Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 der Anstalt. Nach seiner Ansicht sollten Lehrer und Schüler nicht nur eine Arbeits-, sondern auch eine Falnilieugemeinschast bilden. würde hier zu weit führen, im einzelnen darzulegen, wie S. für die Anstalt wirkte. Sein Name ist für immer mit ihrer Geschichte verknüpft. Beide Redner - weit entfernt,'einseitige Lobredner zn sein - haben in herzbelvegeuder Weise den Entschlafenen vor unseren Augen aufleben lassen, bet dein die reichsten Geistesgnbeu mit aufopfernder Liebe in so seltener Harmonie vereinigt waren. E. S. Berlin, 23. Februar. Im B e r e i n für jüdische G e s ch i ch t e nnd L i t e r at u r sprach am 18. d. M. Prof. Tr. Eugen Nt i t t w o ch über das Thema: Ter heilige Krieg des Islam. Einleitend bemerkte der Redner, daß die Juden der Türkei zn unauslöschlichem Tank verpflichtet seien, weil sie ihnen! nach der Vertreibung ans Spanien 1492 und später eine Zufluchtsstätte gewährt und sie seitdem die Segnungen einer wahrhaften Toleranz genossen Hütten. In vieler Beziehung zeigen sich iin Koran und in der religiösen Praxis des Islam jüdische Nachwirkungen. Ter heilige Krieg (Dschihat) kann ein aggressiver nnd defensiver sein. Als ersterer ist er seit Jahrhunderten nicht mehr geführt worden. Human sind die islamischen Kriegsbestimmungen: Schonung der Greise, Frauen, Kinder, Baumpflanzungcn, alles an das altjüdische Kriegs recht erinnernd. Ter defensive Tschihat ist Pflicht für jedermann nnd gerichtet gegen die offenen Feinde des Islam. Alle Angehörigen der Religion, einerlei wo sie wohnen, bilden eine religiöse Einheit. Der Aufruf muh vom Khalifen, d. h. vom Sultan in Kvustantinopcl, ausgehen. In dem Fetwa (Ausruf) des Scheik-el-Ulema (obersten mohammedanischen Geistlichen) au die Gläubigen werden fünf ans die Feinde bezüglichen Fragen vorgelegt und mit Ja beantwortet, darin ist nirgends von den Ungläubigen als solchen, sondern nur von dein defensiven Eharakter des Krieges gegen die Verfolger der Religion die Rede und die Unterstützung des Deutschen Reichs nnd Oesterreich-Ungarns zur Pflicht gemacht. Auch ohne Kriegserklärung, zumal im Falle eines Sieges, würden England nnd Rußland der Türkei den Todesstoß versetzt haben. Letzteres, welches sich als Rechtsnachfolger des byzantinischen Kaisertums betrachtet, ist der ständige unversöhnliche Feind der Türkei und des Islam. England ist erst seit dem russisch-japanischen Krieg in diese Stellung gekommen. Dazu kommt, daß die meisten Mohammedaner englische Untertanen sind. Längst sind die Gegensätze zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei ausgetragen. Mit dem Deutschen Reich hat die Türkei immer auf freundschaftlichem Fuße gestanden, gar zahlreich sind die Handels-, Verkehrs- (Levanteeisenbahu) und andere Kulturbeziehungen zwischen beiden Reichen. Zwar hat der deutsche Kolonialbesitz auch islamische Untertanen, aber nie hat es ernste Reibungen gegeben. Hier hat seit Jahrzehnten der Islam feine werbende Kraft glänzend bewiesen, nicht durch geschäftsmäßige Missionen, sondern durch waudernde Kaufleute, welche durch Ueberredung und Beispiel die Herzen der Urbewohner gewannen. Bon allen europäischen Völkern hat Rußland Palästina am meisten ins Auge gefaßt; die russischen Anstalten in Jerusalem bilden einen besonderen Stadtteil. Im jetzigen Krieg, wo die Mohammedaner mit seltenem, durch die religiöse Begeisterung gehobenen Heldenmut kämpfen, handelt es sich um Sein oder Nichtsein der Türkei. Ihr Sieg wäre auch der Sieg der Religion und der Humanität. War schon seither die Lage der Juden in der Türkei die Kehrseite von Rußland, so würde sich daun in der gekrästigteu Türkei« für russische Juden ein weites Betätigungsfeld als Landbauer, Viehzüchter, Handwerker, Industrielle und Handelsleute finden, und somit die wirkliche Verbiudungsbrücke zwischen Morgeu- und Abendland gebaut. Pros. Mittwoch verstand durch seine sachkundige, ruhige Darstellung die sehr zahlreichen Hörer vortrefflich anzuregen und zu belehren; seine Ausführungen fanden reichen Beifall. Berlin, 23. Februar. Das Eiserne Kreuz erhielten: Gefreiter Tr. Phil. Arthur Lazar, Willi Liemann, Dr. Erich S i e d n e r , Assistenzarzt Tr. Georg Braun, Unterarzt Dr. Ernst R a ch w a l s t i , Augenarzt Tr. Mar Ni a r b e , Wehrmann Arthur Arndt, Offizierstellvertreter, Beamter der Tiskontogesellschaft Georg Lachs, Wehrmann Ludwig S ch l e s i n g e r , Einjährig- Freiwilliger Arthur L ö w e n st e i n - Groß-Berlin. — Die gleiche Auszeichnung erhielten: Rechtsanwalt L o e b i n g e r - Kattowitz unter