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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-12 · Heft 11 (12.3.1915) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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, -— 482 . unter ihnen hatten Pantoffeln an den Füßen und viele hatten! bloß die Strümpfe ait. Heute durfte mau keine Schuhe' anziehen. „Es soll no' Leman -Haschem kein Ehilel Haschem nischt! wern/") seufzte Bernhard Troger. „De Ajbester wet schojn alles zu giten wenden." Sie waren unruhig und aufgeregt. Sie hatten davon gehört, daß man unter dem Volke böse Nachrichten verbreitet hatte. Aengstigen mußte man sich vielleicht nicht, denn Rebbe Reb -Herschele würde schon das Seinige tun. Aber dennoch konnten sie in tiefstem Herzensgründe das Beben nicht unterdrücken. Sie freuten sich sehr, als sie sahen, daß Littauer vom Wagen stieg und Samuel Spitz vom Bock herunterkletterte. Samuel mochte sich dort sehr schlecht befunden haben, denn als j sein Fuß den Boden berührte, nahm er sofort Reißaus. Ver- \ gebens schrie ihm Littauer nach, er kehrte nicht um. Bis hierher! hatte er Littauer begleitet, weit er um ihn besorgt war. Aber! hier bleiben würde er nicht um alle Schätze der Welt. „Samuel! Samuel!" riefen ihn die Juden. Sanniel blieb stehen. Er dachte nach: soll er zu ihnen gehen oder nicht? Tann ging er doch hin. Er wurde von allen! Seiten mit Fragen bestürmt, aber er gab mir answeichende Antuwrten. „Also fastet er wirklich?" fragten sie. i Wie soll er das wissen. Er weiß gar nichts. Er weiß nur, i daß Littauer ein braver Mann ist unb ein so gutes, jüdisches | Herz hat, wie cS der Rabbi besitzt.! „Wird es sein oder nicht?" fragte Buchsbaum. „Bielleicht ja, vielleicht nicht." (Fortsetzung folgt.)! Literarische Mitteilungen. K r i e g s a b e n t e n e r a u s alt e r Z e i t. Kriegsgeschichten,; herausgegeben und eingeleitet von Kurt Pinthus. Mit 17 Bildbei- : gaben. München, bei Georg Müller, 1915. Ein interessanter Versuch, einzelne Novellen und Skizzen aus der i belletristischen Literatur vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, richtiger! vom Dreißigjährigen Krieg bis zu den Napvleonischen Kriegen, zu- - sanunenzustellen. Tie meisten dieser Novellen dürften dem Publikum , unbekannt? sein, allgemein bekannt dagegen vielleicht nur die kleine! Anekdote von Heinrich v. Kleist ans dein Jahre 1806. Als Perle der! wirklichen Kriegsliteratur kann Bleibtrens Skizze „Bei Jena" erwähnt werden. Das ist wirkliche Kriegsgeschichte, alle übrigen dagegen sind Novellen, bei denen der Krieg zwar auch eine Nolle, aber > nicht die Hauptrolle spielt. Ich möchte glauben, daß bei fleißigerem Nachspüren in unserer Literatur charakteristischere Proben hätten gesunden werden können, zum Beispiel bei Benutzung von den Werken der Ricarda Huch, Konrad Ferd. Mehers, Rellstabs u. a., doch wollen wir uns der Gabe, so wie sie uns hier geboten ist, immerhin freuen, zumal sie manches Wichtige und einzelnes Amüsante bringt und da der Band übrigens mit sehr hübschen Bildern geziert ist. Für unsere! Leser dürfte Levin Schückings „In den Kasematten Magdeburgs" be-! svnderes Interesse haben, eine Erzählung, in der von der merkwürdigere Persönlichkeit des Freiherrn von der Tr-euck die Rede ist, eine Geschichte, die aber unsere besondere Aufmerksamkeit beansprucht, weil hier ein Judenmädchen Esther eingehend geschildert wird, die Geliebte eines gefangenen österreichischen Leutnants Frohn, der die österreichischen Gefangenen aus dern Kerker befreit, bei der Gelegenheit auch Esthers Vater die Freiheit verschafft, aber das Unglück hat, bei einem den Feinden geltenden Schüsse das geliebte Mädchen zu töten. Die Geschichte, die freilich im großen und ganzen höchst unwahrscheinlich ist, wenn sie vielleicht auch in einigen Einzelheiten auf treuem historischen Material beruht, wird geschickt erzählt und das jüdische Mädchen sehr sympathisch behandelt. Schon wegen dieser einen Geschichte