Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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113 könnten; dieses Gute versöhnt uns mit den im Buche enthaltenen Jrrtümern." Das Hauptwerk Weiß' ist sein „Dor dor wedorschow" (Geschichte der jüdischen Tradition in fünf Bänden). Im Jahre 1862 erschien seine Ausgabe des „Sifra" mit dem Kommentar des Rabed und eigenen Anmerkungen und Stellennachweisen unter dem Titel „Massoreth -Hatalmud", 1865 folgte die Ausgabe der „Mechiltha" mit dem Kommentar Middoth Sofrim. Vom Jahre 1881 an gab er im Verein mit seinem Kollegen Lektor Friedmann die Monatsschrift „Beth-Talmud" heraus, welche den Forschungen auf talmudischem Gebiete gewidmet war und viele wertvolle Arbeiten von ihm selbst enthält. Zahlreiche Aufsätze von Weiß erschienen in den Zeitschriften „Kochbe Jizschak", „Hamagid", „Haassif" und im „Bikkurim" von Keller. Anmerkungen (Hagaboth) zu mehreren Traktaten des Talmud, Biographien über Raschi, Maimonides, R. Tam und andere kleine Schriften legen Zeugnis ab nicht nur von seiner immensen Gelehrsamkeit und seinem großen Fleiße, sondern auch von seinem eifrigen Bestreben, die Kenntnis der talmudischen Literatur zu fördern und zu verbreiten. Weiß starb, neunzig Jahre alt, am 30. Mai (25. Jjar) 1905 in Wien. Mir England Dank schuldig? Von L » d w i g G o i g c r. I. 112 tit gelehrter Germanist in Kassel, dem die Geschichte der Romantik manch wertvollen Beitrag verdankt und der vor einiger Zeit dem großen Publikum durch eine Ausgabe der Denkwürdigkeiten Ludwig Grimms bekannt geworden ist, Prof. A. Stoll, hat vor zwölf Jahren in Kassel an Kaisers Geburtstag eine bemerkenswerte Rede unter obigem die heute wieder hinzuweisen mir Sie ist bald nach ihrer Veröffentlichung viel gelesen worden und hat den schönen Erfolg gehabt, daß ihr für die Burenkinder bestimmter Erlös, 330 Mark, an die richtige Stelle abgesandt werden konnte. Für den Verfasser hatte die Rede persönlich einen wenig günstigen Erfolg, denn er erhielt einige Jahre später von seiner Vorgesetzten Behörde eine Rüge. Man hat ja lange genug in offiziellen Kreisen keine Mißstimmung gegen England hegen und dulden wollen. Jeder von uns erinnert sich, daß die in Deutschland sehr starke Begeisterung für die Buren von denen, die sich Politiker nannten, nicht nur nicht geteilt, sondern geradezu als kurzsichtig gebrandmarkt wurde. Wir wurden damals belehrt, daß unsere Sympathie für die ungebildeten, rohen Burenscharen eine Torheit und daß es dagegen hohe politische Weisheit sei, den Kulturträgern, nämlich England, den Sieg zu wünschen. Eine solche Anschauung hat lange genug namentlich in den Kreisen bestanden, die sich als Alleinpächter politischen Bewußtseins zu gerieren pflegen. In unser aller Gedächtnis ~1 V* D"ii unti p'NP aw Z. A. Titel gehalten, auf als Pflicht erscheint. leben noch die Sympathiekundgebungen der Geistlichen, der Gelehrten, der Kaufleute, sowohl der englischen als der deutschen, füreinander. Mit welchem Jubel wurden die Deputationen englischer Städte und Vereinigungen in Deutschland begrüßt, und selbst unsere Berliner Stadtväter waren innerlich überzeugt, bei ihrer Reise nach England nicht bloß die besten englischen Speisen genossen, sondern eine wahrhaft herzliche Freundschaft empfangen zu haben, und waren ihrerseits bereit, den Stammverwandten brüderliche Gesinnung zu bezeugen. Selbst denen, die damals den Mund etwas voll nahmen und von der Notwendigkeit eines innigen Zusammenlebens zwischen England und Deutschland, von dem Stammesbewußtsein, das beide Länder vereinte, hohe Worte sprachen, mag heute etwas katzenjämmerlich zumute sein. Ich darf mich, wenn ich auch dafür von den nerinmal Weisen oft bespöttelt und angefahren worden bin, mit Stolz zu denen rechnen, die England, selbst die englische Sprache, nicht besonders geliebt haben, obgleich ich gerade den Einfluß der englischen Aufklärung ans unsere Kultur und den ungeheuren Segen, der von Shakespeare für die gesamte Weltliteratur, und nicht zmn mindesten für unsere deutsche, geübt wurde, stets gebührend gepriesen habe. Aber etwas anderes ist es, ob ein Land unsere Kultur und unser Geistesleben befruchtet hat, wofür wir ihm die Anerkennung nicht versagen wollen, oder ob unser politisches Dasein durch England gefördert worden ist, ob unsere staatliche Entwickelung mit Dank aus England zu blicken hat. Die Frage, ob wir England Dank schnldig sind, dürfen wir an der Hand des Kasseler Gelehrten, des kundigen Historikers, ehrlich und mutig mit Nein beantworten. Stoll zeigt, daß die Engländer ihre gegenwärtige Taktik, zu versprechen und nicht zu halten, zu verheißen und andere für sich bezahlen zu lassen, seit Jahrhunderten mit eiserner Konsequenz geübt haben. In einer kurzen geschichtlichen Betrachtung beweist er, daß die Verbindung von England und Frankreich im 17. Jahrhundert Deutschland Straßburg gekostet hat. Aber auch die andere Methode Englands, anderen Staaten ihre Landeskinder ahzukaufen, mit diesen, aber nicht mit eigenen Söhnen Krieg zu führen, war schon im 17. Jahrhundert üblich und wurde im 18. zur dauernden Gewohnheit.. Im 18. Jahrhundert begann nun der direkte Gegensatz Englands gegen Preußen. Momente dieser Gegnerschaft sind der gelungene Versuch, die österreichische Braut dem preußischen Kronprinzen, dem späteren Friedrich dem Großen, zu entreißen und mit dem Prinzen von Wales zu vermählen; ferner Oesterreich gegen Preußen im Jahre 1740 31t Hetzen und nach einem kurzen Bündnis mit Preußen im Jahre 1760 dasselbe Preußen schmählich zu verlassen. Dieselbe Treulosigkeit zeigt sich in England am Ende des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts. England ist 1806 über alle preußischen Schisse in allen Meeren hergefallen „ohne