Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 tuenden lvir uns zürn zweitenmal mit einem Aufruf au, die deutsche Jn-denheit. Wir beabsichtigen, zürn bevorstehenden Pess-achfest wiederum all 2000 jüdische Soldaten, unter denen sich 500 bedürftige befinden, die keine Angehörigen in der Heimat haben, ein Angebinde zu senden, und Zwar in Form zweier echter, rechter Pessachbücher, der herkömmlichen Hagadah in hebräischer Sprache mit deutscher Uebersetzung, und des schönen Werkes „Chad Gadjah", das Pessachbuch, das eine Fülle vor: Skizzen, Betrachtungen und Erzählungen, die sämtlich auf das Fest Bezug haben, enthält. Besondere Abmachungen ermöglichen es uns, jede Sendung für den Preis von 2 Mark zu bewirken. Wir richten daher an die deutschen Juden die Aufforderung, uns für die Pessachspende Beiträge zukommen zu lassen. Da der erste Sederabend auf Montag, den 29. d. M., fällt, müssen, die Bücher bereits tit einigen Tagen verschickt werden. Daher bitten wir, Spenden unverzüglich an den Vorsitzenden des Komitees, Herrn Max W o l l st e i n e r, Charlottenburg, Roscherstraße 5, Postscheckkonto Berlin Nr. 3847 zil senden. Adressen bedürftiger jüdischer Soldaten werden bei den: Vorsitzenden des Komitees stets gern entgegengenommen. F. 5. März. Am 28. v. M. (Purim) beging Herr Caspar Danziger in erfreulicher geistiger und körperlicher Frische und Rüstigkeit seinen achtzigsten Geburtstag. Als langjähriger Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde er freut sich Herr Danziger nach jeder Richtung hin allgemeiner Hochschätzung und Sympathie, die in den ihm nun zugegangenen zahlreichen Glückwtmschtelegrammen sowie in den vielen Ehrungen, die ihm zuteil wurden, so recht zum Ausdruck kamen. Eine Abordnung des Vorstandes und der Repräsentanten begab sich in die Wohnung des Herrn Danziger und überreichte unter Darbringung der Glückwünsche ein prachtvolles Blumenarrangement. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange Jahre in ungeminderter Kraft zum Wohle unserer Gemeinde zu wirken. Breslau, 5. Mürz. Die Repräsentant e nv e r s a m m - l il n g bewilligte in ihrer letzten unter Vorsitz des Oberlehrers Professor Dr. Wohlan er stattgehabten Sitzung der Synagogengenleinde Lölvenberg in Schlesien eine eiiunalige Beihilfe von 200 Mark für die Erweiterung des dortigen Friedhofs. Dann genehmigte inan zu den Kosten für die jüdische Feldseelsorge, und zwar zu den einmaligen Ausrüstungskvsten einen Betrag von 323,82 Mark und zu den Feldzulagen einen Betrag voll monatlich 161,91 Mark. In dem Anträge des Vorstandes heißt es unter anderem, daß zurzeit zehn jüdische Feldprediger sllngieren, und daß der obige Betrag tut Umlageverfahren auf die hiesige Gemeinde entfalle. Weiterhin gab man seine Zustimmung zur Verstärkung der Mittel, die zu einmaligen Unterstützungen dienen sollen, für die Zeit bis zum 30. September d. I., um zusammen 6600 Mart. Seit Kriegsbeginu sind an solchen Unterstützungen bisher 8438 Mark in 684 Unterstützungssällen gezahlt worden. Angehörige von Kriegsteilnehmern betrafen davon 305 und andere Personen, 379 Fälle. Auf Antrag des Justizrats Hirschberg sagte der Vorstand zu, daß diese Unterstützungen nicht als Armenunterstützungen angesehen werden sollen, damit den Unterstützten nicht das Gemeindewahlrecht genomineu loerde. Zu der in. Vorbereitung befindlichen „Neuregelung der Beanttengehälter" gab der Vorsitzende des Vorstandes, Relltier Eduard Sachs, die Erklärung ab, daß, so lange der Krieg dauere, meut über diese Neuregelung llicht beschließen lverde. Hierauf erörterte man in erster und zweiter Lesung eine Reihe von Satzungsäuderungell zu den Positionen: Getneindebeitragspflichtel^ und Wahlen Zilr Reprüsentantenversammlung. In geheimer Sitzung lvurde noch über eine Ehrenstiftung Beschluß gefaßt. 22 Hamburg, 5. März. In der V e r e i n i g u u g s i'r r das llberale Judentum in Deutschland fand die vierte Veranstaltung zum Besten der Kriegshilse statt. Der loeiße Saat des Curio- Hauses war dicht gefüllt. Der erste Teil des Programms bestand alls mtrsikälischen Darbtetungen, die Chöre standen unter Leitiurg des Ober, kantors M. Henke. Herr Emanuel Stockhausen rezitierte die Psalmen 124 und 3 und trug dann einige Dichtungen vor, die tiefen Eindruck hinterließen. Herr Arthur G o l d st a u b hielt einen Vortrag .