sei das Buch, das wegen seiner Ausstattung alles Lob verdient, unseren Lesern dringend empfohlen. L. G. I Nur Gottes Name soll nicht beleidigt werden es soll kein Skandal daraus entstehen. Sprechssal. Zur Frag« des G e m e i n dege s a n g c s. Nachdem durch den Feldbrief des -Herrn Rabbiners Tr. Chvne, Kvnstemz, neuerdings die Frage des Gemeindegesanges, welche die Kantorenschaft schon lange in vielen Schriften und Werken be. schnftigt hat. wieder in Fluß gebracht wurde, teilt der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes (E. 33.) der jüdischen Leffentlichkeit mit, daß eine gemischte Kommission in der Bildung begriffen ist, der die Aufgabe zufallen soll, die Frage des Gemeindegesanges eingehend zu Prüfen und Richtlinien für die Erreichung praktischer Ziele aufzustellen. Ter Ausschuß des A. D. K. V. wird sodann mit den in Betracht kommenden Organisationen zur Verwirklichung der gewünschten Bestrebungen in Verbindung treten und hofst, die tätige Anteilnahine der Gemeinden an dem Gottesdienst damit fordern zu helfen. Lücherrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die Klmst der Rebe. Bon Friedrich Naumann. Berliu 1914, Vertag voll Georg Reimer. Die neue Synagoge Essen (Ruhr). Voll Edmund Körner. Mit Text voll Richard Klapheck. 13. Sml-derhest d. „Arch. d. XX. Jahrhnnderts". Verlegt bei Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W 8. Lebellsbeschreibmlg der Witwe des Obrist Florian Engel. — Bon ihr selbst beschrieben und von einem ihrer älteren Verwandten revidiert und mit Anmerkungen begleitet. Neu heran.sgegeben von Tr. Phil. S. D. Steinberg. 1914. Verlag von Rascher u. (5o. >in Zürich. Das Recht des Kindes? Von Marie Vaörting. Im Lenienverlag Zil Leipzig. 1914. Kviegsschriften dos Kaiser-Wilhet.nl-D.allk, Verein der Soldaten» freunde. Heft 17: Deutschland, ..die Türkei und der Heilige Krieg, Von Dr. Eugen Mittwoch, Universitätsprosessor luld Dozellt mn Seminar für orientalische Sprachen in Berlin. Verlag Kameradschaft, Wohlfahrtsges. m. b. H., Berlill W 35. Jonas Kreppet, Der Weltkrieg uitb die Juden frage. Wien 1915. Vertag: Red. „Ter Tag", Krakau-Wien. Druckrrnd Verlagsallstatt „Melantrich", Wien IX. Pramergasse 6. Geschichte der Juden. Von Dr. H. Kottek s. A. Frankfurt a. M., Verlag der Jüdischi-Literarischeil Gesellschaft 1915. Grundlagell der Mischna. Von Oberrabiner M. Lerner (Altona). Scilderabdruck aus „Festschrift zmn 70. Geburtstage D. Hofsmanns". Berlill 1914. Die. Psalmen Israels, nach dem Versmaß der Urschrift verdeutscht voll Nud. Kittel, Professor in Leipzig. Leipzig 1915, A. Deichertschc Verlagsbllchhandlli ll g Werner Scholl. Deutschland vor den Toren der Welt. Von Friedrich Stieve. Delphin-Verlag, Müllchell. Ein Volk in Waffen. Von Sven Hodin. Leipzig, F. A. Brockhaus, 1915. Preis 1 Mark. Feldgrau. Erste Kriegserlebnisse in Frankreich von Martin Lang. 3. Auflage, 11. bis 15. Tausend. R. Thienemanns Verlag, Stuttgart. Die Großmeister des Berliner Humors in älter und neuer Zeit. Herallsgegeben von Tr. Adolf Kohllt. Berlin 1916, A. Hoffmann u. Eo. Die Sozialdemokratie nach dem Kriege. Voll Erwin Belger. Berlin SW 11, Eoncordia, Deutsche Berlagsanstalt G. m. b. H., 1915. Preis 60 Pfennig. Englische Politik rnld englischer Voltsgeist. Von Dr. A. Proksch, Geh. Reg.-Rat. Berlin SW 11, Eoncordia, Deutsche Verlagsanstatt G. m. b. H., 1915. Preis 50 Pfennig. Kaiser Wilhelm II. als Deutscher. Von Tr. Halls Zimmer. Eoncordia, Deutsche Verlagsanstalt G. m. b. H., Berlin SW 11. Zloi siche ll Aisne und Argonnen. Eilldrücke lind Erteblusse an der Schlachtfront von Erich Köhrer. Berlill SW 11, Eoncordia, Deutsche Berlagsanstalt G. m. b. H., 1915. Herrnann Bahr, Kriegssogen. 1915. Delphin-Verlag, Müllchell. Briefkasten der Nrdsktion. Den Eillsendern der ferneren Bemerkungen über Mazzot und Weizen diene hiermit zur Nachricht, daß die Diskussion über diesen Gegenstand für uns beendet ist.

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