Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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128 um rasche und ausgiebige Hilfe für die armen Flüchtlinge. Hoffe zuversichtlich, daß die geehrte Allianz ihre fo oft schon bewährte Humanität in den Dienst dieser ans humanitären Gründen eingeleiteten patriotischen Aktion stellen wird." Nicht lange darauf traf auch ein telegraphischer Hilferuf des Bürgermeisters der Jsraelitengemeinde Nikolsburg ein, wo die ersten Scharen der Flüchtlinge einstweilen in einer Notbaracke untergebracht wurden. In einer Besprechung, welche mit Sr. Exzellenz dem Statthalter in Brünn stattgefunden, übernahm es die Allianz für die in Nikolsburg unterzubringenden Familien Decken, Strohsäcke, Polster, Eßgeschirr usw. herzustcllen. Diese Anschaffungen, welche den dringendsten Bedürfnissen der unglücklichen, damals zum Teile obdachlosen Flüchtlinge zu entsprechen berufen waren und späterhin zur Einrichtung der Baracken verwendet wurden, waren mit einem sehr großen Kostenaufwandc verbunden. Als sodann in Pohrlitz und in Gaha für noch viele Tausende jüdischer Flüchtlinge Baracken gebaut werden mußten und die Gesamtzahl der Flüchtlinge in Wien selbst und den andern westösterreichischen Städten nach Hunderttausenden berechnet wurde, konnte sich der Berein nicht verhehlen, daß mit den sehr beschränkten zu Gebote stehenden Mitteln hier nicht geholfen werden könne. Es gelang, die von den hochherzigsten Intentionen geleitete Regierung zu bewegen, ihr humanitäres Hilfswerk nach der Richtung auszudehnen, daß die Einrichtung der in der Folge erbauten Baracken aus staatlichen Mitteln geliefert, ebenso Kleider, Wäsche und Schuhe für die unglücklichen Flüchtlinge für Rechnung der Regierung beigestellt wurden. Die Israelitische Allianz steht nach wie vor mit den in Mähren befindlichen Hilfskomitees in engem Kontakte, und in den häufigen gemeinsamen Besprechungen werden die Wünsche und Beschwerden geprüft und eingehend beraten, um sodann den maßgebenden Behörden, mit denen die Allianz in steter Fühlung steht, vorgelegt zu werden. Es kann mit Genugtuung konstatiert werden, daß der Fürsprache des Vereins in den nächtigsten Fragen der namentlich in Mähren geführten Fürsvrgeaktiou ein gut Teil an der Vervollkommnung des Hilfswerkes und an der Verbesserung der Lage der in den drei erlvähntcn hauptsächlichen Konzentrationslagern allein etwa 28 000 Personen zählenden unglücklichen Flüchtlinge zukommt. Der Verein konnte nnninehr die ihm durch Spenden zngegangenen Mittel zur Förderung zahlreicher Wohlfahrtseinrichtungen verwenden, die zur Erleichterung der Existenz der großen Massen der Flüchtlinge in Wien und auswärts geschaffen wurden. Verschiedenen Volksküchen und Ausspeismigsstellen in Wien wurden monatlich Subventionen bewilligt, um ihnen eine sehr billige Mittagskostverabreichung an viele Tausende von Flüchtlingen zu ermöglichen. Ebenso wurden die mit der Z e n t r a l st e l l e der Flüchtlingsfürsorge! in Verbindung stehenden, teils von dort direkt geleiteten, teils , durch Frau Anita Müller hervorgerufenen Institutionen, j T e e st u b e n, W ö ch n c r i n n e n h c i in usw., durch größere ] Subventionen gefördert. Für etwa 700 Schüler der in Wien all Iioe eröffneten polnischen Gymnasien und für zahlreiche Schülerinnen verschiedener Kurse für Mädchen wurde von der Allianz das Schulgeld gezahlt und teilweise wurden überdies S ch u l b ü ch e r zur Verfügung gestellt. Für die Zahlung von Taxen für galizische U n i v e r s i t ä t s h v r e r wurde dem Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender eine größere Summe zugewiesen. Um den durch die Flucht vor der russischen Invasion am härtesten getroffenen : Familien aus dem Mittelstände in besonders berücksichtigensj werten Fällen eine entsprechende, über