizrat Lilienthal, die sich beide im Sinne der ersten Redner aussprachen und die Ausführungen der Vorredner zu widerlegen suchten. Die darauf folgende namentliche Abstimmung hatte das

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