Beförderung zum Oberleutnant, Musketier Arthur Sen ger- Gnesen, Unteroffizier Max Krombach-Posen, Handlungsgehilfe Willi L i b o w s k i - Magdeburg, Unteroffizier der Reserve Gustav Df o s b a ch - Getsentirchen, Rechtsanwalt Alfred G o t t s ch a l k - Essen (Ruhr), Unterarzt Fritz K v n i g s b e r g e r - Elberfeld, Leutnant der Reserve Rechtsanwalt Tr. W. S t e p p a che r - München, Offizierstellvertreter Rechtsanwalt Tr. Simon R i ch a r d - Trier, Rechtsanwalt Dr. Alfred C a r l e b a ch-Frankfurt a. M., Walter Cappel- Köln a. Rh. — Ter Offizierdiensttuer in der Fern spreche abteiluug Karl Cohn, Juniorchef der Seidengrotzhandlung At. Cohn u. Co. in Krefeld, wurde zum Leutnant befördert. Ferner wird uns geschrieben: Julius Philippson, Sohn des Gymnasialprosessors Tr. Robert Philippson in Magdeburg und Großneffe Ludwig P h i l i p P s o n s , hat vom 5. bis, 20. Dezember 1914 die schweren Kämpfe seines nach Polen entsandten preußischen Freiwilligenregiments bei Limanowo mitgemacht. Seine Kompagnie schmolz dabei von 289 auf 86 Köpfe zusammen. Er wurde für die bewiesene Tapferkeit Unteroffizier und erhielt die österreichische Tapferkeitsmedaille, wurde auch, nebst einigen Kameraden, vom Erzherzog Friedrich einer besonderen rühmenden Anrede gewürdigt. 22 Berlin, 23. Februar. Zugunsten des Roten H a l b - m v n d s veranstaltet das Kartell jüdischer B e r b i n d u ng e n im p r e u ß i s ch e n Abgeordnetenhaus einen Zyklus von Vorträgen, die die Zusammenhänge zlvischen der Zukunft des Orients, deutscher Weltpolitik und jüdischer Kolonisation im Osten behandeln werden. Hervorragende Kenner der Probleme haben die Referate übernommen. Den ersten Vortrag am 3. März wird Herr Dr. Paul Rohrbach über die Z u kunft des Orients halten; am 10. März wird Herr Tr. M a r t i n B u b e r über die Inden als Volk des Orients sprechen; Herr Dr. E r n st Iaeckh wird am 17. März über das Thema „Deutsche Weltpolitik und türkische Entwickln n g" vortragen; den Zyklus wird am 24. März Herr Dr. Alfons P a q it c t mit dem Vortrag „Erlebnisse in j ü d i s ch e n Kolonie n" abschließen, der vor kurzem längere Zeit der Besichtigung der deutschen und jüdischen Kolonien Palästinas gewidmet hak. Karten zu 2 Mark sind bei Bote u. Bock (Tauentzien- und Leipziger Straße), an allen Verkaufsstellen von A. Wertheim und im Bureau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8, erhältlich. £2 Berlin, 23. Februar. Die K r i e g s h i l f s k o m m i s s i o n der jüdischen G e m e i n d e, Abteilung Frauen- und Jugendfürsorge, hat gemeinsam mit dem Kriegsausschuß für Volksernährung und der Ortsgruppe Berlin des jüdischen Frauenbundes beschlossen, in der Ernährungsfrage einige öffentliche Versammlungen abzuhalten. Die erste dieser Versammlungen findet am Montag, den 1. März, abends 8A Uhr, in der Aula der jüdischen Mädchennnttelschule, Kaiserstraße 29/30, statt. Bei dem großen Interesse, das zurzeit die Ernährungssrage für die gefaulte Bevölkerung hat, darf aus eine recht rege Beteiligung an den Vorträgen gerechnet lverdeu. M. Hamburg, 19. Februar. H a u p t v e r s a m m I u n g des Israelitisch-humanitären Frauenverer n s. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen der Vorsitzenden Frl. S i d o n i e W e r - n e r erstattete Frau Dr. Fink den Jahresbericht. In der Nachbarstadt Harburg wurde ein neuer Verein gleichen Namens ins Leben gerufen. Das Erholungsheim mit Haushaltungsschule in Segeberg ist gleich nach der Mobilmachung als Lazarett für Leichtverwundete und Erholungsheim dem Generalkommando zur Verfügung gestellt worden: Die gesamte Vereinsarbeit galt von nun an dem Dienste der Kriegshilfe und des Roten Kreuzes. Nachdem die Vorsitzende in den „Ausschuß" der Hanrburger Kriegshilfe gewählt wurde, führte sie geübte Kräfte den Bezirksausschüssen zu und richtete einen über den ganzen Tag sich erstreckenden Bureaudienst ein, der eine große Anzahl von freiwilligen Mitarbeiterinnen beschäftigt. Mit besonderem Eifer ist die Jugendgruppe des Vereins am Werke. Es entstanden u. a. zwei Kriegsspeiseanstalten oder; „Volksküchen der Gemeinde", in denen bis zmn 11. Februar 46 587 Porj tionen, oft auch unentgeltlich verabreicht wurden. Eine Einmachküche, , die im August entstand, beschäftigte eine Reihe von Frauen. Mit drei j Nähmaschinen wurde vom Arbeitsnachweis die Nähstube eröffnet, wo j heute 80 Nähmaschinen von 70 Frauen benutzt werden, um Heeresauf-! träge, Lieferungen für Geschäfte, ferner Ausbesserungen für Private usw.! zu machen. Es wurde ein Umsatz von 12 580 M. in der Nähstube