die staatliche Unter-! stützung hinausgehende Hilfe zu gewähren, lvurden dem Leiter der Zentralstelle, Herrn Geheimrat Dr. Schwarz Hiller, namhafte monatliche Beträge zur Verfügung gestellt. Den zahlreichen in Wien weilenden Rabbinern und Rabbinatsj assessvren aus Galizien wurden monatliche Zuschüsse direkt vom j Verein bewilligt. Den Hilfskomitees in Pohrlitz und in Gaha,! sowie in Ung. Hradisch, wurden zu dringenden Anschaffungen bedeutende Subventionen gewährt. Ueberdies wurden von der! Allianz im Dezember v. I. als Chanukaspende für die drei Barackenlager je 3000 Päckchen Tabak, je 50 000 Zigarettenhülsen, je 50000 Stück Zigarettenpapier, je 10 000 Korrespondenzkarten, größere Quantitäten Strickwolle, Strick- und Nähutensilien, Kämme, Bürsten, Taschenmesser und andere nützliche Gegenstände, sowie eine Kollektion hebräischer; Bücher (Bibel- und Talmudexemplare, Midraschim und andere rabbinische Schriften) gesandt. An dieser Spende beteiligte sich auch das Hilfskomitee in Brünn mit einem namhaften j Beitrag. Ueberdies hat die Allianz auch verschiedenen Gruppen! galizischer Flüchtlinge in Böhmen über deren Ver-! langen hebräische Bücher gespendet. Eine besondere Aufgabe, die mit dem statutarischen Wir-! kungskreise des Vereins im Zusammenhänge steht, trat an die Israelitische Allianz dadurch heran, daß sich das Bedürfnis! einstellte, für den S ch u l u n t e r r i ch t der in jedem Barackenlager nach vielen Hunderten zahlenden Kinder Sorge zu tragen. Auch bei dieser Aktion fand der Verein seitens des Kriegsfürsorgeamtes, wie seitens des Statthalters in Mähren das wohlwollendste Entgegenkommen. Im Verein mit der Baron-Hirsch-Stiftung und mit dem Hilfskomitee in Brünn wurden Volksschulkurse eingerichtet, bei welchen qualifizierte Lehrer, die sich unter den Flüchtlingen befinden und vorwiegend dem Lehrkörper der Baron-Hirsch-Stiftung angehören, den Unterricht erteilen. Die Ausgaben der Israelitischen Allianz für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina haben bis Anfang Februar 1915 etwa 110 000 Kronen betragen. A. K—a. „Sir Sieger" von Felix Ohilippi". Von Ludwig Geiger. arum muß ein durchaus nicht schlechtes Buch, das mindestens zur besseren Unterhaltungslektüre gerechnet werden darf, mit einem so schreienden Titelbild erscheinen? Man sieht darauf ein junges Mädchen ohne Kopfbedeckung nrit wirrem Haar und herausforderndem Blick ein Boot rudern und denkt natürlich, das; in dem Buche von dem etwas lockeren Leben einer jungen Dame erzählt werden soll, während das Buch, in dem freilich auch einmal erzählt wird, daß die junge Dame in einem Boot gerudert ist, ein ernstes Problem behandelt und in aufregender Art von einem ganzen Leben erzählt. Das Buch enthält nämlich die Liebes-, Leidens- und Siegesgeschichte der Konstanzr Assing. Sie ist Opernsängerin, dabei ein wunderschönes Mädchen, das in München die größten Triumphe davonträgt, ihren größten in der Oper „Das Liebesopfer". Diese Oper rührt, wie man meint, von dem jungen, bildschönen, hochbegabten Franzosen Camille Dupaty her. In Wirklichkeit ist sie das Werk von Konstanzens Vater, Richard Assing, der nach einem großen Triumphe, den er in seiner Jugend davvngetragen, ganz einsam auch fern von der Tochter lebt, nur einem alten Kneipgeuossen, dem Buchbinder Gerinn, sich anvertraut und den Franzosen als Schüler und Genossen in den letzten Jahren seines Leben angenommen hat. Konstanze und Dupaty lieben sich. Konstanze ermächtigt ihren Geliebten, die Manuskripte ihres Vaters durchzusehen, und erklärt sich bereit, dem Geliebten vollständig anzugehören, sobald er eine Oper geschaffen hat. Der schöne Schurke, der seiner Freundin berichtet hatte, daß sich in dem Nachlasse ihres Vaters nicht das geringste Brauchbare befindet, hat nichts h Ullstein ii. Co., Berlin, Wien.