„Der Krieg und das Kind". Der Redner führte aus, daß die schwere.Last der Zeit auch auf das Empfinden des Kindes nicht ohne Etnflutz bleibe. In mancher Kinderstube, namentlich wo die Väter lind Brüder im Felde stehm/scheint der Frohsinn geschwmden. Diese Einflüsse dürfen aber keine schädigenden sein, die Mutter imd -auch die Lehrer müssen hier ausgleichend wirken. Jrnuner muß den Kindern! aus alle Fraget: geantwortet werden, daß der Krieg ma* den Endzweck habe, unserem Vaterland einen dauernden, ehrenvollen Frieden zil schaffen. Redner trat zum Schluß seiner Ausführungen dafür ein, daß gerade jetzt, wo eine Einschränkung der Lebensweise geboten sei, mit verstärkten Kräften für die Kinderfürsorge gearbeitet lverde, damit die Kinder des Volkes vor allen Entbehrungen geschützt feiere und ein starkes, kräftiges Geschlecht heranwachse, welches die Segnungen, die aus diesem Kriege schließlich hervorgehen werden, auch genießen könne. M. L. Lübbecke, 7. März. Vor kurzem starb das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Herr Moses Rosenberg, im vollendeten 90. Lebensjahre. Der Verblichene, ein mit religiöser und weltlicher Bildung ausgestatteter Mann, förderte ehedem in seiner zwanzig- | jährigen Zugehörigkeit als Mitglied der Handelskammer Minden- > Lübbecke die Interessen des Kreises Lübbecke, gehörte viele Jahre dein j hiesigen Stadtverordnetenkollegiuut an und war mehrere Jahre Vor- - sitzender des Repräsentantenkollogiunts unserer jüdischen Gemeinde.! Tie große Beteiligung seitens der Bürgerschaft an seinem Leichen- I begänanis entsprach der Hochachtung und Wertschätzung, der sich der j Heimgegangene in hiesiger Stadt und Gemeinde zu erfreuen hatte.! ^2 Cassel, 5. März. Da die israelitischen Hausväter und Schul-! kmder vermöge ihrer überwiegend nicht landwirtschaftlichen Erwerbsi tätigkeit an den Ernte- und Witterungsverhältnissen nicht interessiert sind, hat auf Anregung israelitischer Kreise die Königliche Negierung zu Cassel unter Beteiligung der Vorsteherämter der Israeliten und mit Genehmigung des Oberpräsidenten eine besondere Ferienordnung für die ihr unterstellten israelitischen Volksschulen erlassen. Diese ' enthält einige Abweichungen von der allgemeinen Ferienordnung, in-; dem sie nicht nur die jüdischen Feier-, Halbfeier- und Festtage weitesti gehend berücksichtigt, sondern auch die Sommer- und Herbstferien von vornherein einheitlich festlegt, so daß sich die bei beit meisten übrigen Schulen den Landräten im Benehmen mit den Kreisschulinspektoren vorbehaltene Festsetzung dieser Ferien erübrigt. Sennheim (Oberelsaß), 5. März. Infolge der vor zwei Vlo-! naten befohlenen Räumung unseres Ortes hat auch die israelitische; Gemeinde zu bestehen anfgehört. Die Gemein dem itglieder haben sich - nach allen Richtungen zerstreut; die meisten suchten in der Schweiz : Zuflucht. Der 80jährige Rabbiner H. S. Bamberger wollte bis : aufs äußerste ansharren. Bor eitrigen Woche:: tnutzte er jedoch niirten : im Kugelregen iit einem Wagen geho'lt lverden, den der Rabbiner des benachbarten Boll weiter, Tr. I. Weil, schickte, uttt den wegen seiner tiefen Frömmigkeit und bewundernswerten Thoragelehrfautkeit der»! ehrten Rabbiner in Sicherheit zu bringet:. Bald daraus eilte dessen z Fatnilie herbei, utn ihn bei sich aufzunehmen. Jetzt ist auch die! Synagoge verschwunden; sie ist vorige Woche samt ihren 14 Thora-! rollen verbrannt.! Amerika. Z. New Aork, inr Februar. Das Haus der Nepräsetltanten hat das E i n w a n d e r iti n >g s g e s e tz (Jitrnrigration-Bill) mit 252 gegen 126 Stimmen und der Senat mit 50 gegen 7 Stimmen angenommen. Dieses Resultat ist ein Erfolg der Gegner der jüdischen Einwanderung. Präsident Wilson hat bekanntlich sein Veto eingelegt, und diese Bill i tritt nun nur dann in Gesetzeskraft, wenn bei einer neuerlichen stimmung eine Zweidrittelmajorität erreicht wird. Präsident Wilson führt als Grund der Ablehnung des Gesetzes hauptsächlich das Motiv an, daß das Verbot von Einwanderung politischer Verbrecher nicht den bisherigen Prinzipien der Vereinigten Staaten entspräche, die bisher darauf sto'lz waren, eine Zuflucht für alle um ihrer lieberzeugung unb der Freiheit willen Verfolgten zu sein. Auch gegen den Bitdun gszensus habe er einzuwenden, daß angeborene Intelligenz llud Ehrlichkeit -oft wichtigere Qualitäten als Schttlbildung bedeutet:. Da dieses Gesetz den demokratischen Prinzipiet:, auf welche die Vüajorität des Hauses gewühlt wurde, widerspräche, so glaube er voraussetzen zu dürfen, daß dieses Gesetz nicht dem Willen der Mehrzahl der Wähler entspräche. Dieser Vorgang hat für das Judentum das größte Interesse. Es ist klar, daß in Rußland nach dem Kriege für die Juden Zustände eintreten werden, die eine offene Tür nachr Amerika für wünschenswert darstellen werden. Zudem bieten sich den russischen Juden hnnderttausende gastfreundliche Türen ihrer früher emigrierten Freunde und Verwandten, bei denen sie sofort Heim und Existenz finden könnten. Auch -andere Einwanderungsländer wie Ungarn, England und Frankreich würden durch die Verstopfung des amerikw